Gerade wurde bekannt, dass Manfred Vogler, von 1966 bis 1990 Stadtarchitekt von Frankfurt an der Oder, bereits am 19. November 2025 im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Der 1934 in Langewiesen (Thüringen) geborene Architekt arbeitete nach seinem Abschluss an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar kurzzeitig in Berlin und Neubrandenburg, seine wichtigsten Projekte jedoch liegen in der Grenzstadt an der Oder. Dort, in der „Stadt der Mikroelektronik“, leitete er die Planung der großen Wohnbauprojekte, wie dem Hansaviertel (1969-76), der Halben Stadt (1973-78) – ein staatliches Musterprojekt, dem die Stadt 2023 eine Ausstellung widmete –, oder Neuberesinchen (1982-86). Im Zentrum der Oderstadt plante und realisierte er mit der Oderpromenade (1967-73) und der „Stadtkerntangente“ stadtbildprägende Projekte.
Der Höhepunkt seines Schaffens war der innerstädtische Wohnungsbau, der 1982 in den Gebieten rund um Topfmarkt, Karl-Ritter-Platz und Großer Scharrnstraße begann. Dabei setzte sich Manfred Vogler für die Rekonstruktion und Erhaltung historischer Bausubstanz, Denkmäler wie Rathaus und Marienkirche, sowie für eine Erneuerung und Diversifizierung des Plattenbaus ein. Die Große Scharrnstraße, in der Manfred Vogler viele Jahrzehnte gewohnt hat, gilt gemeinsam mit den „postmodernen“ Plattenbauten in Halle oder Rostock als eines der gelungensten Beispiele zur Verbindung von industrieller Bauweise mit traditionellen und lokalspezifischen architektonischen Ausdrucksformen in der DDR. Mehr als einen ästhetischen Akzent hat Manfred Vogler am gleichen Ort zusätzlich durch ein leidenschaftlich betreutes und fein durchdachtes Programm für Kunst am Bau hinterlassen, das die Frankfurter Innenstadt bis heute besonders macht. Der Künstler Eckhard Herrmann hat Manfred Vogler bereits 1991, eine kurze Weile nach der Auflösung seiner Position des Stadtarchitekten, ein Denkmal im öffentlichen Raum der Stadt gesetzt: Seine Bronze-Skulptur in der Schmalzsgasse, „Der sinnende Sitzende“ trägt das Gesicht des Stadtarchitekten, auf seinem Rücken hockt ein Vogel, als Anspielung. (pk, 13.1.26)

Frankfurt Oder, Schmalzsgasse, Plastik: „Der sinnende Sitzende“, Künstler: Eckhard Herrmann, 1991. Auf dem Rücken des Sitzenden sitzt ein Vogel in Anspielung auf den Stadtarchitekten Manfred Vogler, dessen Gesicht die Bronzefigur zudem nachempfindet. (Bild: Sicherlich, CC BY-SA 3.0, 2016)
