Frankfurt: Dietrich-Bonhoeffer-Kirche steht zum Verkauf

Noch 2008 hatte es nach einer guten Lösung für die Frankfurter Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ausgesehen: Die Gemeinde übernahm den brutalistischen Bau in die eigene finanzielle Verantwortung. 1969 war die evangelische Kirche – außen (später weiß gefasster) Sichtbeton, innen Backsteinoberflächen – im neuen Quartier der Nordweststadt eingeweiht worden, gestaltet nach den Entwürfen des Architekten Werner W. Neumann. Für die Glasgestaltung zeichnete der Künstler Hermann Goepfert verantwortlich, für die Betonreliefs konnte Thomas Zach gewonnen werden. Neumann hatte sich in Frankfurt und Südhessen schon in den 1950er und 1960er Jahren einen Namen gemacht mit seinen evangelischen Kirchenbauten. Doch in der Nordweststadt traf er auf den damaligen Umschwung von der liturgisch ausgerichteten Raumauffassung zu den neuen Fragen einer Gemeinde mit sozialdiakonischer Ausrichtung. Folgerichtig verzichtete man vor Ort auf den eigentlich geplanten Glockenturm, um das Geld für die Entwicklungshilfe zu spenden.

Auch der Innenraum lebt von der Spannung zwischen gottesdienstlicher Feierlichkeit und sozialem Anspruch. Über dem Altar öffnet sich die Decke zu einem Oberlicht, das eine Metallinstallation zum Leuchten bringt. Auf der gegenüberliegenden Empore ruft ein künstlerisch gestaltetes Bonhoeffer-Zitat zum ethischen Handeln auf. 2021 dann übergab man vor Ort den Bau an den Regionalverband, der nun bekannt gab, dass die Kirche und das Pfarrhaus zum Verkauf stehen. Vorangegangen war eine Gemeindefusion, mit der seit 2020 die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Cantate Domino, St. Thomas und die evangelische Gemeinde in Niederursel zusammengehören. Dieser Gebäudebestand soll reduziert werden, doch an der Bonhoeffer-Kirche bleibt ein Standort erhalten, denn das Gemeindehaus samt Kindergarten werden nicht veräußert. Auch für den Kirchenbau wolle man eine Lösung finden, die nicht zum Abriss führt, so der Regionalverband gegenüber der Presse. (kb, 29.6.22)

Frankfurt, Bonhoeffer-Kirche (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)

Frankfurt am Main, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche (Bilder: oben: Karsten Ratzke, CC0 1.0; unten: Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)

Kein Denkmalschutz in Köln-Lindenthal

Schon seit Jahren ringen die Architekturfreund:innen um diese Kirche: In Köln-Lindenthal könnte die Klosterkirche bald dem Abriss anheimfallen. Schon der lange Name – St. Petrus und Paulus, Vom Guten Hirten – deutet auf die vielschichtige Nutzungsgeschichte des Bauwerks hin, das 1964 nach Entwürfen des Architekten Fritz Schaller fertiggestellt wurde und eine Glasgestaltung des Künstlers Franz Pauli erhielt. Markant ist vor allem das hohe, verschieferte Walmdach über dem Kirchenraum, dessen Form sich in drei angrenzenden Giebeln über dem Schwesternchor wiederholt. Ursprünglich entstand der markante Bau für die Schwestern vom Guten Hirten, die hier junge Frauen in Nöten betreuten. Als die Kommunität 1991 ihren Standort aufgab, verkaufte sie das Ensemble an das Erzbistum. 1998 wurde die Kirche an eine syrisch-orthodoxe Gemeinde vermietet, deren Vertrag allerdings 2021 ausgelaufen ist.

Um 2020 wurden verschiedene Konzepte für das Ensemble diskutiert, die von einer gemeinschaftsorientierten Nutzung bis zur wirtschaftlichen Erschließung für Wohnzwecke reichte, wobei letztere Überlegungen meist auf den Abriss der Kirche herausliefen. Nun meldet die Presse, dass die Bezirksverwaltung den von der Bezirksvertretung Lindenthal gestellten Antrag auf Denkmalschutz für die Kirche abgelehnt hat. Man vermisse hier die Qualitätsstufe, wie sie derselbe Architekt etwa mit der nahegelegenen, in ihrer Dachform und Lichtführung ähnlich konzipierten Kirche St. Thomas Morus erzielt habe, die man sehr intensiv auf Denkmalschutz hin prüfe. Mit dieser Entscheidung könnte der Stab über der Lindenthaler Klosterkirche gebrochen sein, denn das Bistum verfolgt seine Pläne für das Areal parallel bereits intensiv. Von Abriss ist schon seit Monaten die Rede, von einer Vermarktung des Geländes etwa für Wohnzwecke. (kb, 26.6.22)

Köln-Lindenthal, St. Petrus und Paulus, Vom guten Hirten (Bild: Elke Wetzig, CC BY SA 4.0, 2020)

Köln-Lindenthal, St. Petrus und Paulus, Vom Guten Hirten (Bilder: Elke Wetzig, CC BY SA 4.0, 2020)

Bozen: Kirche unter Denkmalschutz

Auch wenn der allgegenwärtige Vergleich mit der Wallfahrtskirche von Ronchamp gerne und allzu häufig eingesetzt wird, um jedweden markanten Betonbau anzupreisen – in diesem Fall drängt er sich tatsächlich auf. In Bozen im Südtirol entstand zwischen 1963 und 1969 die Kirche St. Pius X. Leicht zurückgesetzt in der Reschenstraße gelegen, öffnen sich die Seitenwände und die Decke der Stahlbetonkonstruktion, die eine Betonglaswand umfangen, in einer großen Geste zu den Gästen hin. Im Inneren wird der Gottesdienstraum auf einem annähernd kreuzförmigem Grundriss zum Altar hin gesteigert, vor dem die Decke zu einem Oberlicht mit einer Art Laterne aufbricht. Damit steigerte und öffnete der Architekt die betonplastischen Impulse, die von Ronchamp ausgingen, zu einem bewegt ein- und ausschwingenden Gebilde. Zudem strukturierte er die betonsichtige Konstruktion durch eine quergestreiften Oberfläche sowie eine umlaufende Lichtfuge unterhalb der Decke.

Der Entwurf für St. Pius X. stammt vom Architekten Armando Ronca (1901-1970), der schon vor dem Zweiten Weltkrieg einige seiner Entwürfe verwirklichen konnte, aber vor allem in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit in seiner Region prägend wirkte. Auf seinen Plänen beruhen weitere markante Bauten in Bozen, im Südtirol und in Mailand – vom Stadion San Siro in Mailand über Hotels, Ferienhäuser und Schulen bis zu innenarchitektonischen Arbeiten. Nun wurde die Qualität des Bozener Betonbaukunstwerks in der Inventarisation erkannt und mit dem Denkmalschutz gewürdigt. Die Landesdenkmalpflege versteht diesen Schritt auch als Zeichen der zunehmenden Öffnung für die Kunst der Nachkriegsmoderne, darunter wohl auch weitere geplante Unterschutzstellungen für andere Ronca-Bauten. (kb, 20.6.22)

Bozen, St. Pius X., Blick zum Altar (Bild: via glorie.at)