Der Abbau von Uranerzvorkommen verwandelte die sowjetisch besetzten Gebiete Sachsens und Thüringens in Standorte intensiver Uranförderung durch den sowjetisch-deutschen Uranbergbaukonzern Wismut. Die DDR wurde dadurch schnell zum wichtigsten Uranlieferanten für das sowjetische Atomprogramm und zu einem der weltweit führenden Uranerzproduzenten. Die massiven räumlichen Auswirkungen dieses Abbaus sind bis heute in der Landschaft und den Städten dieser Region sichtbar. Bergwerke zeugen davon ebenso wie Verwaltungs- und Kulturgebäude mitsamt ihrer Kunst am Bau, die zum Kanon der DDR-Architektur gehören.
Die Forschungsausstellung „The Mushroom and the Cloud. The World that Uranium built. Chapter Wismut“, die Oxana Gourinovitch im Rahmen des Egon Eiermann Stipendiums 2024/25 zusammen mit dem gta Institut, dem gta Archiv und gta Ausstellungen der ETH Zürich erarbeitet hat, untersucht, wie der nukleare Extraktivismus das räumliche Denken und Handeln im 20. Jahrhundert prägte. Sie erforscht, wie diese Entwicklungen – verstanden als Teil der umfassenderen nuklearen Situation – auf die politischen Auseinandersetzungen des Kalten Krieges reagierten und diese letztlich überwanden. Gezeigt werden unter anderem Archivalien aus zahlreichen Archiven der Region sowie fotografische Arbeiten von Susanne Kriemann, Michael Beleites, Reinder Wijnveld, Robert Del Tredici und Arwed Messmer. Die Ausstellung ist vom 24. September 2025 bis zum 12. Oktober an der ETH Zürich zu sehen. (pk, 22.9.25)

Bad Schlema, Wandgemälde „Friedliche Nutzung der Kernenergie“ (Ausschnitt) von Werner Petzold, 1972–74, am Kulturhaus Aktivist, SDAG Wismut, 1952–53 (Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Wandgemälde am Kulturhaus Aktivist, Bad Schlema-174830, Zuschnitt von moderneREGIONAL, CC BY-SA 4.0)
