Fast 60 Jahre lang konnte man von der Waagestraße 2a und 2b aus die Innenstadt von Neubrandenburg überblicken. Diese Perspektive fällt nun weg, denn das 1966-68 errichtete, elfgeschossige Wohnhochhaus des Typs „WHH Scheibe“ wird seit Anfang der Woche abgerissen. Ab der kommenden Woche soll der Plattenbau Stück für Stück demontiert werden. Damit möchte die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) einen „städtebaulichen Missstand“ beseitigen und durch einen Neubau ersetzen. Der Abriss des DDR-Baus, der die Nachbarbebauung weit überflügelt, war bereits seit Jahren geplant.
Mit einer Länge von 55 Metern, einer Höhe von 33 Metern und einer Breite von 17,5 Metern war das Wohnhochhaus Waagestraße einst ein DDR-Prestigeobjekt und galt als Symbol sozialistischer städtebaulicher Visionen. Das Rathaus Neubrandenburg (errichtet 1965-67 als SED-Bezirksleitung) war bis zum Umbau 2020-23 sehr ähnlich gestaltet, und in der Nähe befindet sich auch das 1965 vollendete, denkmalgeschützte Haus der Kultur und Bildung, der „Kulturfinger“. Nicht verloren gehen beim Waagestraßen-Abriss auch die drei Kunstwerke des Neubrandenburger Grafikers Lothar Weber (1925–2010): Seine Friedenstauben-Mosaike im Erdgeschoss, jedes etwa 270 Kilogramm schwer und als Sachteil denkmalgeschützt, wurden bereits Anfang 2025 durch einen Steinmetzbetrieb demontiert und sollen am später folgenden Neubau wieder angebracht werden. (db, 7.3.26)
Neubrandenburg, Abriss Waagestraße 2026 (Youtube-Still Heimat Neubrandenburg)

