In Zeiten größter politischer Instabilität und rasantem gesellschaftlichen wie technischen Wandel etablierte sich Anfang der 1920er Jahre eine Epoche, die durch radikale Abstraktion und ungeschönten Realismus, künstlerische wie funktionale Sachlichkeit und soziale wie exklusive Gestaltung die Sicht auf den Menschen und seine Welt maßgeblich veränderte: Der Aufbruch in die Moderne und die Anfänge der Neuen Sammlung München, des ersten staatlichen Designmuseums in Deutschland, sind eng miteinander verknüpft. Ihr 100-jähriges Jubiläum bildet den Anlass für eine Präsentation ausgewählter Highlights moderner Kunst, Architektur und Gestaltung der 1910er- bis 1930er-Jahre aus den Beständen aller vier Museen der Pinakothek der Moderne. Seit Anfang April läuft bereits die Jubiläumsschau, bis 28. September hat sie noch geöffnet: Wenn Sie noch nicht dawaren, nehmen Sie die Beine in die Hand!
In vier Themenbereichen wird die Moderne aus den Perspektiven der verschiedenen Museumssammlungen vorgestellt: „Die Neue Ästhetik“ nimmt veränderte künstlerische Ideen in den Blick wie die Abstraktion und Neue Sachlichkeit. Beispielsweise bei einem Gemälde von Friedrich Vordemberge-Gildewart, einem Schrank von Marcel Breuer oder dem Kugelhaus von Peter Birkenholz. In „Neue Materialien und Techniken“ wird eingegangen auf Architektur aus Eisen und Stahl, auf Möbel aus Stahlrohr und Aluminium als auch auf Objekte aus neuen Kunststoffen wie Bakelit. Unter „Neue Institutionen“ werden Ausbildungsstätten, Auftraggeber und Präsentationsorte gezeigt, die zur Entwicklung und Verbreitung der Moderne einen maßgeblichen Beitrag geleistet haben. Dazu gehören neben Bauhaus und Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein die Postgebäude von Robert Vorhoelzer in München. Der Bereich „Neue Gesellschaft“ widmet sich den Menschen, die politisch wie gesellschaftlich von den Folgen des Ersten Weltkriegs geprägt sind. Die Avantgarde strebt eine grundlegende Verwandlung der Welt durch das Ideal eines Neuen Menschen und einer Neuen Gesellschaft an. Sichtbar werden die vielfältigen Verbindungen zwischen den einzelnen Sammlungen für Kunst, Graphik, Architektur und Design, die auch Arbeiten derselben Künstler*innen besitzen. Dazu gehören Werke von Jankel Adler, Ernst Barlach, Ludwig Mies van der Rohe, J. J. P. Oud, Oskar Schlemmer oder Johanna Schütz-Wolff. In Form einer „4“ nimmt die Ausstellungsarchitektur von Martin Kinzlmaier Bezug auf die vier Museen in der Pinakothek der Moderne sowie auf die vier Themenbereiche der Ausstellung. (db, 22.9.25)
