Los Angeles, PAN AM Experience, um 2016 (Bild: Daniel Sliwa)

Nur Fliegen war schöner

Versprochen wird nicht weniger als eine Reise ins Goldene Zeitalter der Luftfahrt, als die Piloten noch umschwärmt, die Stewardessen noch bezaubernd und die Drinks noch eisgekühlt waren. Ein leidenschaftlicher Sammler und ein findiger Unternehmer haben in Los Angeles das Innenleben eines jener legendären Boeing-Jets nachbauen lassen, um darin Gäste auf Nostalgiesuche zu bewirten. Das Event-Lokal mit dem Namen „PAN AM Experience“ will das internationale Lebensgefühl der späten 1960er und frühen 1970er Jahre wieder aufleben lassen und erfreut sich damit aktuell größter Beliebtheit.

 

PAN AM als Lebensgefühl

Gäste dieses ungewöhnlichen Lokals müssen sich ein wenig fühlen, als wären sie in die Dreharbeiten zur TV-Serie „Mad Men“ oder zum Kinofilm „Catch Me If You Can“ hereingestolpert. Tatsächlich wurde das Innere einer Boeing 747-200, die 1969 zu ihrem ersten Flug ansetzte, in einem südkalifornischen Filmstudio nachgebaut. Schon 2007 hatte der PAN-AM-Sammler Anthony Toth in seiner Garage (Klischee as Klischee can) eine stilvolle Illusion als Partykulisse geschaffen. Die Idee wechselte anschließend zweimal ihren Standort, bis Toth sie 2014 gemeinsam mit dem Unternehmer Talaat Captan im großen Rahmen aufzog. Die detailverliebten Betreiber lassen eigens Schauspielerinnen durch „Original-Stewardessen“ schulen, um das alte Service-Flair zu erzeugen.

Als Projektionsfläche für kollektive Sehnsüchte eignet sich die Marke „PAN AM“ (Pan American World Airways) bestens, steht sie doch gerade bei US-Bürgern für das unbeschwerte Reisen, die internationale Leichtigkeit der Zeit um 1970. Im Jahr 1927 begründet, landete die Fluggesellschaft 1955 ihren „Jet Coup“: Sie orderte 45 brandneue Maschinen, darunter erste Boeings, und eroberte damit den wachsenden Markt der transkontinentalen Strecken. Doch nicht nur die Route, vor allem der Komfort überzeugte die Kunden. Das blassblaue Logo, die futuristisch durchgestylten Passagierräume, die eigens designten Stewardessen-Uniformen und die – durchaus auch alkoholisch orientierte – Bewirtung an Bord setzten neue Maßstäbe.

 

Eine Zeitkapsel der späten 1960er

Nun hatte das (durch PAN AM verkörperte und in Los Angeles kunstvoll neu beschworene) „Jet-Zeitalter“ inzwischen längst zur Bruchlandung angesetzt. PAN AM wurde 1991 aufgekauft – und mit den Röcken der Stewardessen wurde auch die Liste der Bedenkenträger wieder länger: Klimaschutz, Boeing-Unfälle und Terrorangst, um hier nur einige Punkte anzudeuten. Im sicheren Schutz der bodennahen Flugzeugkulisse können vorausbuchende Gruppen in Los Angeles aber all diese Hemmnisse hinter sich lassen. Grübeln Sie also nicht weiter über die Rolle der Frau oder die Risiken der Luftfahrt und genießen Sie einfach den Flug! Ein Martini gefällig? (kb, 17.6.17)

Titelmotiv: Los Angeles, PAN AM Experience, um 2016 (Bild: Daniel Sliwa)