Dnepr-Staudamm, Zaporož'e (Bild: PD)

Fesseln für den Dnepr

Die Natur galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielen Architekten, Bauingenieuren und Städtebauern als fortschrittsfreie Zone, die es zu unterwerfen galt. Das reichte bis hin zu so wahnwitzigen Plänen wie dem Atlantropa-Projekt, das eine teilweise Trockenlegung des Mittelmeeres vorsah. Auch für die forcierte Industrialisierung der UdSSR in den 1930er Jahren war die Zähmung der widerspenstigen natürlichen Umwelt ein Leitmotiv. Sie hinterließ im gesamten Land ein vielfältiges bauliches Erbe. Ein Vortrag von Thomas Flierl macht dies am Beispiel des Dnepr-Staudamms der ukrainischen Industriestadt Zaporož’e deutlich.

Der Staudamm und das zugehörigen Wasserkraftwerk wurde in den Jahren 1927 bis 1932 erbaut und stellten die energetische Basis für die Industrialisierung der Ost-Ukraine dar. Das Wasserkraftwerk und die zeitgleich errichtete Wohnstadt für Zaporož’e gehörten zu den Großprojekten des ersten Fünfjahrplans und entstanden unter der Federführung des sowjetischen Konstruktivisten Viktor Vesnin (1882–1950). Der Vortrag „>Der gefesselte Dnepr< oder >Der sozialistische Angriff auf die Natur<“ findet am 20. Juli 2018 um 19 Uhr im Berliner Max-Lingner-Haus (Beatrice-Zweig-Straße 2, 13156 Berlin) statt. (jr, 19.6.18)

Dnepr-Staudamm, Zaporož’e (Bild: PD)

Berlin, simulierte Rekonstruktion der Bauakademie, 2016 (Bild: Ziko van Dijk, CC BY SA 4.0)

Der Bauakademie-Code

Die seit Monaten schwelende Diskussion über die Wiederauferstehung der Bauakademie geht weiter: In Berlin boten ARCH+ und die Sektion Baukunst der Akademie der Künste am 12. Juni den Rahmen, um darüber zu sprechen, wie viel Moderne Schinkel verträgt (und umgekehrt). Im Mai war der offizielle Programmfindungswettbewerb entschieden worden, an dem auch die Veranstalter teilgenommen hatten. Nun sollten alle Teilnehmer ihre Ideen öffentlich vorstellen und eine Forderung an die künftige Bauakademie aufstellen. Zwanzig Wettbewerbsteilnehmer kamen, darunter drei der fünf Preisträger.

Über die Einzelstatements wurde abgestimmt und was eine Mehrheit fand, zum „Bauakademie-Code“ zusammengefügt. Dieser gliedert sich nach den Schwerpunkten „Zukünftiger Wettbewerb“ und „Anforderungen an die Institution“ und kommt zu überraschend modernen Aussagen, wie z. B.: „Die Bauakademie sollte weder zu 100% Schinkel sein, aber auch nicht 100% neu, sondern beides: ein Dialog, ein Widerspruch – vielleicht sogar ein Streitgespräch. // Die neue Bauakademie soll nicht zur gegenwärtigen ideologischen Säuberung der Stadt beitragen. // Eine Neue Bauakademie sollte sich gleichermaßen mit ALTER, wie auch mit WERDENDER ARCHITEKTUR beschäftigen.“ Alle Beiträge des offiziellen Programmfindungswettbewerbs werden vom 21. Juni bis 6. Juli 2018 im Foyer des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin) ausgestellt. (kb, 18.6.19)

Berlin, simulierte Rekonstruktion der Bauakademie, 2016 (Bild: Ziko van Dijk, CC BY SA 4.0)

Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

„Blitzabriss“ in Nürnberg

Lange hatte man in Nürnberg diskutiert, dann ging alles auf einmal ganz schnell: Von den Umladehallen am ehemaligen Bahnhof Süd sind nur noch Trümmer übrig. Die Hallen standen als letzter Rest des Areals nahe Rangierbahnhof und Südring seit Jahren leer. Ihre Entstehung reicht bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Nachdem erste Planungen durch die Wirtschaftskrise verzögert worden waren, konnten die Umladehallen von 1933 bis 1935 errichtet werden. Vor dem Beginn des Güterumschlags bildeten die Hallen den Rahmen für die Ausstellung „Die Jahrhundertfeier der Deutsche Eisenbahnen“. Und während der NS-Reichsparteitage wurde das Areal zum „Mitropadorf“ umfunktioniert: Wegen knapper Hotelzimmer nächtigten hier Ehrengäste in abgestellten Schlafwagen.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Hallen von schwereren Schäden verschont. Nach der Einstellung des Güterumschlags im Jahr 1998 wurden nur noch einzelne Teile als Lager genutzt. Und seit der neue Stadtteil Lichtenreuth aus der Taufe gehoben wird, scheinen vielen die historischen Hallen im Weg. Noch im Frühjahr hatte das Museum Industriekultur mit einer eigenen Ausstellung auf ihren Wert hingewiesen. Man plädierte für eine kreative Umnutzung, etwa für kulturelle Zwecke oder als Zentrum im neu entstehenden Stadtteil. Nun haben die Abrissbagger Fakten geschaffen. (kb, 17.6.18)

Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

Trabant überquert provisorischen Grenzübergang bei Katharinenberg (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1121-412, CC BY SA 3.0, Foto: Jürgen Ludwig)

Es ist nicht alles gesagt

2019 steht nicht nur das vielbeschworene Bauhaus-Jubiläum ins Haus, ebenso jährt sich die Friedliche Revolution zum 30. Mal. Und während in der zeitgeschichtlichen Forschung die Angst vorzuherrschen scheint, es sei über die DDR eigentlich schon alles erforscht und gesagt, boomt die „Public History“, die öffentliche Auseinandersetzung mit der Ost-Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund findet unter dem Titel „Es ist nicht alles gesagt“ vom 30. November bis 1. Dezember 2018 in Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität in Berlin) ein „Workshop zur DDR-Forschung“ statt.

Die Veranstaltung soll gerade nicht Bilanz ziehen, sondern als „work in progress“ kooperatives, moderiertes Arbeiten mit praktischen Impulsen anregen. Daher werden noch Themenvorschläge gesucht z. B. zu diesen Fragestellungen: Wie können heute in der DDR-Forschung Begriffe wie „Widerstand“, „Täter“ und „Opfer“ verwendet werden? Wer sind Zeitzeugen und wie wertet man ihre Berichte aus? Welche Spielräume gab es überhaupt innerhalb eines autoritären Staats? Wo sind die zeitlichen und räumlichen Schnittmengen zwischen der damaligen Geschichtsschreibung und einer „Geschichte von unten“? Ein Abstract (ca. 300 Wörter) und eine Kurzbiographie können bis zum 1. August 2018 gesendet werden an: Steffi Brüning, Universität Rostock, steffi.bruening@gmx.de, und Maria Neumann, Humboldt Universität zu Berlin, maria.neumann.hu@googlemail.com. (kb, 16.6.18)

Ein Wartburg 353 überquert den provisorischen Grenzübergang bei Katharinenberg (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1121-412, CC BY SA 3.0, Foto: Jürgen Ludwig)

Mannheim, Theresienkapelle (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 4.0, 2015)

Trotz Verkauf: Die Theresienkapelle soll weg

Der Streit schwelt schon einige Jahre: In Mannheim soll das Theresienkrankenhaus erweitert werden. Dem müssten einige Gebäudeteile weichen, darunter auch die 1929 geweihte Theresienkapelle. 2014 hatte die Stadt Mannheim erklärt, dass die bereits 1998 erteilte Abrissgenehmigung weiter gelte, die Kapelle also nicht an ihrem angestammten Ort bleiben könne. Dabei kämpften zu diesem Zeitpunkt gleich zwei Bürgerinitiativen um eine Zukunft für den Gottesdienstraum. Einer der Lösungsvorschläge sieht vor, die Kapelle in den Unteren Luisenpark zu verschieben, wo man sie als Kolumbarium nutzen könne.

Doch einer Versetzung der Kapelle steht die Stadt als Eigentümerin des betreffenden Parkgrundstücks skeptisch gegenüber. Man fürchtet Umweltschäden (einige Bäume müssten fallen) ebenso wie Konkurrenz für die bestehenden kommunalen Friedhöfe (bei einer Urnenwand in der translozierten Kapelle). In diesen Tagen nun wurde bekannt, dass das lange von den Vinzentinerinnen betriebene Theresienkrankenhaus zusammen mit der St.-Hedwig-Klinik an die Trier Brüder verkauft werden soll. Damit will man das Haus in christlicher, in diesem Fall katholischer, Führung halten. Dieser Verkauf soll aber, so die ausdrückliche Aussage, nichts ändern an den Erweiterungs- bzw. Neubauplänen – und damit am Abriss der Theresienkapelle. (kb, 15.6.18)

Mannheim, Theresienkapelle (Bild: Andreas Praefcke, CC BY SA 4.0, 2015)