mit Fotografien von Robinson Michel

Gleich zwei Tagungen suchten Mitte Juni nach dem besten Weg, um die Zukunft bestehender Bauten gemeinschaftlich auszuhandeln: In Mannheim kreiste die Jahrestagung Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (oder neuerdings: der Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern) unter dem Motto “Miteinander” um die Partizipation. In Berlin diskutierte das Podium “Die Kirchenbauten gehören allen”, veranstaltet von der Katholischen Akademie in Berlin gemeinsam mit moderneREGIONAL, über die Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteur:innen. Für unseren kleinen Doppel-Tagungsrückblick hat Robinson Michel von den Betonisten während der Exkursionen einige spätmoderne Schönheiten der Quadratestadt mit der Kamera festgehalten.

Mannheim, Stadthaus (Bild: Robinson Michel, 2024)

Mannheim, Stadthaus, Carlfried Mutschler, 1991 (Bild: Robinson Michel, 2024)

Plakatkartons und ein Stand-up

Von einer guten VdL-Jahrestagung erwartet man reichlich belegte Brötchen, lohnende Exkursionen und überzogene Vorträge. Der Programmpunkt Architekturrundgänge durch Mannheim und Umgebung, von Streetart bis Brutalismus, wurde ebenso wie der Faktor Verpflegung in vertrauter Qualität erfüllt. Ungewohnt (und angenehm) war hingegen der souverän durchgetaktete Zeitplan, der von den Eröffnungsgrußworten bis zum Abschlussplenum konsequent durchmoderiert wurde. Denn genau darum ging es: verlässliche Strukturen und transparente Methoden, um Raum zu schaffen für eine rege Beteiligung aller Teilnehmenden.

Erklärtes Ziel war es, dass die staatliche Denkmalpflege so später in der Praxis ihre Einschätzungen und Vorgaben besser vermitteln können soll. Oder dass denkmalaffine Initiativen, in Mannheim erstmals in erkennbarer Stärke vertreten, bei der Erhaltung des baukulturellen Erbes künftig eine stärkere Rolle spielen. Dafür wurden im Plenum wiederholt digitale Tools wie Mentimeter ausprobiert. Und in den Sektionen – hier konnte moderneREGIONAL die Projekte invisibilis und Best of 90s vorstellen – halfen dabei straff getimte Impulsreferate und Kleingruppenarbeit zu festen Fragen auf Plakatkarton. Dass die Untergruppen mit den quadratisch-bunten Kleinschokoladen einer bekannten Firma eingeteilt wurden, war am Ende ebenso erfrischend wie die Tagungszusammenfassung durch einen Poetry-Slammer, der die Freiheit eines Hofnarren genoss und nutzte.

Mannheim, Planken-Galerie (Bild: Robinson Michel, 2024)

Mannheim, Planken-Galerie, 1983 (Bild: Robinson Michel, 2024)

Frisches Geld für alte Strukturen?

Zum Berliner Termin bildete die vorwiegend kulturell genutzte Parochialkirche einen sprechenden Rahmen für zwei Impulsreferate und ein Podium. Nach einer Begrüßung durch Konstantin Manthey von der Katholischen Akademie führte PD Dr. habil. Karin Berkemann von moderneREGIONAL in die Argumente des Kirchenmanifests ein, mit dem zehn baukulturelle Akteur:innen für eine breite Debatte werben, wie neue Trägerschaftsformen für Kirchenbauten aussehen könnten (vielleicht eine Stiftung?). Aus der wirtschaftlichen Perspektive fragte dann Dr. Andreas Eisen vom Genoverband e. V., ob genossenschaftliche Konzepte dafür nicht geeignet wären (wenn man es basisdemokratisch mag, unbedingt). Und auf dem Podium sprach er mit der evangelischen (Prof. Dr. Johann H. Clausen, Kulturbeauftragter der EKD), der römisch-katholischen (Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros Berlin) und der bügerschaftlichen Seite (Dr. Ursula Schirmer, Deutsche Stiftung Denkmalschutz) begeistert über all die Nutzungsvarianten, die es schon gibt.

Schwieriger wurde der Ausblick darauf, wie die wachsende Zahl nicht mehr (allein) gemeindlich genutzter Kirchen aufgefangen werden könne. Am Schluss stand die Vermutung Jüstens, dass mit dem Manifest – ob intendiert oder nicht – frisches Geld für die Kirchen zum Erhalt ihrer Bauten zu gewinnen sei. Zeitgleich war die Frage der Teilnehmenden nicht zu überhören, wie bestehende kirchliche Strukturen für mehr Akteur:innen geöffnet werden können, um neue Freiräume für aĺle zu finden. Oder, wie es Schirmer (in Anlehnung an den DSD-Mitbegründer Gottfried Kiesow) auf den Punkt brachte: Sie wünschte der kirchlichen Seite für die kommenden Schritte ein wenig mehr Gottvertrauen.

Mannheim, Geschäftshaus Wempe (Bild: Robionson Michel, 2024)

Mannheim, Geschäftshaus Wempe (Bild: Robinson Michel, 2024)

Üben, üben, üben

Was beide Termine verbindet, ist die Einsicht, dass die Entscheidungen über (künftige) Denkmale zu oft übereilt und hinter verschlossenen Türen getroffen werden. Um das Miteinanderreden werden wir – auf allen beteiligten Seiten – schlicht nicht mehr herumkommen. Dafür gute Formen zu finden, die auf halber Strecke zwischen überlangen Fußnoten und pastellfarbenen Post-it-Zetteln liegen, wird uns noch ein Stück Kreativität abverlangen. Aber die Ausrede, man wäre nicht darin geschult worden, zieht jetzt nicht mehr. (kb, 19.6.24)

Mannheim, Leonardo Hotel und Kinderhaus (Bild: Robinson Michel, 2024)

Mannheim, Leonardo Hotel und Kinderhaus (Bild: Robinson Michel, 2024)

Mannheim, Unibibliothek (Bild: Robinson Michel, 2024)

Mannheim, Unibibliothek, Gottfried Böhm, 1988 (Bild: Robinson Michel, 2024)

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