Frankfurter Kommunikaze

Ende 2019 sorgte die Nachricht, dass das traditionsreiche Frankfurter Haushaltswarengeschäft Lorey sein Stammhaus zwischen Schillerstraße und Großer Eschenheimer Straße aufgibt, für Aufsehen. Geplant ist der Umzug ins nahegelegene Einkaufszentrum „My Zeil“. Als Grund nannte Lorey-Geschäftsführer Philipp Keller das Alter der derzeit genutzten Immobilie. Gebaut wurde sie bis 1954 unter Einbeziehung einer Kriegsruine in der Schillerstraße. Wie üblich in der nahezu unbezahlbar gewordenen Frankfurter City fand sich jetzt in Lichtgeschwindigkeit ein Investor. Da nach Auskunft der Stadt kein Denkmalschutz bestand, kam der Verkauf (geräuschlos) ins Laufen. Ein weiteres Stück Stadtgeschichte droht zu verschwinden.

Doch Anfang April überraschte das hessische Landesamt für Denkmalpflege mit der Auskunft, dass das Lorey-Gebäude als Beispiel eines gut erhaltenen 1950er-Jahre-Geschäftshauses unter Denkmalschutz gestellt worden sei – eine Nacherfassung der zuletzt vor 20 Jahren überarbeiteten Innenstadt-Denkmalliste. Die Investoren, die das Haus durch einen Neubau ersetzen wollen, sollen ihre Pläne nun dem Landesamt für Denkmalpflege vorstellen. Die Stadt will dem bisherigen Eigentümer entgegenkommen und hält zumindest einen Teilabriss für möglich. Bei aller Freude über den (wahrscheinlichen) Erhalt zumindest des Bauteils in der Großen Eschenheimer Straße bleibt dennoch der Eindruck mangelnder Kommunikation zwischen den Denkmal-Fachleuten – die im schlimmsten Fall dem Verkäufer schweren wirtschaftlichen Schaden hätte zufügen können. (db, 7.7.20)

Frankfurt, Lorey-Haus (Bild: Deutsches Architektur Forum, Schmittchen)

Wenig Fortschritt in Planitz

Ein Baugerüst am leerstehenden Capitol-Kino in Zwickau-Planitz ließ Hoffnung aufkommen, dass es tatsächlich eine Rettung für den 1938 eröffneten Kulturbau gibt. Das war aber – zumindest vorerst – trügerisch: Es handelt sich lediglich um eine Notsicherung, um Gefahr für Passanten abzuwenden. Wie es mit dem 1994 geschlossenen Capitol weitergeht, ist weiterhin unklar. Immerhin: der jetzige Besitzer, der es 2019 aus einer Insolvenzmasse erworben hat, kümmert sich als erster der diversen Eigner nach 1994 in irgendeiner Weise ums (denkmalgeschützte) Gebäude. Die Stadt Zwickau zeigte vergangenes Jahr kein Interesse am Kauf.

Gebaut wurde das Capitol 1937/38 nach Plänen des Architekten Wilhelm Wendler, die Statuen „Arbeit“ und „Kunst“ an der Fassade stammen vom Zwickauer Bildhauer Alfred Mühle. Den Krieg überstand der unter anderem mit einem Luftschutzkeller ausgestattete Bau unbeschadet, 1959 wurde die Kino-Technik grundlegend renoviert. Bereits 2008 gab es im Statdtrat übrigens einen Antrag auf Abriss, der keine Mehrheit fand. Vorm Einsturz ist das Gebäude jetzt immerhin geschützt, was die Zukunft bringt, bleibt aber weiter unklar. Ein Bauantrag liege nicht vor, erfuhr der SPD-Stadtrat Jens Heinzig, der sich nach der Errichtung des Gerüsts informierte. (db, 6.7.20)

Planitz, Capitol-Kino 2019 (Bild: Youtube-Still)

Sacred Concrete

Le Corbusier hat nicht nur Kirchen und Klöster entworfen, sondern sich auch intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt – so die These des frisch neu-aufgelegten Bandes „Sacred Concrete“. Flora Samuel und Inge Linde-Gaillard gehen darin der Frage nach, wie es der große Baumeister mit der Religion hielt. Demnach hatte der protestantisch erzogene Architekt in Paris Kontakt zu allerlei esoterischen Weltanschauungen. Später näherte er sich dem Katholizismus, um zugleich wiederholt gegen Konservativismen des Vatikan zu protestieren. Für die beiden Buchautorinnen liegt der Kern von Le Corbusiers Spiritualität letztlich im Weiblichen – in der Mutter und Ehefrau.

Unbestritten ist der große Einfluss von Le Corbusier auf den Kirchenbau der Moderne. Ob mit La Tourette in eckig oder mit Ronchamp in abgerundet, für jeden Geschmack war etwas dabei. Ausführlich behandelt die Publikation die Wallfahrtskirche Ronchamp, das Kloster La Tourette in Eveux, die Kirche Saint Pierre in Firminy-Vert und den nicht umgesetzten Entwurf für die Grotten-Basilika in La Sainte Baume. Für die Neuauflage wurden Einleitung, Schlussfolgerungen und Bibliografie des Buchs aktualisiert. (kb, 5.7.20)

Samuel, Flora/Linde-Gaillard, Inge, Sacred Concrete. The Churches of Le Corbusier, Birkhäuser-Verlag, Berlin 2020, Hardcover, 27 x 21 cm, 232 Seite, 190 Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen, ISBN: 978-3-0356-2171-6.

Eveux, La Tourette (Bild: Fred Romero, CC BY 2.0, 2015, via flickr.com)