Das Tausendjährige Reich fand nach zwölf Jahren Barbarei sein Ende Rund um die Voßstraße und die Wilhelmstraße in Berlin-Mitte. In unmittelbarer Nähe zum Leipziger Platz stand hier die 1935-43 nach Plänen von Albert Speer errichtete Neue Reichskanzlei, daneben die Alte Reichskanzlei von 1738/39. Der Dienstsitz von Adolf Hitler war umgeben von Nebengebäuden und einer Bunkeranlage unter den Gärten. Hier starben durch Suizid am 30. April Adolf Hitler und Eva Braun, einen Tag später Joseph Goebbels mit seiner gesamten Familie sowie mehrere SS-Kommandanten. Nach Kriegsende ließ die Sowjetische Militärführung die Ruinen der Machtzentrale abreißen, um hier keine Wallfahrtstätte entstehen zu lassen. Teile der Bunkeranlage – und damit genau der Ort, in dem der Nationalsozialismus sein Ende fand – bliebennach gescheiterten Sprengversuchen unter einer Erdschicht erhalten. Mit der Zeit wuchs die Brache zu, nach dem Mauerbau lag sie im Sperrgebiet. Ab 1986 startete der Bau neuer Platten-Wohnblöcke auf dem Gelände, wofür weitere Teile der Bunker abgeräumt wurden. Der „Große Bunker“ unter der Neuen Reichskanzlei ist nahezu komplett verschwunden. Der nördliche, ab 1943 errichtete „Führerbunker“ ist hingegen unter einem Parkplatz erhalten. Noch!
Tatsächlich droht dem Bunker der Abriss – bzw. die „Tiefenenttrünmerung“, wie es offiziell für im Boden gelegene Gebäudereste heißt. Grundlage ist ein 2006 beschlossener Bebauungsplan für das Areal, der anstelle des Parkplatzes einen Neubau mit Wohnungen und Büros vorsieht. Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten, kritisiert den Umgang mit den NS-Relikten scharf. Der Abriss sei unnötig, man müsste nur den Neubau etwas anders anordnen, als vor zwei Jahrzehnten bürokratisch festgelegt. Mehr als 1200 Quadratmeter der Anlage seien noch immer in sehr gutem Zustand, sagte Arnold der Zeitung Welt. Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) spricht sich gegen einen Erhalt aus – und argumentiert wie in den 1950er Jahren: Der „B.Z.“ sagte er, man stehe dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort werde. Der Landesdenkmalrat sprach sich 2025 dafür aus, die Eintragung des Bunkers in die Denkmalliste zu prüfen. „Die Neue Reichskanzlei war Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkrieges und steht symbolhaft auch für das katastrophale Ende des NS-Regimes“, heißt es in einer Empfehlung. Die Bedeutung solcher Objekte für künftige Generationen sei in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Gerade in Zeiten des digitalen Missbrauchs, des Sterbens der letzten Zeitzeugen und einer teilweisen Relativierung der NS-Verbrechen erscheine es umso wichtiger, materielle und eindeutige Spuren zu erhalten. Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 5.7.26)
Berlin, gesprengter Führerbunker (Bild: Otto Donath, Bundesarchiv, Bild 183-M1204-319 / Donath, Otto / CC-BY-SA 3.0)

