Neu-Ulm, Kriegslücke in der Silcherstraße (Foto: Oleg Kuchar, Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Von der Schönheit des Provisoriums: Neu-Ulm 45+

Vor 75 Jahren, am 1. und 4. März 1945, wurde Neu-Ulm zu mehr als zwei Dritteln zerstört. Als bedeutender Bahnknotenpunkt war die Stadt ein zentrales Ziel der Luftangriffe zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass zeigt das Neu-Ulmer Stadtarchiv eine Ausstellung an der Fassade und im Inneren der Stadtbücherei. Thematisiert wird dabei nicht nur der Verlust, sondern auch der Neuanfang in der unmittelbaren Nachkriegszeit – mit ihren Aufräumarbeiten und ihren vielen temporären Bauten. Die Ausstellungsmacher folgen anhand historischer Fotografien den Spuren einer äußerst pragmatischen Baukultur.

Neu-Ulm, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Neu-Ulm, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Baugesuch für einenen Behelfsbau

Neben Wohnraum standen damals auch „B-M-W“ (kurz: Bäcker, Metzger, Wirte) ganz oben auf der Tagesordnung. Provisorische Verkaufsräume wurden meist aus Ziegelresten und Ruinenmaterial erstellt, die aber dennoch bürokratisch geregelt werden mussten. Erst nach der Genehmigung des Baugesuchs erhielt man auf Bezugsschein von der Stadt die gemäß Antrag benötigten Materialien. Nicht zu vergessen die provisorischen Stege, der Wiederaufbau der Brücken durch amerikanische Pioniere, die Wiederherstellung von Infrastruktur …

Neu-Ulm, Eröffnung des Filmpalastes Augsburger Tor (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Neu-Ulm, Eröffnung des Filmpalastes Augsburger Tor (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Innen und außen

Neben 150, größtenteils noch nie gezeigten, historischen Fotografien bespielt die Ausstellung „Neu-Ulm 1945“ die Außenfassade des Gebäudes am Heiner-Metzger-Platz und trägt so das Gedenken in den Außenraum trägt. Die Eröffnung wird am 2. März 2020 um 18 Uhr, in der Stadtbücherei Neu-Ulm (Heiner-Metzger-Platz 1, 89231 Neu-Ulm) begangen, anschließend ist die Schau bis zum 28. März 2020 zu sehen. Das umfangereiche Rahmenprogramm bietet Ausstellungsführungen und Workshops, einen Vortrag zum exemplarischen Wiederaufbau einer Häuserzeile und eine Stadtführung zu heute noch ablesbaren Spuren des Kriegs in der Innenstadt sowie Ausstellungsführungen und Workshops. (kb, 25.2.20)

Bildergalerie: Neu-Ulm, Gänstorbrücke, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße sowie Gänstorbrücke mit behelfsmäßiger und zukünftiger Auffahrt (Bilder: Stadtarchiv Neu-Ulm). Titelmotiv: Neu-Ulm, Kriegslücke in der Silcherstraße (Foto: Oleg Kuchar, Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)