Baugeschehen

Schwerin-Lankow, umgenutze Schwimmhalle (Bild: kfw.d)

In Schwerin baut man über das Wasser

Da wohnen, wo andere schwimmen gehen! In Schwerin-Lankow ist das Realität geworden. 2015 war das Schicksal des alten Volksbads von 1976 bereits besiegelt. Die Schweriner wollten ihre alte Schwimmhalle allerdings nicht den Abrissbaggern überlassen. Hatten doch dort nicht wenige ihre ersten Schwimmzüge getan. Kurz vor knapp wurde der Architekt Ulrich Bunnemann zu Rate gezogen, ob sich noch etwas machen ließe mit der leerstehenden Halle. Es ging! Für einen symbolischen Euro übernahm Bunnemann das Objekt. Was dabei herauskam, ist ein ungewöhnliches Nachnutzungskonzept: 16 Wohnungen über dem Schwimmbecken. 

In kurzer Frist wurden die Wohnungen mit Seeblick in der alten Struktur fertiggestellt, gleichzeitig wurde die vorhandene Bausubstanz eingebunden. So werden die markanten hyperbolisch-paraboloiden Betonschalen des Architekten Herbert Müller – Spitzname „Schalen-Müller“ – in den Wohnräumen inszeniert. Auch das äußere Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Halle blieb in weiten Teilen erhalten. Das Projekt erhielt dafür jetzt den Sonderpreis beim KfW Award Bauen 2019. (jm, 14.6.19)

Titelmotiv: Schwerin-Lankow, umgenutze Schwimmhalle (Bild: kfw.d)

Essen, Tankstelle Caspar (Bild: Thomas Stoch, CC BY-SA 4.0)

Der Sprit ist alle …

Die freie Tankstelle Caspar im Essener Stadtteil Holsterhausen hat sich in den vergangenen Jahren zur Berühmtheit entwickelt: Vermutlich gab es keine ältere, durchgehend betriebene Zapfstation in ganz Deutschland. Seit 1924, somit satte 95 Jahre lang, wurde hier Benzin verkauft. Doch nun ist es damit vorbei. Der letzte Betreiber hatte schon seit Längerem einen Nachfolger gesucht, jedoch ohne Erfolg. So schloss der 69-Jährige Manfred Milz am 31. Mai 2019 den Betrieb, der in einem Garagenhof lag.

Milz war zugleich einer der letzten gelernten Tankwarte Deutschlands in Aktion: 1967 hatte er seine Ausbildung in der Essener Gemarkenstraße 18 begonnen und ist immer hier geblieben! Was aus dem geschichtsträchtigen, wohl aber nicht denkmalgeschützten Gebäude wird, ist noch nicht klar. Gut möglich, dass die Investoren längst in den Startlöchern stehen … (db, 12.6.19)

Essen, Tankstelle Caspar (Bild: Thomas Stoch, CC BY SA 4.0)

Hamburg-Duulsberg, Frohebotschaftkirche (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

Hamburg-Dulsberg: Der Umbau ist fertig

An Pfingsten ist es soweit: Die Frohebotschaftkirche in Hamburg-Dulsberg wird wiedereröffnet. Noch vor wenigen Jahren sah es schlecht aus für die Zukunft des Kulturdenkmals. Die evangelische Gemeinde hatte bereits ihre Dietrich-Bonhoeffer-Kirche aus der liturgischen Nutzung genommen, für Frohebotschaft wurde gar der Abriss diskutiert. Fritz Schumacher hatte 1903 bereits bei seiner Planung für den neuen Stadtteil das heutige Kirchengrundstück vorgesehen.

Es war schließlich das Architekturbüro Friedrich Dyrssen und Peter Averhof, das die Kirche 1937 fertigstellte und 1953 auch den Wiederaufbau des kriegszerstörten Gebäudes anleitete. Nach längerer Diskussion um eine mögliche Nutzungsänderung starteten WRS Architekten 2015 den Umbau: Zwei Kuben – Kindergarten und Gemeindehaus – wurden in das Schiff eingestellt. Erschlossen wird der Bau nun über einen neuen Zugang von Norden, vom Straßburger Platz her, das Schiff dient an dieser Seite als Foyer. Finanziert wurde die Maßnahme durch Fördermittel und den Verkauf umliegender, durch den Abriss von Nebenbauten freigeräumter Flächen. (kb, 9.6.19)

Titelmotiv: Hamburg-Dulsberg, Frohebotschaftkirche (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

Hamburg, St.-Pauli-Elbtunnel am 31. Mai 2019 (Bild: Großtankstelle Brandshof)

