Forschung

Frankfurt, S-Bahn mit Motiven des Neuen Frankfurt (Bild: Copyright: Kulturdezernat der Stadt Frankfurt, Foto: Salome Roessler)

Mit Bus und Bahn zum Neuen Frankfurt

Gestern präsentierten Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig und Thomas Wissgott, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) mit historischen Motiven bedruckte Fahrzeuge des ÖPNV: Bus, Bahn und Straßenbahn. Zu sehen sind Fotografien von Siedlungselementen der 1920er und frühen 1930er Jahre, als unter Stadtbaurat Ernst May und Architekturgrößen wie Martin Elsaesser am Main wegweisende soziale und gestalterische Projekte verwirklicht wurden. Unter dem Slogan „Zum Neuen Frankfurt auf Schienen“ sollen nun die bedruckten Busse und Bahnen auf den lokalen Schwerpunkt im Bauhausjahr hinweisen.

Passend dazu ist aktuell ein Faltplan erschienen, der interessierte Modernisten mit dem ÖPNV zu sehenswerten Punkten des Neuen Frankfurt im Stadtgebiet leitet. Dabei orientiert sich die Gestaltung (Design: Profi Aesthetics) an einer Stadtkarte aus der Ära May. Der neue Faltplan ist analog im Ernst-May-Haus, im Forum Neues Frankfurt und im Deutschen Architekturmuseum erhältlich. Online steht er als Download zur Verfügung. Und wer virtuell vorglühen möchte, dem sei ein Blick in das mR-Frühjahrsheft „Moderne Mobil“ empfohlen, das die Bauten des Neuen Frankfurt mit zeitlich dazu passenden Fortbewegungsmitteln (und alterslosen Fachleuten) zusammenbringt. (kb, 30.6.19)

Frankfurt, S-Bahn mit Motiven des Neuen Frankfurt (Bild: Copyright: Kulturdezernat der Stadt Frankfurt, Foto: Salome Roessler)

Mizpa, Straßenszene, 1992 (Bild: Dalman-Institut, Greifswald)

Israelfotos gesucht

„Die meisten Touristen fühlen sich genötigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewöhnliche zu schieben, das Ihnen begegnet.“ (Susan Sontag, 1977) Spätestens ab den 1950er Jahren endete jeder Urlaub unweigerlich mit einem Foto-Album oder einem Dia-Abend. Für ein Forschungsprojekt sucht die Universität Greifswald jetzt Ihre privaten Israelfotografien: analoge Aufnahmen (Papierabzüge, Dias, Alben, bebilderte Reisetagebücher) der Kulturlandschaft Palästina (Israel, Palästina, Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten) der Jahre 1850 bis 1992. Die 1920 vom Palästinakundler Gustaf Dalman in Greifswald begründete Sammlung birgt rund 20.000 historische Fotografien der Kulturlandschaft Palästina. Diese Aufnahmen werden in einem Forschungsprojekt ausgewählten Reisefotografien der Zeit nach der Gründung des Staates Israel (1948) gegenübergestellt. Teils können dafür die Bestände von Archiven wie WDR Digit herangezogen werden.

Aber immer noch fehlen aussagekräftige Aufnahmen vor allem der Jahre 1948 bis 1992. Die Ergebnisse der Forschungen, vielleicht auch Ihre Fotografien, sollen 2020 in einem Buch und einer kleinen Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn Ihre Aufnahmen für die Projektbeteiligten interessant sind, werden diese abgeholt oder das Porto für den Versand erstattet. Selbstverständlich werden Fotografien nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit den Bildgebern verwendet. Nach Abschluss des Projekts erhalten Sie Ihre Fotografien zurück – und als Dankeschön hochwertige Scans der schönsten Aufnahmen daraus für Ihr privates digitales Fotoarchiv. (kb, 29.6.19)

Wenn Sie eigene Aufnahmen haben oder über die Aufnahmen Ihrer Eltern/Großeltern verfügen, melden Sie sich bis zum 15. August 2019 bei: Dr. Karin Berkemann, Kustodin der Dalman-Sammlung, dalman@uni-greifswald.de oder 0179 7868261. Oder Sie posten Ihr Israelfoto unter #israelretrofoto.

Titelmotiv: Mizpa, Straßenszene, 1992 (Bild: Dalman-Institut, Greifswald)

Frankfurt am Main, Grand Tower im Bau - Blick vom Skyline Plaza (Bild: Peters Picture, CC BY SA 2.0, via flickr)

Magnus Kaminiarz 1964-2019

Der „Grand Tower“ am Frankfurter Güterplatz ist gerade im Bau. Der 172-Meter-Turm wird Deutschlands höchstes Wohnhaus und ist jetzt schon ein Symbol für einen entgleisten Wohnungsmarkt: Die Luxuswohnungen haben erwartungsgemäß solvente Interessenten vorrangig aus Asien und Saudi-Arabien angesprochen. Entworfen hat den schon jetzt zigfach preisgekrönten Bau im einstigen Arbeiterviertel Gallus das Büro Magnus Kaminiarz & Cie, das etliche Luxusbauten gestaltete – architektonisch brillant und losgelöst vom Normalverdiener. Ein weiterer Wohnturm namens „Eden“ (mit Helmut Jahn) ist ebenfalls im Bau. Irritierend waren da die Meldungen im Frühjahr 2019, dass für das Büro Kaminiarz ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. Ende Mai wurde nun bekannt, dass Magnus Kaminiarz am 5. April im Alter von nur 54 Jahren verstorben ist.

