Chris M Forsyth, Berlin, U-Bahnhof "Richard-Wagner-Platz" 2016 (Bild: Berlinische Galerie, © Chris M Forsyth)

Neues Buch: Der Himmel unter West-Berlin

Es gibt bekanntlich keine Zufälle. Zumindest dürfen wir es als traurig-schöne Fügung werten, dass wenige Tage nach dem Tod des Schauspielers Bruno Ganz auch eine druckfrische Publikation an den legendären Wim-Wenders-Film erinnert: Das Buch „Der Himmel unter West-Berlin“ verspricht überirdisch gute Architektur im Untergrund der einstmals geteilten Hauptstadt. Verena Pfeiffer Kloss hat sich nicht weniger als 58 U-Bahnhöfe zum Thema ihrer Dissertation genommen: die Untergrundstationen des Architekten und Baubeamten Rainer G. Rümmler, die Berlin bis heute prägen.

Am Anfang, zwischen 1960 und 1967, stehen bei Rümmler klare Linien und scharfe Kanten, die er schnell zu skulpturalen Betonformen weiterentwickelt – in der Folge bestimmt Pop-Architektur seine U-Bahnhöfe. Ab dem Ende der 1970er findet Rümmler zur Postmoderne, mit der er im Untergrund Geschichte(n) erzählt. In der Publikation werden die U-Bahnhöfe erstmals auch mit Rümmlers Hochbauten verglichen: von Raststätten über Polizeistationen bis hin zu Bildungsbauten. Neben aktuellen und historischen Fotografien zeigt Pfeiffer-Kloss bislang auch unveröffentlichte Zeichnungen Rümmlers. (kb, 20.1.19)

Pfeiffer-Kloss, Verena, Der Himmel unter West-Berlin. Die post-sachlichen U-Bahnhöfe des Baudirektors Rainer G. Rümmler, urbanophil Verlag, Berlin, 2019, 384 Seiten, ISBN: 978-3982-0586-0-3.

Chris M Forsyth, Berlin, U-Bahnhof „Richard-Wagner-Platz“, 2016 (Bild: Berlinische Galerie, © Chris M Forsyth – diese Abbildung ist Teil der aktuellen Ausstellung „Underground Architecture“ (inkl. Tagung) in der Berlinischen Galerie)


Regensburg, Wirsing-Hochhaus (Bild: via semester.info)

Regensburg: Wohin mit dem Wirsing-Hochhaus?

„Wenn man nichts mehr weglassen kann, ist es fertig“, so der Wahlspruch des 2007 verstorbenen Architekten Werner Wirsing. In Mün­chen wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Vorreiter des modernen, platz- und materialsparenden sozialen Bauens. Da war 1951 ein erstes Münchener Studenten- und Lehrlings­wohn­heims, die Wohnheimsiedlung Maßmannplatz. Auch als Leiter des Baubüros des Bayerischen Jugendsozialwerks blieben Wohnheime seine Spezialitäten. Selbst sein wohl bekanntestes Werk, die zweistöckigen Reihenbungalows für Sportlerinnen im Münchner Olympiadorf 1972, diente seit dem Ende der Spiele als Studentenunterkunft.

In Regensburg wird heute das Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz, von der Presse kurzerhand nach Wirsing benannt. Eigentlich handelt es sich um das 1969 errichtete Dr.-Martin-Luther-Heim, das von der Evangelischen Kirche lange Jahre als Studentenheim betrieben wurde. Schon seit Monaten wird um die inzwischen entmietete Betonkonstruktion gerungen: Die Stadt wollte sie zugunsten einer neuen Stadthalle niederlegen. Aktuell hat ein Bürgerentscheid den Neubau erst einmal verhindert. Die Abrissgegner waren nicht zwangsläufig Modernefreunde, so titelte „regensburg-digital“ 2018: „Betonklotz erhalten, um Betonklotz zu verhindern?“ Vielen Regensburgern erschienen die raumgreifend-kostenintensiven Neubauplanungen als das größere Übel. Die Stadt indes will den Abriss nun für einen provisorischen Zentralen Busbahnhof vorantreiben. Derweil wurden von den Abrissgegnern in einem Ideenwettbewerb kreative Vorschläge für eine Weiternutzung des Wirsing-Hochhauses gesammelt. (kb, 19.2.19)

