Essen: Dreifaltigkeitskirche soll Stadtteilzentrum werden

Erst 2019 wurde die Dreifaltigkeitskirche in Essen-Borbeck-Vogelheim unter Denkmalschutz gestellt, jetzt sucht die Gemeinde nach einer Nutzungsmöglichkeit für den Gottesdienstraum und das angrenzende Gemeindezentrum. Das Ensemble wurde 1957 nach Entwürfen des Architekten Horst Loy fertiggestellt, der auch am Wiederaufbau des dortigen Folkwang-Museums mitwirkte. Nach einem Sturmschaden an den Kirchenfenstern erhielt der Raum 1992 eine neue farbige Glasgestaltung durch den Künstler Henk Schilling. Die Gemeinde entschied sich dabei bewusst für ein Bildprogramm, das auf die gemeinsame jüdisch-christliche Geschichte verweist.

Nach einer Ideenfindung zwischen kirchlichen, kommunalen und bürgerschaftlichen Vertretern im März diesen Jahres hofft die Gemeinde, ihr Ensemble zum Stadtteilzentrum mit generationsübergreifenden Angeboten umnutzen zu können. Die gottesdienstliche Funktion des Kirchenraums soll dabei, so berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, möglichst erhalten bleiben – zumindest teilweise. Ob und wenn ja wie genau sich das baulich für den liturgischen Raum auswirken wird, ist in diesem Stadium der Planungen noch offen. Sicher ist, dass die evangelische Gemeinde mit gut 9.000 Seelen und vier Predigtstätten sich etwas einfallen lassen muss, um für ihre Bauten eine Zukunft zu sichern. Noch werden Ideen gesammelt, Entscheidungen für das weitere Vorgehen sollen Ende 2020 getroffen werden. (kb, 30.3.20)

Essen, Dreifaltigkeitskirche (Bild: Patrick P., 2013, via foursquare.com)

Berlin: Mäusebunker und Hygieneinstitut akut bedroht

Das Tierversuchslabor der FU Berlin, liebevoll „Mäusebunker“ genannt, wurde zwischen 1971 und 1980 von Gerd Hänska errichtet. Schon seit Längerem droht die Charité mit dem Abriss, um neu zu bauen. Der bestehende Bau sei zu unwirtschaftlich, zu wenig flexibel. Daher soll der Mäusebunker im dritten Quartal dieses Jahres niedergelegt werden. Für den neuen Forschungscampus will die Charité ebenfalls das Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Fehling+Gogel, 1974) abreißen.

Aktuell steht der Mäusebunker (noch?) nicht unter Denkmalschutz. Dabei herrscht unter Architekturexperten bereits Einigkeit über den Wert des Baukunstwerks, das u. a. in die „SOS-Brutalismus“-Kampagne aufgenommen wurde. Abrissgegner können online eine Petition unterzeichnen, mit dem die Kunsthistoriker Felix Torkar und der Architekt Gunnar Klack für den Erhalt der beiden bedrohten brutalistischen Bauwerke werben. Gemeinsam komme dem Ensemble am Campus Benjamin Franklin ein besonderer Wert zu, so die Petition: „Diese identitätsstiftenden Bauten der Stadtgeschichte sind herausragende Beispiele dafür, wie trotz oder vielleicht gerade wegen des geforderten strengen Rationalismus unerwartete, neuartige, aufregende Formen entstehen können.“ (kb, 29.3.20)

Berlin, Hygieneinstitut (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0, via flickr.com)

KIT reißt Wilhelm-Nusselt-Hörsaal ab

Man möchte glauben, das ist alles nur ein April-Scherz – doch danach sieht es nicht aus. Das Karlsruher Institut für Technologie plant den Neubau eines „Lern- und Anwendungszentrums für Mechatronik“. Was zunächst vielversprechend klingt besitzt aber einen Haken: Der Wilhelm-Nusselt-Hörsaal von 1961 steht dem Vorhaben im Weg. Dessen Fassade wird von einem markanten Beton-Relief des Künstlers Klaus Arnold geprägt. In den 1960er Jahren war Arnold vielfach für Kunst am Bau eingespannt worden und gestaltete unter anderem die Ausstattung verschiedener Sakralbauten in Karlsruhe und Mannheim.

Wie die Badischen Neuesten Nachrichten nun erfuhren, soll im Sommer mit dem Abriss des Hörsaals begonnen werden. Den meisten Studierenden dürfte das Gebäude ohnehin nur von außen bekannt sein, denn es ist bereits seit Jahren aufgrund von Baufälligkeit geschlossen. Bemerkenswert ist, dass das benachbarte Hochhaus der Fakultät für Maschinenbau und Chemieingenieurwesen in den 2000er Jahren saniert wurde, wobei man den Hörsaal nicht ertüchtigte. (mk, 28.03.20)

Karlsruhe, Nusselt-Hörsaal (Bild: karlsruhe.de, PBe, 2013)