Geschichten aus HaNeu

Geschichten aus HaNeu

Prototyp der sozialistischen Großstadt: Halle-Neustadt (Foto: Gerald Knizia)
HaNeu von oben aus gesehen (Foto: Gerald Knizia)

2014 feierte Halle-Neustadt, kurz HaNeu, seinen 50-jährigen Geburtstag. Die sozialistische Siedlung war die einzige deutsche Großstadt in Plattenbauweise, bis sie 1989 ein Stadtteil von Halle wurde. Nach der friedlichen Revolution erlebte die einst begehrte Wohngegend einen Exodus, viele Einwohner verließen HaNeu. Das Radiofeature „Diese Stadt stand in einem anderen Land – Geschichten aus HaNeu“ des Journalisten Anselm Weidner hat den Stadtteil 2015 ausführlich porträtiert.

Es wird am 16. März 2016 in der Berliner Max-Lingner-Stiftung um 19 Uhr erneut aufgeführt. Hörproben gibt es hier. Das einstündige Feature nimmt den Stadtteil in 21 Geschichten mit 27 Protagonisten in den Blick. Dabei wird sowohl die historische Entwicklung als sozialistische Musterstadt beleuchtet als auch die Entwicklung nach 1989 nachgezeichnet. Teile der Plattenbausiedlung wurden nach der friedlichen Revolution saniert, andere abgerissen. Der Stadtteil „differenziert“ sich in wohlhabende und ärmere Wohngegenden. Dennoch wächst auch das historische Bewusstsein für HaNeu: im letzten Jahr wurde die Errichtung eines Denkmals für die Ostmoderne beschlossen, dass sich auf die für die DDR-Architektur ikonische HP-Schale beziehen soll. (jr, 15.3.16)

Wissenschaftler für die U-Bahn

Wissenschaftler für die U-Bahn

Berlin, Fehrbelliner Platz, Eingangspavillon (Bild: Axel Mauruszat, CC BY SA 3.0)
Nicht nur schön, sondern auch ein Objekt der Forschung: der Eingangsbau der Berliner U-Bahnstation „Fehrbelliner Platz“ (Bild: Axel Mauruszat, CC BY SA 3.0)

„Das über mehr als ein Jahrhundert gewachsene Netz der Berliner U-Bahn ist ein bauhistorisches Zeugnis“, zu diesem Schluss kommen Berliner Architekturwissenschaftler und Denkmalschützer in ihrem heutigen Offenen Brief. Elf Berliner U-Bahnhöfe der Zeit nach 1960 sollen nach Plänen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) umgestaltet werden. Es geht vor allem um die angekündigten Arbeiten entlang der Linien U7 und U 9.

Zwar hätten sich die BVG ihrer besonderen Verantwortung für die historischen U-Bahnhöfe in den letzten Jahrzehnten schon vielfach vorbildlich gestellt. Doch nun sehen die Verfasser des Offenen Briefs Gefahr für Berlins nachkriegsmodernes U-Bahnerbe, vor allem für die häufig noch intakten U-Bahnhöfe. Die Forderungen der Aktion sind konkret: 1. Stopp und Revision der bisherigen Planungen, 2. Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats, 3. umfangreichere und frühere Öffentlichkeitsarbeit, 4. Eintragung weiterer U-Bahnhöfe dieser Epoche in die Denkmalliste. Initiiert wurde die Aktion von Dr. Frank Schmitz und Ralf Liptau M. A., unterzeichnet von Prof. Dr. Christian Freigang, Prof. Dr. Kai Kappel, Prof. Dr. Susanne Hauser und Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert. Im Geiste ist moderneREGIONAL dabei! (db/kb/jr, 15.3.16)

Streit um den Stadionturm Chemnitz

Streit um den Stadionturm Chemnitz

Chemnitz, Stadionturm um 1950, historische Postkarte, Urh. unbek.
Als das Sportforum noch Ernst-Thälmann-Stadion hieß: Der Chemnitzer Kommandoturm um 1950 (historische Postkarte, Urh. unbek.)

Die Stadt Chemnitz verfällt zusehends, und es scheint, als wolle die Stadtpolitik ihren Teil dazu beitragen: Selbst Bauten, deren Erhalt genug Unterstützer finden dürften, werden zum Abbruch freigegeben. Bald könnte es den denkmalgeschützten, 1938 eingeweihten Kommandoturm des Sportforums erwischen.

Die CDU/FDP-Fraktion hatte in der Haushaltdebatte Anfang März zwar gefordert, eine Dreiviertelmillion Euro für die Bausicherung des Turms freizugeben. Mit den Stimmen der rot-rot-grünen Mehrheit wurde der Antrag aber abgelehnt. 21 Stadträte hatten für die Turmsicherung, 29 dagegen gestimmt. Somit stehen die Zeichen auf Abriss. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nennt das NS-Bauwerk „Führerturm“ und erwähnt stets die finstere Entstehungszeit. Dazu ist der Bereich um den Turm abgesperrt, die Fassade eingerüstet und mit Netzen verhüllt – positive Stimmung für den Erhalt verbreiten sieht anders aus. Besiegelt ist das Ende indes noch nicht: Die zuständige Denkmalbehörde in Dresden muss befragt werden, und hier scheint wenig Bereitschaft vorzuherrschen. Wenn die Stadt den Abriss beantrage, werde er umgehend abgelehnt, erklärte Michael Kirsten vom Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage der Freien Presse Chemnitz. Er wertet den Turm als „historisches Zeugnis, wenngleich aus einer dunklen Epoche. Aber auch diese Zeugen gehören zur Geschichte“. (db, 14.3.16)