Regensburg, Dr.-Martin-Luther-Haus, (Bilder: oben: via semester.info, unten: Volker Zürn, via flickr)

Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969 (Bild: © Roger Melis Nachlass)

Die Ostdeutschen

Roger Melis (1940-2009) gilt als führender Vertreter des ostdeutschen Fotorealismus. Bekannt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren vor allem für seine Künstlerporträts – ob Anna Seghers, Heiner Müller, Christa Wolf, Sarah Kirsch oder Wolf Biermann. Mit der Kamera dokumentierte der Berliner Fotograf aber ebenso die unbekannten Bewohner der DDR zwischen dem Bau und dem Fall der Mauer. Über drei Jahrzehnte hielt Melis so ganz unideologisch das Alltagsleben im „Arbeiter und Bauern“-Staat fest.

Die Ausstellung „Roger Melis. Die Ostdeutschen“ ist vom 12. April bis zum 28. Juli 2019 zu sehen in der Berliner Reinbeckhallen (Reinbeckstraße 17). Die Vernissage wird am 11. April um 19 Uhr begangen. Die von der Stiftung Reinbeckhallen ausgerichtete und von Mathias Bertram kuratierte Ausstellung – eine Kooperation mit der LOOCK Galerie und dem Roger Melis Archiv – bildet die bislang umfangreichste Retrospektive der DDR-Fotografien von Roger Melis. Begleitend erscheinen im Lehmstedt Verlag „Die Ostdeutschen“ mit Reportagen und Porträts aus dem Nachlass des Künstlers sowie eine zweisprachige Neuausgabe von „In einem stillen Land“. (kb, 18.2.19)

oben: Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969; unten: Eva-Maria Hagen, Berlin, ca. 1965 (Bilder: © Roger Melis Nachlass)

Berlin, Villa Heike 2015 (Bild: Christof Schubert Architekten)

Neustart für Villa Heike

Nahe des einstigen Berliner Stasi-Gefängnisses in Hohenschönhausen verrottete über 20 Jahre eine ziemlich beeindruckende Fabrik-Villa. Der 1911 nach Plänen des Architekten R. Lotts errichtete frühe Stahlbeton-Skelettbau beherbergte bis 1990 das NS-Akten-Archiv der Stasi. Der einstige Bauherr Richard Heike betrieb hier bis Ende des Zweiten Weltkriegs eine Fabrik für Fleischereimaschinen. 1945 erschossen einmarschierende Soldaten der Roten Armee den Fabrikanten und seine Haushälterin auf der Straße vorm Haus – Heike hatte russische Zwangsarbeiter beschäftigt. Nachdem zunächst der russische Geheimdienst den vom Krieg verschonten Bau nutzte, ging er 1951 in DDR-Besitz über, und die belastete Geschichte der Immobilie sollte noch fast 40 Jahre fortgeschrieben werden. Nach kurzen Zwischennutzungen stand die Villa Heike dann seit etwa 1995 leer.

Am 16. Februar fand die Agonie ein Ende: Der Berliner Architekt Christof Schubert erwarb das Gebäude 2015 zusammen mit mehreren Künstlern und Kreativen. Nach der rund dreijährigen Sanierung eröffnete die denkmalgeschützte Villa nun mit einer Ausstellung samt anschließender Party als neues Atelier- und Bürohaus LAGE EGAL (Freienwalder Straße 17, 13055 Berlin-Hohenschönhausen). Die Ausstellung, die 15 künstlerische Positionen zu den Themenbereichen Erinnerungskultur, Vermittlung und Geschichte des Gebäudes im Speziellen zeigt, bleibt bis 16. März jeweils Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen. (db, 17.2.19)

Berlin, Villa Heike, 2015 (Bild: Christof Schubert Architekten)

Dortmund, FH-Gebäude, Fachbereich Architektur (Bild: buero-apfelbaum.de)

Eine Architekturschule baut sich selbst

Ein seltenes Beispiel gebauter Mitsprache: Studierende und Lehrende waren gleichermaßen am Entwurfs- und Planungsprozess bezeiligt, an ihrem Gebäude des Fachbereichs Architektur der FH Dortmund. Sie stellten sich damit bewusst in die Tradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Walter Gropius oder Max Bill die Gebäude, in denen sie lehrten, selbst entwarfen.

