Bad Godesberg: Insolvenz für die Stadthalle

Schuld sei Corona, auch – so zumindest ist es dieser Tage in der Presse zu lesen, als der Betreiber die Insolvenz der Stadthalle Bad Godesberg anmeldet. Thomas Weiermann sah das laufende Jahr durch Buchungen gesichert, bis Versammlungs- und Kontaktverbot einen Strich durch die Rechnung machten. Kurzfristig liegt es in den Händen des Insolvenzverwalters, wie es konket nach Corona weitergeht. Doch schon vor Corona stand fest, dass Weiermann den Pachtvertrag nicht verlängern wollte. Für 2022 ist eine Sanierung der Stadthalle angedacht, jedoch politisch noch nicht festgezurrt. Nun sind die Fraktionen im Stadtrat aufgerufen, sich ein Bild der Lage zu verschaffen und sich zur Situation zu äußern. Zur Diskussion stehen u. a. verschiedene künftige Nutzungsmodelle.

Der im Geist der 1950er Jahre geschwungene Baukörper wurde 1955 inmitten des Stadtparks von Bad Godesberg fertiggestellt. Beauftragt hatte man die Bonner Architekten Wilhelm und Dirk Denninger. Eigentlich sollte der technische Begriff „Stadthalle“ noch durch eine blumigere Bezeichnung ersetzt werden, doch er bürgerte sich ein und blieb. 1959 wurde hier das bekannte Godesberger Programm der SPD verabschiedet, 1979 der Parksaal angebaut, dieser nochmals erweitert und zuletzt um den Brunnensaal ergänzt sowie eine unterirdische Anbindung an den ÖPNV geschaffen. 2012 stellte man das Baukunstwerk unter Denkmalschutz. (kb, 7.4.20)

Bad Godesberg, Stadthalle (Bild: Nicolas von Kospoth, CC BY SA 2.0, 2006)

Der Architekt Michael McKinell ist gestorben

Wie in diesen Tagen bekannt wurde, verstarb der Architekt Michael McKinell am 27. März 2020 Alter von 84 Jahren an den Folgen von Covid-19. In England geboren, zum Studium an die Columbia University nach New York gekommen, gelang ihm als 26-jähriger Graduate Student der große Coup: Mit seinem Lehrer Gerhard Kallmann, gewann er 1962 den Wettbewerb für das neue Rathaus in Boston. Ihr Vorschlag stach aus über 250 Einsendungen heraus: Ein skulpturaler Beton-Baukörper thront über einer großzügig angelegten Plaza aus roten Ziegelsteinen. Das Konzept folgt dem italienischen Ideal der Piazza, dem Prinzip der Offenheit und Zugänglichkeit – ein Haus für die Bürger, ein Sinnbild für Demokratie.

Nach diesem Erfolg gab es für das Duo Kallmann-McKinell viel zu tun. In Neuengland entstanden zahlreiche öffentliche Bauten, die sich alle durch eine Vorliebe für hervortun. „Wir hätten sogar Beton genommen um die Lichtschalter zu gestalten“, witzelte McKinell in einem Interview. Kein Wunder, dass sich seine Bauten bei Brutalismusliebhabern höchster Beliebtheit erfreuen. Doch als Ende der 1970er Jahre in den USA die Postmoderne aufkam, schuf das Büro auch mit anderen Materialien und leiseren Tönen eindrucks- und qualitätsvolle Architekturen: so z.B. Die American Academie of Arts and Sciences in Cambridge/Massachusetts. (jm, 6.4.20)

Boston, Rathaus (Bild: Daniel Schwen, CC BY SA 4.0, 2010)

Geld fürs Lanstroper Ei

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt in diesem Jahr 400 Millionen Euro für die Sanierung Deutscher Denkmäler bereit. 13.237 Euro erhält aus diesem Topf das „Lanstroper Ei“: In mehreren Bauabschnitten soll an dem Wasserturm in Grevel, der 1906 in Betrieb gegangen und seit 1981 stillgelegt ist, der ovale Speicher samt Trägerkonstruktion restauriert werden. Keine Überraschung: Der Rost ist dabei das Hauptproblem. Das seit 1985 (!) als Industriedenkmal gelistete Bauwerk diente einst der Wasserversorgung der Stadtteile Dortmunder Derne, Lanstrop, Mengede sowie Lünen-Brambauer. Der 55,5 Meter hohe Turm besteht aus einem Stahl-Fachwerkgerüst, auf dem weithin sichtbar der Wasserbehälter thront.

Dieser sogenannte Barkhausen-Behälter geht zurück auf den Ingenieur und Hochschullehrer Georg Barkhausen zurück. Er ist der letzte erhaltene jenes Typs im gesamten Ruhrgebiet. Das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher fotografierte das Lanstroper Ei bereits um 1965 für seine Wasserturm-Reihe. Errichtet wurden die Barkhausen-Behälter meist von der Dortmunder Stahlbaufirma Aug. Klönne, die unter anderem auch das Schiffshebewerk Niederfinow (1927-1934) und den Wasserturm Haltingen (1913) nahe Weil am Rhein realisiert hat. Letzteren gibt es auch als Bausatz für die Modelleisenbahn. Übrigens: Auch für das 1958/59 erbaute Wohn- und Bürohaus des Architekten Oswald Mathias Ungers (1926-2007) in Köln-Müngersdorf hat die DSD Geld bereitgestellt. (db, 5.4.20)

Dortmund, Lanstroper Ei (Bild: sebrem, CC BY-SA 3.0)