Veranstaltungen

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)

Bauten der Ostmoderne unter Denkmalschutz

Wenn eine Veranstaltungsankündigung schon im Titel mit Anführungszeichen hantiert, dann geht es um Probleme oder Ironie oder Unsicherheit. In diesem Fall hat sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Bauten der (hier wären sie) „Ostmoderne“ vorgenommen. Gemeint sind die „zwischen 1945 und 1965 in der sowjetischen Besatzungszone“ errichteten Architekturen. Schon die Begriffsfindung für diese Epoche bereitet den Fachleuten Kopfzerbrechen, man will weder vereinnahmen noch verharmlosen. Seit einigen Jahren scheint sich für diese Zeit der Stilbegriff der „Ostmoderne“ durchzusetzen.

Die Stilformen der Ostmoderne, so die Veranstaltungsankündigung, würden sich von denen im Westen zu dieser Zeit unterscheiden – und würden eben dort bislang kaum Anerkennung finden. Dem will die DSD nun abhelfen: mit der Veranstaltung „Bauten der ‚Ostmoderne‘ unter Denkmalschutz“, einem Tagesseminar zur Baustilkunde, das am 16. August 2018 von 9 bis 17 Uhr statt im Nicolaihaus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Brüderstraße 13, 10178 Berlin) stattfindet. Denn viele Bauten der DDR-Zeit stehen – ob aus geschichtlichen, städtebaulichen, künstlerischen oder weiteren Gründen – bereits unter Denkmalschutz. Vor diesem Hintergrund werden im Tagesseminar die Aufgaben bei Sanierungen von Bauten der Ostmoderne und gelungene Praxisbeispiele vorgestellt. Es wird eine Teilnahmegebühr erhoben, weitere Informationen unter: 0228 9091-426, denkmalakademie@denkmalschutz.de. (kb, 21.6.18)

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)

Dnepr-Staudamm, Zaporož'e (Bild: PD)

Fesseln für den Dnepr

Die Natur galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielen Architekten, Bauingenieuren und Städtebauern als fortschrittsfreie Zone, die es zu unterwerfen galt. Das reichte bis hin zu so wahnwitzigen Plänen wie dem Atlantropa-Projekt, das eine teilweise Trockenlegung des Mittelmeeres vorsah. Auch für die forcierte Industrialisierung der UdSSR in den 1930er Jahren war die Zähmung der widerspenstigen natürlichen Umwelt ein Leitmotiv. Sie hinterließ im gesamten Land ein vielfältiges bauliches Erbe. Ein Vortrag von Thomas Flierl macht dies am Beispiel des Dnepr-Staudamms der ukrainischen Industriestadt Zaporož’e deutlich.

Der Staudamm und das zugehörigen Wasserkraftwerk wurde in den Jahren 1927 bis 1932 erbaut und stellten die energetische Basis für die Industrialisierung der Ost-Ukraine dar. Das Wasserkraftwerk und die zeitgleich errichtete Wohnstadt für Zaporož’e gehörten zu den Großprojekten des ersten Fünfjahrplans und entstanden unter der Federführung des sowjetischen Konstruktivisten Viktor Vesnin (1882–1950). Der Vortrag „>Der gefesselte Dnepr< oder >Der sozialistische Angriff auf die Natur<“ findet am 20. Juli 2018 um 19 Uhr im Berliner Max-Lingner-Haus (Beatrice-Zweig-Straße 2, 13156 Berlin) statt. (jr, 19.6.18)

Dnepr-Staudamm, Zaporož’e (Bild: PD)

Trabant überquert provisorischen Grenzübergang bei Katharinenberg (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1121-412, CC BY SA 3.0, Foto: Jürgen Ludwig)

Es ist nicht alles gesagt

2019 steht nicht nur das vielbeschworene Bauhaus-Jubiläum ins Haus, ebenso jährt sich die Friedliche Revolution zum 30. Mal. Und während in der zeitgeschichtlichen Forschung die Angst vorzuherrschen scheint, es sei über die DDR eigentlich schon alles erforscht und gesagt, boomt die „Public History“, die öffentliche Auseinandersetzung mit der Ost-Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund findet unter dem Titel „Es ist nicht alles gesagt“ vom 30. November bis 1. Dezember 2018 in Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität in Berlin) ein „Workshop zur DDR-Forschung“ statt.