Das Architekturgebäude der Fachhochschule Dortmund versteht sich als anspruchsvolle Alltagsarchitektur, die ihren vielfältigen Nutzungserfordernissen mit einer klaren architektonischen Haltung nachkommt. Dabei hat der umgesetzte Entwurf keinen individuellen Autor. Vielmehr ist er das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung, an der zahlreiche Personen und Institutionen beteiligt waren – so die These einer neuen Publikation: Das Buch „Eine Architekturschule baut sich selbst“ dokumentiert das Gebäude sowie den Planungsprozess. So soll die Bauform aus seiner wechselvollen Entwurfsgeschichte heraus erklärt werden. Das Buch erscheint nach Auskunft des Verlags Mitte März, ist aber jetzt bereits vorbestellbar. (kb, 16.2.19)

Dortmund, FH-Gebäude, Fachbereich Architektur (Bild: Gabriele Marl, 2002, via buero-apfelbaum.de)

Stabenow, Jörg/Apfelbaum, Alexandra, Eine Architekturschule baut sich selbst. Das Gebäude des Fachbereichs Architektur der FH Dortmund, Kettler Verlag, 128 Seiten, 20 x 26 cm, Softcover, ISBN: 978-3-86206-739-8.

Ausstellungsaufbau von "Underground Architecture" in der Berlinischen Galerie (Bild: Initiative Kerberos, 2019)

Berlin: Kerberos ist da!

Da wurde das Unterste zuoberst gekehrt: Ab sofort ist in der Berlinischen Galerie die Ausstellung „Underground Architecture“ zu sehen. Die Schau bringt die Berliner U-Bahnhofsarchitektur der 1950er bis 90er Jahre ans Tageslicht – genauer: in drei Ausstellungsräume des Berliner Landesmuseums für moderne Kunst. Neben bauzeitlichen Fotografien der Bahnhöfe stehen vor allem Skizzen und Zeichnungen aus den jeweiligen Entwurfsphasen im Mittelpunkt. Zu sehen gibt es Werke der U-Bahnhofsarchitekten Bruno Grimmek, Ralf Schüler, Ursulina Schüler-Witte und Rainer G. Rümmler, außerdem aktuelle Architekturfotos von Chris M Forsyth. Blickfang der Ausstellung dürfte der Kopf der Kerberos-Skulptur sein, die der Bildhauer Waldemar Grzimek Anfang der 1970er Jahre für den U-Bahnhof „Rathaus Steglitz“ entworfen hat.

Die Schau ist bis zum 20. Mai in Berlin zu sehen und bildet damit Auftakt und Nachklang für die internationale Tagung „Underground Architecture revisited“, die vom 20. bis 23. Februar ebenfalls in der Berlinischen Galerie stattfindet. Die Ausstellung wurde kuratiert von Ulla Müller und Kati Renner (Berlinische Galerie) mit wissenschaftlicher Beratung durch Ralf Liptau, Verena Pfeiffer-Kloss und Frank Schmitz (Initiative Kerberos). Die Tagung wird organisiert von ICOMOS Deutschland, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Initiative Kerberos. moderneRegional ist Medienpartner beider Projekte. (rl/vp/rs, 16.2.19)

links: Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“, 1974 (Bild: © Berlinische Galerie); rechts/oben: Ausstellungsaufbau (Bild: Initiative Kerberos)

München, Blick auf das Olympiastadion (Bild: Designerpoint, via pixabay.com)

Das Olympische Erbe der Moderne

2020 sollen die Olympischen Sommerspiele in Tokyo stattfinden, wo sie 1964 bereits ein erstes Mal zu Gast waren. Diese moderne Sporttradition geht zurück auf das Jahr 1896, auf die Initiative des Historikers und Pädagogen Pierre de Coubertin. Als die Spiele mit den Jahrzehnten an Popularität und Bedeutung gewannen, hinterließen sie an ihren jeweiligen Austragungsorten ein immer umfangreicheres bauliches Erbe. Doch auf diesen olympischen Anlagen lastet heute ein besonders hoher Veränderungs- und Gefährdungsdruck. Dabei sind sie häufig nicht nur in ihren architektonischen Zeugnissen, sondern auch als garten- und landschaftskünstlerische Werke erhaltenswert.

