Bonner Republik (Bild: Transcript)

Neues zur Bonner Republik

Während in der DDR das vorgeblich bessere Deutschland propagiert wurde und nach offizieller Lesart alle Nazis 1945 in den Westen geflohen waren, ließen sich die Geister der Vergangenheit der jungen Bundesrepublik nicht so einfach austreiben. Zwar gab es auch hier Verdrängungsstrategien wie das Konstrukt der Stunde Null oder das der kollektiven Unwissenheit. Bald setzte jedoch gerade in Intellektuellen- und Künstlerkreisen eine Aufarbeitung der Vergangenheit ein, während gleichzeitig in Wirtschaft und Politik personelle Kontinuitäten zur NS-Zeit gang und gebe waren. Ein jüngst erschienener Sammelband widmet sich diesen komplexen ersten Jahren der Bonner Republik.

Das Buch erscheint zu einer Zeit, in dem die historische Epoche in Abgrenzung zu Gegenwart oder Vergangenheit oft einseitig idealisiert wird. Die Beiträge prüfen diese Erinnerungskultur mit Blick auf Politik, Kunst, Kultur und Gesellschaft der Adenauerjahre auf Tragfähigkeit. Sie bieten dabei einen soliden Überblick über aktuelle Forschungsdiskurse und -perspektiven. Der Band beschränkt sich auf die Jahre 1945-1963 und bildet den Auftakt einer dreiteiligen Reihe. (jr, 16.8.18)
Cepl-Kaufmann, Gertrude/Grande, Jasmin/Rosar, Ulrich/Wiener, Jürgen (Hg.), Die Bonner Republik 1945–1963. Die Gründungsphase und die Adenauer-Ära. Geschichte – Forschung – Diskurs, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4218-6.

Titelmotiv: Buchcover, Detail (Bild: transcript Verlag)

Kassel, Trafohäuschen am Lutherplatz (Bild: Reise Reise, CC BY SA 4.0, 2016)

Kassel: Trafohäuschen wird saniert

Die Initiative, die das Trafohäuschen am Lutherplatz von Kassel wieder aus dem Winterschlaf holen wird, heißt passenderweise „Nutzungskonzepte“. Wie die HNA meldet, soll mit dem Kulturverein in Kürze ein Vertrag geschlossen werden. Damit findet das jahrelange Ringen um die Zukunft des heute denkmalgeschützten Gebäudes aus den 1950er Jahren ein gutes Ende. Schon zuvor, bis ins Jahr 2013 hatte der Verein Trafo dem Gebäude eine sinnvolle Nutzung gegeben. An der Ecke Kurt-Schumacher-/Rudolf-Schwander-Straße, die im Ruf einer starken Drogenszene steht, wurden Ausstellungen u. v. m. angeboten.

Doch dann wurden die Türen des Trafohauses geschlossen und durch die Städtische Werken Netz+Service GmbH (NSG) der Abriss vorbereitet. Neben dem Altbau war eine neue Trafostation nach den aktuellen technischen Erfordernissen entstanden. Nun steht fest: Das technische Denkmal wird saniert und wieder einer kulturellen Nutzung zugeführt. Ein Ort, der der Documenta-Stadt sicher gut zu Gesicht stehen wird. (kb, 15.8.18)

Kassel, Trafohäuschen am Lutherplatz (Bild: Reise Reise, CC BY SA 4.0, 2016)

The Gummibaum Projecte (Bild: gummibaum-project.de)

The Gummibaum Project

Guter Name, gute Aktion. In Ulm geht es vom 17. August bis 15. September unter dem Motto „The Gummibaum Project“ auf Schnitzeljagd zu den Orten der 1950er Jahre. Offiziell heißt das „Stadterkundungsspiel“. Die Organisatoren wollen verschüttete topografische Orte, sozial-politische Räume und Geschichten der 1950er Jahre neu in den Blick rücken. Interessierte können jederzeit online – oder via Social Media – Bild- und Texthinweise abrufen. Diese werden über den Projektzeitraum hinweg laufend ergänzt.

