Kunst-Kiosk ist zurück

Am 1969 aufgestellten Kiosk am Sophienstiftsplatz im Weimar konnte man schon lange keine Zeitungen mehr kaufen. Ab Mitte der 1990er war in dem DDR-Relikt ein Fischbrötchenstand untergebracht, seit 2002 ist es Ausstellungsfläche für Kunst. Sogar einen Brandanschlag im selben Jahr überstand der “Verkaufskiosk für Presseerzeugnisse” des Typs K600. Seinen heutigen Namen “Kiosk.6” verdankt er seiner Größe von genau 6 Quadratmetern. Heute wird er von einer Studenteninitiative der Bauhaus-Universität Weimar betrieben.

Zuletzt war er allerdings 21 Monate dicht – und weg! Die Stadt Weimar gestaltete den Sophienstiftsplatz um. Er ist ein zentraler Knotenpunkt im innerstädtischen Verkehr, und 2020 war mit dem Umbau des Platzes sowie des unweit gelegenen Goetheplatzes begonnen worden. Der Kiosk.6 war den Bauarbeiten im Weg, wurde demontiert und eingelagert. Seit einigen Wochen steht er nun wieder (fast) am alten Platz. In den kommenden Monaten werden hier hoffentlich bald wieder studentische Projekte einziehen. Falls nicht, könnte man über die Wiederaufnahme des Fischbrötchenverkaufs nachdenken. Nur so eine Idee … (db, 23.5.22)

Weimar, Kiosk .6 (Bild: Asha Lester)

Dantestadion unter Schutz

Denkmalzuwachs in München: Das “Städtische Stadion an der Dantestraße”, kurz Dantestadion, im Stadtteil Gern steht nun unter Schutz. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat den Tribünenbau, das Eingangsbauwerk sowie eine Toranlage mit fünf Durchgängen und seitlich niedrigeren Flügeln zum Baudenkmal erklärt. Diese Bauteile stammen aus den Jahren 1926-28 und entstanden nach Plänen der Architekten Fritz Beblo und Karl Meitinger. Das Dantestadion, im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg in unmittelbarer Nähe zum Westfriedhof und zum Dantebad gelegen, ist nach Allianz Arena, Olympiastadion und dem Stadion an der Grünwalder Straße das viertgrößte Stadion der Stadt – und derzeit Heimat der Münchner American-Football-Mannschaften “Cowboys” und “Rangers”.

Die Planungen zum Bau des “Bezirksstadions am Dantebad” , so der ursprüngliche Name, begannen bereits 1914. Ursprünglich sollte es so groß werden wie die Stadien in Frankfurt am Main und Köln. Nach Unstimmigkeiten im Stadtrat einigte man sich auf ein Fassungsvermögen von 32.000 Zuschauern, heute bietet es noch 12.000 Menschen Platz. In der NS-Zeit diente es HJ-Aufmärschen, nach dem Krieg nutzte es die US-Army bis 1953 für Baseball-Spiele, ab 1954 war es wieder unter städtischer Regie. Seither wurde unsd wird es für diverse Sportveranstaltungen und Fußballspiele genutzt. Das Ereignis von größter gesellschaftlicher Bedeutung war wohl das am 16. März 1957 ausgetragene Frauen-Länderspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden: Es war das erste Frauenfußball-Spiel in München, nachdem der DFB Frauenfußball im Jahr 1955 verboten (!) hatte … (db, 22.5.22)

Bröselnder Beton

Die ältesten stahlfreien Betonbauwerke Deutschlands stehen im Dreieich-Park in Offenbach am Main. Die Zementfabrik Feege & Gotthardt errichtete anlässlich der 2. Hessischen Landes-Gewerbeausstellung 1879 einen den Fußgängerweg im Park überspannenden 16 Meter weiten gewölbten Träger sowie einen tempelähnlichen Pavillon mit Kuppel aus nicht armiertem Portlandzement. Wirklich benutzbar waren die Bauwerke nie, sie wurden errichtet, um die Vielseitigkeit ihres neuartigen Baustoffes aufzuzeigen. Urprünglich sollten Brücke und Pavillon drei Monate, die Dauer der Ausstellung, stehenbleiben. Es sind aber doch 143 Jahre geworden, denn sie erwiesen sich als ausgesprochen Stabil und sind heute die letzten existierenden Gebäude der Gewerbeausstellung. Erstmalig von Abriss bedroht waren die Bauten 1970, Spenden ermöglichten damals die Sanierung. Hierbei wurde unter anderem der gebogene Träger mit einem Stahlzugband verstärkt. 1984 und 2006 fanden weitere, diesmal von der Stadt Offenbach finanzierte Sanierungen statt, sie waren wohl Fehlschläge: 2014 musste ein stützendes Holzgerüst unterm Bogen errichtet werden, der Pavillon ist aus Haftungsgründen abgesperrt.

Die maroden Betonbauten sind Teil der Route der Industriekultur Rhein-Main und Ziel von Führungen der Volkshochschule Offenbach. Dennoch scheint niemand ihren Verfall ernsthaft aufzuhalten. Die Zeitung Offenbach Post hat nun bei der Stadt angefragt, was aus der angekündigten Sanierung werden solle. „Um eine Lösung zu erarbeiten, wird derzeit ein Symposium mit Experten aus den Bereichen Baukultur, Denkmalpflege, Materialwissenschaften, Architektur und Ingenieurwesen sowie Betonsanierung für den Sommer vorbereitet“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Im Zuge dieses Expertentreffens solle geprüft werden, wie eine Sicherung unter Beachtung des Denkmalschutzes aussehen könne und welche Maßnahmen hierfür notwendig seien. Auf dieser Grundlage solle ein Sicherungskonzept erarbeitet und auch “die Einbindung beziehungsweise eine verbesserte Wahrnehmung der Betonobjekte im Dreieichpark reflektiert werden.“ Die Sicherung gestalte sich aufgrund der mehrfachen, aus heutiger Sicht unsachgemäßen Sanierungen, des unzureichenden Unterbaus, unklarer Schadensursachen sowie der sehr unterschiedlichen Zustände der verschiedenen Bauteile schwierig. Es herrsche gar Unklarheit, ob ein dauerhafter Erhalt bautechnisch und wirtschaftlich vor Ort möglich sei. Sprich: Wird es zu aufwendig, erwägt man einen Nachbau und werde die einsturzgefährdeten Originale möglicherweise in eine gesicherte Umgebung versetzen. (db, 21.5.22)

Offenbach, Dreieich-Park 2008 (Bild: Christos Vittoratos, CC BY-SA 3.0)