Die Berliner Variante der Champs-Elysée wollte man in den 1990er Jahren in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte bauen. Ignorierend, dass diese Straße nie eine Luxusmeile gewesen war und ignorierend auch, dass die Berliner:innen weder in den 1990er Jahren noch irgendwann sonst die Kaufkraft besaßen, in großem Stil bei den Geschäften einzukaufen, die sich dort einmieteten. Und gebaut haben die ganz großen Büros: Das Kaufhaus Galeries Lafayette entstand nach den Plänen von Jean Nouvel, Oswald Mathias Ungers zeichnete für das Quartier 205 und die New Yorker Architekt:innen von „Pei Cobb Freed and Partners“ für das Quartier 206 verantwortlich. Seit Jahren wächst der Ladenleerstand in diesen Bauten und letzterer war am 17. April 2026 erneut zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben.
Der spitzwinklige Großbau mit seinen bis zum Dach und über das Gesims hinausreichenden Vorsprüngen fällt durch seine horizontale silbrig glänzende Bebänderung auf und möchte, höchst individuell interpretiert, an das Design des Art déco erinnern. Sieben Wohnungen befinden sich im Haus, große Büroflächen und im Kellergeschoss, erschlossen durch ein Atrium mit Marmormosaiken und geschwungenen Treppen, fand die Haute Couture für eine Weile Verkaufsräume. Während für die Galeries Lafayette kurzzeitig die Utopie entwickelt wurde, dass die Berliner Stadtbibliotheken einziehen könnten, gibt es für Q206 kein Konzept. Bei der Zwangsversteigerung am 17. April 2026 wurden laut RBB offenbar von zwei Luxemburger Holdings, sagenhafte 39 und 40 Millionen geboten. Daraufhin wurde die Versteigerung überraschend vertagt – die Eigentümer:innen glauben an einen Marktwert von 187 Millionen Euro. Nächste Woche wird die Frage nach der Zukunft des Luxus nochmals gestellt. (pk, 17.4.26)

Berlin, Friedrichstraße, Quartier 206, Atrium, Architekten: Pei Cobb Freed and Partners, 1992–1996 (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2008)
