Die Botschaften der Wände

Am 24.1. geht es in der Berliner Akademie der Künste um sprechende Wände. Genauer gesagt, um Kunst am Bau. Sie hat als Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung in Deutschland eine lange Tradition und seit den 1920er Jahren in beiden Deutschen Staaten ein reiches baukulturelles Erbe hervorgebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kunstförderung in der sowjetisch besetzten Zone sofort Teil der sozialistischen Kulturpolitik. Die Kulturverordnung legte 1950 den Etat für baubezogene Kunst an staatlichen Neu- und Umbauten auf ein bis zwei Prozent der Bausumme fest. Kunstwerke sollten die Bauten von Regierung und Partei, Volkseigene Betriebe, Hochschulen und Kulturhäuser ergänzen. Ab den 1960ern wurde diese Kunst in der DDR unter anderem um Skulpturen, Brunnen und Glasgestaltungen erweitert.

Themen der Werke waren meist Völkerfreundschaft, die Verbundenheit mit der Sowjetunion, Fortschritt, Aufbau und Verteidigung. Mit der Wiedervereinigung verloren viele DDR-Bauten ihre Funktion, wurden teils abgebrochen, teils neu genutzt und umgebaut. Oft genug ging die sozialistische Kunst verloren. Nun möchte das Symposium „Kunst am Bau in der DDR“ den Blick wieder auf den Ost-Kunstbestand und seine kulturgeschichtliche Bedeutung lenken. Es sprechen unter anderem Arnold Bartetzky, Thomas Flierl, Sigrid Hofer, Paul Kaiser, Swantje Karich und Ulrike Wendland. Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Tel. 030/20057-1000, Anmeldung: kunstamBau@bbr.bund.de (db, 20.1.20)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Martin Maleschka)

Moderne in Oberhausen

Das Wissenschaftsforum Ruhr und die Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung (OWT) richten den Blick auf das architektonische Erbe der Nachkriegsmoderne: In der Reihe „Wissenschaft im Wirtshaus“ ist die Architektin Prof. Alexandra Apfelbaum zu Gast im Restaurant Gdanska. Sie nimmt die gebauten Zeugnisse der 1950er bis 1980er Jahre in Oberhausen unter die Lupe, die bislang zwar von Initiativen wie ruhrmoderne.de verteidigt, insgesamt aber noch eher ungeliebt sind, und lädt zur anschließenden Diskussion.

Eine zentrale Frage ist: Ist die Epoche der Nachkriegsarchitektur von den 1950er bis zu den 1980er Jahren wirklich so unästhetisch? Was zeichnet sie bei Bauformen, Gestaltung, Baumaterialien und Konstruktionsweisen aus? Wo gibt es typische Bauten in Oberhausen und welche Probleme sowie Möglichkeiten zum Erhalt, Bewertung und Weiternutzung gibt es? Fragen und Fragen, auf die es zumindest Lösungsansätze gibt. Ursprünglich sollte die Veranstaltung bereits im November 2019 stattfinden, musste jedoch verschoben werden. Nun ist es aber Zeit für „Wissenschaft im Wirtshaus“, und zwar am Mittwoch, den 5. Februar um 18 Uhr im Gdanska, Altmarkt 3, 46045 Oberhausen; der Eintritt ist frei. (db, 19.1.20)

Oberhausen, Europahaus (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Silvia Margrit Wolf)

Stadttheater Trier vogelfrei

Die Partei der Grünen ist in letzter Zeit nicht unbedingt als Liebhaberin nachkriegsmoderner Gebäude in Erscheinung getreten. Eine Ausnahme bildet die Fraktion im Stadtrat von Trier: Sie hatte einen Antrag auf Unterschutzstellung fürs 1964 eröffnete Stadttheater gestellt. Hintergrund ist die geplante Generalsanierung des Baus. Immerhin war die Option Abriss und Neubau schon vom Tisch, doch die angestrebte energetische Aufrüstung lässt tiefe Eingriffe in die Originalsubstanz befürchten. „Mit seinen Raumfolgen, dem Farb- und Materialkonzept, den Fassadenelementen und filigranen Details ist das Stadttheater Trier (…) das interessanteste und wichtigste Zeugnis der 1960er-Jahre-Architektur in unserer Stadt“, schrieb die Fraktion im Denkmal-Antrag.

Daraus wird nun nichts, denn die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz hat am 10. Januar den Antrag abgelehnt. Bereits 2015 wurde der Bau des Architekten und Bonatz-Schülers Gerhard Graubner (1899-1970) begutachtet und als nicht schutzwürdig angesehen, an dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Andere Graubner-Bauten wie die Stadttheater in Bochum und Wuppertal genießen hingegen seit langer Zeit Schutz. Das von der Trierer Stadtverwaltung favorisierte Sanierungs-Vergabeverfahren ohne vorherigen Wettbewerb möchten die Grünen weiterhin verhindern und nun einen solchen Planungswettbewerb vorgeschlagen. Dabei hoffen sie auf die Unterstützung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. mR hofft mit! (db, 13.1.20)

Trier, Stadttheater (Bild: Helge Klaus Rieder, CC0)