POMO-Tagung in Weimar

Schöner hätte man den Ort des Abendvortrags für die Tagung “Denkmal Postmoderne” der Bauhaus-Universität Weimar und der ETH Zürich nicht aussuchen können: das heutige Leonardo-Hotel, das ehemalige Interhotel Belvedere in Weimar. Schon Mitte der 1980er wurden gleich zwei Wettbewerbe – einer für die Fassaden, einer für die Ausstattung – ausgeschrieben. Bis zur Eröffnung im Jahr 1992 hatten sich die politischen Verhältnisse gewandelt, der Bau wurde rasch von der Hilton- und später von der Leonardo-Gruppe übernommen. Geblieben sind drinnen wie draußen die charakteristischen Zeugnisse postmoderner Architektur der späten DDR-Zeit. Und inzwischen hat sich dieser Stil zum Standortvorteil entwickelt, zumindest aus Sicht der Tagungsteilnehmenden.

Weimar, Hotel Leonardo (Bild: leonoardo-hotels.de)

Mehr zum ehemaligen Interhotel Belvedere auf Best of 90s: Weimar, Hotel Leonardo, Goethesaal (Bild: leonoardo-hotels.de)

Die gesamte Konferenz dreht sich vom 3. bis 5. März 2022 um eine “nicht abgeschlossene” bzw. “nicht-abzuschließende” Epoche: die Postmoderne, worunter die Veranstalter die Architektur und den Städtebau der 1970er bis 1990er Jahre verstehen. Um diesem jungen Kulturerbe, dem aktuell die Überformung oder der Verlust drohen, zu neuer forschender und öffentlicher Wertschätzung zu verhelfen, will man es aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten: architekturhistorisch, denkmalkundlich und ganz praktisch mit Blick auf Möglichkeiten des Weiterbauens. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei, kann analog (mit beschränkter Teilnehmendenanzahl, 2G+) oder online erfolgen – Anmeldung und weitere Informationen sind online zugänglich.

Weimar, Hilton Hotel (Bild: historische Postkarte)

Weimar, Hilton Hotel, Foyer mit Zwillingstreppe (Bild: historische Postkarte)

Tagungsort ist der Audimax der Bauhaus-Universität Weimar (Steubenstraße 6) – und Ort des Abendvortrags am 3. März 2022 ist der Goethesaal des Hotel Leonardo (Belvederer Allee 25). “Denkmal Postmoderne” ist eine gemeinsame Tagung der Bauhaus-Universität Weimar (Professur für Denkmalpflege und Baugeschichte, Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier) und der ETH Zürich (Professur für Konstruktionserbe und Denkmalpflege, Prof. Dr.-Ing. Silke Langenberg) mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung, in Medienpartnerschaft mit moderneREGIONAL, nach der Konzeption von Kirsten Angermann. (kb, 31.1.22)

Das Programm kann hier heruntergeladen werden.

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Titelmotiv: Weimar, Leonardo-Hotel, Außenbau (Bild: © R.Möhler, CC BY SA 3.0, 2005)

Modissa macht Zürich zu

Zugegeben: In Deutschland verbindet man mit dem Namen Modissa zunächst einmal wenig. In der Schweiz ist das anders. Die 1944 gegründete Modekette ist dort wohlbekannt und bis heute in Familienbesitz. In jüngerer Zeit hat allerdings die Corona-Pandemie dem Unternehmen zugesetzt, sodass nun das Zürcher Stammhaus im Sommer, voraussichtlich Ende Juli, seine Tore schließt. Ebenfalls betroffen ist die Filliale in Winterthur. Modissa begründet den Schritt neben den Corona-Einbußen mit den tiefreifenden Veränderungen in der Modebranche. Der Fokus soll zukünftig auf den Läden des Labels “BIG” liegen, die jüngere Kunden ansprechen sollen. 75 Menschen werden vorraussichtlich ihre Jobs verlieren.

Was mit dem Modissa-Gebäude in Zürich geschieht, ist ebenfalls noch offen. Das 1973-75 nach Plänen von Werner Gantenbein (nein, liebe Max-Frisch-Fans: Die Namensgleichheit ist Zufall!) errichtete Geschäftshaus steht seit 2013 unter Denkmalschutz. Es befindet sich im Besitz des Unternehmens und soll es auch bleiben. Man plane, nach der Schließung entweder einzelne Etagen oder das ganze Gebäude zu vermieten, hat Modissa gegenüber dem Schweizer Tagesanzeiger mitgeteilt. “Mit seiner dunklen Bronzefassade und dem erkerartigen, grosszügig verglasten Vorsprung markiert das Modissa Gebäude die Kreuzung Bahnhofstrasse / Uraniastrasse. Werner Gantenbein bot einerseits geschlossene Geschossflächen für die Bedürfnisse der Verkaufsbranche, öffnete aber zugleich das Gebäude zur Stadt hin”, heißt es in der Beschreibung des Schweizer Heimatschutzes auf der lesenswerten Seite Die schönsten Bauten 1960-75. (db, 19.1.22)

Zürich, Modissa-Haus (Bild: Port(u*o)s, CC BY-SA 3.0)

Swissôtel ist Denkmal

Die Corona-Pandemie hat in der Hotelbranche etliche Opfer efordert, auch in der Schweiz: Im September 2020 wurde die Schließung des Swissôtel in Zürich-Oerlikon zum 31. Dezember des Jahres vermeldet. Kurz darauf wurde im Zug des Konkursverfahrens entschieden, den Hotel- und Gastronomiebetrieb schon im November 2020 einzustellen. Seit Februar diesen Jahres wird das Hotelhochhaus als Studierendenunterkunft zwischengenutzt, das Restaurant Le muh hat als Pop Up wiedereröffnet. Und nun ist auch die dauerhafte Zukunft des Betonbaus gesichert, denn er steht unter Denkmalschutz. Der Stadtrat hat mit der Eigentümerin, einem Immobilienfonds der Credit Suisse, den Schutzumfang einvernehmlich vertraglich geregelt, wie die Stadt Mitte November mitteilte.

Errichtet wurde der Bau 1969-72 als “Hotel International Zürich” von der Karl Steiner AG unter Mitwirkung des Architekten Fred A. Widmer. Das 85 Meter Hohe Hochhaus war mit der Inventarergänzung von 2013 in die Liste der kunst- und kulturgeschichtlichen Schutzobjekte als “wichtiger Zeitzeuge des sogenannten Brutalismus” aufgenommen worden. Nach der Schließung wurde in Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalpflege ein Umbauprojekt geplant. Dies sieht eine Gesamtsanierung vor – und eine teilweise Umnutzung: Vorgesehen ist neben dem Hotel- mit Kongressbetrieb samt öffentlicher Gastronomie jetzt auch ein Wohnanteil in den oberen Etagen. Der Umbau beginnt voraussichtllich im März 2022 und soll rund zwei Jahre dauern. (db, 18.11.21)

Zürich, Swissôtel (Bild: Ikiwaner, CC BY-SA 3.0)