Dekor als Übergriff?

Kaffee und Kuchen mit Kandinsky – so oder so ähnlich fühlt es sich an, wenn man sich Teller-, Tassen- und Kuchenplatten-Spritzdekore aus den 1920er und 1930er Jahren anschaut. Ganz im Sinne des Werkbund und Bauhausideals rationalisiert mit Spritz- und Schablonentechnik aufgetragen, brachten sie die Avantgarde auf die Kaffeetafel. Selbst während der Wirtschaftskrise brach die Nachfrage nach den bunten Keramiken nicht ein. Ab Mitte der 1930er Jahre wird die Produktion sukzessive eingestellt. Galten sie den neuen Machthabern als Ausdruck der verfemten „entarteten“ Kunst?

Die Ausstellung „Dekor als Übergriff“ geht dieser Frage nach und unternimmt den Versuch die Objekte im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Kunsthandwerk einzuordnen. Eröffnet wird die Schau am 10. Oktober 2019 um 19 Uhr im Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Oranienstraße 25, 10999 Berlin). Bis zum 10. Februar 2020 werden dort hunderte Beispiele für diesen Bereich der Designgeschichte zu sehen sein. (16.9.19, jm)

Kakaokannen, Form 528 und 538, um 1930, Porzellanfabrik C.A. Lehmann & Sohn, Kahlam Sammlung Ulrich Thomas, Berlin (Foto: Armin Herrmann, 2019)

Olympische Bauten – zwischen Konservierung und Konversion

2020 sollen die Olympischen Sommerspiele in Tokyo stattfinden, wo sie 1964 bereits ein erstes Mal zu Gast waren. Diese moderne Sporttradition geht zurück auf das Jahr 1896, auf die Initiative des Historikers und Pädagogen Pierre de Coubertin. Als die Spiele mit den Jahrzehnten an Popularität und Bedeutung gewannen, hinterließen sie an ihren jeweiligen Austragungsorten ein immer umfangreicheres bauliches Erbe. Doch auf diesen olympischen Anlagen lastet heute ein besonders hoher Veränderungs- und Gefährdungsdruck. Dabei sind sie häufig nicht nur in ihren architektonischen Zeugnissen, sondern auch als garten- und landschaftskünstlerische Werke erhaltenswert.

Vor dem Hintegrund findet die Tagung „Das moderne Erbe der Olympischen Spiele. Historische Sportstätten zwischen Konservierung und Konversion“ vom 7. bis 8. November 2019 im Münchner Olympiapark statt. Die Konferenz steht unter dem Motto des Europäischen Kulturerbejahrs „Sharing Heritage“ und wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Die Tagung richten ICOMOS Deutschland und die Landeshauptstadt München in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verein „Aktion Welterbe Olympiapark“ aus. (kb, 15.9.19)

München, Olympiastadion (Bild: luede_m, via pixabay.com)

Bad Karlshafen: Stephanuskirche einsturzgefährdet

Malerischer könnte eine Kirche kaum liegen: Im nordhessischen Bad Karlshafen wurde die Stephanuskirche direkt am historischen Hafenbecken errichtet und bildet so einen prominenten Blickpunkt. 1962 gestaltete man das Wahrzeichen nach den Entwürfen des versierten Frankfurter Kirchenbauers Werner W. Neumann. Die Glasfenster schuf kein Geringerer als der Künstler Hans-Gottfried von Stockhausen. So ist es nur folgerichtig, dass der Bau unter Denkmalschutz steht. Doch in diesen Tagen macht die Stephanuskirche Schlagzeilen: Der Bau sei, so die Gemeinde, einsturzgefährdet und müsse daher „auf unbestimmte Zeit“ geschlossen werden.

Nach Ansicht der beauftragten Experten, liegt der Schwachpunkt in der Leimbinderkonstruktion des Kirchendachs. Seit 2016 arbeite man an einer Lösung des Problems. Einen letzten Besuch kann man der Kirche am 6. Oktober 2019 abstatten, dann schließen sich die Türen. Von der Maßnahme ist der Gottesdienstraum betroffen, während der Gemeindesaal und das Kirchenuntergeschoss vorerst weiter in Nutzung bleiben können. Als Ausweichräume für die Gottesdienstfeiern sind die Kapelle im Invalidenhaus, der Landgrafensaal oder der Gästeraum des Rathauses im Gespräch. (kb, 14.9.19)

Titelmotiv: Bad Karlshafen, Stephanuskirche (Bild: Presse03, CC BY SA 3.0, 2007)