Zugegeben, die Scalalogie habe ich erst vor wenigen Wochen kennengelernt. Denn dem Begründer der Treppenkunde, dem Denkmalpfleger Friedrich Mielke, ist eines der jüngsten Kulturdenkmale Brandenburgs gewidmet. Die Skulptur, ein sich spiralig nach oben verjüngender Treppenturm, folgt dem Vorbild des Minaretts im irakischen Samarra. 1998 als Grabmal für Juliane Mielke, geb. Österwind, begonnen, konnte erst 2018 nach dem Tod ihres Manns Friedrich fertiggestellt werden – die Zahl der Stufen entspricht den Lebensjahren des Ehepaars. Nicht jedes inventarisierte Kulturdenkmal birgt eine so gute Mischung aus Wissenschaft und Romantik, aber hinter jedem steckt eine Geschichte. Und genau darum kümmert sich seit 50 Jahren die Arbeitsgruppe Inventarisation der VDL (Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern).
Seit 1976 diskutiert und systematisiert man hier Erfassung und Vermittlung, Bewertung und Listung von Denkmalen. Jüngst feierte die AG ihr Jubiläum im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Neben Grußworten, fachlichem Input, einer intensiven AG-Sitzung und dem Treffen mit Ehemaligen konnte auch eine kleine Jubiläumsschrift hochgehalten werden. Ganz im Stil der Expert:innenrunde versammelt die Broschüre 16 kleine, kuriose, eben liebenswerte Geschichten rund um außergewöhnliche Denkmale. Von der Telefonzelle bis zur Steingarage im Mittelalterlook, vom Campinghaus bis zum Hundegrabstein, vom Kanukanal bis zur Treppenturmskulptur – aber lesen Sie doch selbst. Denn, quick and dirty, gibt es die Jubiläumsbroschüre bei der VDL digital zum Schmökern und Herunterladen. (kb, 10.4.26)

Potsdam, Neuer Friedhof, Grabmal für Ilse Juliane Mielke, geb. Österwind und Friedrich Mielke, gestaltet vom Bildhauer Rupert Frieger, 1998/2018, seit 2025 unter Denkmalschutz (Bild: Bernhard Diener, CC0 1.0, 2024)