Die Mitspielenden sollen damit an einem Tag ihrer Wahl bei einem gemütlichen Stadtteil-Spaziergang der Spur folgen können. Die Veranstalter weisen extra darauf hin: „Doch Achtung, es ist ein Spiel und nicht jeder gewinnt!“ Erraten (oder erlaufen) werden müssen zwei „erflunkerte“ Geschichten. Wer hier richtig liegt, kann am 15. September im Grande Finale zur Kulturnacht Ulm den großen Gummibaum-Preis gewinnen. Wer nicht der Rätseltyp ist, kann schon aus den vielen Begleitveranstaltungen Gewinn ziehen, die sich ebenfalls den 1950er Jahren in und um Ulm widmen: etwa das Begrüßungsfest am 17. August um 18 Uhr in der Ulmer Wengenkirche oder am 7. September ab 19.30 Uhr einen Abend rund um die Büropflanzen in der Aegis-Buchhandlung. (kb, 14.8.18)

The Gummibaum Project (Bild: gummibaum-project.de)

Landau, Kaufhof (Bild: Postkarte, Cramers Kunstanstalt, 1965)

Kaufhof Landau soll fallen

Die Lösung klingt ein wenig nach Immobilienkonzepten der 1990er: Verkaufen, abreißen, neu bauen, wieder einmieten. So, oder so ähnlich, könnte es für den Kaufhof in Landau aussehen. Das Warenhaus zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt wurde 1964 eröffnet. In dieser städtebaulich prominenten Lage staffeln sich scharfgeschnittene Quader empor zu einem markten Eckgebäude. Die Glasfassaden folgen dem fortschrittsverheißenden internationalen Stil.

Am 9. August erläuterte der Projektentwickler ehret + klein , der das Kaufhofgebäude zusammen mit dem Nachbargrundstück erst im Januar 2018 erworben hat, seine Pläne für das Areal. Für Ende diesen Monats ist ein Workshop mit Bürgerbeteiligung vorgesehen, im Anschluss bis Februar 2019 ein Architektenwettbewerb mit fünf Büros. 2023 sollen Abriss und Neubau abgeschlossen sein – rechtzeitig zum 2024 anstehenden 750-jährigen Stadtjubiläum. Die Projektentwickler hoffen, dass auch der Kaufhof, dessen Mietvertrag noch bis 2021 besteht, zu den Nutzern des Neubaus zählen wird. (kb, 13.8.18)

Landau, Kaufhof (Bild: Postkarte, Cramers Kunstanstalt, 1965)

Berlin, Strausberger Platz (Bild: H.Helmlechner, CC BY SA 4.0, 2012)

Gartendenkmale der 1950er und 1960er

Berliner ist grüner als der Nicht-Hauptstädter denkt – und dazu haben die 1950er und 1960er Jahre entscheidend beigetragen. So gehören Gartendenkmale der Nachkriegszeit zum kulturellen Erbe der damals geteilten Stadt. Zugleich orientierten sich die damaligen Gartengestalter an verschiedenen europäischen Vorbildern, z. B. aus Skandinavien. Vor diesem Hintergrund lädt das Landesdenkmalamt Berlin gemeinsam mit der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH und weiteren Kooperationspartnern zur Tagung „Gartendenkmale der 1950er und 1960er Jahre“ vom 5. bis 7. September 2018 ein.

Die mehrtätige Veranstaltung will im nationalen und internationalen Austausch neueste Erkenntnisse zu Vorreitern, Gestaltungsprinzipien und Denkmalwerten zusammentragen. Darüber hinaus sollen aktuelle Herausforderungen im Umgang mit dem grünen Erbe der Nachkriegszeit diskutiert werden. Veranstaltungsort vom 5. bis 6. September ist Schloss Friedrichsfelde (Am Tierpark 41, 10319 Berlin), am 7. September steht eine Exkursion zu Berliner Gartendenkmalen der 1950er und 1960er Jahre in Ost- und West-Berlin auf dem Programm. Das gesamte Tagungsprogramm ist online einsehbar, der Eintritt ist frei, die Platzzahl jedoch begrenzt und somit eine Anmeldung erforderlich. (kb, 12.8.18)

Eines der Exkursionsziele der Tagung: Berlin, Strausberger Platz (Bild: H.Helmlechner, CC BY SA 4.0, 2012)