Forschung

Europa ist Gold

Wenn auf der diesjährigen Leipziger Denkmalmesse eine Farbe vorherrschte, dann war es Gold. Ebensolche Tragetaschen wurden vom Stand „Denkmal Europa“ verteilt – und gerne angenommen. Hintergrund der fashionablen Werbebeaktion war die Onlinestellung der Seite „Denkmal Europa“. Hier legt die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL) virtuell einen roten Faden durch die Bau- und Kulturgeschichte Europas. Der Aufbau folgt nicht allein einem zeitlichen Fahrplan. Wiederkehrend werden pro Epoche oder Thema drei Stufen durchlaufen: ein orientierender Zeitstrahl, eine besondere Graphic Novel und ein vertiefendes Forscherprojekt. Gerade die Bilderstrips sind sehr charmant geraten, etwa die Wanderung der Hugenotten nach Hessen. Hier findet die eigentliche, die jugendliche Zielgruppe ebenso Anspechendes wie der marrodierende Herangewachsene.

Hintergrund der neuen Internetseite sind „14 besonders gelungene Projekte“ – vielfach die jeweiligen Länderaktionen – des endenden Kulturerbejahrs. So treffen sich im Netz allerlei historische Themen, aber auch das 20. Jahrhundert ist vertreten: darunter, um nur einige zu nennen, die kantige Architekturmoderne Niedersachsens, eine Graphic Novel zum NS-Terror, das schwungvolle Haus Schminke aus Sachsen oder das französisch-deutsche Bauen im Saarland. Die Anmeldung zum Newsletter verspricht Nachrichten zu künftigen Veröffentlichungen – es darf also auf eine Fortsetzung der goldenen Zeiten der virtuellen Denkmalpflege gehofft werden. (kb, 11.11.18)

Impression von der Denkmal Messe Leipzig (Bild: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz)

Oberschleißheim, Haupttribüne der Olympia-Regattaanlage (Bild: Richard Huber, CC BY SA 4.0, 2012)

Eine Regatta für den Denkmalschutz

Ein rechteckiger See bei München steht frisch unter Denkmalschutz: Immerhin handelt es sich um die Regattaanlage, die in Oberschleißheim 1972 für die Olympiade errichtet wurde. Für den Standort sprachen damals die gute Verkehrsanbindung, das ebene Gelände und der hohe Grundwasserspiegel. Ab 1969 gestaltete die Münchner Architekten- und Ingenieurgemeinschaft Eberl und Partner (Michael Eberl, Helmut Weippert, Erich Heym, Otto Leitner) das Gelände zur Sportanlage um. Damit sich die Neubauten möglichst harmonisch in die Umgebung einfügten, setzte das Büro viel Holz ein – u. a. für die Verkleidung des Pultdachs und der 18 Stahlspannseile der Haupttribüne.

Bis heute wird die Regattaanlage im Besitz der Stadt München aktiv genutzt. Daher kommt die Unterschutzstellung kommt gerade zur rechten Zeit, denn die Strecke soll „neu geordnet“ werden, um für die Ruderer und Kanuten künftig internationale Wettkämpfe gewährleisten zu können. Dafür sollten Teile der historischen Tribüne niedergelegt werden, vielleicht in der Tribüne ein Hotel entstehen. Unter Schutz stehen nun das künstlich angelegte Wasserbecken, die Tribüne, die Bootshallen, die Unterkunftsbauten, die Sporthalle, die Start-, Ziel- und Messtürme und der künstliche Bachlauf mit der Betonskulptur von Michael Eberl. (kb, 5.11.18)

Oberschleißheim, Haupttribüne der Olympia-Regattaanlage (Bild: Richard Huber, CC BY SA 3.0, 2012)

Wandkalender "Betonkunst in der DDR" von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Geschenke für Ostmodernisten

Da sucht man ein Geschenk für die Hochzeit eines Freundes – und die Ostmoderne-Community gibt einem so viele tolle Tipps, dass es gleich für mehrere Hochzeiten reichen könnte. Daher möchten wir Ihnen diese weihnachtstauglichen Hinweise auf keinen Fall vorenthalten: Da wäre das persönliche Inlands-Erlebnis mit einem „privaten Ausflugsbegleiter in die sowjetische Geschichte“ (Berlins Taiga). Oder für die Russischsprechenden oder Russlandreisenden die Stadtführungen von engineer-history.ru. Oder eine fachkundig begleitete Reise von Gianluca Pardelli von Soviet Tours.

