Kohle fürs Kino

Die Mittel sind frei für Sanierung und Umbau des ehemaligen Lichtspieltheater der Jugend in Frankfurt/Oder. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat am 26. November 11,5 Millionen Euro für die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt/Oder bewilligt. Das Land Brandenburg wird im Rahmen des Zukunftsinvestitionsförderungsgesetzes (welch ein Wort!) weitere 10 Millionen Euro bereitstellen. Nach 22 Jahren Leerstand soll das denkmalgeschützte Gebäude zum Frankfurter Standort des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst ausgebaut werden. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD), gebürtige Frankfurterin, begrüßte die Entscheidung. Sie freue sich, dass das alte Kino zu einem attraktiven Kultur- und Begegnungsort gestaltet werden könne.

Das Gebäude wurde um 1910 als Festsaal errichtet, in den 1930ern entstand hier der Ufa-Palast, das erste Großkino Frankfurts. Nach starken Kriegsschäden wurde es im Stil des sozialistischen Neoklassizismus wieder aufgebaut, Vorbild war erkennbar die Berliner Stalinallee. Die Wiedereröffnung fand am 1. Mai 1955 statt. Ausführende Architekten waren Wilhelm Flemming, Karl Irmler und Gerhard Oßwald. Ab 1991 übernahm wieder die Ufa das Kino, es wurde sogar noch ein zweiter Saal integriert. 1998 schloss das Haus zugunsten eines neuen Multiplex-Kinos. Nach den üblichen mehrfachen Besitzerwechseln und mehr oder minder seriösen Plänen zur Neunutzung erwarb die Stadt Frankfurt/Oder schließlich 2018 das Lichtspieltheater der Jugend – und hat es so gerettet. (db, 27.11.20)

Frankfurt/Oder, Lichtspieltheater der Jugend (Bild: Sebastian Wallroth, CC0)

Geesthacht: Was wird aus der denkmalgeschützten Kirche?

Traurige Nachrichten aus Geesthacht bei Hamburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die Zahl der Protestanten in den Neubaugebieten stark angestiegen. Zunächst richtete man sich in einer ehemaligen Feuerwache ein, die 1951 das Patrozinium St. Petri erhielt. Als die Kirchengemeinde 1960 selbständig wurde, begann sie auf dem Nachbargrundstück mit der Planung für einen eigenen neuen Gottesdienstraum. 1963 schließlich wurde die neue St.-Petri-Kirche fertiggestellt nach Entwürfen des Hamburger Büros Horst Sandtmann und Friedhelm Grundmann. Für die Glasgestaltung konnte man das Künstlerpaar Karl Heinz und Gisela Wienert, für einige der Ausstattungsstücke den Bildhauer Hans Kock gewinnen. Auf dem umliegenden Gelände entstanden, unter Einbeziehung der ehemaligen Feuerwache, weitere Gemeindebauten.

2005 hatte man die Fusion mit der Nachbargemeinde vollzogen, noch 2012 wurde die Verglasung saniert. Doch 2017 wurde der Beschluss bekanntgegeben, die Kirche 2022 zu schließen, zwischenzeitlich war auch von Abriss oder einer Zwischennutzung durch den Kindergarten die Rede. Nun kam der Abschied früher: Vor wenigen Tagen wurde die Entwidmung von St. Petri mit einem Gottesdienst begangen. Als Grund wird die geringe Mitgliederzahl angegeben. Aktuell wird der Kindergarten auf dem Gelände von St. Petri abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Zukunft der entwidmeten Kirche ist noch ungewiss – der Bau ist denkmalgeschützt. (kb, 26.11.20)

Geesthacht, St. Petri (Bild: hh_oldman, via mapio.net)

Bauhaus in Tel Aviv

In den 1980ern sind die Bauten der Klassischen Moderne in Tel Aviv wieder in die Aufmerksamkeit gerückt. Die „Weiße Stadt“ wurde dem Bauhaus zugeordnet – als Terminus einer Einordnung. Doch nicht nur ein Baustil wird hier definiert, sondern auch die enge Beziehung zwischen Deutschland und Tel Aviv verdeutlicht. Dies geschah und geschieht, ohne dass es einen architekturgeschichtlich tragbaren Bezug zu der 1919 in Weimar gegründeten und 1925 nach Dessau verlegten Ausbildungsstätte Bauhaus gibt.

Alexandra Klei geht in einem Buch nun der Frage nach, welche Bedeutung eine derartige Zuschreibung innerhalb deutscher Diskurse hat. Dabei wird ein Narrativ offengelegt, bei dem der deutschen Geschichte – hier der Ausgrenzung und Vertreibung der deutschen Jüdinnen und Juden – positive Aspekte abgerungen werden können und zugleich die europäische Dimension der Architekturmoderne ebenso wie die zionistischen Ambitionen, vor allem von Architekt*innen osteuropäischer Herkunft, ausgeklammert werden. Die Analyse dieser Leerstellen stellt einen Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Rezeption des Bauhauses dar. (kb, 25.11.20)

Klei, Alexandra, Wie das Bauhaus nach Tel Aviv kam. Re-Konstruktion einer Idee in Text, Bild und Architektur, 2019, Softcover, 16,5 x 22,5 cm, 160 Seiten, 40 Farb- und 10 Schwarz-Weiß-Abbildungen, ISBN: 978-3-95808-244-1.

Tel Aviv, HaYakon-Straße (Bild: Martin Furtschegger, CC BY SA 3.0, 2013)