Baugeschehen

Frechen, Keramion (Bild: Stiftung Keramion)

Frechen: Keramion wird restauriert

Sie halten Töpferkurse für langweilig? Wenn Sie einmal Frechen besuchen, sollten Sie das besser für sich behalten! Die kleine Stadt bei Köln nennt sich selbst voller Stolz „Töpferstadt“ und führt ihre tönerne Tradition sogar im Wappen: ein schwarzer Löwe präsentiert einen Bartmannskrug, den er wie einen Schatz fest in beiden Pranken hält. Mit dem 1971 erbauten Museum Keramion traf die jahrhundertelange Töpfertradition auf die Formensprache der Moderne. Nun wird der Bau saniert.

Das denkmalgeschützte Keramion hat die Form einer überdimensionalen Töpferschale und wurde von Peter Neufert und Stefan Polónyi errichtet. Bauherr war ein großer deutscher Keramikhersteller.  Als Dach dient dem charakteristischen Bau eine runde Betonscheibe mit einem Durchmesser von 32 Metern, die  von fünf pilzartigen Stützen in der Mitte der Baus getragen wird. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützte Sanierung widmet sich den „Leitwänden“ des Museums, die den Besucher vom Außen- in den Innenbereich führen sollen. Die in die Jahre gekommenen Betonwände sind mit KerAion-Platten verkleidet – damals eine vom Bauherrn entwickelte Weltneuheit, heute schützenswerter Bestandteil des historischen Ensembles. (jr, 19.12.18)

Keramion, Frechen (Bild: Stiftung Keramion)

Pasewalk, Lokschuppen Pomerania (Bild: triapadvisor)

Pläne für Lokschuppen mit DDR-Regierungszug

Heute ist Pasewalk Bahnfahrern eher ein leidvoller Begriff vom verregneten oder verspäteten Umsteigen irgendwo nirgendwo zwischen Ostsee und Berlin. Dabei gehört der pommersche Ort, an dem bereits in den 1860er Jahren die ersten Lokomotiven fuhren, zu den frühen und wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Das einstmals ausgedehnte Netz an „Neben-, Klein-, Schmalspur, Anschluss- sowie Feld- und Güterbahnen“ verlor mit dem Zweiten Weltkrieg seine strategisch wie wirtschaftlich günstige Lage, bleib aber weiter ein wichtiger Bahnstandort der DDR. Der 1865 errichtete und später erweiterte Lokschuppen etwa erhielt noch 1962 eine neue, bis heute erhaltene Drehscheibe. In den 1990er Jahren wurden in Pasewalk dann zunehmend Gleise und Personal abgebaut.

1997 schließlich ging die letzte Bahn-Dienststelle nach Angermünde. Im selben Jahr übernahm die Kommunalgemeinschaft „Pomerania“ (ab 2003 Verein „Lokschuppen Pomerania“) den Lokschuppen und schloss einen Nutzungsvertrag mit der Bahn. Bereits mehrfach fanden auf dem Gelände Musik-Festivals statt. Touristische Besucher können allerhand erleben vom „Drehscheibe drehen“ bis zum „Schwellenrammen“. Und übernachten lässt es sich stilvoll im Salonwagen des ehemaligen DDR-Regierungszugs. Nun hat die Stadt grünes Licht, den denkmalgeschützten Lokschuppen mit den Außenanlagen „zu einem überregionalen Besucherzentrum mit Konzertstätte und Übernachtungsmöglichkeiten“ auszubauen – so berichtet die Ostsee-Zeitung. Mit dem jetzigen Eigentümer will die Kommune dafür eine Kooperationsvereinbarung treffen. (kb, 16.12.18)

Pasewalk, Lokschuppen Pomerania (Bild: triapadvisor)

Ahlen, Rathaus (Bild: Stefan Rethfeld)