Doch lieber ein Buch? Dann wären Einführungen wie „Pioneers of Soviet Architecture“ zu empfehlen. Die neue Neuauflage von Christoph Liepach hatten wir schon völlig zu Recht besprochen. Und da wäre natürlich noch der unermüdlich Foto-Chronist der Ostmoderne Martin Maleschka. Sein DIN-A-3-Wandkalender, der diesmal zwölf Motive von bekannten und weniger bekannten DDR-Betonformsteinen zum Thema hat, ist leider vergriffen. Fast – denn zur Buchvorstellung am 13. Dezember um 18 Uhr können noch Restexemplare in Eisenhüttenstadt im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR erworben werden. Buchvorstellung? Ja, der neue, der erste Maleschka ist dann bei DOM Publishers erschienen: „Baubezogene Kunst. DDR. Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis 1990“. Weitere Buchvorstellungen, z. B. am 18. Dezember im DDR-Museum in Berlin-Mitte, sind in Vorbereitung. (kb, 4.11.18)

Wandkalender „Betonkunst in der DDR“ von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL oder CC-BY-SA-3.0)

Gesucht: Die Bonner Republik

1949 wurde Bonn „Regierungssitz“ der jungen Bundesrepublik. Ein Provisorium, das zum „Provisorium in Permanenz“ wurde, da die Stadt sich erst ab 1970 „Bundeshauptstadt“ nennen durfte. Bonn hatte nichts von einer Metropole, von einer „Hauptstadt“ an sich. Doch in Nordrhein-Westfalen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine „Hauptstadtregion“: Die Landeshauptstadt Düsseldorf diente als wirtschaftlich-kulturelles Oberzentrum. Köln trug als Medien- und Kulturzentrum, Sitz des Erzbistums und Standort vieler Lobbyverbände wesentlich zu dieser Hauptstadtregion bei. Ab den 1960er Jahren kam Brüssel als europäische Hauptstadt mit hinzu.

Die Tagung „Die Bonner Republik“, die in Bonn am 18. Oktober 2019, in Düsseldorf am 22. November 2019 stattfinden soll widmet sich der Herausbildung der „Hauptstadtregion“ nach 1949. Ein Thema, mit dem sich Forschungsgruppe zur „Bonner Republik“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des dortigen An-Instituts „Moderne im Rheinland“ in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland schon länger beschäftigen. Gesucht werden noch Themenvorschläge zu diesen Schwerpunkten: die Dynamiken dieser Entwicklung, die damit verbundenen Vorstellungen von „Hauptstadt“, das Verhältnis zum Begriff „Nation“, die Selbst- und Fremdbilder, die Kulturpraktiken und künstlerischen Entwürfe, der Einfluss der Region, die Netzwerke, was vor Ort vorhanden war und was erst hinzugewonnen werden musste. Einsendungen (Abstracts von einer Seite) sind willkommen bis zum 25. November 2018 unter: grande@phil.hhu.de. (kb, 11.10.18)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL/CC BY SA 3.0)

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Sigrid Neubert ist tot

Gerade erst wurde ihr die Ausstellung „Architektur und Natur“ gewidmet (aktuell im Lechner Museum Ingolstadt zu sehen), nun ist die Fotografin Sigrid Neubert am 13. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben. Die gebürtige Tübingerin beendete 1954 ihre Ausbildung und arbeitete zunächst in der Werbung, ehe sie sich auf die Architekturfotografie spezialisierte – im Adenauer-Deutschland noch eine männliche Domäne. Ihre kontrastreichen Bilder erreichten schnell eine ikonische Qualität, vor allem jene der Münchner Olympia-Bauten und des BMW-Hochhauses werden bis heute regelmäßig publiziert. Bis Ende der 1980er hielt Sigrid Neubert vorrangig das neue Bauen in der Bonner Republik fest, ehe sie sich der Naturfotografie zuwendete.