Vor diesem Hintergrund soll die internationale Tagung „Das Erbe der Olympischen Spiele der Neuzeit. Historische Sportstätten zwischen Konservierung und Konversion“ vom 7. bis 8. November 2019 im Olympiapark München stattfinden. Veranstalter sind ICOMOS Deutsches Nationalkomitee e. V. und die Landeshauptstadt München. Noch werden Themenvorschläge gesucht zu diesen Schwerpunkten: Sport- und Architekturgeschichte, Denkmalschutz und Denkmalverluste, das Olympische Erbe der Zwischen- und Nachkriegszeit, Sport als Faktor der Stadt- und Landschaftsplanung sowie Fallstudien zur Stadion- und Hallenarchitektur. Einsendungen (Abstract bis zu 2.500 Zeichen, Kurzbiographie bis zu 500 Zeichen) sind willkommen bis zum 15. März 2019 unter: Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS e. V., Nicolaihaus, Brüderstraße 13, 10178 Berlin, icomos@icomos.de. (kb, 15.3.19)

München, Blick auf das Olympiastadion (Bild: Designerpoint, via pixabay.com)

Zwenkau, Haus Rabe (Foto: Wolfgang Junius, 2018, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Das moderne Sachsen

Noch bis zum 5. April haben Sie Gelegenheit, die „Architektur der Moderne in Sachsen“ trockenen Fußes zu erkunden: Die diesjährige Jahresausstellung des dortigen Landesamts für Denkmalpflege widmet sich im Ständehaus Dresden (Schloßplatz 1, Ergeschoss), das Bauhausjahr lässt grüßen, den letzten rund 100 Jahren Baukunst im Freistaat. In den gezeigten Fotografien und Texten wird der Blick geöffnet auch für Vorläufer und parallele Entwicklungen zur Architekturmoderne des frühen 20. Jahrhunderts.

Das Konrad-Wachsmann-Haus (Direktorenwohnhaus) Niesky etwa, 1927 gestaltet vom Architekten Konrad Wachsmann (1901-80), steht in besonderer Weise für die Industrialisierung des Holzbaus: Neben dem Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh bei Potsdam bildet es den einzigen in Deutschland erhaltenen Holzbau Wachsmanns, den er zudem in Niesky zum einzigen Mal in Blockbauweise durchführte. Ebenso kommen Kirchen in den Blick der Ausstellung – darunter die zugleich als Kriegergedächtnisort gestaltete katholische Kirche St. Bonifatius oder die kubisch anmutende evangelische Versöhnungskirche, errichtet nach Entwürfen des Architekten Heinrich Grotjahn (1887-1962). Noch mehr über diese und andere in der Ausstellung präsentierten Bauten erfahren Sie in der Begleitbroschüre zur Ausstellung, die online kostenlos zum Download oder zur Bestellung bereit steht. (kb, 14/15.2.19)


Titelmotiv: Zwenkau, Haus Rabe (Foto: Wolfgang Junius, 2018, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen), Bildnachweis der Bildergalerie öffnet beim Klick auf das jeweilige Motiv

Celle, MTV-Halle (Bild: historische Abbildung)

Celle: 100-jährige Halle soll abgerissen werden

1913 wurde sie eingeweiht, 2013 noch stolz das 100-jährige Jubiläum gefeiert – doch 2019 steht es schlecht um die MTV-Halle in Celle. Vor Kurzem hat die Stadtverwaltung den Vorschlag lanciert, den Bau Anfang 2020 abzureißen. Dem stellen sich Dietrich Klatt, Dr. Elke Haas und Dr. Lothar Haas in einem Offenen Brief an die Ratsmitglieder entgegen. Aus ihrer Sicht ist „die Halle als Baudenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz gegen einen Abriss geschützt, obwohl es bislang nicht in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen ist“ – so fasst es die „Celler Presse“ zusammen.