Offener Brief für Rathaus Ahlen

Die Fachleute schütteln in großer Zahl den Kopf: Das Rathaus im westfälischen Ahlen, von 1974 bis 1982 nach den Plänen von Brigitte und Christoph Parade errichtet, könnte bald abgerissen werden. So zumindest fordern es Vertreter der Stadt und verweisen auf die sonst drohenden Sanierungskosten – und dann kämen ja noch die Auflagen der Denkmalpflege dazu … Denn der Landschaftsverband Westfalen-Lippe stufte das Kultur- und Verwaltungszentrum, so der offizielle Titel, bereits 2016 in einem Gutachten als Denkmal ein. Der Komplex besticht nicht nur durch seine zeittypische Wabenstruktur, die gut erhaltene Originalausstattung und die damals ökologisch innovative Wärmepumpentechnik – die Baustruktur integriert und überbrückt auch noch höchst charmant den angrenzenden Flusslauf.

Doch die Zeichen stehen auf Konflikt – den müsste im Ernstfall das Landesbaumisnisterium als Oberste Denkmalbehörde entscheiden und ggf. den Schutzstatus wieder aufheben. In einem offenen Brief will sich daher die Initiative Ruhrmoderne  an die Ministerin, die kommunalen Entschiedungsträger und an die Bürgerschaft wenden, um für den Erhalt und eine denkmalgerechte Sanierung zu werben. Noch können Sie – gemeinsam mit vielen Fachleuten aus Architektur, Kunstgeschichte, Denkmalpflege, Städtebau, Regional- und Wirtschaftsgeschichte – online unterzeichnen. Der Brief soll zu Jahresbeginn überreicht werden. (kb, 14.12.18)

Unterschreiben können Sie hier.

Ahlen, Rathaus (Bild: Stefan Rethfeld)

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Saarlouis: 60 Jahre Theater am Ring

Während der Rest der Republik im nächsten Jahr den 100. Geburtstag der berühmten Kunstschule nach allen Regeln der Kunst feiert, bereitet sich die saarländische Stadt auf ein eigenes Architekturjubiläum vor: Im Herbst 2019 jährt sich die Eröffnung des Theaters am Ring zum 60. Mal. In Vorbereitung des Jubiläums wurde jüngst ein eigener Band vorgestellt, der sich der (Bau-)Geschichte des nachkriegsmodernen Theaters widmet.

Das Theater wurde Ende der 1950er Jahre von Hanns Rüttgers entworfen, seit 2001 ist es denkmalgeschützt. Nachdem zwischenzeitlich der Abriss im Raum stand, wurde es in den 2010er Jahren durch den bekannten Luxemburger Architekten Francois Valentiny umfassend saniert und umgestaltet. Inzwischen ist der markante Bau zu einem Wahrzeichen der Stadt avanviert. Die geschwungenee Fassade auf der Straßenseite, die mit ihren organisch geformten Fensteröffnungen in der Nachbarschaft Fred Feuersteins nicht auffiele, kontrastiert mit einem turmartigen Baukörper, der sich in strenger Rechteckform erhebt und den Namen des Theaters weithin sichtbar macht. Wir finden: Auch ohne Bauhausbezug ist dieses Jubiläum ein Grund zum Feiern! (jr, 12.12.18)

Saarlouis, Theater am Ring (Bild: © Presseabteilung Kreisstadt Saarlouis, Sascha Schmidt)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Hamburg: NDR-Hochhaus zur Disposition

An etlichen Stellen des Hochhauses sei ohne bautechnische Notwendigkeit in den 70er-Jahren Asbest verwendet worden, teilte der NDR mit. Außerdem zeigten weitere Raumluft-Messungen eine teilweise Belastung im ersten Obergeschoss, allerdings in geringerem Ausmaß als bei den Erstfunden, so der Sender. „Nunmehr ist klar: Für eine vollständige Sanierung werden wir deutlich länger brauchen als zunächst angenommen“, bilanzierte der Intendant. Es riecht verdächtig nach Abriss … (db, 11.12.18)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Diesterweg-Gymnasium: Jetzt noch ungewisser?