Die laufende Retrospektive in Ingolstadt widmet sich dem Gesamtwerk der Fotografin, zeigt auch ihre bekanntesten Arbeiten, wie die Bilder aus dem Nymphenburger Schlosspark und den megalithischen Tempeln von Malta. Doch natürlich sind auch die Architekturaufnahmen zu sehen. Sigrid Neubert selbst ermöglichte erst die Schau in dieser Form:  durch die Schenkung wesentlicher Werkkonvolute an die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Berlin. Das zur Ausstellung erschienene Buch von Frank Seehausen über die Architekturfotografie Sigrid Neuberts sei hier noch einmal ausdrücklich empfohlen. (db, 17.10.18)

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Ulm, Einstein-Haus (Bild: VHS Ulm, 1968)

Ulm: Das Einstein-Haus wird 50

Die Ulmer vh (Volkshochschule) wurde genau ein Jahr nach Befreiung der Stadt durch die Amerikaner gegründet: am 24. April 1946. Vor allem Inge Scholl (später Aicher-Scholl, nach der Heirat mit dem (Grafik-)Designer Otl Aicher), Schwester von Hans und Sophie Scholl, stand der neuen Institution als erste Leiterin vor. Zunächst war die vh auf räumlicher Wanderschaft, u. a. im provisorisch wiederaufgebauten Ulmer Museum, später im Gebäude des Amerikahauses.

Erst 22 Jahre später wurde am Kornhausplatz ein eigenes Bauwerk im Stil als „Ulmer Funktionalismus“ errichtet. Es folgt den Prinzipien der Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG), mit der die vh, nicht zuletzt durch Inge Aicher-Scholl und Otl Aicher, eng verknüpft war. Geplant wurde das Haus vom Ulmer Büro Eychmüller, Sykora und Krauss. Der zur Stadt hin offene Stahlskelettbau steht, so die Presse, vor allem „für den demokratischen Aufbruch der Nachkriegszeit“. Die Innenräume sind vollständig mit Teppichboden ausgelegt, einem weichen Kontrast zu den Sichtbetonwänden und Wandmodulen. Besonders der „Club Orange“ besticht durch die erhaltenen, orangene Eames-Möblierung. Nun, zum 50. Jubiläum wird an der vh gefeiert: Am 20. Oktober bietet der Tag der offenen Tür ein großes Rahmenprogramm und zusätzlich die Eröffnung einer Ausstellung zur Hausgeschichte, die bis 20. November zu sehen sein wird. (pl, 13.10.18)

Ulm, Einstein-Haus (Bild: vh ulm, 1968)

Lichtschalter "System 80" (Bild: PD)

Designer Wolfgang Dyroff ist tot

Gestern meldete die „Freie Presse“ (und FG Ostmodern fischte die Nachricht aus dem Netz), dass der Fotograf und Designer Wolfgang Dyroff bereits am 4. Oktober in Lilienthal bei Bremen verstorben ist. Geboren wurde Dyroff am 13. April 1923 in Berga in Thüringen. Vor 1945 als ausgebildeter Fotograf tätig, wirkte er nach Kriegsende mit dem Formgestalter Horst Michel am Wiederaufbau der Hochschule in Weimar (heute: Bauhaus-Universität), wo er zugleich seinen Abschluss machte. Gemeinsam mit Michel gestaltete er in dieser Zeit u. a. Spielzeug, darunter eine Holzeisenbahn und einen Bauernhof-Baukasten. In der Folge arbeitete er, weiter in Weimar, am Institut für Innengestaltung.

1959 wechselte Dyroff ans Institut für angewandte Kunst beziehungsweise am Zentralinstitut für Gestaltung, später ans Amt für industrielle Formgestaltung in Berlin, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1989 wirkte. Dyroff war beispielsweise beteiligt am Aussehen des Wartburg 353 und des Trabant P 50, am Handstaubsauber der Marke Omega (vormals VEB Elektrowärme Altenburg), an der Bohrmaschine HGM 250 Multimax, an der Lampe Modell P 605, an Schaltern und Steckdosen des ab den 1960er Jahren äußerst erfolgreichen „Systems 80“. (kb, 13.10.18)

Lichtschalter, System 80 (Bild: PD)

Kunsthalle Rostock (Bild Kunsthalle Rostock, CC by SA 3.0)

