ÜBER ECK: Das bunte Erbe der DDR

In Potsdam wird der Diskurs über die baulichen Zeugen der Ex-DDR besonders leidenschaftlich geführt. Einige Kräfte bemühen sich dort eifrig, die Überbleibsel des lange verschwundenen Staates gänzlich aus dem Stadtbild zu tilgen. Die Uhr sollte dieser Position zufolge, zumindest ästhetisch, auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückgedreht werden. Unter akuter Abrissbedrohung steht auch das ehemalige Rechenzentrum – heute Heimstätte für Künstler und Kreative – welches von einem herausragenden Beispiel ostmoderner Kunst am Bau geziert wird. Fritz Eisel schuf 1971 das Mosaik: „Der Mensch bezwingt den Kosmos“. Von nun an kündeten Kosmonauten vom vermeintlichen Sieg des Sozialismus inmitten der alten preussischen Residenz.

Vor diesem Hintergrund findet das Symposium „ÜBER ECK: Bauerbe der DDR“ statt. Beginn der Veranstaltung ist am 28.02.2020, zunächst im Potsdam Museum, Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam. Weiter geht es dann im Rechenzentrum selbst, Dortusstraße 46, 14467 Potsdam. Themenschwerpunkt wird die Bedeutung und Interpretation des Mosaiks, sowie grundsätzlich baubezogene Kunst im öffentlichen Raum sein. Die Ergebnisse des Symposiums werden als Dokumentation gesichert, zeitgleich findet im Potsdam Museum eine Begleitausstellung statt. (jm, 24.2.20)

Potsdam, Rechenzentrum (Bild: rzpotsdam)

Rhein-Neckar-Nord-kaputt …

Die Sparkasse Rhein-Neckar-Nord plant, 2022 ihr Hauptgebäude am Mannheimer Paradeplatz abzureißen, um an gleicher Stelle neu zu bauen. Man habe die Option einer Renovierung des in seinen Ursprüngen von 1953 stammenden Baus im Quadrat D 1 untersucht, sei aber zum Schluss gekommen, dass hier kein ein modernes, energieeffizientes Gebäude herzustellen sei, heißt es seitens der Sparkasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog das Finanzunternehmen an seinen heutigen Standort. Bereits in den 1960er- und 1980er-Jahren wurde das Gebäude renoviert, erhielt unter anderem eine neue Fassade. 2022 ist zugleich das Jahr des 200-jährigen Jubiläums der Sparkasse.

Nun läuft zunächst ein Architektenwettbewerb für den Neubau. Sparkassen-Vorstand Stefan Kleiber sagt, es solle ein „Null-Energie-Haus“ mit Fotovoltaik und Solar entstehen. Insgesamt wolle man 30 bis 40 Millionen Euro in das Projekt investieren, das 2025 abgeschlossen sein soll. Der Abriss startet zwar erst in knapp 2 Jahren starten, doch erste Vorbereitungen sind im Gange: Mithilfe eines Archivars werden die alten Dokumente im Keller gesichtet. So ist ein Sparbuch aus dem Jahr 1827 aufgetaucht, ebenso die Gründungsurkunde. Auch Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus lagerten im Untergeschoss, darunter Revisionsunterlagen, Protokolle und die Kündigung eines Mitarbeiters, der nicht arischer Herkunft war. Stefan Kleiber betont: „Zum Jubiläum wollen wir unsere Geschichte kritisch aufarbeiten.“ (db, 23.2.20)

Mannheim. Sparkasse am Paradeplatz (Bild: R. Stricker, CC0)

Welterbe kompakt: Le Corbusier

Was haben der Speyerer Dom, die Essener Zeche Zollverein und das Doppelhaus von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gemeinsam? mR-Lesende kombinieren schnell: Es geht selbstverständlich um die Einstufung als UNESCO-Welterbestätte. Ein kürzlich im Verlag avedition erschienener Sammelband präsentiert nun erstmals die 17 Bauten Le Corbusiers, die 2016 als Denkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Die Publikation gliedert sich in einen Textteil und einen Katalogteil. Während im Katalogteil die einzelnen Gebäude mit umfangreicher Bebilderung vorgestellt werden, kommen im Textteil Experten verschiedener Disziplinen zu Wort, die sich auch mit der Gegenwart und Zukunft der Wohnmaschinen auseinandersetzen. So schlägt ein Beitrag die Brücke zwischen der Weißenhofsiedlung und der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Außerdem geht es um den langen Prozess bis zum Welterbe und um einen möglichen Kandidaten für eine Erweiterung der Welterbestätte. (mk, 22.2.20)

Gschwind, Friedemann (Hg.), Le Corbusier. Sein internationales Werk im Welterbe der UNESCO, Stuttgart 2020, avedition Verlag, 144 Seiten, Hardcover, ca. 150 Abbildungen, ISBN 978-3-89986-317-8.

Poissy, Villa Savoye (Bild: LStrike, CC BY-SA 3.0)