Im Sommer diesen Jahres wurde nach einem Wasserrohrbruch der Keller des Diesterweg-Gymnasiums (1977, Pysall, Jensen & Stahrenberg) in Berlin-Wedding überflutet. Abgepumpt ist das Wasser noch immer nicht, aber jetzt ist zumindest klar: Es ist weniger schadstoffbelastet ist als befürchtet. Trotz dieser guten Nachricht spricht sich der Schulstadtrat, wie die „Berliner Woche“ vor wenigen Tagen berichtete, weiter für den Abriss des orangenfarbenen Ensembles aus. Er will stattdessen – schon fast paradox – einen Schulneubau.

Der prägnante Gebäudekomplex, der als erste Oberstufenzentrum Berlins die reformpädagogischen Ziele der 1960er und 1970er Jahre bezeugt, steht seit 2011 leer. Die meisten anderen Schulen der Stadt aus dieser Zeit wurden bereits wegen Asbestbelastung abgerissen. Im Wedding verbaute man jedoch nur in den Kellerräumen Asbest in geringem Umfang. Grund dafür ist, wie der Architekt der Schule Hans-Joachim Pysall erklärte: Damals wurde eine Sprinkleranlage installiert, um verschiebbarer Wände  einbauen zu können – Asbestverkleidungen in den Obergeschossen waren deshalb nicht notwendig. Eigentlich eine gute Ausgangslage für die Weiternutzung und den Umbau zum Quartierszentrum mit preiswerten Wohnungen, wie es die Initiative „psWedding“ vorschlägt. Bislang scheiterte das gemeinwohlorientierte Konzept an bürokratischen Hürden – die Zukunft des Diesterweg-Gymnasiums ist also heute tatsächlich noch ein Stück „ungewisser“. (ck, 9.12.18)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Saarmoderne Perspektiven

Dass das Saarland eine eigne, französisch-deutsch-hybride Spielart der Nachkriegsmoderne zu bieten hat, ist inzwischen kein Expertenwissen mehr (mR berichtete). Eines der prominentesten Bauwerke dieser Art steht nahe des weniger prominenten Örtchens Berus: die ehemalige Sendehalle von Europe 1. Nun zeichnet sich für den eleganten Bau aus den 1950ern eine Zukunftsperspektive ab: Der zuständige Gemeinderat hat jüngst entschieden, ihn als „Kultur und Wirtschaftszentrum“ aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.

Die Halle wurde 1954/55 von den Architekten Bernard Laffaille und Jean-François Guédy als Zentrale eines neuen Rundfunksenders mit europäischen Ambitionen erbaut. Um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, musste Eugène Freyssinet schließlich übernehmen, da sich die beiden mit der komplexen Statik des freitragenden Betondachs in Form eines hyperbolischen Paraboloids übernommen hatten. Bereits vor zwei Jahren hat die Gemeinde Überherrn den avantgardistischen Bau gekauft. Ausschlaggebend für die jüngste Entscheidung war eine Machbarkeitsstudie von Lars Scharnholz, dem Chef des Instituts für Neue Industriekultur. Im nächsten Schritt soll ein konkretes Nutzungskonzept erarbeitet werden. (jr, 8.12.18)

Berus, Sendehalle Europe 1 (Bild: Marco Kany)

Siegburg, Rathaus (Bild: Die Linke)

Rathaus Siegburg bleibt

Die Siegburger haben die Abrisskugel erfolgreich von ihrem Rathaus abgewehrt. Das Abstimmungsergebnis spricht eine klare Sprache: Ein Rathausneubau fand mit 29,8 Prozent der Stimmen bemerkenswert wenig Befürworter. Einfach gemacht wurde die Entscheidung den Bürgern nicht: Im Abstimmungsheft fanden sich eher verwirrende und umstrittene Zahlen aus Machbarkeitsstudien zu den Kosten. Ausgerechnet die größte Fraktion im Rat, die CDU, fand nicht zu einer klaren Empfehlung in der Sache, während sich etwa die FDP klar für den Neubau aussprach. Ohne Erfolg: 70,2 Prozent stimmten für den Erhalt des alten Rathauses, dessen Instandhaltung in den vergangenen Jahren auffällig vernachlässigt wurde.

