Hamburg, Elbtunnel, Oströhre (Bild: Heidas, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2004)

Elbtunnel in neuem Glanz

Seit 1911 Jahren können die Hamburger ihren Fluss unterirdisch passieren. Möglich machts der St. Pauli Elbtunnel, der bei seiner Eröffnung vor 108 Jahren zu Recht als technisches Meisterstück gefeiert wurde. Die Idee zur Untertunnelung reicht allerdings bis ins 19. Jahrhundert zurück. Grund war das stetige Wachstum des Hafens und der Werften südlich des Flusses. Einzige Möglichkeit für tausende Werft- und Hafenarbeiter dorthin zu gelangen waren die nicht immer ganz wetterfesten Fähren. Eine neue Lösung musste her – wie so oft schauten die Hanseaten nach England und Übersee, wo bereits einige Beispiele der Flussunterquerung in die Realität umgesetzt wurden.

Zuletzt zeigten sich die beiden Röhren allerdings renovierungsbedürftig. Der Osttunnel wurde nun acht Jahre lang – doppelt so lang als die ursprüngliche Bauzeit – denkmalgerecht saniert. Nach der Wiedereröffnung, am 26. April 2019, wird für Interessierte und Tunnelbegeisterte die Ausstellung zur Geschichte des Elbtunnels für einen Monat direkt dort einziehen. Einen Monat später wird ein 144-köpfiges Orchester die eigens komponierte „TunnelSymphonie“ zu Gehör bringen und so dem neuen alten Tunnel einen ganz besonderen Klang verleihen. (jm, 25.4.19)

Hamburg, Elbtunnel, Oströhre (Bild: Heidas, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2004)

"Hannes Meyer und das Bauhaus" (Bild: Spectator, Buchcover)

Die vielen Gesichter des Hannes Meyer


Beim Stichwort „Bauhausdirektor“ denken die meisten Architekturfreunde wohl zunächst an Walter Gropius oder Mies van der Rohe. Hannes Meyer, der das Amt von 1928 bis 1930 inne hatte, wird ihnen dagegen nicht sofort einfallen – und das liegt sicher nicht nur an seinem Allerweltsnamen. Das soll sich spätestens im Bauhaus-Jubeljahr ändern. Mit dem Buch „Hannes Meyer und das Bauhaus“ wird anhand von programmatischer Schriften dokumentiert, wie der Architekt und Sozialist seine Idee des Bauhauses unters Volk brachte.

Darüber hinaus analysieren internationale Experten in Essays, wie Meyers Positionen sich veränderten und in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten aufgenommen wurden. Vorgestellt wird die Publikation morgen, am 25. April 2019, ab 19 Uhr im Forum Neues Frankfurt (Hadrianstraße 5, Frankfurt am Main). Anwesend ist der Herausgeber des Buchs, der Publizist Thomas Flierl. Der Eintritt ist frei, es gibt Apfelwein und Brezeln. (kb, 24.4.19)

Flierl, Thomas/Oswalt, Philipp (Hg.), Hannes Meyer und das Bauhaus. Im Streit der Deutungen, 640 Seiten, fadengehefteter Festeinband, 29,7 x 21 cm, Spectator Books, Leipzig 2019, ISBN 9783959051507.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers (Bild: Spectator Books)

Berlin, Ernst-Thälmann-Park (Bild: Jörg Blobelt, CC BY SA 4.0, 1986)

Ein Makeover für Ernst Thälmann?

Der von Wohn- und Gemeinschaftsbauten durchzogene Ernst-Thälmann-Park im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist seit einigen Monaten wieder im Gespräch: Für 2020 steht die Sanierung des dortigen Ernst-Thälmann-Denkmals an, das 1986 nach Entwürfen des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel entstand. Nach der Wende hatte man über die Zukunft des Denkmals diskutiert: Eine Historiker-Kommission empfahl den Abriss, die „Jungen Liberalen“ organisierten eine „symbolische Sprengung“. Einige Schrifttafeln wurden eingelagert, das Denkmal selbst blieb an Ort und Stelle. Via Wettbewerb und Kolloquium wurde (und wird) eine künstlerische Kommentierung der Installation vorbereitet. Inzwischen ist die 50 Tonnen schwere Bronzeplastik auf einem Granitsockel – im Inneren durch Stahlträger zusammengehalten – in die Jahre gekommen: Die Restaurierungskosten werden nach einer Voruntersuchung auf 150.000 Euro beziffert.

