Ulm: Die Wiederkehr des Gummibaums

Unverkennbar steht er da, der Gummibaum. Vor allem in Zeitschriften für Inneneinrichtung, Haushalt und Architektur. Als Wegmarke, der die Datierung von Räumen und Fotos in die ersten Nachkriegsjahre leicht macht. So steht der Gummibaum auch als Marke für „The Gummibaum Project“ in Ulm. Bereits im letzten Jahr bespielte das Projekt ausgewählte Orte aus den 1950ern innerhalb der Stadt mit Veranstaltungen: ein Verlagshaus, eine ehemalige Apotheke (heute eine Bar), ein Casino (heute ein Club) und die Volkshochschule, deren Gründungseltern Otl Aicher und Inge Aicher Scholl waren.

Die 2018 mit den Teilnehmern erarbeiteten Erkenntnisse präsentiert das Projekt nun in geführten Touren durch die Stadt. Dazu ergeben sich Kooperationen mit Schulen und der Volkshochschule. Neu wird auch die Webseite sein, auf der die jeweils aktuellen Wissensstände und Ergebnisse präsentiert werden auf einer Stadtkarte – markiert natürlich auch hier mit dem Gummibaum-Logo. Damit will das von der Stadt Ulm geförderte Projekt über Einzelveranstaltungen hinaus Wissen festhalten und verbreiten. Ein Work-in-Progress, der in diesem Jahr – auch via Social Media – in die zweite Etappe geht. Die Stadtouren auf Spuren der 1950er führen je ab 18 Uhr über den Eselsberg (28. Juli und 4. September 2019) und durch die Oststadt (24. Juli 2019). (db, 17.7.19)

Titel: Ulm, Amerikahaus (Bild: Stadtarchiv Ulm)

Le Corbusier wieder offen für alle(s)

Am Ostufer des Züricher Sees wurde 1967 der letzte Entwurf des Architekten Le Corbusier (1887-1965) umgesetzt: keinen Beton-Kubus, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Stahl, Glas und Farbe. Unter dem plastisch aufgefalteten Dach sind die Museumsräume als eigenständiger Baukörper eingefügt. Das Projekt wurde durch die Initiative der Innenarchitektin Heidi Weber ermöglicht, die in den Räumen Wechselausstellungen zu Le Corbusier plante. Das farbenfrohe Gesamtkunstwerk beherbergte so lange das Heidi-Weber-Museum mit Werken des Stararchitekten. Nach Unstimmigkeiten zwischen der Besitzerin Heidi Weber und der Stadt Zürich wurde das Centre Le Corbusier ab Juli 2014 kurzzeitig regelmäßig für Besucher geöffnet, bis das Haus 2015 – der Baurechtsvertrag lief nach 50 Jahren aus – zurück an die Stadt fiel.

Nun ist das Letztwerk des Großmeisters als Pavillon Le Corbusier wieder für die Öffentlichkeit zugänglich – betrieben unter der Ägide des Züricher Museums für Gestaltung, frisch renoviert unter den Architekten Silvio Schmed und Arthur Rüegg. Bis zum 17. November 2019 kann hier die Ausstellung „Mon univers. Le Corbusiers Welt der Objekte“ besucht werden. Kuratiert von Arthur Rüegg und Christian Brändle, widmet sich die Präsentation – von der Meeresschnecke bis zur Keramik aus dem Balkan – der Sammelleidenschaft des Architekten. (kb, 13.7.19)

Zürich, Pavillon Le Corbusier (Bild: Roland zh)

Bauhaus als Haltung?

Im Bahausjahr schauen wir etwas sehnsüchtig zurück auf den optimistisch-experimentellen Geist, der vor 100 Jahren im Städtebau möglich schien. Je knapper bezahlbarer Wohnraum wird, desto lauter wird der Ruf nach einer dem Bauhaus verpflichteten “sozialen Haltung”. Vor diesem Hintergrund fragt das Symposion „Taking a Stand?“ vom 29. bis zum 30. November 2019 – in der Berlinischen Galerie veranstaltet vom Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung – nach dem Verhältnis von Bauhaus und Moderne im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft. Wie wurden die reformerischen Impulse in der Weimarer Republik wirksam? Wie erging es den Bauhaus-Architekten und ihren Konzepten nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten? Und wie transformierten sich die Konzepte in den Nachkriegsjahrzehnten?

Das Symposion will ausdrücklich nicht nur ein Fachpublikum, sondern eine breitere Öffentlichkeit einbeziehen. So werden beispielsweise auch Schüler der Sekundarstufe gebeten, im Vorfeld einen eigenen Beitrag vorzubereiten. Forscher und Studierende der Kunst-, Kultur-, Politik- und Sozialwissenschaften sowie der Geschichtswissenschaft, Kunst-, Architektur- und Designgeschichte sind aufgerufen, bis zum 15. August 2019 einen Themenvorschlag einzureichen: einen kurzen CV (deutsch oder englisch), ein Abstract des wissenschaftlichen Beitrags (maximal 1.200 Zeichen) sowie eine modifizierte, den Dialog mit den Schülern anstoßende, verständliche Fassung (maximal 800 Zeichen) an: Dr. Andrea Bärnreuther, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung, a.baernreuther@bauhaus.de, 030 254002-41, 0172 3130288. (kb, 6.6.19)

Berlin-Siemensstadt (Bild: seier + seier, CC BY 3.0, via flickr)

Campus museumsreif?

