Forschung

Museen und Moderne in Düsseldorf

Die Vortragsreihe zur Baukunst der Kunstakademie Düsseldorf im Sommersemester 2019 bietet Architekturfreunden wie Urbanisten noch zwei interessante Abende: Am 27. Mai befasst sich der Architekt Frank Boehm in seinem Vortrag „Kunst. Raum. Stadt.“ mithilfe eines Rückblicks auf die ersten Readymades von Marcel Duchamp mit der Veränderung der Beziehungen von Kunstobjekt und Raum sowie von den die Kunst beherbergenden Räumen zur Stadt (Keine Sorge, das Thema ist zugänglicher als es klingt!). Frank Boehm ist künstlerischer und kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Insel Hombroich in Neuss.

Der Abschlussvortrag der vom BDA Landesverband NRW und vom BDA Düsseldorf unterstützten Reihe findet am 24. Juni statt: Marco Pogacnik, der in Venedig Architekturgeschichte lehrt, stellt die Architektur der Nachkriegsmoderne im Italien der 1950er bis 1970er Jahre vor und diskutiert ihren gesamtgesellschaftlichen Kontext. Ein schönes Beispiel: das Kaufhaus La Rinascente in Rom (1960). Beide Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr in der Aula der Kunstakademie Düsseldorf, Eiskellerstraße 1, 40213 Düsseldorf; der Eintritt ist frei. (db, 20.5.19)

Rom, La Rinascente (Bild: Saraeva89, CC BY SA 3.0)

I. M. Pei (Bild: ForgeMind ArchiMedia, CC BY 2.0, via flickr.com)

Mehr als Pyramide: I. M. Pei ist verstorben

Als Walter Gropius nach seiner Zeit als Harvard-Lehrer gefragt wurde, wen er zu seinen begabtesten Schülern zähle, fiel dieser Name: I. M. Pei. Heute ist der chinesisch-amerikanische Altmeister im Alter von 102 Jahren verstorben – wohl als letzter Epigone der „zweiten Moderne“. Dabei wollte er sich zeitlebens nie einer Bewegung zuordnen: „Ich bevorzuge keine Label. Es ist Architektur.“ Statt architektonischen Moden zu folgen, kombinierte er feinsinnig unterschiedlichste Einflüsse: Westliches und Östliches, Zeitgenössisches und Historisches. So ist es nicht verwunderlich, dass sein mit Abstand bekanntestes Werk, die Erweiterung des Grand Louvre durch die Versöhnung zweier ästhetischer wie historischer Pole überzeugt. Dies trifft auch auf das Deutsche Historische Museum zu, seinen Beitrag zur Neugestaltung Berlins.

Sein umfangreiches Oeuvre wird all zu häufig auf eben jene Pariser Glaspyramide beschränkt. In über 70 aktiven Jahren hinterließ er der Nachwelt unzählige Großprojekte, vor allem Kulturbauten. Internationalen Ruhm erlangte er bereits in den 1960er Jahren, als Jacqueline Kennedy ihn mit der Präsidentenbibliothek für ihren ermordeten Ehemann beauftragte. Doch auch in seinem Frühwerk ist schon der dezidierte Umgang mit Form, Material, Atmosphäre und Lichtführung zu finden. Dieser brachte ihm den Spitznamen „Der Meister des Lichts“ und 1983 den Pritzkerpreis ein. (jm, 17.5.19)

I. M. Pei (Bild: ForgeMind ArchiMedia, CC BY 2.0, via flickr.com)

Hamm-Werries, St Bonifatius (Bild: historische Postkarte)

Werries: St. Bonifatius unter Schutz

Es war ein längerer Weg, bis die katholische Gemeinde in Hamm-Werries den Architekten für ihre Kirche gefunden hatte. Der Neubau sollte eine „Notkirche“ aus dem Jahr 1913″ ersetzen. Denn spätestens mit der Ansiedlung des Chemiefaserwerks DuPont im nahen Uentrop brauchte man in Werries einen größeren Gottesdienstraum. Doch der zunächst beauftragte Architekt Vedder aus Menden verstarb, so dass sein Berufskollege Paul Krisch aus Brackwede übernehmen musste. 1975 schließlich konnte der fertiggestellte Kirchenbau geweiht werden.

