Vor bereits fünf Jahren, im November 2021, wurde das Haus Marlene Poelzig, das die Architektin und Bildhauerin 1930 für sich und ihre Familie entworfen hatte, trotz lautem Protest abgerissen. Am 22. Oktober wäre sie 132 Jahre alt geworden. Und das beeindruckende Werk von Marlene Poelzig ist, trotz großer Popularität zu ihren Hauptschaffensjahren in den 1920er Jahren, in der Architekturgeschichte in Vergessenheit gedrängt worden. Viele Gründe, um am 22. Oktober 2026 im Berliner Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, der Villa Oppenheim, unter dem Titel „Zu dumm, dass ich nicht namhaft bin“ die erste eigene Ausstellung über die Künstlerin zu eröffnen. Im Mittelpunkt steht Ihr Wirken im Charlottenburg der Moderne.
Im Berlin der Moderne war Charlottenburg ein Experimentierfeld für Neue Sachlichkeit und Expressionismus. Mittendrin: Marlene Poelzig (1894–1985). Als Bildhauerin, Raumkünstlerin und Architektin bewegte sie sich zwischen den Disziplinen. Als leitende Mitarbeiterin prägte sie das gemeinsame Bauatelier mit ihrem Mann Hans Poelzig entscheidend mit. Drei Charlottenburger Bauten stehen exemplarisch für ihr Schaffen: das Kino Capitol am Zoo, das Haus des Rundfunks und das eigene Wohn- und Atelierhaus in Westend. Sie spiegeln ihre künstlerische Entwicklung wider, die sie im nationalsozialistischen Berlin nicht fortsetzen konnte. Die Ausstellung, initiiert und konzipiert von der Initiative Haus Marlene Poelzig sowie Urbanophil e.V., die 2025 auch ein gemeinsam ein Buch zu Marlene Poelzig publiziert haben, macht Marlene Poelzigs Wirken anhand dieser drei Schlüsselbauten sichtbar. Vernissage ist am 22. Oktober 2026 um 18 Uhr. Zum Begleitprogramm und den Kurator:innenführungen wird das Museum auf seiner Homepage informieren. (pk, 24.9.26)

Berlin, Capitol am Zoo, Bauatelier Poelzig, Capitol am Zoo, Zuschauerraum (Bilder: Hans Poelzig, CC0 1.0, via wikimedia commons, um 1924)

