mR-Adventskalender 2019

Mit der normierten Türklinke, gestaltet nach einem Entwurf von Ferdinand Kramer, prägte das Neue Frankfurt die Eingänge von Rhein-Main und darüber hinaus – ein standardisierter Design-Klassiker, der an jedem Ort anders wirkt und eine andere Geschichte birgt. Für den mR-Adventskalender 2019 stehen moderne Türeingänge, -klinken und -drücker in Rhein-Main im Mittelpunkt – und deren Strahlkraft in die gesamte Bundesrepublik: je 1 Foto einer modernen Tür(klinke) mit einem kurzen Begleittext von 24 Worten. Dies fügt sich dann ab dem 1. Dezember zu einem Architekturkalender der besonderen Art. 

Wir danken für Ihre Mitarbeit diesen Text- und Bildautor*innen: Anke van Heyl, Maximilian Krämer, Peter Liptau, Martin Maleschka, Johannes Medebach, Adrien Ranneberg, Peter Paul Schepp, Cordula Schulze, Harald Wetzel, Gregor Zoyzoyla. Der mR-Adventskalender 2019 wird redaktionell begleitet von Karin Berkemann, Maximilian Krämer, Peter Liptau, Johannes Medebach.

Sie suchen noch ein modernistentaugliches Weihnachtsgeschenk? Da hätten wir was!

Titelmotiv: Frankfurter Türklinke in Afrika – mehr dazu an einem der Kalendertage (Bild: privat); Kalenderbild: Kramer-Türklinke (Bild: Alexandros Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2012)

Der mR-Adventskalender 2019 wird unterstützt vom Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main.

Wegbereiter des Weißenhofs

Kennen Sie Richard Herre? In einer gerechten Welt wäre er sehr bekannt, doch es geht ja nicht gerecht zu, und er ist nur noch in Fachkreisen ein Begriff. Dabei war der Großvater des Musikers Max Herre Teil jenes Kollektivs von Stadtplanern, Designern und Architekten, die die Stuttgarter Weißenhofsiedlung 1927 mitgestaltet hatten. Doch nur wer baut, dessen Nachruhm hat Bestand. Der 1959 verstorbene Stuttgarter war aber in erster Linie Möbeldesigner, Typograph und Theoretiker: Einige der Schriften Le Corbusiers übersetzte er ins Deutsche. Sein wichtigstes Zeugnis, die Innengestaltung des von Max Taut entworfenen Haus 24 der Weißenhofsiedlung, existiert heute nicht mehr.

Das Multitalent Richard Herre wieder ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, hat sich nun die Ausstellung Richard Herre 1885-1959 im StadtPalais Stuttgart vorgenommen (bis 1.3.20). Zugleich wird ein Stück Familiengeschichte dokumentiert: Im Vorfeld der Schau hat sich sein Sohn Frank Herre, selbst Architekt, zusammen mit Max Herre auf die Suche begeben, was vom interdisziplinären Werk des Wegbereiters des Neuen Bauen im Südwesten übrig geblieben ist. Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Edith Neumann, stellvertretende Direktorin des StadtPalais. Das Frankfurter Designbüro e15 hat übrigens einige Entwürfe Richard Herres ins Lieferprogramm aufgenommen – ein Comeback nach über 50 Jahren. Vielleicht ein Tipp für Weihnachten? (db, 9.12.19)

Stuhl Stuttgart von Richard Herre (Bild: e15, Frankfurt/Main)

Bauhaus im Wald

Am 18. Dezember 2019 wird um 19 Uhr im Haus des Volkes im südthüringischen Probstzella die vermutlich letzte Ausstellung des Jubiläumsjahres eröffnet: „Das Bauhaus im Wald“ widmet sich dem Werk des Bauhaus-Architekten Alfred Arndt im thüringisch-fränkischen Schiefergebirge. Er studierte in den 1920er Jahren in Weimar und leitete 1930/31 die Ausbau-Abteilung des Bauhauses. Für kleine Orte und Städtchen im Grenzgebirge zwischen Bayern und Thüringen entwarf und leitete Arndt zwischen 1926 und 1960 zahlreiche Bauprojekte: Wohnhäuser, Fabrik- und Bürogebäude.

Insgesamt 43 Neu-, Um- und Erweiterungsbauten wurden für die Ausstellung erforscht und fotografiert – als ein dezentrales Ensemble und eine kulturhistorische Besonderheit der wenig bekannten Region. Das Projekt ist Teil des Programms der Bauhaus-Universität anlässlich des hundertjährigen Bauhaus-Jubiläums 2019 und wurde durch die Thüringer Staatskanzlei finanziell unterstützt. Die Ausstellung – kuratiert und konzipiert von der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar in Zusammenarbeit mit den Kuratoren Maren und Mark Escherich – ist vom 19. Dezember 2019 bis zum 31. Mai 2020 zu sehen. (kb, 8.12.19)

Lauenstein/Bayern, Haus Wagner, 1955, Alfred Arndt (Bild: Maren und Mark Escherich)

Was würde Martin Scorsese dazu sagen?

Noch zu Beginn des Jahres lobte Felix Torkar die an der US-amerikanischen Ostküste gelegene Metropole Boston für ihren Umgang mit den Bauwerken des Brutalismus. Was derzeit in der Stadt diskutiert wird, dürfte die Fachwelt dagegen in Sorge versetzen. Paul Rudolphs Government Service Center in Boston soll nach dem Willen der Massachusetts Division of Capital Asset Management and Maintenance, der Bau- und Vermögensverwaltung von Massachusetts, an Investoren verkauft und durch einen Neubau ersetzt werden, wie der Boston Globe berichtet.

Der ab 1962 entworfene und bis 1971 realisierte Gebäudekomplex besteht aus zwei Teilen. Vom Abriss bedroht ist das an der Kreuzung von Cambridge Street und New Chardon Street gelegene Charles F. Hurley Building. Es fungierte bisher als Diensitz verschiedener Behörden. Gegen diesen Vorstoß wendet sich eine Petition, die unter anderem von der Paul Rudolph Heritage Foundation unterstützt wird. In Martin Scorseses Blockbuster „The Departed“ aus dem Jahr 2006 spielt das Government Service Center neben Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und anderen Leinwandgrößen eine architektonische Hauptrolle als Polizeiquartier. Und wer weiß – vielleicht trägt Hollywood ja zur Erhaltung von Rudolphs Werk bei? (mk, 7.12.19)

zur Online-Petition zum Erhalt des Boston Gouvernment Service Center

Boston, Government Service Center (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0)