Im Zoo mit Heinz Graffunder

Heinz Graffunder (1926 – 1994) hat für Viele gebaut. Zu seinen bekanntesten Werken gehörten sicher der Palast der Republik, den er als Chefarchitekt betreute. Aber auch die DDR-Botschaft in Budapest oder die Berliner Rathauspassagen markieren seinen Rang in der Ostmoderne. Nach Kriegsende hatte er eine Maurerlehrer und ein Architekturstudium absolviert. In der Folge widmete er sich, neben den oben bereits benannten Großprojekten ebenso dem Wohnungsbau. Zweimal (1969, 1976) wurde Graffunder für sein Schaffen mit dem DDR-Nationalpreis ausgezeichnet. Nach der deutschen Einheit engagierte er sich als freier Architekt u. a. im Städtebau und warb – letztlich erfolglos – für den Erhalt des Palastes der Republik in Berlin.

Zu Heinz Graffunders zufriedensten Kunden dürften die Vierbeiner gehören, denn neben seinen anderen Meriten zählt er – so die These einer frisch gedruckten Publikation – „bis heute weltweit zu den bedeutendsten Zooarchitekten des 20. Jahrhunderts.“ In den frühen 1950er Jahren wurde in Ost-Berlin ein eigener Zoo aufgebaut, auch als sozialistisches Prestigeprojekt in Richtung Westen. Ab 1954 konnte Graffunder für diesen Tierpark in Friedrichsfelde verschiedene Anlagen umsetzen, z. B. das Alfred-Brehm-Haus und das Dickhäuterhaus. Weitere Entwürfe für Zoologische Gärten in Cottbus, Neustrelitz, Magdeburg, Erfurt und Rostock sollten folgen. Bei Dom Publishers ist nun das Buch „Heinz Graffunder. Bauten und Projekte für Zoologische Gärten“ erschienen, in dem die Architektin Natascha Meuser eben jenes Thema intensiv beleuchtet. Meuser lehrt an der Hochschule Anhalt in Dessau und hat sich bereits mit mehreren Publikationen u. a. auf die Zooarchitektur der Moderne spezialisiert. (kb, 27.5.21)

Meuser, Natascha, Heinz Graffunder. Bauten und Projekte für Zoologische Gärten, Dom Publishers, Berlin 2021, 21 x 23 cm, 304 Seiten, 300 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-888-4.

Titelmotiv: Berlin, Tierpark, Raubtieranlage im Alfred-Brehm-Haus (Bild: Climey Amors, CC BY SA 3.0, 2011)

Blaupausen für den Pumakäfig

Es wird warm und Sie können sich wieder nicht entscheiden, ob Sie am Wochenende Meilensteine der Nachkriegsmoderne besichtigen oder doch lieber die Bären im städtischen Tierpark besuchen möchten? Das muss nicht sein. Eine jüngst erschienene Monografie widmet sich ausführlich der komplexen Bauaufgabe Zoo. Der Band nimmt 30 stilbildende Zoobauten von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu den Projekten der späten 1970er Jahre in den Blick.

Die Autorin macht dabei fünf Generationen von Zoobauten aus, die auch als gesellschaftsgeschichtliche Quellen für historische Wertvorstellungen im Zusammenleben von Mensch und Tier betrachtet werden können. Dabei finden sich auch viele Beispiel anspruchsvoller Architektur: das Alfred-Brehm-Haus im Ostberliner Tierpark etwa sollte mit seiner geschwungenen Form die Eleganz der beherbergten Raubkatzen repräsentieren und ist heute eine denkmalgeschützte Perle der Ostmoderne. Darüber hinaus versammelt der Band 32 Zoogebäude aus aller Welt, die in den vergangenen 20 Jahren realisiert wurden und unterzieht sie einer detaillierten Analyse. (jr, 24.4.17)

Meuser, Natascha, Architektur im Zoo. Theorie und Geschichte einer Bautypologie, DOM publishers, Berlin 2017, ISBN 978-3-938666-01-2.

Titelmotiv: Das Alfred-Behm-Haus in Ostberlin war der DDR eine Briefmarke wert (Bild: PD)