2020 feiert die Universität Augsburg ihren 50. Geburtstag. Eigentlich kein Alter für eine Bildungseinrichtung, doch aktuell wird landauf landab hitzig über den „Schulbau der Zukunft“ diskutiert. Zumeist geht es dabei um neue pädagogische Konzepte, aber davon bleibt auch die Architektur nicht unberührt. Die meisten bundesdeutschen Bildungsbauten entstanden zwischen 1945 und 1979, freilich unter ganz anderen (bildungs-)politischen Voraussetzungen. Damals prägten die Stadtraumfiguren von Agora, Forum und Campus zumeist die Schul- und Universitätsplanungen. Doch gerade diese Architekturen werden heute allzu oft mit reichlich Bundesmitteln bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet oder überbaut.

Vor diesem Hintergrund versteht der Dortmunder Architekturhistoriker PD Dr. Olaf Gisbertz seinem Vortrag „Agora – Forum – Campus. Gebaute Bildungsreformen vermitteln“, der am 3. Juli 2019 um 18.15 Uhr an der Universität Augsburg (Raum 1088, Gebäude D) beginnt, als Denkanstoß: Die Bildungsbauten der Nachkriegsmoderne verdienen als „Zukunft für die Vergangenheit“ einen wertschätzenden nachhaltigen Blick. Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Reihe „Campus museumsreif? – Universitätswelten ausstellen“, die den Kosmos Universität aus (kunst-)historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet – mit Fachvorträgen, mit Ausstellungen etwa über die Studentenproteste und nicht zuletzt mit dem Campus selbst. (kb, 3.7.19)

Augsburg, Universitätsbibliothek (Bild: Universitätsbibliothek Augsburg/Fotostelle)

Bald auch in der Märklin-Stadt!

Die mR-Wanderausstellung „märklinMODERNE“ zeigt zum ersten Mal, wie modern die vermeintlich spießigen Modelleisenbahner wirklich waren: Im Hobbykeller des Wirtschaftswunders gehörten Flugdach, Glaskuppel und Rasterfassade wie selbstverständlich zum Miniatur-Stadtbild. Jetzt, endlich, kommt die Ausstellung auch in die Märklin-Stadt, nach Göppingen. Die Vernissage wird am 10. Juli 2019 um 19.30 Uhr im Museum im Storchen (Wühlestraße 36) begangen. Anschließend ist märklinMODERNE hier bis zum 27. Oktober 2019 zu sehen.

Geboten wird ein umfangreiches Begleitprogramm: Am 31. Juli können 8- bis 12-Jährige im Ferienprogramm unter dem Motto „Klein aber fein: Mein Haus im Schuhkarton“ in die Modellbauwelt eintauchen (10.00 bis 12.00 Uhr, Ferienveranstaltung, max. 10 Kinder. Materialkosten 3,– Euro, Anmeldung erforderlich unter 07161/650-9911, museen@goeppingen.de). Ebenso findet am 9. Oktober ein Kurs für 8- bis 12-Jährige statt unter dem Titel „Modellgeschichte(n): Von Bauten und Bausätzen“ (15.00 bis 16.30 Uhr, max. 10 Kinder, Materialkosten 3,– Euro, Anmeldung erforderlich unter 07161/650-9911, museen@goeppingen.de). Öffentliche Führungen durch die Ausstellungen werden angeoboten am 15. und 25. August, am 15. September, am 13. und 27. September jeweils um 15 .00 Uhr. Und als besonderes Bonbon wird am 4. August 2019 zum Schloss-Straßen-Fest eine Märklin-Gartenbahn im Museumsgarten aufgebaut (11.00 bis 18.00 Uhr, ganztägig freier Eintritt, Märklin-Gartenbahn im Museumsgarten, Ausstellungsführungen um 13.00 und 15.00 Uhr). (kb, 1.7.19)

märklinMODERNE, Mega-City von Gerald Fuchs (Bild: Moritz Bernoully, 2018)

Fluch und Segen?

Die Situation ist nicht neu, aber sie spitzt sich zu: Immer mehr – vor allem moderne – Kirchenbauten werden geschlossen, umgenutzt oder abgerissen. In NRW sollen von den rund 6.000 Räume in den nächsten Jahren rund 30 Prozent leerstehen (Jörg Beste, Synergon 2018). Daher zeigt das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI) die Ausstellung „Fluch oder Segen? Kirchen der Moderne“. Ausstellungsort ist St. Gertrud in Köln: Die 1965 geweihte Sichtbetonkirche des Architekten Gottfried Böhm wird seit 2010 auch für Ausstellungen und Installationen genutzt. Mit Projektionen inszeniert „Fluch oder Segen?“ den Raum und erläutert seine Hintergründe.

Im zweiten Teil der Ausstellung sollen aktuelle Projekte die baulichen wie inhaltlichen Verschiebungen durch eine neue Neunutzung vermitteln. Ausstellungspartner ist „Zukunft.Kirchen.Räume“ von StadtBauKultur NRW, das innovative Kirchennutzungen bündeln und Gemeinden im Umbruch unterstützen will. Die Ausstellungseröffnung wird gefeiert am 8. September 2019 um 15 Uhr. Im Anschluss ist die Ausstellung, die von Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann und Karen Jung kuratiert wurde, bis zum 10. November 2019 zu sehen in St. Gertrud (Krefelder Straße 57, 50670 Köln). (kb, 28.6.19)

Köln, St. Gertrud (Foto: © Michael Rasche)

Karte bedrohter (hellgrün), geschlossener (schwarz), abgegebener (violett), umgenutzter (dunkelgrün) und abgerissener (rot) Kirchenbauten des Historismus und der Moderne in NRW (Auszug der moderneREGIONAL-Karte „invisibilis“)