Jetzt steht das junge Bauwerk frisch unter Denkmakschutz, samt Turm, Sakristei, Ausstattung und Freifläche. Nach außen staffeln sich seit der Einweihung die Wandscheiben aus Stahlbeton, nach innen prägen seit der Renovierung von 2012/13 farbige Gläser der Künstlerin Celia Mendoza den Raum. Zur Originalausstattung von 1975 zählen die liturgischen Orte des Bildhauers Heinz Hollenhorst. (kb, 14.5.18)

Hamm-Werries, St Bonifatius (Bild: historische Postkarte)

Berlin, Familienfoto zur Jugendweihe, 1969 (Foto: Christa Hochneder, Bild: Bundesarchiv Bild 183-H0511-0010-001, CC BY SA 3.0)

Zeitzeuginnen gesucht

Sie haben Ihre Kindheit und Jugend in der DDR verbracht? Dann sucht das Frauenstadtarchiv Dresden genau Sie und Ihre Erinnerungen! In einem oder mehreren Workshops werden die Zeitzeuginnen gebeten, ein Foto mitzubringen oder etwas, das sie an die Wendezeit erinnert. Damit möchte das Frauenstadtarchiv eine Gruppe von Frauen ansprechen, die in Forschung und allgemeiner Wahrnehmung bislang kaum berücksichtigt wurde: die sog. dritte Generation Ost, der eine hohe „Transformationskompetenz“ zugeschrieben wird.

Aus dem in den Workshps gesammelten Material wird im Frauenstadtarchiv eine interaktive Performance entwickelt. Termine sind im FrauenBildungsHaus Dresden (Oskarstraße 1): 11. Mai, 14 bis 18 Uhr; 25. Mai, 14 bis 18 Uhr; 7. Juni, 17 bis 21 Uhr; 8. Juni, 14 bis 18 Uhr; 21. Juni, 17 bis 21 Uhr; 5. Juli , 17 bis 21 Uhr; 23. und 24. August, Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. Um Anmeldung wird gebeten: frauenstadtarchiv@frauenbildungshaus-dresden.de. Die Aufführungen der Performance „(L)ost in Transformation“ finden im Herbst 2019 statt. (kb, 9.5.19)

Berlin, Familienfoto zur Jugendweihe, 1969 (Foto: Christa Hochneder, Bild: Bundesarchiv Bild 183-H0511-0010-001, CC BY SA 3.0)

Berlin, Am Tegeler Hafen (Bild: Th. Voekler, CC BY SA 3.0, 2013)

Die 1980er kommen: IBA-Bauten unter Schutz

Heute Mittag gibt die Stadt Berlin via Pressemeldung bekannt: „Das Landesdenkmalamt Berlin (LDA) hat weitere Bereiche der Internationalen Bauausstellung 1987 (IBA ’87) unter Schutz gestellt“. Mit der IBA hatte man sich vor 32 der Aufgabe gestellt, Teile der Westberliner Innenstadt als Wohnraum zurückzugewinnen. Schlagworte der großangelegten Maßnahme waren „kritische Rekonstruktion“ und „behutsame Stadterneuerung“. Unter den beteiligten Architekten finden sich klangvolle Namen der (Post-)Moderne wie Josef Paul Kleihues, Gottfried Böhm, Mario Botta, Karl und Max Dudler oder Hans Hollein.

Bereits im Jahr 2010 war eine von der Stadt beauftragte Studie erschienen, um die erhaltenswerten Elemente der IBA-Flächen auszumachen und Perspektiven für den künftigen Umgang damit aufzuzeigen. Einige der Ergebnisse der stilprägenden Bauausstellung sind zwischenzeitlich verloren gegangen, darunter 2013 die markante Wohnanlage am Lützowplatz von Oswald Mathias Ungers. Die neue Auszeichnung umfasst sowohl Baudenkmale als auch Gartenbaudenkmale in Tegel, Tiergarten und Wilmersdorf. Im Detail werden aufgeführt die Anlagen am Tegeler Hafen, im südlichen Tiergarten und am Prager Platz (Wilmersdorf). (kb, 8.5.19)