Der sozialistische Musentempel

1969 eröffnete in Rostock das erste neu erbaute Kunstmuseum der DDR – es sollte das einzige bleiben. Nichtsdestotrotz kam der Institution Museum im Arbeiter und Bauernstaat eine besondere gesellschaftliche und politische Rolle zu. Als Bildungseinrichtung mit breiter Adressatenschaft waren Museen für die um historische und kulturelle Deutungshoheit bemühte Staatsführung nicht zu vernachlässigen. Vom 2. bis 4. Juni 2019 widmet sich die internationale Tagung „Museen in der DDR“ diesem wissenschaftlich bislang kaum bearbeiteten Forschungsfeld.

Im Fokus stehen die Spezifika des DDR-Museums, egal ob es sich um eine Kunstgalerie, ein Naturkundemuseum oder das historisch-materialistisch aufgebaute und damit hochpolitische Museum für Deutsche Geschichte in Ost-Berlin handelt. Ziel der Veranstaltung ist ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand, der auch in einem Tagungsband festgehalten werden soll. Die Tagung ist Teil des Jubiläumsprogramms anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kunsthalle Rostock, die dem Konvent als Tagungsort eine passende Bühne bietet. Der Call for Papers läuft bis zum 30. November 2018, Abstracts (max. 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen + Kurzlebenslauf) können hier eingereicht werden. (jr, 12.10.18)

Rostock, Kunsthalle (Bild: Kunsthalle Rostock, CC BY SA 3.0)

Abreißkalender Bad Neuenahr (Bild: BI Lebenswerte Stadt, Foto: privat)

Abreißkalender

Manchmal, und leider immer öfter, sind Bauten weg, so schnell kann man gar nicht mitkommen. Um die Verluste der Städte Neuenahr und Ahrweiler nicht dem Vergessen anheim zu geben, hat sich die Bürgerinitiative Lebenswerte Stadt einen Kalender der besonderen Art vorgenommen: 2019 erscheint der „Abreißkalender“. Gezeigt werden zwölf Bauten aus Neuenahr und Ahrweiler, die in den letzten Jahren verloren gingen. Eine Fotografie des abgerissenen Hauses wird jeweils ergänzt um weitere Informationen zu seiner Geschichte und Bedeutung.

Dass unter den Kalendermotive auch moderne Schönheiten zu finden sind, mag nicht überraschen – z. B. die bedrohte Kuranlage Bad Neuenahr aus den 1930er Jahren. „Dieser Kalender will die Bauwerke und ihre Historie in Erinnerung rufen und zur Geltung kommen lassen“, erklärte der Architekturfotograf Axel Hausberg, der am Kalenderprojekt mitgearbeitet hat, gegenüber „Blick aktuell“. Interessierte können den Kalender im DIN A 4 Format, entstanden in Kooperation mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege, gegen einen Unkostenbeitrag vorbestellen bei: bi-lebenswertestadt@gmx.de, 0160 96609869 (unter Angabe von Stückzahl, Name und Anschrift). (kb, 8.10.18)

Titelmotiv: Kalenderblatt „Abreißkalender 2019“ (Bild: BI Lebenswerte Stadt)

Darmstadt-Kranichstein, Hochhaussiedlung (Bild: LSDSL, CC BY SA 3.0, 2016)

Ressource Nachkriegsmoderne

Das Problem ist älter, die Forschungsgruppe dazu ist neu: Im September 2018 hat die Forschungsgruppe „Ressource Nachkriegsmoderne – Baukultur und Siedlungsbau 1945-1975“ an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll erste Anlaufstelle in der Region Frankfurt Rhein-Main werden für alle, die sich mit dem modernen Siedlungs- und Städtebau in Verwaltung, Wohnungsbaugesellschaften, Bürgerschaft, Praxis und Forschung beschäftigen. Insbesondere in Ballungsräumen könnten die Bauten der Nachkriegsmoderne „dringend benötigten günstigen und qualitativ hochwertigen Wohnraum bieten“, erklärt die Sprecherin der Gruppe, Prof. Dr. Maren Harnack vom Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik der Frankfurt UAS.

