Baugeschehen

Oldenburg, Avia-Tankstelle 2018 (Bild: Matti A. Bohm)

Oldenburg: Tankstelle gerettet?

Die denkmalgeschützte Oldenburger Tankstelle an der Ecke Kaiserstraße/Bleicherstraße ist in letzter Minute vor dem Abriss gerettet worden. Der vormalige Eigentümer hatte den Tankstellenbetrieb Ende Juni eingestellt. Aufmerksame Ex-Kunden beobachteten, dass bereits wenige Tage später ein Abbruchunternehmen die Gebäude vermessen hatte. Einer von ihnen informierte die Nordwest Zeitung: Er wusste um den Denkmalstatus der Avia-Station und mutmaßte, dass der neue Eigentümer Tatsachen schaffen wolle, bevor die Behörden eingreifen können. Offenbar hatte er Recht: Ein Sprecher der Verwaltung bestätigte der NWZ sowohl, dass die Tankstelle unter Schutz stehe als auch, dass tatsächlich ein Abriss zugunsten einer Wohnbebauung geplant gewesen sei. Die Stadt habe den Investor Capital Real dann auf den Denkmalstatus hingewiesen.

Nach der vorläufigen Rettung wurde indes gleich weiter an der 1955 errichteten Zapfstation geknabbert: Eine Tankstellenbau-Firma demontierte Tankks und Zapfsäulen. Das markante Flugdach, Hauptgrund der Unterschutzstellung blieb aber an Ort und Stelle. Nach einem Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde erklärten die Investoren und die beauftragten Architekten von Neun Grad Architektur, nun Teile der Tankstelle in den Neubau zu integrieren. Neun Grad kann sich eine gastronomische Nutzung im Erdgeschoss vorstellen. Alle Pläne wolle man mit der Denkmalbeörde abstimmen. Klingt spannend … (db, 15.7.18)

Oldenburg, Avia-Tankstelle (Bild: Matti A. Bohm)

Wasserturm Heidelberg (CC BY SA 4.0, Bild Tankturm Heidelberg)

Heidelberg: Wasserturm wird ausgezeichnet

In Baden-Württemberg scheint die Eisenbahnmoderne gerade Konjunktur zu haben. Nicht nur, dass in Stuttgart eine mR-Ausstellung über märklinMODERNE im Ländle informiert. Küzlich wurde bekannt, dass in Heidelberg eine Ikone der Eisenbahnarchitektur mit dem Hugo-Häring-Landespreis ausgezeichnet werden soll. Die Rede ist vom Wasserturm des Bahnbetriebswerks, der in den 1920er Jahren erbaut und 2015/16 denkmalgerecht saniert wurde.

1927 wurde in Heidelberg ein neues Bahnbetriebswerk eröffnet. Zu seinem Wahrzeichen avancierte der moderne Wasserturm, der sich auf einem quadratischen Grundriss 30 Meter in die Höhe reckt und mit vier ziffernlosen Chronometern die Uhrzeit in alle Himmelsrichtungen ausstrahlte. Bis in die 1970er Jahre füllte er die Wassertanks passierender Dampflokomotiven, anschließend war er lange eine funktionslose Landmarke. 1989 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, am Leerstand änderte dies nichts. 2014 kaufte schließlich ihn das  Architekturbüro AAg Loebner Schäfer Weber, um den Turm grundlegend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Neben dem Sitz des Büros bietet er seitdem auch Platz für eine vielseitige kulturelle Nutzung. Die Jury des Häring-Preises überzeugte besonders die kreative Weiterentwicklung des Baus im Rahmen einer „sensiblen und respektvollen Sanierung des Bestandes“. Wir gratulieren! (jr, 13.7.18)

Wasserturm Heidelberg (Bild: Tankturm Heidelberg, CC BY SA 4.0)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurde drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1965 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Kulti und „Rosa Röhre“ auf der Shortlist

Unter den vielen Neubauten, die auch in diesem Jahr von einer Fachjury für das Deutsche Architekturmuseum(DAM) auf ihre Preiswürdigkeit hin gesichtet werden, finden sich auch nachkriegsmoderne Schätze. In die Shortlist, der engeren Vorauswahl von 22 Auszeichnungsanwärtern, wurden zwei Sanierungen aufgenommen. Da ist zunächst der Berliner Umlauftank2, besser bekannt als „Rosa Röhre“, der jüngst durch das Berliner Büro hg merz im Auftrag der Wüstenrot Stiftung wieder hergerichtet wurde. Das Versuchsgebäude der TU entstand 1974 nach Plänen Ludwig Leos im Stadtteil Tiergarten. In der überdimensionalen Röhre, die rechts und links aus dem Bauwerk herausragt, lassen sich künstliche Wasserströme erzeugen und die Seetauglichkeit von Schiffsmodellen erproben.

Und da wäre eine zweite Sanierung auf der Shortlist: die Renovierung des Dresdener Kulturpalastes durch das Hamburger Büro gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner) für KID (Kommunales Immobilienmanagement Dresden GmbH & Co. KG). 1969 wurde der vom Architekten Wolfgang Hänsch entworfene Kulturpalast in Dresden eröffnet. Vor den Ruinen von Schloss und Frauenkirche markierte der klare Glas-Beton-Bau ein deutliches Bekenntnis zur Moderne. Hänsch verband mit der Multifunktionshalle Raum für kulturelle und politische Veranstaltungen unter einem Dach. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Wir drücken beiden Moderne-Kandidaten die Daumen im finalen Rennen um den DAM-Preis 2019. (kb, 7.7.18)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Chur, Konvikt (Bild: Kecko, CC BY SA 2.0, 2015)

Konvikt Chur in Gefahr?

Die Experten – allen voran der Bund Schweizer Architekten (BSA) der SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) und der Bündner Heimatschutz – fordern, wie das „Baublatt“ berichtet, eine „unverzüglichen Marschhalt“: Grund ist die im August startende Sanierung des „Konvikt Chur“. Der Internatsbau der Bündner Kantonschule, bis 1969 aus betonsichtigen Würfeln skulptural zusammengesetzt, fügt sich harmonisch an den Hang und die umgebende Natur. Das bis dato gut erhaltene Ensemble gilt als Hauptwerk von Otto Glaus (1914-96), hier mit Ruedi Lienhard und Sep Marti. Von der Außenwand bis zum Mobiliar schuf der Schweizer Architekt in Chur ein Gesamtkunstwerk, das heute als Baudenkmal besonderen Schutz genießt. So zumindest der Anspruch.

2016 hatte das Architektenteam Implenia den Wettbewerb für die anstehende Sanierung gewonnen. Das zuständige Hochbauamt versteht die geplanten Maßnahmen als „sensibel“. Zudem müsse man auf die Kosten und den sich wandelnden Geschmack der hier wohnenden Schüler Rücksicht nehmen. Dieser Argumentation widersprechen die oben genannten Fachleute nun öffentlich. Zwar seien die Bemühungen um den Erhalt der Treppenhäuser und vieler Oberflächen lobenswert. Doch durch andere geplante Eingriffe – z. B. den vollständigen Austausch der Fenster, der Haustechnik und der Zimmermöblierung – sei das hochkarätige Baudenkmal gefährdet, vielleicht sogar von Zerstörung bedroht. (kb, 4.7.18)

Chur, Konvikt (Bild: Kecko, CC BY SA 2.0, 2015)