Berlin-Zehlendorf, partiell Villengegend, partiell 1950er, partiell UNESCO-Welterbe – Siedlungen der 1920er Jahre, wartet immer mal wieder mit einem architektonischen Highlight auf. Am kommenden langen Maiwochenende ist es die Villa Haus Loewy von Richard Neutra (1892–1970). Diese steht zum Verkauf oder in anderen Worten: derzeit leer und kann für Kunst und Kultur genutzt sowie dabei natürlich auch besichtigt werden. Richard Neutra plante Anfang der 1920er Jahre, damals noch Mitarbeiter im Büro von Erich Mendelssohn, 12 Häuser für die neue Wohnanlage „Sommerfelds Aue“, die sich direkt an die Waldsiedlung Zehlendorf „Onkel-Toms-Hütte“ anschließt. Vier der Häuser wurden realisiert und gelten als Hauptwerk aus der frühen Schaffenszeit von Neutra. In zwei der vier Häuser wurde übrigens im Inneren eine außergewöhnliche Spielerei eingebaut: Eine Drehscheibe im Wohnzimmer, durch die drei unterschiedliche Möblierungen und Nutzungen wie Essbereich, Hausmusiknische und Bibliothek dem Wohnbereich zugeschaltet werden konnten. Wie im Theater.
Vom 1. bis 3. Mai wird die Villa in der Onkel-Tom-Straße 87 zum Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Gezeigt wird die Fotoausstellung »Casa Chroma« von Stefan Heyne. Unter dem Titel „Meet the Artist – explore the House“ sind Vorträge, Podiumsdiskussionen, Rundgänge und ein Live-Podcast zu Themen wie der Farbgestaltung in der Architektur (Architektin Ester Bruzkus), der Restaurierung von Neutras Kun House #1 aus dem Jahr 1936 in Los Angeles (Denkmalpfleger und Kunstvermittler Josh Gorell) oder der Abstraktion in der Fotografie (Claudia Linsel mit Stefan Heyne) zu erleben. Zur Ausstellung erscheint im Wasmuth Verlag ein ungebundenes Magazin im Zeitungsformat. (pk, 29.4.26)

Berlin, Zehlendorf, Haus Loewy, Architekt: Richard Neutra, 1923 (Bild: @JürgenNogai | Rabitz&Rabitz)
