Baugeschehen

Berlin, Teufelsberg (Bild: Oscar CC BY SA 4.0)

Berlin: Abhörstation bald auf der Denkmalliste?

Das bauliche Relikt des Kalten Kriegs ist heute ein beliebtes Fotomotiv für Filmemacher, Modestrecken und Street-Art-Freunde: Viele Jahre war die einstige US-Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Unter dem von 1950 bis 1972 aufgeschütteten und naturierten Berg befinden sich noch die Reste der von Albert Speer geplanten Wehrtechnischen Fakultät. Ab 1955 nutzten die USA ein Areal auf der höchsten Erhebung Berlins (120 Meter) für ihre Spionageanlagen, in denen bis 1992 bis zu 1.500 Menschen arbeiteten. Danach dienten die Türme der zivilen Flugüberwachung, bis eine Investorengemeinschaft das Gelände vom Land Berlin erwarb, um Luxuswohnungen und ein Hotel zu bauen. Daraus, wie auch aus etlichen weiteren Plänen, wurde nie etwas.

Seit rund drei Jahren bemüht sich ein privater Pächter um eine neue Nutzung des Geländes, u. a. von einer Künstlerkolonie ist die Rede. Einstweilen ist der Ort mit der einmaligen Aussicht auf die Hauptstadt gegen Eintritt/zu Führungen zu besichtigen. Gegenüber dpa hat die Senatskulturverwaltung, so berichtet heute der Deutschlandfunk, eine baldige Unterschutzstellung angekündigt: „Wir versuchen, sie noch in diesem Jahr auf die Liste zu bekommen“. Ein Antrag auf Unterschutzstellung besteht seit 2011, nun scheinen die letzten juristischen Schritte zum Greifen nahe. (kb, 23.9.18)

Berlin, Teufelsberg (Bild: Oscar, CC BY SA 4.0)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck, Bild Kadir Kara, CC by SA 3.0

Lichtspielhaus wieder eröffnet

Cineasten mit Vorliebe für klassisch-moderne Architektur haben ein neues Ausflugsziel: Fürstenfeldbruck. In der oberbayerischen Kleinstadt findet sich eines der dienstältesten Kinos des Bundeslandes. Das Lichtspielhaus wurde jüngst denkmalgerecht saniert und hat den Betrieb nun wieder aufgenommen. Den Besucher erwartet hier täglich ein anspruchvolles Filmprogramm in anregendem baulichen Ambiente. Zur Neueröffnung lief Joseph von Sternbergs „Der blaue Engel“.

Das Kino ist in seiner Formensprache sachlich, aber nicht radikal modern. Es wurde im Jahr 1930 nach Plänen des Fürstenfeldbrucker Architekten Adolf Voll errichtet. Der Baumeister, der bei Theodor Fischer in München gelernt hatte, drückte dem Städtchen mit einer Vielzahl von Gebäuden nachhaltig seinen Stempel auf. 2013 schlossen die Kinokassen wegen Inrentabilität, anschließend stand sogar der Abriss im Raum. Doch schon im nächsten Jahr wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 2015 beseitigte die Stadt mit dem Kauf des Gebäudes die letzten Zweifel. Nachdem der Innenraum nun vollständig saniert und die originale Einrichtung rekonstruiert ist, steht als letzter Schritt noch die farbliche Gestaltung der Außenfassade aus. (jr, 18.9.18)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck (Bild: Kadir Kara, CC BY SA 3.0)

Andernach, St. Albert (Bild: kaschper69, via waymarking.com, 2017)

Andernach: Schwarz-Kirche wird geschlossen

Die Anfang des Jahres verstorbene Maria Schwarz – Architektin, private und berufliche Partnerin von Rudolf Schwarz – kämpfte in ihren letzten Jahren zäh und oft erfolgreich um die Zukunft der Schwarz’schen Kirchenbauten. Gegenüber „koelnarchitektur.de“ bezeichnete sie 2006 den Verlust, den Abriss eines Gottesdienstraums als „Mord“. Damals benannte sie die Kirche St. Albert, 1954 fertiggestellt nach Plänen von Rudolf Schwarz, im rheinland-pfälzischen Andernach noch als Vorzeigebeispiel. In vielen Gesprächen habe sie mit dem dortigen Pfarrer eine „vorübergehende“ Raum- und Gottesdienstordnung für kleine liturgische Feiern von großer Dichte entwickelt: mit einem Holzaltar in der Mitte, einem freistehenden Ambo und einander gegenüberstehenden Bankreihen.

