Die Kleinstadt Wittenberge in Brandenburg war ein bedeutender Industriestandort der DDR. Nach 1990 wurden die größten Unternehmen der Stadt sukzessive abgewickelt: das Nähmaschinenwerk, das Zellstoffwerk und die Ölmühle, den Verlust tausender Arbeitsplätze mit eingeschlossen. 1971 zählte Wittenberge 33.500 Einwohner:innen, bis heute hat es rund die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Hinzu kommt ein erheblicher Gebäudeleerstand unter anderem auf den einstigen Werksgeländen. Auch auf dem einstigen Areal der Nähmaschinenfabrik liegt ein Großteil der Gebäude brach, im straßenseitigen Verwaltungsgebäude befindet sich eine Schule. Das Gelände firmiert unter dem Namen Veritas-Park in Anlehnung an das einstige Singer-Warenzeichen Veritas. Zu DDR-Zeiten produzierte hier der im Januar 1992 liquidierte VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge – Kombinat TEXTIMA. Die heutige Eigentümerin des Veritas-Parks, eine Berliner Investorengruppe, plant nun einen Relaunch des Konzepts als „Zukunftsfabrik“: In der ersten Bauphase sollen auf 2000 Quadratmetern ein Co-Working-Space entstehen. Ein Areal für Kunst und Kultur ist geplant, dazu kommen ein Restaurant und zwei Hotels. Bereits 2027 soll der erste Bauabschnitt vollendet sein.

Die Nähmaschinenfabrik wurde 1904 als Zweigwerk der Singer Nähmaschinen Aktiengesellschaft in Betrieb genommen. Wittenberge wurde damit der größte Standort zur Produktion von Haushaltsnähmaschinen in Europa. 1913/14 wurde die Gartenstadt-Siedlung Eigene Scholle für die Werksarbeiter erbaut, das Werk selbst wurde bis in die späten 1930er Jahre stetig erweitert. Der 1929 fertiggestellte 49,4 Meter hohe Uhrenturm, eigentlich ein Wasserbehälter, ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt: Er ist der größte freistehende Uhrenturm auf dem europäischen Festland. Entwurf und Konstruktion verantwortete damals das 1969 geschlossene Hamburger Bauunternehmen Paul Thiele, die künstlerische Ausgestaltung stammt vom Hamburger Architekten Felix Ascher(1883-1952). Wenn Sie keine Abneigung gegen Treppensteigen verspüren: Der Turm kann von Mai bis Ende September besichtigt werden. (db, 21.1.26)

Wittenberge, Veritas-Uhrenturm und Treppentürme (Bild: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0)

Wittenberge, Veritas-Uhrenturm und Treppentürme (Bild: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0)

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