Ruhestand fürs Pumpspeicherwerk

Das 1927-30 errichtete Pumpspeicherwerk Niederwartha wird ab Januar 2016 heruntergefahren - die Zukunft ist ungewiss (Bild: Kolossos, CC BY-SA 3.0)
Das 1927-30 errichtete Pumpspeicherwerk Niederwartha wird ab Januar 2016 heruntergefahren – die Zukunft ist ungewiss (Bild: Kolossos, CC BY-SA 3.0)

Das 1930 fertiggestellte Pumpspeicherwerk Niederwartha war einst eines der modernsten Kraftwerke Europas. Der Bau des Architekten und Hochschullehrers Emil Högg (1867-1954) versorgte den Raum Dresden mit Strom. Der aktuelle Besitzer, der Energiekonzern Vattenfall, hat sich nun nach einer jahrelangen Hängepartie dazu entschlossen, das Kraftwerk endgültig stillzulegen. Schon seit Längerem waren nur noch zwei der sechs Francis-Turbinen in Betrieb, die übrigen wegen Defekten abgeschaltet. 2008 hatte Vattenfall prüfen lassen, wie eine Modernisierung der Anlage aussehen könnte, ursprünglich sollten die zwei Turbinen durch eine Großturbine mit einer Leistung von 120 Megawatt ersetzt werden. Dann änderten sich die Bedingungen des Strommarkts: Heute müssen die Betreiber Nutzungsentgelte für Pumpstrom zahlen, die Renovierung der Anlage in Niederwartha erschien unwirtschaftlich, Vattenfall zog nun die Bremse.

Schon 2012 wurde eine Bürgerinitiative zum Erhalt des historischen Pumpspeicherwerks gegründet. Sie setzt sich dafür ein, die Netznutzungsentgelte für PSW zu ändern oder abzuschaffen. Außerdem wünscht sie sich, dass Investoren die Anlage modernisieren. Daraus wird nun offensichtlich nichts, und auch, was aus dem gut erhaltenen, denkmalgeschützten Backsteinbau werden soll, ist unklar. Die Hallen, gestalterisch zwischen Moderne und Expressionismus angesiedelt, wurden zuletzt 2003 nach dem Elbhochwasser instandgesetzt. (db, 21.9.15)