Ohne Abschied: Vicelinkapelle Riepsdorf verkauft

In den 1960er Jahren legte die nordelbische Landeskirche (heute Teil der Nordkirche) ein Bauprogramm für kleine protestantische Gemeinden auf: Mit Architekturwettbewerben, teils mit standardisierten Lösungen wollte man für ebenso qualitätvolle wie maßstäbliche Kirchenräume sorgen. Viele dieser Kapellen wurden später verändert und erweitert, einige von ihnen sind nicht mehr in gottesdienstlicher Nutzung. Auch im ostholsteinischen Riepsdorf hat die evangelische Vicelinkapelle – 1968 fertiggestellt nach einem Entwurf des Architekten Gert Johannsen, 1987 um einen Gemeinderaum ergänzt – zum 1. Februar einen neuen Besitzer gefunden.

Als Gründe für den Schritt nennt die Gemeinde klamme Kassen und ein Sanierungsstau. Bereits seit 2015 hatte man um den Erhalt der Kapelle gerungen. Am Samstag feierte man Abschied – coronagerecht nicht mit einem Gottesdienst, sondern lediglich mit einem Glockenläuten. Der Käufer stamme aus dem Ort, über die weitere Nutzung des Kapellenbaus ist noch nichts bekannt. Um zu klären, wie das kirchliche Leben vor Ort nun weiter aussehen könnte, soll – nach Corona – ein runder Tisch einberufen werden. (kb, 24.1.21)

Riepsdorf, Vicelinkapelle (Bild: kirchengemeinde.cismar.de)

KLEINKIRCHEN: 9 x Wiesbaden

mit Fotografien von Peter Frenkel

Bei moderneREGIONAL erscheinen in der Rubrik „invisibilis“ – neben der virtuellen Karte zu bedrohten Kirchen und aktuellen Meldungen – regelmäßig ausführlichere Beiträge zum Thema. Dazu zählt auch die Beitragsreihe „Kleinkirchen“, die bislang zu Unrecht übersehene Zeugnisse der Kirchbaumoderne in Einzelporträts vorstellt.

Im Sommersemester 2020 erkundeten Ute Dreyer und Peter Frenkel – beide studieren Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar – die Nachkriegskirchen in Wiesbaden. Unter Betreuung von Dr. Annika Tillmann (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) und Dr.-Ing. Mark Escherich (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Prof. Dr. phil. habil. Hans-Rudolf Meier) rückte dabei der mögliche Denkmalwert der Bauwerke in den Mittelpunkt. Als ein erstes Ergebnis dieser Streifzüge entstanden eindrucksvolle Fotografien von Peter Frenkel, die einen Blick auf den Reichtum der damaligen kirchlichen Baukunst in der hessischen Landeshauptstadt ermöglichen. (Zu Wiesbaden rechnet man politisch wie historisch auch Mainz-Kastel und -Kostheim.)

Den Anfang des virtuellen Rundgangs macht Maria Hilf (Franz Mertes, 1954). Zu den prägenden Architekturbüros jener Jahre gehört Rainer Schell, hier mit der Erlöser- (1963), der Stephanus- (1963) und der Thomaskirche (1964). Für die katholischen Gottesdiensträume sind die gemeinsam entwerfenden Brüder Paul und Fritz Johannbroer zu nennen. Ersterer gestaltete für Wiesbaden gleich drei Gemeindezentren, darunter die Christkönigkirche (1965). Nicht vergessen seien die Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71), St. Andreas (Hans Weber, 1965) – und natürlich die beiden „Stars“ der Wiesbadener Nachkriegskirchen: die von Herbert Rimpl entworfene Heilig-Geist-Kirche (1961) in Biebrich und die brutalistische Kirche St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) im Stadtteil Sonneberg. (Peter Frenkel/Karin Berkemann, 22.1.21)

Mainz-Kostheim, Maria Hilf (Franz Mertes, 1954) (Bild: Peter Frenkel, 2021)

Mainz-Kostheim, Maria Hilf (Franz Mertes, 1954) (Bild: Peter Frenkel, 2021)

Wiesbaden, Erlöserkirche (Rainer Schell, 1962) (BIld: Peter Frenkel, 2020)

Mainz-Kastel, Erlöserkirche (Rainer Schell, 1963) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Mainz-Kostheim, Stephanuskirche (Rainer Schell, 1963) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, Thomaskirche (Rainer Schell, 1964) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, Thomaskirche (Rainer Schell, 1964) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Nordenstadt, Christkönigkirche (Paul Johannbroer, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Andreas (Hans Weber, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Andreas (Hans Weber, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Titelmotiv: Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Geld für Tambour und Co.

Der erste Schritt ist getan: Seit 2020 strahlt der Tambour auf der evangelischen Kirche in Limburgerhof wieder in neuem Glanz. Wortwörtlich, denn der schlanke turmartige Dachaufbau wurde zuvor abgerissen und wiederaufgebaut. Bereits 2014 hatte man bei Dacharbeiten starke Schäden festgestellt und sich 2016, in Abstimmung mit der Denkmalpflege, für eine Rekonstruktion entschieden. Die Arbeiten im Inneren der Kirchen stehen bislang allerdings noch aus.

Schon 1992 hatte man die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Der Entwurf zum 1957 eingeweihten Bauwerk stammt vom Architekten Egon Freyer, der sich kurz darauf u. a. mit der Christuskirche in Speyer (1963) einen Namen machen sollte. In Limburgerhof spielte er für den Stahlbetonbau noch mit klassischen Motiven – von den strebepfeilerartigen Betonbindern bis zum Tambour-Zitat aus der Barockzeit. Nun hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ihre finanzielle Unterstützung für den nächsten Schritt zugesagt: die Sanierung des Innenraums. Weitere Förderung wäre willkommen. (kb, 19.1.21)

Limburgerhof, Protestantische Kirche (Bild: Immanuel Giel, PD, 2007)

Limburgerhof, Protestantische Kirche (Bild: Immanuel Giel, PD, 2007)

Titelmotiv: Limburgerhof, Protestantische Kirche (Bild: Immanuel Giel, CC BY 3.0, 2009)