Eigentlich sollte in Werne im Herbst die ganze Kirche St. Johannes fallen, doch am Ende blieb dann doch der Turm übrig. Die Gründe liegen dieses Mal nicht an vehementen Bürger:innenprotesten, am wiederentdeckten kulturhistorischen Wert, an der Einsicht auf Entscheider:innenebene oder an seltenen Fledermäusen, die unter den Glocken wohnen. Als Rettung kurz vor knapp erwies sich ein Funkantennen-Vertrag, der die Gemeinde langfristig an den Turm bindet und Geld dafür einspielt.
Die nachkriegsmoderne Kirche war 1962 nach den Entwürfen des Büros Benteler und Wöhrmann fertiggestellt worden. Das Altarwandbild und die Glasgestaltung der Bauzeit stammen vom Künstler Ludwig Baur, 1993 ergänzte Bernhard Dirksmeier weitere Fenstermotive. 2023 wurde die Kirche profaniert und der baldige Abriss angekündigt. Die Pläne für das Areal waren noch vage – möglich sei gemeinsam mit Caritas und Jugendhilfe ein Stadtteilzentrum, die Grünfläche könne für Wohnbauten vermarktet werden. Für liturgische Zwecke wollte man im Gemeindehaus eine Kapelle einrichten, was – unter Einbeziehung des Marienmosaiks aus der ehemaligen Kirche – auch umgesetzt wurde. Nun wurde in den vergangene Wochen das Kirchenschiff niedergelegt. Der Turm soll bis auf Weiteres stehen bleiben und Geld in die Kasse bringen – und mit einem Mal entdeckt man vor Ort auch seinen ideellen Wert neu. (kb, 11.12.25)


Werne, St. Johannes (Bilder: David Peters, via google-Maps, 2024)
