Dass der Brutalismus museumswürdig ist, wurde spätestens 2018 vom Deutschen Architekturmuseum mit seiner Betonmonster-Ausstellung bewiesen. Dass brutalistische Bauten einer gewissen Qualitätsstufe den Denkmalschutz verdienen, ist vielfach belegt. Auch in Saarbrücken wurde die 1969 fertiggestellte betonplastische Uni-Mensa, ein Werk des Architekten Walter Schrempf und des Bildhauers Otto Herbert Hajek, bereits in den 1990er Jahren unter Schutz gestellt. Zur Bauzeit wollte dieses besondere Stück Architektur mehr sein als bloßes Esszimmer. Aus dem „Studentenhaus“, in den ganzen Tag über Kultur und Debatte Raum finden sollten, ist ein Sorgenkinder Universität geworden. Zu teuer zu heizen, und ein Neubau sowieso viel ökonomischer. Dem halten Fachleute und die lokale arbakus, ein Archiv für Nachkriegsmoderne an der Saar, entgegen: Für ein gutes Energiekonzept müsse man größer denken, etwa die Abwärme der Großküche zum Heizen des Speisesaals nutzen, oder insgesamt auf dem Campus Ersparnisse gegenrechnen.
Auch für die seit Jahren drängende Betonsanierung sehen die Expert:innen gute Aussichten, denn die Grundsubstanz sei in einem guten Zustand, lediglich an den letzten Sanierungsstellen und an besonders exponierten Lagen müssen man restauratorisch nachbessern. Mona Schrempf, Tochter des Architekten der Mensa, engagiert sich seit Jahren, u. a. mit dem von ihr mitinitiierten arbakus-Archiv, für den Erhalt des brutalistischen Gesamtkunstwerks. Mit dem Impuls des Berliner Architekten Winfried Brenne, über einen Sammelantrag mit anderen nachtkriegsmodernen Architekturen der Region einen Weltkulturerbenantrag anzustoßen, könnte die festgefahrene Saarbrücker Diskussion einen neuen Dreh nehmen. Denn schon mit den ersten Antragsschritten ließen sich Wissen und Gelder auf ganz anderer Ebene bündeln. (kb, 16.1.26)


Saarbrücken, Uni-Mensa (Bilder: Karin Berkemann, 2025)