Sein Studium absolvierte der gebürtige Bremer in seiner Heimatstadt und in Hamburg, in Frankfurt startete seine Karriere bei Jo. Franzke, wo er 2003 zum Partner aufstieg, ehe er 2011 sein eigenes Büro gründete. Bald zählte es zu den ersten Adressen im Wohnbau, von Micro-Appartements über Hochhäuser bis zu Studentenwohnheimen in Frankfurt, Hamburg und Berlin. Auch die Entwürfe für das Frankfurter Projekt „Marie„, für das das gründerzeitliche Marienkrankenhaus abgerissen wurde und nun durch eine historisierende Bebauung ersetzt wird, entstammen dem Büro Kaminiarz & Cie. (db, 8.6.19)

Frankfurt, Grand Tower im Bau (Bild: Peters Picture, CC BY SA 2.0, via flickr)

Duisburg, die als Kulturkirche genutzte Liebfrauenkirche (Foto: Christian Huhn)

Last Call

Die Rahmendaten sind bekannt: Weniger Mitglieder und weniger Geld lassen die beiden großen christlichen Konfessionen ihren Gebäudebestand überprüfen. Am Ende der Diskussionen stehen immer häufiger Schließung, Umnutzung oder Abriss. Nach Einschätzung der Initiative „Zukunft – Kirchen -Räume“, die zu Jahresbeginn startete, ist mittelfristig jede dritte Kirche in Nordrhein-Westfalen (NRW) davon betroffen.

Gemeinden, die nach neuen Nutzungsideen für ihre Kirche suchen, können sich noch bis zum 14. Juli 2019 bewerben. Die Initiative präsentiert erfolgreiche Nutzungsbeispiele auf der Themenhomepage. Ausgewählte Gemeinden erhalten zudem individuelle Beratung von Experten, den Austausch mit Gleichgesinnten und individuelle Workshops zur Ideenfindung. Der Call „Zukunftskonzept Kirchenräume“ ist Teil von „Zukunft – Kirchen – Räume“, einem Kooperationsprojekt der Landesinitiative StadtBauKultur NRW, der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen unter Mitwirkung der (Erz-)Bistümer und Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen und Unterstützung des M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW und der RWTH Aachen. (kb, 6.6.19)

Duisburg, die als Kulturkirche genutzte Liebfrauenkirche (Foto: Christian Huhn)

Stanley Tigerman (Bild: Lee Bey, CC BY 2.0, 2007)

Der Mies versinken ließ: Stanley Tigerman ist tot

In Chicago verstarb am 3.Juni der amerikanische Architekt Stanley Tigerman im Alter von 88 Jahren. Nach einer klassisch modernen Ausbildung, die ihn in das miesianische Mekka am Michigan See führte, ließ er die Crown Hall im Meer versinken – auf einer Collage mit dem Titel „Die Titanic“. Danach war Raum geschaffen für ein postmodernes Feuerwerk der Formen und Zitate. Ikonen wie das lächelnde Haus der Anti Cruelty Society entstanden. Dort offenbart sich Tigermans scharfer Sinn für das Ironische. Als Architekturtheoretiker verstand Tigerman die Baukunst als Allegorie.

Über Jahrzehnte wirkte er in Chicago als Lehrer an der University of Illinois. Zuletzt galt er als Nestor der dortigen Architekturszene. In den 1990er Jahren gründete Tigerman die Non-Profit Organisation Archeworks – einen interdisziplinären Designinkubator für Projekte mit sozialem Anspruch. Bis zuletzt galt er als kritische Stimme im Baugeschehen. Dass er in einem von Mies entworfenem Gebäude lebte und dies als „tägliche, stündliche Herausforderung“ bezeichnete, verrät augenzwinkernd einiges über die Gedankenwelt Tigermans. (jm, 5.6.19)

Stanley Tigerman (Bild: Lee Bey, CC BY 2.0, 2007)

Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Bild: Joe Mabel, GFDL oder CC BY SA 4.0, 2018)

„Klassik-Nike“ geht nach Berlin

Dürfen wir vorstellen? Die „Klassik-Nike“! Damit prämiert der Bund Deutscher Architekten (BDA) einen Bau der Nachkriegsmoderne, der „sich über mindestens drei Jahrzehnte bewährt hat und dessen besondere Architektur immer noch als vorbildhaft gelten kann“. Dieses Jahr geht die Flügelfigur an die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. 1895 von Franz Schwechten gestaltet, sollte sich Egon Eiermann der kriegszerstörten Kirche annehmen. Anfangs wurde der Abriss diskutiert, doch dann ließ sich der Architekt von der Bevölkerung überzeugen: Der „Hohle Zahn“, der historistische Kirchturm blieb als Mahnmal stehen. Ergänzt wurden „Lippenstift und Puderdose“, Kirchenschiff und Turm in moderner Wabenstruktur.

Im geteilten Berlin avancierte das Ensemble zu einem der Wahrzeichen im damaligen Stadtzentrum, zu einem der wenigen funktionierenden Ruinen-Mahnmale. Bis heute lieben Touristen wie Einheimische nicht nur die markante Architektur, sondern auch das kirchenmusikalische und liturgische Angebot. Jüngst wurde das Schätzchen denkmalgerecht durchsaniert, ohne dabei die Spuren der Baugeschichte zu verleugnen. Oder, in Jurysprache: „Diese mehrschichtige Komplexität der Form und Nutzung würdigt die Jury mit der Klassik-Nike.“ (kb, 28.5.19)

Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Bild: Joe Mabel, GFDL oder CC BY SA 4.0, 2018)