Forschung

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier)

Multiple Modernismen

Klassische Moderne, Avantgarde, Neues Bauen, Funktionalismus, Rationalismus oder Internationaler Stil – die Stile zwischen den beiden großen Kriegen tragen viele Namen. Doch bereits seit den 1980er Jahren unternehmen es Forscher mit Publikationen und Ausstellungen, den Blick auch für die „anderen“ Spielarten der Moderne zu weiten. In Innsbruck will man nun anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums einen „kritischen Blick“ werfen auf die Forschungen zur Moderne – und zugleich die Perspektive weiten für die vielen Spielarten des Bauens im 20. Jahrhundert.

Vom 31. Januar bis 2. Februar 2019 will die Universität Innsbruck (Forschungsinstitut Archiv für Baukunst) zur internationalen Tagung „Die Multiple Moderne“ einladen. Ziel der Veranstaltung ist es, dem Phänomen einer Multiplen Moderne näher zu kommen und den Stand der Forschung zu diskutieren. Parallel dazu wird im Archiv für Baukunst eine Ausstellung zur Tiroler Moderne gezeigt. Noch werden Themen gesucht, mögliche Schwerpunkte sind: das Bauhaus zwischen Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung, die Auseinandersetzungen zwischen einer radikalen und einer gemäßigten Moderne, die Architekturgeschichtsschreibung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis zum 15. September 2018 sind Abstracts für einen 20-minütigen Vortrag (max. 2.000 Zeichen mit Leerzeichen) und ein aktueller Lebenslauf mit (Dienst-)Adresse willkommen unter: klaus.tragbar@uibk.ac.at. (kb, 17.7.18)

Moderne-Ausstellungstipp auf dem Weg nach Innsbruck: die große Otto-Wagner-Schau in Wien, noch bis zum 30. September (Bild: Wien, Postsparkasse, Foto: Hagen Stier)

Berlin, U-Bahnhof "Schloßstraße" (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Architekturmoderne unter Tage

Verkehrsbauten, gerade der Moderne, setzen sichtbare Zeichen in den Städten und werden oft zu Identifikationsorten ihrer Nutzer. Doch mit der sich ändernden Funktion, mit Modernisierungsschüben bei Auto, Bus und Bahn, drohen diesen kleinen Inkunabeln heute große Veränderungen – bis hin zum Totalverlust. Vor diesem Hintergrund laden ICOMOS Deutschland, das Landesdenkmalamt Berlin und die Initiative Kerberos vom 20. bis 23. Februar 2019 ein in die Berlinische Galerie. Mit der internationale Konferenz „Underground Architecture“ wollen sie die architektonische Gestaltung von U-Bahnhöfen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Im Detail geht es den Veranstaltern um den europäischen Vergleich, um den Austausch zwischen Denkmalpflege und Denkmalforschung, zwischen den Machern, Betreibern und Nutzern moderner U-Bahnlinien und -stationen. Noch werden Themenvorschläge gesucht, z. B. zu den folgenden Schwerpunkten: Denkmalwerte und -bedeutung; Konstruktion, Material und Farbe; Erhaltung und Modernisierung; Vermittlung und Rezeption; Akteure und Netzwerke. Bis zum 15. August 2018 können Exposés für einen Vortrag (max. 1.500 Zeichen) mit einem Lebenslauf (max. 300 Zeichen) gesendet werden an: icomos@icomos.de. moderneREGIONAL unterstützt die Initiative als Medienpartner. (kb, 10.7.18)

Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“ (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Kulti und „Rosa Röhre“ auf der Shortlist

Unter den vielen Neubauten, die auch in diesem Jahr von einer Fachjury für das Deutsche Architekturmuseum(DAM) auf ihre Preiswürdigkeit hin gesichtet werden, finden sich auch nachkriegsmoderne Schätze. In die Shortlist, der engeren Vorauswahl von 22 Auszeichnungsanwärtern, wurden zwei Sanierungen aufgenommen. Da ist zunächst der Berliner Umlauftank2, besser bekannt als „Rosa Röhre“, der jüngst durch das Berliner Büro hg merz im Auftrag der Wüstenrot Stiftung wieder hergerichtet wurde. Das Versuchsgebäude der TU entstand 1974 nach Plänen Ludwig Leos im Stadtteil Tiergarten. In der überdimensionalen Röhre, die rechts und links aus dem Bauwerk herausragt, lassen sich künstliche Wasserströme erzeugen und die Seetauglichkeit von Schiffsmodellen erproben.