Alter Elbtunnel autofrei

Seit 1911 ist der Hamburger St.-Pauli-Elbtunnel in Betrieb. Der Ingenieursbau an den Landungsbrücken galt seinerzeit als technische Meisterleistung, gelangen doch Kraftfahrzeuge und Pferdefuhrwerke über große Lastenaufzüge hinunter zu den zwei Tunnelröhren, die St. Pauli mit der Insel Steinwerder verbinden. Von der verkehrstechnischen Notwendigkeit hat sich der Jugendstil-Tunnel längst zur Touristenattraktion gewandelt. Und doch war er bis zuletzt für Kfz offen – die freilich nur noch eine Minderheit waren: 42.000 Autos im Jahr 2018 stehen 300.000 Fahrräder und 1,1 Millionen Fußgänger gegenüber. Dazu beigetragen haben dürften neben dem Werftensterben der 1980er auch die nur 1,85 Meter breiten Fahrspuren, auf denen fettleibige „moderne“ SUV ohne Schäden an den teuren Alurädern kaum noch fahrbar waren …

Nun ist die Zeit der Kraftverkehrs im alten Elbtunnel vorbei: Seit 1. Juni ist er aufgrund Sanierung nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar. Ob er nach Ablauf der etwa fünf Jahre dauernden Arbeiten wieder für Motorfahrzeuge geöffnet wird, ist unklar. Die „Hamburg Port Authority“ (Neusprech für „Hafenbehörde“) ließ verlautbaren, dass die Sperrung zeitlich unbegrenzt und bis auf Weiteres gelte. Die Lastenaufzüge sollen jedoch betriebsbereit bleiben. Einen letzten standesgemäßen Besuch stattete unter anderem die Oldtimer Tankstelle dem Tunnel am 31. Mai ab: Die Mitarbeiter durchquerten mit einem 1961er Opel Rekord die Röhren. (db, 8.6.19)

Hamburg, St.-Pauli-Elbtunnel am 31. Mai 2019 (Bild: Großtankstelle Brandshof)

Duisburg, die als Kulturkirche genutzte Liebfrauenkirche (Foto: Christian Huhn)

Last Call

Die Rahmendaten sind bekannt: Weniger Mitglieder und weniger Geld lassen die beiden großen christlichen Konfessionen ihren Gebäudebestand überprüfen. Am Ende der Diskussionen stehen immer häufiger Schließung, Umnutzung oder Abriss. Nach Einschätzung der Initiative „Zukunft – Kirchen -Räume“, die zu Jahresbeginn startete, ist mittelfristig jede dritte Kirche in Nordrhein-Westfalen (NRW) davon betroffen.

Gemeinden, die nach neuen Nutzungsideen für ihre Kirche suchen, können sich noch bis zum 14. Juli 2019 bewerben. Die Initiative präsentiert erfolgreiche Nutzungsbeispiele auf der Themenhomepage. Ausgewählte Gemeinden erhalten zudem individuelle Beratung von Experten, den Austausch mit Gleichgesinnten und individuelle Workshops zur Ideenfindung. Der Call „Zukunftskonzept Kirchenräume“ ist Teil von „Zukunft – Kirchen – Räume“, einem Kooperationsprojekt der Landesinitiative StadtBauKultur NRW, der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen unter Mitwirkung der (Erz-)Bistümer und Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen und Unterstützung des M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW und der RWTH Aachen. (kb, 6.6.19)

Duisburg, die als Kulturkirche genutzte Liebfrauenkirche (Foto: Christian Huhn)

Carlsdorf, Haus Paepke Projekt Pilzkiosk (Bild: Mark Meusel)

Pilzkiosk für Haus Paepke

Schnittige Villen gibt es nicht nur in Hollywood, im Tessin oder im Grunewald: Im nordhessischen Hugenottendorf Carlsdorf befindet sich das für das Lehrerehepaar Paepke 1958 vom Hofgeismarer Architekten Prof. Hermann Mattern (1902-71) erbaute „Haus Paepke“: Ein Flachdachbungalow in der Tradition des Neuen Bauens, zeitgenössisch aufgepeppt mit Schmetterlingsdach und runden Fenstern, sich zum Garten hin zweigeschossig öffnend. Das große Grundstück in Hanglage zeichnet sich zudem durch seinen grandios angelegten Garten aus. Hermann Mattern, der zuletzt an der TU Berlin lehrte, gilt als einer der wichtigsten Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts.

Zum Tag des Offenen Denkmals öffnet der heutige Besitzer Mark Meusel das Haus Paepke regelmäßig für Besucher. Um diese künftig stilgerecht bewirten zu können und Ausflüglern eine besondere Einkehrmöglichkeit zu bieten, denkt er derzeit darüber nach, einen stilechten Pilzkiosk zu errichten. Die Vorlage hierzu bietet der berühmte, seit bald 60 Jahren lieferbare Modellbausatz von Faller. Derzeit eruiert Mark Meusel die Möglichkeiten einer Finanzierung. Bis zum 2019er Tag des offenen Denkmals dürfte es knapp werden, aber wer weiß: Vielleicht treffen wir uns 2020 ja auf eine Mokkamilch in Carlsdorf … (db, 5.6.19)

Carlsdorf, Haus Paepke Projekt Pilzkiosk (Bild: Mark Meusel)