Rottenburg: Wie viel Moderne braucht der Denkmalschutz?

Es sind nicht immer nur die Bauten der „klassischen“ oder der Nachkriegsmoderne, die vom Abriss bedroht sind. So aktuell auch in Rottenburg: Eduard Krüger (1901-67) war der Architekt des Sparkassengebäudes am Marktplatz. Der jetzige Eigentümer möchte an diese Stelle einen Neubau setzten. Nun ist der Sparkassenbau Krügers von 1953 alles andere als eine Inkunabel der Nachkriegsmodene. Der zeitlebens in Württemberg tätige Architekt gehört zu den wenigen Schülern von Bonatz und Schmitthenner, die auch nach 1945 dem Stil der Stuttgarter Schule treu blieben. Aber es ist gerade der gekonnte Umgang mit dem städtebaulichen Umfeld, der in Rotteburg hervorzuheben ist. Krüger nahm die Proportionen des barocken Vorgängerbaus auf. Mit wenigen Details setzte er Akzente: In der Fensterachse über dem Rundbogenportal z. B. betonte er mit einem kleinen Zwerchgiebel mit Uhr weithin sichtbar den Eingang.

Auch in Schwäbisch Hall, Balingen und in Crailsheim hatte Krüger Bauten für die Sparkasse errichten können. Im Gegensatz zu Rottenburg haben z. B. Schwäbisch Hall und Balingen die Bedeutung der dortigen Krüger-Bauten im Stile der „Neuen Tradition“ erkannt und sie als Kulturdenkmale nach §2 DSchG eingetragen. Eines muss den Entscheidungsträgern der Stadt Rottenburg bei einer Zustimmung zum Abriss klar sein: Jeder Neubau dürfte sich bei weitem nicht so zurückhaltend in das Ensemble des Markplatzes einfügen. Große Glasflächen würden die gut proportionierte Lochfassade ersetzen. Denn gerade die Zurüchaltung und das behutsame Einfügen zeichnen des bestehende Sparkassengebäude aus. (pr, 18.10.19)

Titelmotiv/unten: Rottenburg, Sparkasse (Bild: Peter Raaf, 2019)

Millionen für Magdeburg

Über Jahre hinweg gammelte in Magdeburg an der Elbe die Hyparschale vor sich hin. Der Schalenbau wurde 1969 nach Plänen von Ulrich Müther errichtet und gilt als wichtiges Zeugnis der Ostmoderne. 1997 wurde das Kulturdenkmal baupolizeilich gesperrt. Zuletzt musste die Konstruktion mit einem Stützturm vor dem Einsturz gesichert werden.

2017 zeichnete sich dann endlich eine gute Lösung für das ehemalige Messe- und Ausstellungszentrum ab: Die Stadt Magdeburg nahm die Sanierung selbst in die Hand nehmen. Das Innere soll als Mehrzweckhalle hergerichtet werden. Nun gab das Bundesbauministerium bekannt, die Maßnahme mit satten fünf Millionen Euro zu fördern. Die Sanierung soll noch in diesem Jahr starten, mit einer Fertigstellung wird für 2022 gerechnet. (kb, 16.11.19)

Hyparschale, Magdeburg (Bild: Ola2, CC BY SA 3.0)

Neandertalhalle unter Schutz

Seit 2017 zog sich die Entscheidung, nun ist es amtlich: Die Neandertalhalle Mettmann bleibt unter Denkmalschutz, entschied das NRW-Bauministerium. Der Stadtrat freut sich nicht, insbesondere die Grünen (sic!) sind „bestürzt“, so Fraktionssprecher Nils Lessing. Obwohl der Abbruch der Halle nicht vom Tisch ist, befürchte er, dass dieser erschwert werde. Man wünsche sich ein Veranstaltungszentrum, umgeben von Wohn- oder weiterer Geschäftsbebauung. Allerdings in Form einer kleineren Multifunktionshalle. Der Altbau sei überdimensioniert, Betriebs- und Sanierungskosten zu teuer. Ähnlich sehen es fast alle Parteien. Der Ministeriumsentscheid wurde notwendig, da der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Neandertalhalle 2016 als denkmalwürdig einstufte, während ein von der Stadt beauftragtes Gutachten zu einem anderen Schluss kam.

Errichtet wurde die spätmoderne „Laubfroschoper“ von 1980 bis 1982 nach Plänen von Wolfgang Rathke. Die lange gut ausgelastete Halle wurde ab den 1990ern heruntergespart. Hinzu kommen die üblichen „Mängel“ beim Brandschutz, die sie zum kostenintensiven Sanierungsobjekt machen. Der Denkmalwert ist bestätigt, ein Abriss dennoch nicht ausgeschlossen – Staatssekretär Jan Heinisch sagte der Rheinischen Post: „Im Ministerium weiß man genau, dass die Neandertalhalle nicht nur eine dauerhafte, große finanzielle Belastung (…) für die Stadt darstellt, sondern auch, dass für den Erhalt der Halle mehr als acht Millionen Euro in das Gebäude investiert werden müssten.“ (db, 17.10.19)

Mettmann, Neandertalhalle (Bild: Kreisstadt Mettmann)