Nun scheint es in Andernach, dem einstigen Hoffnungsprojekt, doch zum Äußersten zu kommen, zumindest zur Schließung. Als Grund werden die weiter sinkenden Gottesdienstbesucherzahlen angeführt. Und jetzt habe auch noch die Heizung einen „Totalschaden“. So werde sich die Gemeinde schweren Herzens auf einen Standort konzentrieren: Die gerade in der Sanierung befindliche Michaelskapelle aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Schließung von St. Albert ist für den 25. November diesen Jahres angesetzt, im Frühjahr 2019 will man einen Käufer für den denkmalgeschützten Bau suchen. (kb, 15.9.18)

Andernach, St. Albert (Bild: kaschper69, via waymarking.com, 2017)

Frankfurt, Rebstockbad (Bild: Karsten11, CC0)

Frankfurt: Schwimmoper wird abgerissen

Mit seiner Wellengang-Dachlandschaft wirkt das Rebstockbad in Frankfurt/Main wie ein postmoderner Verwandter des Münchner Olympiaparks. Das von 1979 bis 1982 gebaute Erlebnisbad ist eines der ersten seiner Art und mit rund 600.000 Besuchern im Jahr auch das größte der Stadt. Doch der Zahn der Zeit nagte (lange unbemerkt) am 36 Jahre alten Bau: Die hölzerne Dachkonstruktion ist marode, Feuchtigkeit, Chlordämpfe und hohe Durchschnittstemperaturen haben überall puren hinterlassen. Bereits 2017 war das Bad zeitweise wegen Reparaturen geschlossen, bald darauf war der Abriss (beinahe) beschlossene Sache. Auf über 80 Millionen Euro wurden die Sanierungskosten geschätzt, ein Neubau kommt nahezu gleich teuer. Und so hat am 23. August die Frankfurter Statdverordnetenversammlung für Abriss und Neubau gestimmt: Die „Schwimmoper“ ist bald Geschichte.

Entworfen hat das opulente Badehaus der Frankfurter Architekt Dieter Glaser, der in den späten 1970ern auch Teil einer Planungsgruppe war, die zur Dom-Römer-Neugestaltung Vorschläge lieferte. Das spaktakuläre Dach, das sowohl an München als auch an fernöstliche Vorbilder erinnert, ist nur ein Teil der Erlebnislandschaft. Drei Sprungtürme, Wellen- und Außenbecken, eine schneckenförmige Wasser-Rutsche und ein großer Wellness-Bereich zählen ebenso zum Unterhaltungsprogramm. Unser Tipp: Gönnen Sie sich doch noch mal einen schönen Tag im Rebstockbad, ehe dort der Stöpsel gezogen wird. (db, 1.9.18)

Frankfurt, Rebstockbad (Bild: Karsten11/gemeinfrei, CC0)

Offenbach an der Queich, Rathaus (Bild: © Friedrich Haag, wikimedia commons, CC BY SA 4.0, 2016)

Offenbach an der Queich: Rathaus „abrissbereit“

Als hätte Henri Matisse heftig brutalistisch geträumt: In Offenbach an der Queich (Südliche Weinstraße) enstand 1979 nach Plänen des Architekten Eduard Arnold ein Rathaus der feinsten Sorte. Der Stahlbetonskelettbau mit dem zeichenhaft aufgeständerten Ratssaal erhielt abstrahierende Betonreliefs von Karl-Heinz Deutsch. In den Folgejahren kamen kleinere Anbauten und ein Trauzimmer hinzu. Darüber hinaus hat sich das Offenbacher Rathaus weitestgehend unverändert erhalten. Bis jetzt.

2015 entschied sich die Kommune für einen Neubau auf der grünen Wiese. Das bisherige Rathaus sei von Bauschäden geplagt, eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar. Im Folgejahr wurde das Ensemble, auf Initiative des Architekten Arnold und des Bildhauers Deutsch, unter Denkmalschutz gestellt – mitsamt des ebenfalls von Deutsch gestalteten Brunnens vor dem Rathaus. Nur wenige Tage darauf genehmigte die Kommune den Abriss unter der Auflage, die Betonreliefs zu erhalten. Seither wartet die Betonschönheit „abrissbereit“ auf die Fertigstellung des neuen Rathauses. (kb, 31.8.18)

Offenbach an der Queich, Rathaus (Bild: © Friedrich Haag, wikimedia commons, CC BY SA 4.0, 2016)