Ja, sie sehen älter aus, aber diese Gebäude sind Teil der Münchener Nachkriegsarchitektur: Wo vor 72 Jahren nur eine „primitive Bretterhütte“ stand (so steht es im Bericht der Münchner Wiederaufbaukommission 1953) trafen sich am 13. Juli, dem 22. Todestag von „Väterchen Timofej“, Vetreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) und des Vereines „Ost-West-Friedensgarten e.V.“ mit Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), um ein weiteres Kapitel dieses Orts aufzuschlagen: Die Einsiedelei und der Garten von Timofej Wassiljewitsch Prochorow – von den Münchner:innen „Väterchen Timofej“ genannt – und seiner Partnerin Natascha Dankow stehen nun unter Denkmalschutz. Den Gebäuden, die heute als Gedenk-, Lern- und Begegnungsstätte dienen, komme laut Gutachten eine herausragende geschichtliche Bedeutung zu. Sie erzählen von Flucht und Vertreibung in Folge des Zweiten Weltkrieges und der Wohnungsnot der Nachkriegszeit. Zunächst notdürftig am Rande eines Schuttberges errichtet, hat die Behausung samt Kapelle und einem späterem Kirchenbau Jahrzehnte überdauert. Eine nachträgliche Baugenehmigung für die jahrzehntelang geduldeten Bauten wurde 2014 ausgesprochen. Heute findet um sie herum jeden Sommer das „Tollwood„-Festival statt.

Timofej Pochorow, laut Eigenauskunft 1894 in Rostow am Don geboren und 2004 somit im sagenhaften Alter von 110 Jahren gestorben, führte seine Flucht 1945 in den Westen und 1952 nach München. Mit ihm und seiner unterwegs dazugestoßenen Begleiterin Natascha Dankow gewann die Stadt zwei baufreudige Neubürger. Nach der Errichtung einer notdürftigen Behausung begannen die beiden mit dem Bau der Michaelskapelle, die bis heute mit ihrer mit Silberpapier ausgekleideten Decke erhalten ist. Nach eigenen Angaben habe Timofej, eine „Vision“ nach München geführt – mit dem Auftrag, dort „eine Friedenskirche von Ost und West“ zu bauen, mit der die beiden 1957 begannen. 2023 wurde sie durch einen Brand zerstört. Ihren Wiederaufbau strebt der Verein Ost-West-Friedensgarten e.V. seither an. 1957 verfügte die Münchner Lokalbaukommission eine Baueinstellung für die zweite Wohnbaracke. Diese wurde jedoch bald zurückgenommen und die Bauaktivitäten fortan geduldet. Auch als Ende der 1960er das Gelände für die Olympischen Spiele 1972 beräumt werden sollte, konnten Timofej und Natascha nach Bürgerprotesten bleiben. Zu Timofejs Freunden zählte unter anderem auch Friedensreich Hundertwasser (1928-2000). Klar … (db, 24.7.26)

München, Einsiedelei im Olympiapark (Bild: Christina Greifenstein/BLFD)

München, Einsiedelei im Olympiapark (Bild: Christina Greifenstein/BLFD)

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