Der studierte Architekt und Stadtplaner Ulrich Wüst (*1949) wurde in den 1980er Jahren insbesondere durch seine zahlreichen Stadtbilder bekannt, die er an verschiedenen Orten der DDR aufgenommen hatte. Sie fangen die noch immer vorhandenen Spuren des Zweiten Weltkrieges und den ungehinderten Verfall der historischen Bausubstanz ein. Im Mittelpunkt seines Interesses standen trotz aller Melancholie der Bilder die durch Unachtsamkeit und Ahnungslosigkeit ebenso wie durch Zerstörung und Wildwuchs verursachten Absurditäten städtebaulicher Situationen. So wuchsen die Bilder von Ulrich Wüst zu einer ganz eigenen, visuellen Form der Architekturkritik, die neben ihrer Eindringlichkeit immer wieder auch subtilen Humor und feine Ironie zeigt. Einem breiten Publikum wurde Ulrich Wüst, von 1979 bis 1983 Bildredakteur der Zeitschrift „Farbe und Raum“, 2017 durch seine Teilnahme an der documenta 14 in Kassel bekannt.
Auch nach 1990 fand die fotografische Arbeit des gebürtigen Magdeburgers eine Fortsetzung, entwickelte sich zur Dokumentation des deutschen Ostens und zur Spurensuche nach der DDR-Vergangenheit. Einen Querschnitt der kunstvollen Bilder zeigt nun die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst ( Karl-Tauchnitz-Straße 9-11, 04107 Leipzig) mit der Ausstellung „Wandern in Geschichte. Die Fotografie von Ulrich Wüst.“ Motive aus allen Phasen seines Werks sind dort bis 14. Juni 2026 zu sehen, von den frühen Bildern des Verfalls, Portraits aus dem Freundeskreis über DDR-Neubauten bis zu gestalterischen Skurrilitäten der 2000er Jahre. (db, 19.5.26)
Berlin 1982, aus der Serie: Stadtbilder. 1979–1985 (Copyright Ulrich Wüst; ifa)

