Zusammen 130: Denkmaltag Berlin-Brandenburg

Am 3. April 2020 feiern Berlin und Brandenburg zum ersten Mal gemeinsam den Denkmaltag – 100 Jahre nach der Bildung von Groß-Berlin und 30 Jahre nach Gründung des heutigen Brandenburg. Das Landesdenkmalamt Berlin, das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum laden ein in die Technische Hochschule in Wildau (Hochschulring 1, Halle 14 15745 Wildau, in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Wildau). Die ehema­lige Lokomotivenfabrik der Firma Schwartzkopff ist als Beispiel für die Konversion eines Industriedenkmals schon alleine einen Abstecher wert.

Das Programm des Berlin-Brandenburgischen Denkmaltags widmet sich dem Motto „Stadt, Land, Denkmal“. In Doppelvorträgen werden, sortiert nach Gattungen, sprechende Beispiele aus der denkmalpflegerischen Praxis der beiden Bundesländer einander gegenübergestellt: der Rangierbahnhof Wustermark und das Bahnbetriebswerk Schöneweide, die Siedlung Kleinmachnow und die Borsig-Siedlung Heiligensee, die Beelitzer Heilstätten und die Krankenhausstadt Berlin-Buch, der Südwestfriedhof Stahnsdorf und die Friedhöfe an der Bergmannstraße, das Olympisches Dorf Elstal und das Olympiagelände Berlin. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig. (kb, 26.2.20)

Elstal, Olympisches Dorf (Bild: Andraes Levers, CC BY 2.0, 2008)

Von der Schönheit des Provisoriums: Neu-Ulm 45+

Vor 75 Jahren, am 1. und 4. März 1945, wurde Neu-Ulm zu mehr als zwei Dritteln zerstört. Als bedeutender Bahnknotenpunkt war die Stadt ein zentrales Ziel der Luftangriffe zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass zeigt das Neu-Ulmer Stadtarchiv eine Ausstellung an der Fassade und im Inneren der Stadtbücherei. Thematisiert wird dabei nicht nur der Verlust, sondern auch der Neuanfang in der unmittelbaren Nachkriegszeit – mit ihren Aufräumarbeiten und ihren vielen temporären Bauten. Die Ausstellungsmacher folgen anhand historischer Fotografien den Spuren einer äußerst pragmatischen Baukultur.

Neu-Ulm, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Neu-Ulm, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Baugesuch für einenen Behelfsbau

Neben Wohnraum standen damals auch „B-M-W“ (kurz: Bäcker, Metzger, Wirte) ganz oben auf der Tagesordnung. Provisorische Verkaufsräume wurden meist aus Ziegelresten und Ruinenmaterial erstellt, die aber dennoch bürokratisch geregelt werden mussten. Erst nach der Genehmigung des Baugesuchs erhielt man auf Bezugsschein von der Stadt die gemäß Antrag benötigten Materialien. Nicht zu vergessen die provisorischen Stege, der Wiederaufbau der Brücken durch amerikanische Pioniere, die Wiederherstellung von Infrastruktur …

Neu-Ulm, Eröffnung des Filmpalastes Augsburger Tor (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Neu-Ulm, Eröffnung des Filmpalastes Augsburger Tor (Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Innen und außen

Neben 150, größtenteils noch nie gezeigten, historischen Fotografien bespielt die Ausstellung „Neu-Ulm 1945“ die Außenfassade des Gebäudes am Heiner-Metzger-Platz und trägt so das Gedenken in den Außenraum trägt. Die Eröffnung wird am 2. März 2020 um 18 Uhr, in der Stadtbücherei Neu-Ulm (Heiner-Metzger-Platz 1, 89231 Neu-Ulm) begangen, anschließend ist die Schau bis zum 28. März 2020 zu sehen. Das umfangereiche Rahmenprogramm bietet Ausstellungsführungen und Workshops, einen Vortrag zum exemplarischen Wiederaufbau einer Häuserzeile und eine Stadtführung zu heute noch ablesbaren Spuren des Kriegs in der Innenstadt sowie Ausstellungsführungen und Workshops. (kb, 25.2.20)

Bildergalerie: Neu-Ulm, Gänstorbrücke, Verkaufsstand Ecke Augsburger/Brückenstraße sowie Gänstorbrücke mit behelfsmäßiger und zukünftiger Auffahrt (Bilder: Stadtarchiv Neu-Ulm). Titelmotiv: Neu-Ulm, Kriegslücke in der Silcherstraße (Foto: Oleg Kuchar, Bild: Stadtarchiv Neu-Ulm)

„California Dreaming“ in Wien

Eine Konferenz am IFK tagt vom 1. bis 3. April 2020 zur Bedeutung von Wiener Einflüssen auf die kalifornische Moderne um Richard Neutra. Das ist kein Zufall, denn Neutra wurde 1892 in Wien geboren und studierte dort an der Technischen Hochschule unter anderem bei Adolf Loos. Nachdem er einige Zeit im Büro von Erich Mendelsohn mitgearbeitet hatte, zog Neutra mit seiner Familie 1923 in die USA und 1925 ins bekanntlich immer sonnige Kalifornien. Mit dem Health House für das Ehepaar Lovell in den Hügeln von Los Angeles gelang Neutra 1929 der Durchbruch. Bald sollte er zu einem der international bekanntesten Protagonisten moderner Architektur werden, dem besonders die Gesundheit der Bewohner am Herzen lag. Auch in Deutschland baute er in den 1960er Jahren einige Wohnhäuser und zwei kleinere Siedlungen in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt und Quickborn bei Hamburg.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Konferenz. Am 1. April 2020 laufen im METRO Kinokulturhaus verschiedene Filme, die mit Neutras Werk verbunden sind. Ein besonderes Highlight dürfte das Gespräch von Matti Bunzl mit dem jüngsten Sohn Raymond Neutra am 2. April 2020 sein (Anmeldung erforderlich!). Noch bis zum 20. September 2020 ist zudem im Wien Museum (MUSA) die Ausstellung „Richard Neutra – Wohnhäuser für Kalifornien“ zu sehen. (mk, 25.2.20)

Palm Springs, Kaufmann House (Bild: Shaqspeare, CC BY-SA 3.0)