Von 33.152 Wahlberechtigten haben allerdings nur 9792 Personen abgestimmt, das ist eine Wahlbeteiligung von 29,5 Prozent. Schon einmal, nämlich 2010, wurde über den Rathaus-Abriss abgestimmt und auch damals sprach sich eine Mehrheit dagegen aus. Nun sind weitere Anläufe wohl endgültig vom Tisch. Das 1968 eingeweihte Gebäude soll saniert und um ein Geschoss aufgestockt werden. Architekt des Siegburger Rathauses ist Peter Busmann, der später im gemeinsamen Büro mit Godfrid Haberer unter anderem in Köln das Museum Ludwig und die Simultanhalle entwarf. Beim Rathausumbau wartet Busmann nun auf die Kontaktaufnahme seitens der Stadt – denn es gilt das Urheberrecht. (db, 6.12.18)

Siegburg, Rathaus (Bild: Die Linke)

Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018)

Wenn Sie hier mehr sehen als Hakenkreuze …

Vielleicht ist es ein Zeichen wachsender Political Correctness, vielleicht aufsteigender Ängstlichkeit: In den vergangenen Monaten werden vermehrt lange gezeigte und zumindest geduldete Kunstwerke neu diskutiert, teils in Frage gestellt, teils ganz entfernt. Die Spanne reicht von der unbekleideten Schönheit bis zum nationalsozialistischen Emblem. In Essen soll nun die Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung vollständig umgestaltet werden. Erbaut 1937 von den Architekten Carl Conradi und Paul Dietsch, zeigt der Gottesdienstraum (noch) typische Merkmale seiner Zeit: eine neoklassizistische Wandgliederung und viel Holz.

Höhere Wellen schlägt die Debatte um die figurative bzw. zeichenhafte Ausstattung der Kapelle: Das Altarbild mit dem blondgelockten Jesus wurde bereits entfernt. Die Glasgstaltung von Carl Bringmann zeigt eine ähnlich herbe Formensprache der 1930er Jahre. Und die Balkendecke trägt christliche Symbolzeichen in ornamentalen, hakenkreuzartigen Verschlingungen. Der gesamte Kapellenraum soll in ein neues, ganz weiß-neutrales Gewand gehüllt werden. Dem stellt sich der „Arbeitskreis Essen 2030“ entgegen. Die erhaltene Gestaltung der Bauzeit sei auch „ein Beleg für die ideologische Durchdringung der evangelischen Kirche in den 1930er Jahren“. Da helfe kein Anstrich, nur Aufklärung. (kb, 4.12.18)

Titelmotiv: Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018) 

Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Werne: Böhm-Sakristei noch zu jung für Schutz?

Noch hat die Denkmalpflege damit zu kämpfen, für junge Baudenkmale aus den 1970er oder gar 1980er Jahren zu werben. Leider lassen die immer schnelleren Zyklen von Neubau und Abriss immer seltener die Zeit, um sich ein distanzierteres Urteil zu bilden. Doch in Werne geht es aktuell um einen Bau, der gerade mal die Volljährigkeit hinter sich hat: 1999 wurde der Sakristeianbau für die gotische Hallenkirche St. Christophorus eingeweiht. Kein Geringerer als der Architekt Stephan Böhm (Sohn von Gottfried, Enkel von Dominikus Böhm) lieferte die Pläne.

Programmatisch setzt sich die Sakristei-Konstruktion vom Kirchenbau ab: V-förmig zusammenlaufende Doppelstützen formen ein Gebilde, das mit metallischem Hammerschlag-Lack an eine Mondlandefähre erinnert. Der Bau birgt auf mehreren Ebenen die Ankleidezonen und Paramentenschränke – über einen gläsernen Gang verbunden mit der Kirche, die ebenfalls Ende der 1990er Jahre prägende Ausstattungsstücke erhielt. Nach außen zeigt das Böhm’sche Baukunstwerk schon starke Patina – und in der Gemeinde mehren sich die Stimmen, den „Altbau“ lieber zu ersetzen. Ein Antrag auf Unterschutzstellung wurde von der Denkmalfachbehörde mit der Begründung abgewiesen, dass man aktuell nur Objekte bis zum Baujahr 1990 bewerten könne. (kb, 3.12.18)

Titelbild: Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Leipzig, Hauptpostamt (Bild: Adrien Ranneberg, 2018)