Als Argument wird im Offenen Brief auch die historische Bedeutung angeführt, immerhin war der MTV als „einer der ältesten Turnvereine Deutschlands (…) von jeher ein wichtiger Teil der liberal und national gesinnten Turnbewegung“. Daneben wird die für ihre Zeit außergewöhnlich innovative Bauweise hervorgehoben: die Hetzer-Bögen, eine elegante Leimbinder-Konstruktion. Otto Hetzer hatte sein Patent 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel vorgestellt – mit einer Halle, die er mit keinem Gerigeren als dem Architekten Peter Behrens entworfen hatte. Die MTV-Halle von Celle bilde eine Anlehnung an diesen Brüsseler Prototyp. Damit sei der Bau allein schon aus wissenschaftlichen Gründen schützenswert und kein Fall für den Abrissbagger. Der zuständige Bauausschuss tagt am Donnerstag – wir drücken beide Daumen! (kb, 13.2.19)

Celle, MTV-Halle (Bild: historische Abbildung)

Thomas Schütte, Pavillon (Bild: Luise Heuter)

Krefeld: Ein Pavillon fürs Bauhaus

Anfang Februar besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner den „Krefelder Pavillon“, eine Gebäudeskulptur zu Ehren der besonderen Beziehung der Stadt zum Bauhaus: An kaum einem anderen deutschen Ort waren zwischen den 1920er und 1960er Jahren so viele Bauhaus-Meister und -Absolventen gleichzeitig tätig. Die hier ansässige Seidenindustrie und ihre führenden Fabrikanten förderten ein besonderes Interesse an Kunst, Design und Lehre des Bauhaus. Unter den überregional bekanntesten Bauten sind vor allem zu nennen: die von Mies van der Rohe für Krefelder Auftraggeber entworfenen Villen Haus Lange und Haus Esters sowie sein einziger Industriebau, den er für die Verseidag schuf.

Das Projekt MIK (Mies van der Rohe in Krefeld) e. V. widmet sich in diesem Forschungs- und Ausstellungsvorhaben den vielfältigen Verbindungen der Krefelder Seidenindustrie zum Bauhaus und seinen Künstlern. Das MIK-Projekt „map2019 – Bauhaus-Netzwerk Krefeld“ wurde von Nordrhein-Westfalen als „Leuchtturmprojekt“ des Landes in den Bauhaus-Verbund zum Jubiläumsjahr eingebracht. Für diese Projekt schuf der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte mit seinem „Krefeld Pavillon“ einen besonderen Ausstellungsort. Und das große Plus: Schüttes „Krefeld Pavillon“ finden Sie ganz in der Nähe der Museen Haus Lange und Haus Esters, nur einen fünfminütigen Fußweg davon entfernt. (kb, 12.2.19)

Thomas Schütte, Modell für den „Krefelder Pavillon“ (Bild: Luise Heuten)

Berlin, Reichsadler am Hauptportal des Finanzamts Charlottenburg (Bild: Christian Mentel, CC BY SA 3.0, 2012)

Ab sofort wird (zu)rückgebaut

Unter Denkmalpflegern kursiert eine Anekdote, die zu glaubwürdig ist, um vollständig wahr zu sein: Nach dem Krieg trat ein Koservator seinen Posten in einem Landkreis an, über den er zuvor promoviert hatte. Alle Bauernhäuser, so seine These, hätten hier schiefververkleidete Wände und grüne Fensterläden. Als besagter Denkmapfleger nach 30 Jahren in den Ruhestand ging, hatten tatsächlich alle Bauhernhäuser in seinem Bezirk schieferverkleidete Wände und grüne Fensterläden. Kurz: Wir bauen uns die Welt (um), wie sie uns gefällt. So weit, so menschlich. Schwieriger wird die Sache, wenn die Politik ins Spiel kommt, wenn es um das kulturelle Erbe der 1920er und 1930er Jahre geht. Da stilisieren wir (unter äußerst großzügiger Anwendung des Labels) Bauhaus-Bauten zu Denkmalen der Demokratie und sanieren sie in ihren unbelasteten Urzustand zurück. Zur gleichen Zeit werden Zeugnisse der NS-Zeit wiederendeckt und weggesäubert.