Neben Harnack (Städtebau und Entwerfen) gehören der Gruppe drei weitere Professoren des Fachbereichs an: Prof. Dr. Wolfgang Jung (Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege), Prof. Dr. Michael Peterek (Städtebau und Entwerfen) und Prof. Dr. Hans-Jürgen Schmitz (Technischer Ausbau) – zudem Prof. Patricia Ines Hoeppe vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, die performativ im öffentlichen Raum arbeitet. Kooperationspartner sind der Regionalverband FrankfurtRheinMain, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, der Deutsche Werkbund Hessen e.V., die Stadt Frankfurt am Main (Dezernat IV Planung und Wohnen sowie Denkmalamt) und die Nassauischen Heimstätten. An der Frankfurt UAS wurden insgesamt fünf neue Forschungsgruppen gebildet, das Fördervolumen beträgt jeweils zwischen 300.000 und 400.000 Euro. (kb, 5.10.18)

Darmstadt-Kranichstein (Bild: LSDSL, CC BY SA 3.0, 2016)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Viel Stauraum

Das Punkthochhaus PH 16 zählte in der DDR zu einem der höchsten Plattenwohnbautypen. Auch in Leipzig prägte das PH 16 das Stadtbild gleich mehrerer Stadtteile. Inzwischen sind viele dieser markanten Bauten abgerissen oder durch eine Sanierung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Vor diesem Hintergrund hat es sich die Leipziger „deinTischler“ – wie wir über einen Hinweis der Plattform ostmodern.org erfuhren, auch „Jeder Quadratmeter Du“ liebt dieses Möbel – der Aufgabe verschrieben, „dieses und anderer Gebäude in Form von Möbelstücken“ zu archivieren.

Das Möbelstück „PunktHochhausMöbel – PHM 16“ eignet sich nach Herstellerangabe für Büro oder Zuhause. Es steht frei im Raum, kann daher über viel ostmodern aussehenden Stauraum hinaus auch als Raumteiler dienen. Hierfür kombiniert „deinTischler“ drei Hochhausschränke zu einer Grundfläche von ca. 150 x 150 cm. Die Maße werden wie folgt angegeben: zwei Stück à 94,3 x 222,5 x 60 cm, ein Stück à 112,7 x 236,7 x 60 cm. Jeder Schrank verfügt über zwei große „Push-to-open“-Türen. Das Innenleben kann den Kundenwünschen individuell angepasst werden. Durch Zahnleisten lassen sich Fachböden, Schubkästen oder Kleiderstangen einsetzen. So praktisch kann Denkmalpflege sein! (kb, 2.10.18)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Adelsried, Maria Schutz der Reisenden (Bild: historische Postkarte)

Älteste Autobahnkirche wird 60

Am 12.Oktober 1958 wurde eine bundesweite Neuheit eingeweiht: Mit „Maria Schutz der Reisenden“ war in Adelsried, an der Schnellstraße zwischen Stuttgart und München, Deutschlands erste Autobahnkirche entstanden. Der Papierfabrikant Georg Haindl hatte das Geld, Raimund Freiherr von Doblhoff den Entwurf beigesteuert. Die Kubatur entspricht einer typischen bayerischen Dorfkirche, doch die Materialien weisen bereits in Richtung Moderne. Denn der Betonskelettbau wird großflächig in Klarglasscheiben aufgelöst, die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen.

Seit inzwischen 60 Jahren wird „Maria Schutz der Reisenden“ betreut durch Dominikaner des Konvents Hl. Kreuz in Augsburg. Bis heute ist die Autobahnkirche ein willkommener Rastpunkt für Reisende, die sich hier die Füße vertreten, kulturell begeistern oder geistlich auftanken können. Inzwischen hat sich das Konzept „Autobahnkirche“, mit Neubauten ebenso wie mit ausgewiesenen historischen Orten, als Erfolgsmodell bewährt – bundesweit werden über 40 Standorte gezählt. Die meisten von ihnen finden sich im Süden und Westen der alten Bundesländer, sie verteilen sich annähernd gleich auf die beiden großen Konfessionen. Die Kirche von Adelsried wurde rechtzeitig vor dem bevorstehenden Jubiläum frisch saniert, für den 14. Oktober 2018 ist u. a. ein Festgottesdienst geplant. (kb, 1.10.18)

Adelsried, Maria Schutz der Reisenden (Bild: historische Postkarte)