Nachtrag: Laut der Pressemeldung der Stadt Berlin vom 13. Mai 2019 gehören zu den Neuausweisungen: 1) das Demonstrationsgebiet Tegel mit der Bebauung am ehemaligen Hafen und der nahegelegenen Phosphateliminationsanlage (kurz PEA), 2) die 1980-88 entstandene Wohnsiedlung „Am Tegeler Hafen“ mit der Humboldt-Bibliothek zu den großen städtebaulichen Projekten der IBA (städtebaulicher Entwurf von den US-amerikanischen Architekten Charles Moore, John Ruble und Buzz Yudell), 3) das Demonstrationsgebiet im Südlichen Tiergartenviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern, Stadtvillen, Townhouses und Energiesparhäusern sowie am Nordufer des Landwehrkanals mit dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) der britischen Architekten James Stirling und Michael Wilford und nicht zuletzt das Umspannwerk Lützowplatz von Max Dudler, 4) die neue Einfassung des Prager Platzes (Masterplan von Gottfried Böhm gemeinsam mit Carlo Aymonino aus Rom  und Rob Krier aus Wien). Die Pressemeldung erklärt weiter: „Bereits 2015 hatte das Landesdenkmalamt Berlin eine erste Auswahl von IBA-Bauten aus den drei Demonstrationsgebieten in Kreuzberg (Luisenstadt, SO 36 und Südliche Friedrichstadt) in die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Nun stehen bedeutende Beispiele aus allen sechs Demonstrationsgebieten der IBA unter Denkmalschutz.“ (kb, 13.5.19)

Berlin, Am Tegeler Hafen (Bild: Th. Voekler, CC BY SA 3.0, 2013)

Rechenzentrum (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, 1975)

4 x Moderne im Online-Grimmepreis-Voting

Im Voting können Sie aus den Nominierungen zum Grimme-Online-Award 2019 über den Publikumspreis abstimmen: bis zum 12. Juni 2019 für bis zu drei Internetangebote. Unter den illustren nominierten Projekten finden sich auch vier moderneaffine Angebote. In der Kategorie „Wissen und Bildung“ ist das „Stadtlexikon Stuttgart“ der Landeshaupstadt aufgestellt. Die Online-Plattform bietet Tablet-Nutzern vor Ort die Möglichkeit, in historische Karten zu blicken und weiterführende Informationen zu erhalten – darunter auch Inkunabeln der Moderne wie die Weißenhofsiedlung. Ebenfalls in der Kategorie „Wissen und Bildung“ wartet dieses Angebot auf Ihre Stimme: Mit „Denkmal Europa“ unternimmt die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger eine Zeitreise in die Baugeschichte auch des 20. Jahrhunderts – z. B. zu „Bauten für den Fortschritt“ und „Bauten im totalen Wahn“. Diese werden jeweils in einem Zeitstrahl verortet, in einer Graphic Novel dargestellt und in Bezug zu einem aktuellen Forschungsprojekt gesetzt.

In der Kategorie „Wissen“ findet sich „Wem gehört Hamburg?“: Gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt will das Recherchekollektiv Correctiv mehr Transparenz in den Hamburger Wohnungsmarkt bringen. In einem eigens eingerichteten Crowd-Newsroom wurden Angaben von mehr als 1.000 Mietern ausgewertet und so Eigentumsdaten zu über 15.000 Wohnungen recherchiert. Nicht zuletzt wird in der Kategorie „Kultur und Bildung“ das „WDR Bergwerk in 360° und VR“ zur Wahl gestellt: Ende 2018 nahm Deutschland Abschied vom Steinkohle-Bergbau. Nun können die Nutzer 1.200 Meter tief ins Bergwerk einfahren, einen Bergmann einen Tag lang begleiten, die Zeche erkunden, mit der Dieselkatze fahren oder selbst Kohle aus dem Berg hauen. Das für verschiedene Endgeräte verfügbare Angebot bewahrt so ein Stück deutscher Industriegeschichte. Keiner hat gesagt, dass Ihnen die Wahl leicht fallen wird … (kb, 7.5.19)

Rechenzentrum (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, 1975)