Leipzig: Die Hauptpost ist unter der Haube

Der Umbau war, um es freundlich zu sagen, stark diskutiert: Nach zahlreichen Protesten hatte die Landesdirektion Sachsen schließlich erlaubt, dass die „Glashaube“ auf der ehemaligen Hauptpost Leipzig 40 cm höher ausfällt, als es die Denkmalpflege für verträglich ansah. Der markante ostmoderne Riegel entstand von 1961 bis 1964 am zentralen Augustusplatz. Entworfen wurde der 110 Meter lange denkmalgeschützte Stahlbetonbau mit Aluminiumvorhangfassade vom Architekten Kurt Nowotny (1908-84). Ab 2011 stand der universitätsnahe Komplex leer und wurde für eine Mischnutzung umgestaltet. Immerhin: Die ursprüngliche Höhe der Glashaube wurde im Verlauf der kontroversen Diskussion reduziert und die zunächst geplante blaue Vorhangfassade vollständig gekippt.

Das Ergebnis können die Bewohner und Besucher Leipzigs nun Stück für Stück auch von innen in Augenschein nehmen. Der große Eventgastronomiebereich unter eben jener Glashaube wurde bereits eröffnet. Das markanteste Ausstattungsstück kann schon von außen bestaunt werden: ein 6.000 LED-Leuchten umfassendes Kunstwerk der Wiener Künstlerin Sh, das sich inkl. Klangteppich bis in die Treppenhäuser und Eingangsbereiche zieht. Nach den gastronomischen Angeboten folgt bis zum Frühjahr 2019 stufenweise die Eröffnung des Hotelbetriebs und einzelner Ladengeschäfte. In der ehemaligen Schalterhalle sollen zwölf originale Telefonzellen erhalten und für Cafébesucher zugänglich gemacht werden: für die ruhige Laptoparbeit oder ein ungestörtes Handygespräch. (kb, 1.12.18)

Leipzig, Hauptpostamt (Bild: Adrien Ranneberg, 2018)

Frankfurt am Main-Heddernheim, St. Matthias (Bild Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)

Frankfurt: St. Matthias soll verkauft werden

Die Frankfurter Nordweststadt bringt die einen ins Schwärmen, die anderen ins Schwitzen. Aus dem einstigen Vorzeigeprojekt, das Walter Schwagenscheidt mit Tassilo Sittmann nach dem Konzept der „Raumstadt“ in den 1960er Jahren durchgrünt und verkehrsentflochten gestaltete, wurde mit der Zeit ein sog. sozialer Brennpunkt. Nach und nach brachen die Infrastrukturen in den Unterzentren weg: Geschäfte, Post, soziale Institutionen und letztlich auch erste Kirchen. Nun soll ein weiterer der Gottesdiensträume veräußert werden. Heute meldet die Frankfurter Neue Presse, dass das Bistum Limburg den Verkauf des Areals von St. Matthias plant – ausgenommen davon sei die Kindertagesstätte. Die katholische Gemeinde, die insgesamt sieben Kirchenräume in ihrer Verantwortung hat, will sich damit besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.

Der brutalistische Kirchenbau wurde 1965 nach den Plänen des renommierten Architektenduos Alois Giefer und Hermann Mäckler fertiggestellt – den beiden Baumeistern hatte man nach dem Krieg u. a. die Neugestaltung des Frankfurter Doms anvertraut. Die in den Bau mit eingegossenen Fassadenreliefs gestaltete kein Geringerer als der langjährige Städel-Professor Hans Mettel, der an mehreren Documenta-Ausstellungen beteiligt war. Der ebenfalls in die Betonmauern der Kirche integrierte Kreuzweg stammt vom Bildhauer Harro Erhart. Kurz: St. Matthias ist, samt vielen der angrenzenden Gemeindebauten, seit über zehn Jahren denkmalgeschützt. Ein möglicher künftiger Eigentümer wird sich daher der Verantwortung stellen müssen, mit diesem Gesamtkunstwerk sensibel umzugehen. (kb, 29.11.18)

Frankfurt am Main-Heddernheim, St. Matthias (Bild Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)