In Zeiten der Sternchen-Sprache und Unisex-Toiletten macht die neu erwachte Aufmerksamkeit auch vor der gebauten Umwelt nicht halt. Da soll ein Mainzer Dachdecker seinen Familiennamen „Neger“ und das – zugegebenermaßen recht plakative – jahrzehntealte Firmenlogo aufgeben. Da werden vermeintliche Machismo-Gedichte von Hauswänden und Aktdarstellungen aus Museen entfernt. In diesem Geist soll auch die hakenkreuzhaltige Kapellendecke im Essener Huyssenstift weiß beigestrichen werden. Zuletzt forderte die Jüdische Landesgemeinde in Thüringen, sechs „Naziglocken“ zu bereinigen – was andernorts „besorgte Bürger“ schon bei Nacht und Nebel bersorgten. Da bleibt nicht viel Zeit für vielschichtige historische Details: Dass NS-Symbole in Kirchen zumeist bereits von den Nazis selbst beseitigt wurden (über das Hakenkreuz sollte alleine der Staat verfügen). Dass gerade von den Amerikanern weitergenutzte Räume oft ihre NS-Symbole aus ganz pragmatischen Überlegungen heraus behielten (und anschließend von der Denkmalpflege als historische Zeitspuren geschützt wurden). Was die versicherungsrechtlichen Gründe der 1990er und der Brandschutz der 2000er Jahre übrig ließen, erledigt nun die Political Correctness: Wir gehen lieber auf Nummer sicher.

Mit aktuellen Nazi-Schmierereien setzt sich seit 2015 die Initiative #paintback auseinander: Hakenkreuz-Graffitis verschwinden unter Hasen-, Wurst- und Kohlrabi-Bildchen. Gut deutsch werden vorher die betroffenen Hauseigentümer und bei Bedarf auch der Denkmalschutz um Erlaubnis angefragt. In Berlin müht man sich seit Jahren um eine angemessene, gedenkend-museale Nutzung der von NS-Sympbolen geprägten Martin-Luther-Gedächtniskirche. In der bayerischen Landeshauptstadt zeigt und erläutert die Stadtführung „Hitlers München“ Orte der NS-Geschichte, darunter etwa Hakenkreuze in den Baudetails des Staatsministeriums. Dies sind nur einige von vielen überlebensnotwendigen Initiativen, um historische Zeugnisse der NS-Zeit weder totzuschweigen, noch wegzusäubern, sondern einzuordnen und zu kontern. Denn solange eine einzelne Punkband einen Bauhaus-Raum zu entweihen droht, solange das Geld für Rekonstruktionen lockerer sitzt als für den Unterhalt kultureller Räume, solange wird ein Eimer „Alpina Weiß“ gegen die neue braune Welle nicht ankommen. (11.2.19)

Karin Berkemann

Berlin, Reichsadler am Hauptportal des Finanzamts Charlottenburg (Bild: Christian Mentel, CC BY SA 3.0, 2012)

Frankfurt, U-Bahnhof "Westend" (Bild: Gregor Zoyzoyla)

Sendeschluss im Untergrund

Wer in den 1990ern einmal schlaflos vor dem Fernseher lag, der kennt sie: die Führerstandsmitfahrten aus aller Welt, die einen unterhielten und langsam zur Ruhe brachten. Begleitend zur Internationalen Koferenz „Underground Revisited“ mit gleichnamiger Ausstellung in der Berlinischen Galerie lässt moderneREGIONAL diese Tradition virtuell wieder aufleben. In den Tagungsnächten, vom 20. bis 23. Februar 2019 jeweils zwischen Mitternacht und Frühstück, können Sie auf moderneREGIONAL eine U-Bahn begleiten durch ihre Reise durch den postmodernen Teil des Frankfurter Untergrunds. Jeden Abend wird ein anderer Film gezeigt, die Aktion ist kostenfrei abrufbar unter: www.moderne-regional.de.

Veranstalter der Tagung „Underground Architecture Revisited“ sind das Landesdenkmalamt Berlin, Icomos Deutschland, die Berlinische Galerie und die Initiative Kerberos. Die Konferenz wird organisiert in Medienpartnerschaft mit moderneREGIONAL.de und in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Baukultur, den Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), dem Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin, der Architektenkammer Berlin, der Baukammer Berlin sowie „urbanophil – Netzwerk für urbane Kultur e. V.“. (kb, 11.2.19)

Frankfurt am Main, U-Bahnhof „Westend“ (Bild: Gregor Zoyzoyla)