„Egal wo! Hauptsache … Posthalle“

Bis 1993 wurden hier Sendungen der damaligen Bundespost sortiert – danach ging weiter die Post ab! Würzburgs Posthalle, ein Bau der 1970er Jahre, hat sich seit dem zu dem wichtigsten Veranstaltungsort der Stadt entwickelt. Mit Partys, Konzerten bis hin zu Poetry-Slams schlug in der Halle, dem einzige Raum in der Stadt für Veranstaltungen in mit 200 bis 3.000 Gästen, eines der kulturellen Herzen in Mainfranken. Damit ist nun Schluss. Auf dem Areal am Bahnhof soll ein neues Stadtviertel mit dem wohlklingenden Namen „Bismarckquartier“ entstehen – die Reaktionen der Würzburger auf ihre Stadterweiterung klingen von „Fratze des Kapitalismus“ bis zu „seelenlos“ sehr bescheiden.

Als Ausgleich plant man eine größere Multifunktionsarena. Um rentabel zu sein, müsste diese aber mit größeren Events bespielt werden. Die Gegner befürchten kulturelles Einerlei in Würzburg und viele Fahrten in benachbarte Großstädte wie Nürnberg. Seit April diesen Jahres gibt es daher die Möglichkeit, im Rahmen der Petition „Egal Wo! Hauptsache … Posthalle Retten“  des „Fördervereins zur Unterstützung der kulturellen Vielfalt der Posthalle e. V.“ für den Erhalt zu votieren. Ziel der Aktion: Das Thema auf die Tische der Lokalpolitiker zu bringen. (jm, 25.8.19)

Würzburg, Posthalle (Bild: Jan, CC BY NC SA 3.0, 2011)

TofD 2019: Im Hohen Norden

Von wegen flach – zum Tag des offenen Denkmals strebt der Norden nach Höherem: In Hamburg bietet der Rundgang „Auf den Spuren der Moderne in Planten un Blomen und den Wallanlagen“ (Stephansplatz, Treffpunkt: Ecke Gorch-Fock-Wall, an der Skulptur „Die Liegende“, Hamburg Mitte-Neustadt) den perfekten Blick zum Fernsehturm. Am 7. und 8. September ist der Park geöffnet von 7 bis 23 Uhr (8. September: Führungen, 11 und 13 Uhr). In direkter Nachbarschaft lockt das Hotelhochhaus Radisson Blu Hotel (Marseiller Straße 2, Hamburg Mitte-St. Pauli) von 1973 – am 7. September geöffnet von 10 bis 16 Uhr (Führungen nach Bedarf, Treff: Hotel-Lobby). In die Tiefe geht es am St. Pauli (alten) Elbtunnel (Bei den St. Pauli Landungsbrücken, Hamburg Mitte-St. Pauli) aus dem Jahr 1911. Vom 6. und 8. September ist von 10.00 bis 17.00 Uhr die historische Ausstellung geöffnet (Beim Kraftwerk 4, Ausgang Steinwerder), am 7. September werden Vorträge angeboten.

In Bremen wird im 1962 vollendeten Aalto-Hochhaus (Berliner Freiheit 9, Bremen-Neue Vahr) am 8. September durch Fotoausstellung und Kurzfilm über Aaltos Arbeiten geführt (9, 11, 13, 15 und 17 Uhr, je max. 30 Personen, Anmeldung erforderlich: mail@rolfdiehl.de). Nicht zuletzt lohnt das Oberfeuer Preußeneck (Zum Leuchtfeuer 118a, Butjadingen-Eckwarderhörne), das bis 2012 insgesamt 50 Jahre in Betrieb war. Am 8. September ist der Leuchtturm geöffnet von 11 bis 18 Uhr (Führungen nach Bedarf, Kontakt: Cornelia Steib, 04736 507, info@leuchtfeuer-preusseneck.de/Markus Fittinghoff, 0175 3577157, BI Leuchtfeuer Eckwarderhörne e. V.). (kb, 24.8.19)

Hamburg, Fernsehturm (Bild: via pexels.com)

Update: Juister Bahnhof

Im Januar haben wir bereits über den vom Abriss bedrohten Inselbahnhof in Juist und über die Initiative des „Freundeskreises Juister Bahnhof“ berichtet: Den 1938 eingeweihte Bau mit dem markanten Uhrenturm wollte die Reederei Frisia AG ersetzen durch einen zweistöckige Neubau mit Wohnungen, Restaurants und Nationalparkhaus. Inzwischen hat sich einiges getan auf der Nordseeinsel, nicht nur zugunsten des historischen Bahnhofs. Im Mai machte der Juister Bürgermeister Tjark Georges klar, dass aus seiner Sicht nur ein Neubau Sinn mache.

Die Argumentation, der Bau sei marode, halten die Abrissgegner hingegen für sehr dünn. Im Vordergrund stünden vielmehr handfeste finanzielle Interessen, für welche ein identitätsstiftendes Bauwerk geopfert werden solle. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die aktuelle Eigentümerin, die Frisia AG verlautbarte, vom Abriss abzusehen, da erhoffte Förderungen des Landes Niedersachsen für den Neubau nicht erfolgten. Trotzdem bleibt der Bahnhof weiterhin bedroht, da sich nicht wenige Juister mit der Idee eines zeitgenössischen Funktionsbaus anfreunden können. Die Petition läuft weiter! (jm, 24.8.19)

Juist, Bahnhof (Bild: historische Postkarte)