Ebenso ist wiederholt eine Nachverdichtung auf dem Gelände im Gespräch, das als modellhaftes Siedlungsprojekt der späten DDR-Zeit 2014 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Auf einer Teilfläche des Parks plant der Investor Christian Gérôme Wohn-Hochhäuser, was zuletzt in diesem Frühjahr durch einen neuen Bebauungsplan abgewiesen wurde. Zum 75. Jahrestag der Ermordung Thälmanns, im Rahmen der „Denkmaltour 2019“, ist am 29. Juni 2019 um 14 Uhr eine Veranstaltung zum Thema geplant – mit York Rieffel (Landesdenkmalamt), Thomas Flierl (Publizist) und Bärbel Schindler-Saefkow (Historikerin). Treffpunkt ist das Thälmanndenkmal (Greifswalder Straße 52, 10405 Berlin). (kb, 24.4.19)

Berlin, Ernst-Thälmann-Park (Bild: Jörg Blobelt, CC BY SA 4.0, 1986)

St. Peter Ording, Pfahlbauten (Bild: pixabay)

St. Peter Ording: Moderne Pfahlbauten fallen

Das waren noch Zeiten, als Hardy Krüger und Co. in den 1990ern den Strand überwachten. Schon zur Erstausstrahlung der beliebten Vorabendserie „Gegen den Wind“ galten die hölzernen Pfahlbauten als Wahrzeichen von St. Peter Ording. Sie dienten dem Aufenthalt (und den sanitären Bedürfnissen) der nicht-filmischen, der ganz realen Stranfwächtern. Zu diesem Zweck hatte man sie in den 1960er und 1970er Jahren auf Pfählen ins Meerwasser vorgerückt.

Nun haben die hölzernen Strandwachen ausgedient: Seit der vergangenen Woche laufen die Abrissarbeiten. Der Zahn der Zeit, genauer gesagt das Salzwasser, habe den Pfählen zu stark zugesetzt, um die Konstruktionen retten zu können. Die Ersatzbauten werden weiter zum Strand hin vorgezogen, da der Wasserspiegel in den kommenden Jahren um rund sechs Meter ansteigen soll. (kb, 23.4.19)

St. Peter Ording, Pfahlbau (Bild: pixabay)

Freizeitbad Bergische Sonne (Bild: Rico Marc Rüde)

Sonnenuntergang in Wuppertal

Spaß- und Freizeitbäder waren ein großer Trend in den späten 1980er Jahren. Mittlerweile sind viele von ihnen längst wieder verschwunden oder stehen kurz vorm Abbruch, etwa das Rebstockbad in Frankfurt/Main (1982) oder das Blub in Berlin (1985). Auch in Wuppertal eröffnete eint ein Erlebnisbad: Die Bergische Sonne strahlte ab 1992 auf dem Lichtscheid, der höchsten Erhebung des Stadtgebiets. Auf 6000 Quadratmetern bot das in Bad diverse Sauna-Bereiche, ein Fitnesstudio, Wasserrutschen, Außen- und Wellenbecken sowie Gastronomie. Die „Bergische Sonne“ manifestierte sich in einer Brunnenskulptur des Documenta-Teilnehmers und ehemaligen Professors der Kunstakademie Düsseldorf Klaus Rinke.

Anfang 2002 vermeldeten die Sonne-Betreiber noch 450.000 Besucher imJahr, danach ging es aber im wahren Wortsinn bergab. 2009 meldeten sie Insolvenz an, nach einigen Besitzer- und Konzeptwechseln wurde die Bergische Sonne im Juli 2012 geschlossen. Es folgte das Übliche: Leerstand, Vandalismus, etliche kühne und wenige bescheidene Pläne zur Revitalisierung sowie weitere Besitzerwechsel. 2018 kaufte die Stadt Wuppertal das Areal mit dem Ziel, das Freizeitbad abzureißen und eine Wohnbebauung auf dem Gelände zu ermöglichen. Mitte April legten hirnlose Zeitgenossen in den Spätmoderne-Gebäuden Feuer, sodass die Stadt jetzt schnellstmöglich den Abriss einleiten will. Dies sollte nach bisherigen Planungen der erhoffte Investor übernehmen. Was aus dem Rinke-Kunstwerk werden soll, ist übrigens noch unklar. (db, 22.4.19)

Freizeitbad Bergische Sonne (Bild: Rico Marc Rüde)

Israel und das Rheinland und Neue Bauen

Spätestens seit die Weiße Stadt 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, reißen die Ausstellungen und Bildbände zum Thema nicht ab. Zum Bauhaus-Jahr rückt nun ein besonderer Aspekt dieser deutsch-istaelischen Geschichte in den Mittelpunkt: Die Architekten Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953) stehen beispielhaft für die deutsche Architekturmoderne. Beide setzten ihr Wirken im (unfreiwilligen) Exil in Palästina mit renommierten Projekten fort.

Die Ausstellung „Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ ist im Gewölbe des NS-Dokumentationszentrums (NS DOK) Köln vom 17. Mai bis zum 14. Juli 2019 zu sehen. Die Ausstellung zeigt einige der Bauten der beiden Architekten im Deutschen Reich – insbesondere im Rheinland und im Ruhrgebiet – sowie ihr Wirken im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Das Projekt wurde kuratiert von Dr. Micha Gross (Tel Aviv) und Dr. Ines Sonder (Potsdam). Ausstellung und Katalog bilden das Ergebnis einer Kooperation des Bauhaus Centers Tel Aviv, der Alten Synagoge Essen und des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam. Zum Begleitprogramm gehören z. B. Öffentliche Führungen (20. Mai 2019, 17 Uhr, 5. Juli 2019, 15 Uhr, 14. Juli 2019, 14 Uhr). (kb, 21.4.19)

„Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ (Bild: NS DOK Köln, Titelmotiv der Ausstellung)