Zeit für Berlins Mitte

Berlin, Alexanderplatz, 1976 (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 183-R0327-0022, Foto: V. Stark)
1976 hatte man auf dem neuen Berliner Alexanderplatz noch Muße für nicht-architektonische Themen (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 183-R0327-0022, Foto: V. Stark)

Es ist eine denkmalpflegerische Binsenweisheit, dass zu viel Geld historischen Bauten nicht immer gut tut. So betrachtet, ist die andauernde Finanznot der Stadt Berlin auch für etwas gut. Heute berichtet der Berliner Tagesspiegel, dass für weite Teile von Berlins Mitte ein „Umgestaltungsverbot“ bis 2030 gelte. Diese Frist betreffe u. a. das Umfeld der Marienkirche und des Fernsehturms. Da die Stadt etwa für die Pflege rund um den Fernsehturm Gelder vom Bund beziehe, sei eine Neugestaltung auf 15 Jahre hin nicht zulässig. Eine Atempause für die prägenden Zeugnisse der DDR-Moderne.

Dabei wird lebhaft um die „historische Mitte“ der alten/neuen Hauptstadt gerungen: Manfred Rettig, Vorstand der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, forderte jüngst den alten Neptunbrunnen auf dem Schlossplatz zurück. Die SPD dachte laut darüber nach, zu Füßen des Fernsehturms historische Wohnungen wiederaufzubauen. Solche Überlegungen bleiben, so der Tagesspiegel, mindestens für die nächsten 15 Jahre Gedankenspiele. Und – mit einem Seitenblick auf die Berliner Flugplatzträume – ein Ende der Berliner Finanznot dürfte kaum in Sicht sein. (kb, 19.8.14)