Sie sind vergessen oder nur in Fachkreisen bekannt, denn ihre Biografien sind „unwritten“. Unter diesem Titel „Unwritten Biographies“ erscheint bei De Gruyter Brill aktuell ein Sammelband, herausgegeben von Bernadette Reinhold, in dem internationale Forscher:innen Leben und Werk von Künstler:innen beleuchten, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich ab 1938 von der Kunstgewerbeschule, die heutige Universität für angewandte Kunst Wien – der Angewandten, vertrieben worden waren. Jüdische und politisch unerwünschte Lehrende und Studierende wurden schlagartig ausgeschlossen und vertrieben, unzählige Karrieren endeten plötzlich.
Die Autor:innen des lexikonartigen, 640 Seiten starken Buches machen die Fluchtrouten der Vertriebenen nachvollziehbar, die teils über mehrere Kontinente ins Exil in die USA, nach England, Israel, Südamerika oder Australien führten. Andere Mitglieder und Studierende der Angewandten, so wird deutlich, waren aber auch kontinuierlich, über den Austrofaschismus, in der NS-Zeit bis hinein in die Nachkriegszeit erfolgreich. Mit diesem umfangreichen Werk begibt sich die Hochschule auf Spurensuche nach Künstler:innen aus Kunst, Architektur, Arbeit für Bühne und Film, Design, Mode, Kunstpädagogik und –therapie und findet unter anderem Margarete Berger-Hamerschlag, Fritz Czuczka, Bettina Bauer-Ehrlich, Richard Erdoes, Leo Glückselig, Kitty Goldman, Philipp Häusler, Fritz Janeba, Judith Katinka-Zweig, Paul Kirnig, Hans Felix Kraus, Fini Rudiger-Littlejohn, Wilhelm Müller-Hofmann, Carlo Pietzner, Ruth Rogers-Altmann, Franz Schuster, Bil Spira, Lisl Weil, Eduard Wimmer-Wisgrill u. v. a. (pk, 30.6.26)

Wien, Universität für Angewandte Kunst Abt. Wiental, Architekt: Karl Schwanzer, 1965 (Bild: Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0, 2014)
