SOS Brutalismus in Aalen

Die Ausstellung „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“, ein gemeinschaftliches Projekt des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt und der Wüstenrot Stiftung, zieht weiter: Vom 1. Februar bis zum 29. März 2020 wird sie in der Galerie im Rathaus Aalen zu sehen sein. Bereits am Freitag, den 31. Januar findet um 18:00 Uhr die Vernissage statt, bei der auch DAM-Kurator Oliver Elser sprechen wird. Der aktuelle Ort der 2017 erstmals gezeigten Schau ist natürlich nicht ohne Grund gewählt.

Hintergrund ist der aktuelle Diskurs um die Zukunft des Aalener Rathauses, denn dort stehen demnächst größere Sanierungsmaßnahmen an. Nach einer Vortragsreihe im vergangenen Jahr soll die Ausstellung noch einmal die Qualitäten des Brutalismus und somit auch die architektonische Qualität des Rathauses ins Bewusstsein rufen. Der 1975 nach Plänen des Reutlinger Architekten und späteren Ulmer Baubürgermeisters Helmut Schaber realisierte Bau lehnt sich stilistisch an Kenzo Tanges Verwaltungsgebäude der Präfektur Kagawa im japanischen Takamatsu an. (mk, 22.01.20)

Aalen, Rathaus und Reichsstädter Brunnen (Bild: Stephan Becker, CC BY-SA 4.0)

Die Botschaften der Wände

Am 24.1. geht es in der Berliner Akademie der Künste um sprechende Wände. Genauer gesagt, um Kunst am Bau. Sie hat als Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung in Deutschland eine lange Tradition und seit den 1920er Jahren in beiden Deutschen Staaten ein reiches baukulturelles Erbe hervorgebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kunstförderung in der sowjetisch besetzten Zone sofort Teil der sozialistischen Kulturpolitik. Die Kulturverordnung legte 1950 den Etat für baubezogene Kunst an staatlichen Neu- und Umbauten auf ein bis zwei Prozent der Bausumme fest. Kunstwerke sollten die Bauten von Regierung und Partei, Volkseigene Betriebe, Hochschulen und Kulturhäuser ergänzen. Ab den 1960ern wurde diese Kunst in der DDR unter anderem um Skulpturen, Brunnen und Glasgestaltungen erweitert.

Themen der Werke waren meist Völkerfreundschaft, die Verbundenheit mit der Sowjetunion, Fortschritt, Aufbau und Verteidigung. Mit der Wiedervereinigung verloren viele DDR-Bauten ihre Funktion, wurden teils abgebrochen, teils neu genutzt und umgebaut. Oft genug ging die sozialistische Kunst verloren. Nun möchte das Symposium „Kunst am Bau in der DDR“ den Blick wieder auf den Ost-Kunstbestand und seine kulturgeschichtliche Bedeutung lenken. Es sprechen unter anderem Arnold Bartetzky, Thomas Flierl, Sigrid Hofer, Paul Kaiser, Swantje Karich und Ulrike Wendland. Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Tel. 030/20057-1000, Anmeldung: kunstamBau@bbr.bund.de (db, 20.1.20)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Martin Maleschka)

Moderne in Oberhausen

Das Wissenschaftsforum Ruhr und die Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung (OWT) richten den Blick auf das architektonische Erbe der Nachkriegsmoderne: In der Reihe „Wissenschaft im Wirtshaus“ ist die Architektin Prof. Alexandra Apfelbaum zu Gast im Restaurant Gdanska. Sie nimmt die gebauten Zeugnisse der 1950er bis 1980er Jahre in Oberhausen unter die Lupe, die bislang zwar von Initiativen wie ruhrmoderne.de verteidigt, insgesamt aber noch eher ungeliebt sind, und lädt zur anschließenden Diskussion.

Eine zentrale Frage ist: Ist die Epoche der Nachkriegsarchitektur von den 1950er bis zu den 1980er Jahren wirklich so unästhetisch? Was zeichnet sie bei Bauformen, Gestaltung, Baumaterialien und Konstruktionsweisen aus? Wo gibt es typische Bauten in Oberhausen und welche Probleme sowie Möglichkeiten zum Erhalt, Bewertung und Weiternutzung gibt es? Fragen und Fragen, auf die es zumindest Lösungsansätze gibt. Ursprünglich sollte die Veranstaltung bereits im November 2019 stattfinden, musste jedoch verschoben werden. Nun ist es aber Zeit für „Wissenschaft im Wirtshaus“, und zwar am Mittwoch, den 5. Februar um 18 Uhr im Gdanska, Altmarkt 3, 46045 Oberhausen; der Eintritt ist frei. (db, 19.1.20)

Oberhausen, Europahaus (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Silvia Margrit Wolf)