In Singen bei Konstanz steht eine Anlage, die einem Fellini-Film entsprungen sein könnte: Schnurgerade läuft eine Eichenallee auf eine schneeweiße Anlage zu, die von den Wandpfeilern über den Dreiecksgiebel bis zum Atrium nicht kulissenhafter sein könnte. Die bunte Mischung aus Antike, Klassizismus und italienischer Friedhofskultur stammt, natürlich, aus der Postmoderne. Doch was die Architektur an Ironie verspricht, bricht sie mit einer symbolträchtigen Inszenierung: Vom marmornen Brunnen (Geburt) wird das Wasser über die Mitte der Treppe (Lebenslauf) bis zum Atrium (Tod) geführt, in dem das Wasserbecken den Blick auf das Relief einer Totenstadt (Jenseits) freigibt. Böcklin lässt grüßen.

Dieser Urnenfriedhof von 1985/86 aus der Feder des Architekten, Bühnenbildners (sic!) und Landschaftsgestalters Hans-Dieter Schaal (1943–2025) wurde jetzt von der baden-württembergischen Denkmalpflege (um korrekt zu sein: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart) unter Schutz gestellt. 1987 hatte sich die Fachzeitschrift „Bauwelt“ vor Lob schier überschlagen, nannte den Urnenfriedhof eine „spektakuläre Anlage“. Schon vor einiger Zeit hatten zwei andere Werke von Schaal – der Leibfriedsche Garten auf der Internationalen Gartenbauausstellung Stuttgart von 1993 und der Wielandpark in Biberach an der Riß von 1999 – das Gütesiegel des Denkmalschutzes erhalten. Jetzt würdigt auch Singen sein postmodernes Baukunstwerk erster Güte. (kb, 19.4.26)

Singen, Urnenfriedhof (Bild: LADRPS)

Singen, Urnenfriedhof (Bild: LAD/RPS)

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