Die Veranstaltung soll gerade nicht Bilanz ziehen, sondern als „work in progress“ kooperatives, moderiertes Arbeiten mit praktischen Impulsen anregen. Daher werden noch Themenvorschläge gesucht z. B. zu diesen Fragestellungen: Wie können heute in der DDR-Forschung Begriffe wie „Widerstand“, „Täter“ und „Opfer“ verwendet werden? Wer sind Zeitzeugen und wie wertet man ihre Berichte aus? Welche Spielräume gab es überhaupt innerhalb eines autoritären Staats? Wo sind die zeitlichen und räumlichen Schnittmengen zwischen der damaligen Geschichtsschreibung und einer „Geschichte von unten“? Ein Abstract (ca. 300 Wörter) und eine Kurzbiographie können bis zum 1. August 2018 gesendet werden an: Steffi Brüning, Universität Rostock, steffi.bruening@gmx.de, und Maria Neumann, Humboldt Universität zu Berlin, maria.neumann.hu@googlemail.com. (kb, 16.6.18)

Ein Wartburg 353 überquert den provisorischen Grenzübergang bei Katharinenberg (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1121-412, CC BY SA 3.0, Foto: Jürgen Ludwig)

1957 entwarf Ehrlich den komplettierungsfähigen Möbeltypensatz „602“ für die Deutschen Werkstätten Hellerau (Bild: DAZ)

ehrlichmonument

Er schuf er den Schriftzug „Jedem das Seine“ am Tor vom KZ Buchenwald. Doch der Architekt und Designer Franz Ehrlich (1907-84) war mehr als das: Bauhaus-Schüler und zeitweise Mitarbeiter im Büro von Walter Gropius, wegen seiner Nähe zum Kommunismus Häftling und Teil des „Baubüros“ des KZs Buchenwald, später Modernist im Stalinismus und Nonkonformist in der DDR. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen – neben jedem Schriftzug im KZ Buchenwald – das Rundfunkhaus in der Nalepastraße in Berlin und der Möbeltypensatz 602 der Deutschen Werkstätten Hellerau.

Das DAZ (Deutsches Architektur Zentrum, Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, 10179 Berlin) zeigt nun „ehrlichmonument“, eine Installation von Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer und Frieder Bohaumilitzky. Diese besondere Auseinandersetzung mit Ehrlichs Leben udn Werk entstand im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geförderten und an der HFBK Hamburg durchgeführten Forschungsprojektes „Franz Ehrlich. Biographie und Werkverzeichnis“. Die Eröffnung von „ehrlichmonument“ wird am 7. Juni um 19 Uhr gefeiert, im Anschluss ist die Installation ist bis zum 29. Juli zu sehen. Im Rahmenprogramm sind ein Festival und eine Exkursion vorgesehen. (kb, 7.6.18)

1957 entwarf Ehrlich den komplettierungsfähigen Möbeltypensatz „602“ für die Deutschen Werkstätten Hellerau (Bild: DAZ)

Berlin, Architekturgebäude der TU (Bild: Johannes Medebach)

Hermkes (fast) zum Anfassen

Wir haben hier schon ausführlich und zu Recht von den Bauten des Architekten Bernhard Hermkes geschwärmt. Er würzte die Großform mit guten Details, verband das Herzeigen der Konstruktion mit einem hohen Wiedererkennungswert. Längst können und wollen wir nicht mehr verzichten auf Bauten wie die Hamburger Großmarkthalle oder das Architekturgebäude der TU Berlin am Ernst-Reuter-Platz. In Berlin prägte Hermkes als Lehrer von 1955 bis 1969 eine ganze Architektengeneration, darunter Inken und Hinrich Baller, Ursulina Schüler-Witte und Johannes Uhl, die dem West-Berlin der 1970er und 1980er Jahre ein Gesicht gaben.

Wer unsere Euphorie überprüfen will, hat dazu jetzt ausführlich Gelegenheit: Die Ausstellung „Bernhard Hermkes Leben, Lehren, Wirken“ wurde von Studierenden am Institut für Architektur der TU Berlin erstellt – im Rahmen der Geschichtswerkstatt, einem Projekt von Architekturtheorie (Prof. Dr. Gleiter), Baugeschichte (Prof. Dr. Schlimme) und Historischer Bauforschung (Prof. Dr. Schulz-Brize). Die Teilnehmenden näherten sich dem Thema historisch-kritisch, warfen einen Blick auf – zuweilen auch problematische – Episoden der Fakultätsgeschichte. Eröffnet wird die Ausstellung am 9. Juni 2018 um 17 Uhr im Foyer des Architekturgebäudes (Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin) zur Langen Nacht der Wissenschaft. Die Schau wird für ein Jahr als Dauerausstellung im sog. Scharoun-Foyer frei zugänglich sein. (pl, 3.6.18)

Berlin, Institut für Architektur der TU Berlin (Bild: Johannes Medebach)