Und da wäre eine zweite Sanierung auf der Shortlist: die Renovierung des Dresdener Kulturpalastes durch das Hamburger Büro gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner) für KID (Kommunales Immobilienmanagement Dresden GmbH & Co. KG). 1969 wurde der vom Architekten Wolfgang Hänsch entworfene Kulturpalast in Dresden eröffnet. Vor den Ruinen von Schloss und Frauenkirche markierte der klare Glas-Beton-Bau ein deutliches Bekenntnis zur Moderne. Hänsch verband mit der Multifunktionshalle Raum für kulturelle und politische Veranstaltungen unter einem Dach. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Wir drücken beiden Moderne-Kandidaten die Daumen im finalen Rennen um den DAM-Preis 2019. (kb, 7.7.18)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Ungers und die Eifel

Oswald Mathias Ungers (1926-2007) ist nicht nur ein Kind der Eifel, sondern kehrte auch später immer wieder dorthin zurück. Hier baute er sich bis 1988 nicht allein ein Ferienhaus, sondern vielmehr eine ganze Anlage, ein postmodernes Gesamtkunstwerk. Nicht einmal ein asphaltierter Weg ist es, der zum Gebäude durch den Wald führt. Das Gebäude selbst, 17 x 17 Meter im Grundriss, liegt in einen Park, der ebenfalls dem 17-Meter-Raster unterworfen ist. Darin wurden zwei vorhandene Seen leicht verändert eingebunden. Weiter noch ein Atelierhaus, in dem sich die Gipssammlung befindet, und eine alte Kapelle.

Jedes Jahr lädt das Ungersarchiv Freunde und Förderer hier zu einem Sommerfest. Bei der diesjährigen Veranstaltung zusätzlich verknüpft mit einer Besichtigung der „Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen“. 150 Einwohner zählt der Ort, in dem Galerist Max Hetzler sich in den vergangenen Jahren ebenfalls ein Feriendomizil samt preisgekröntem Ausstellungshaus, Gästehaus und der Bibliothek Günter Förg errichtet hat. Die Verbindung zu Ungers: Dieser hatte den befreundeten Hetzler auf das Haus in Weidingen aufmerksam gemacht, das den Kern des jetzigen Stiftungsanwesens bildet. Noch mehr Ungers in der Eifel findet man in Utscheid. Für den nächstgrößeren Ort zu seinem Anwesen in Glashütte plante das Büro Ungers ein Gemeindehaus. (pl, 6.7.18)

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Breslau, Jahrhunderthalle (BIld: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)

Nicht nur Bauhaus

Das Bauhaus-Jubiläum steht kurz bevor – und im seinem Gefolge lernen wir die vielfältigen anderen Spielarten von „neuem“, von modernem Bauen kennen. Damit rückt auch der osteuropäische Raum stärker in den Blick, der bereits um den Ersten Weltkrieg herum zum Experimentier- und Symbolraum des (architektonischen) Fortschritts wurde. Die damals geknüpften Netzwerke wirkten lange weiter, von Ernst May bis zu den Internationalen Kongressen für Neues Bauen (Congrès Internationaux d‘ Architecture Moderne, CIAM).

Unter dem Titel „Nicht nur Bauhaus ‒ Netzwerke der Moderne in Mitteleuropa“ laden das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg), das Architekturmuseum Breslau und das Schlesisches Museum zu Görlitz daher vom 15. bis 17. Januar 2019 zu einer Konferenz nach Görlitz und Breslau ein. Hierfür werden noch Themenvorschläge gesucht. Die Tagung steht im Rahmen einer Ausstellung zu Adolf Rading im Breslauer Architekturmuseum. Willkommen sind Exposés für einen Vortrag (ca. 2.000 Zeichen) mit einem kurzen Lebenslauf (mit Mail- und Postkontaktdaten sowie Angaben zur aktuellen Tätigkeit: max. 1000 Zeichen) bis zum 1. August 2018 an: beate.stoertkuhl@bkge.uni-oldenburg.de. (kb, 1.7.18)

Breslau, Jahrhunderthalle (Bild: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)