Am 16. November 2025 eröffnete im Ernst Barlach Haus in Hamburg die Ausstellung Ossip Klarwein. Ein Architekt zwischen Hamburg und Haifa. Die von Jacqueline Hénard ursprünglich für das Aktive Museum Berlin kuratierte Ausstellung zeigt dokumentarisches Bild- und Filmmaterial, das um Aufnahmen des israelischen Fotografen Eli Singalovski (*1984) ergänzt wird, der die Bauten Klarweins in ihrem aktuellen Zustand porträtiert hat. Die Ausstellung zeichnet Leben und Schaffen des jüdischen Architekten nach, der 1933 ins britische Mandatsgebiet Palästina emigrierte und später das architektonische Erscheinungsbild Israels entscheidend prägte. Zu seinen bekanntesten Bauten dort zählen das Parlamentsgebäude in Jerusalem – die Knesset –, die Grabanlage für den Vordenker des israelischen Staats, Theodor Herzl, oder das (vom Abriss bedrohte!) Getreidesilo im Hafen von Haifa.
In Hamburg ist Ossip Klarwein insbesondere für die Gebäude bekannt, die er ab 1927 mit Fritz Höger, dem Architekten des 1922–24 erbauten Chilehaus, realisierte. Zu den bekanntesten Werken Klarweins gehören außerdem das Rathaus in Wilhelmshaven-Rüstringen, die sogenannte Burg am Meer und die Kirche Am Hohenzollernplatz in Berlin. Bevor die Ausstellung am 8. Februar zu Ende geht, finden im Januar 2026 noch Fachvorträge von Roland Jaeger zum Thema „Erfolg – Exil – Erinnerung. Hamburg und seine jüdischen Architekten der 1920er-Jahre“ und Jacqueline Hénard über „Ossip Klarwein / Fritz Höger – die Nachwirkungen einer Denunziation“ statt. Zur Ausstellung ist im Kettler Verlag ein Katalog erschienen. (pk, 16.11.25)

Eli Singalovski: Das von Ossip Klarwein entworfene Getreidesilo Dagon im Hafen von Haifa (erbaut 1952–71), 2024 (Bild: Eli Singalovski)
