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Wien: Pionierin der Moderne gestorben

Wien: Pionierin der Moderne gestorben

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Für das Wiener Ausflugsrestaurant Bellevue (1963) erhielt Traude Windbrechtinger-Ketterer mit ihrem Mann den Österreichischen Staatspreis für Architektur (Bild: WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, F1C:63197/7, CC BY NC ND 4.0)

Wenn von Traude Windbrechtinger-Ketterer die Rede ist, dann zumeist in einem Atemzug mit ihrem Mann Wolfgang Windbrechtinger (1922-2011). Der wissenschaftlichen Redlichkeit halber steht in seiner Werkliste dann gerne noch ein „in Zusammenarbeit mit seiner Frau“. Dieses Schicksal teilt Windbrechtinger-Ketterer mit vielen Architektinnen, die nach dem Krieg zwar weitgehend gleichberechtigt mit ihrem „Architektenmann“ arbeiteten, in der öffentlichen Wahrnehmung aber gerne subsummiert wurden. Geboren 1922 in Graz, studierte Traude Windbrechtinger-Ketterer zunächst in München Architektur, um bis 1950 als Assistentin an der TH Graz zu arbeiten. Von 1956 bis 1994 prägte sie mit ihrem Mann im eigenen Büro das Nachkriegsgesicht von Wien.

Zu den gemeinsamen Werken zählen z. B. das Volksheim Kapfenberg (1958), der Kindergarten und die Siedlung Böhlerwerk (1959), das Wiener Restaurant Bellevue (1963, abgerissen 1982) oder das Einkaufszentrum Wien-Hietzing (1964) oder Kindergärten in Amstetten und Ober-Grafendorf (1968). Darüber hinaus arbeitete Traude Windbrechtinger-Ketterer für Rainer Roland, war an der Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Architektur beteiligt und erhielt den Österreichischen Staatspreis für Architektur. Am 8. Februar starb Traude Windbrechtinger-Ketterer im Alter von 94 Jahren. Der Nachlass des Büros Windbrechtinger wird seit 2005 im Architekturzentrum Wien verwahrt. (kb, 10.2.17)