Essen: LVR kauft Kirche

Schon seit über zehn Jahren wird um das Schicksal dieser Kirche gerungen: St. Augustinus in Essen-Frohnhausen, 1954 fertiggestellt nach Entwürfen des Architekten Rudolf Schellscheidt, wurde 2008 geschlossen. Zwar gab es eine Zwischennutzung der Krypta durch eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde, doch lange sah es trübe aus. Zudem fürchteten viele Eltern um die Zukunft des zugehörigen Kindergartens. Jetzt wurde bekanntgegeben, dass die Gemeinde ihre Liegenschaft an den Landschaftsverband Rheinland (LVR) verkauft.

Die künftige Eigentümerin will den Kirchenbau für die nahe Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie nutzen, z. B. als Bewegungsraum für Kinder und Jugendliche. Der Kindergarten soll erhalten und im Eigentum der Kirchengemeinde bleiben – er könnte den Kirchenraum als Bewegungsraum mitnutzen. Auch die übrigen Gebäude auf dem Areal – Pfarrhaus, Pfarrheim, Wohn- und Bürohaus – sollen in das neue Konzept einbezogen werden und der Forschung und Lehre der Klinik dienen. Die Kirchengemeinde hat dem geplanten Verkauf bereits zugstimmt. Als letzte bürokratische Hürde muss der Vermögensrat des Bistums Essen im Oktober der Transaktion zustimmen. (kb, 21.9.19)

Essen-Frohnhausen, St. Augustinus (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2008)

Bad Neuenahr: Kurbauten vor dem Aus

Bad Neuenahr kann als Kurort überregionale Bekanntheit für sich beanspruchen. Und auch baulich hat das Städtchen in Rheinland-Pfalz Einiges zu bieten. Seit der Entdeckung einer Heilquelle in den 1850er Jahren entwickelte sich eine einzigartige Kuranlage, die stetig erweitert wurde. Die Grundlage schuf eine Planung des renommierten preußischen Garten- und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné. Auch das 20. Jahrhundert drückte der Anlage architektonisch ihren Stempel auf. Als die Formen der Moderne andernorts bereits als „Kulturbolschwewismus“ gebrandmarkt wurden, entstanden hier in den 1930er Jahren nach Plänen des Architekten Hermann Weiser die sog. Große Trinkhalle mit drehbarer Musikmuschel und die Wandelhallen in ebendieser Formensprache. Abgesehen von der Musikmuschel genießen sie jedoch keinen Denkmalschutz und sind derzeit akut vom Abriss bedroht. Bereits im letzten und im April diesen Jahres hatten sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz mit weiteren Verbündeten gegen den druhenden Kulturverlust stark gemacht.

Nun erneuert der Rheinische Verein sein Anliegen in einem offenen Brief an alle Stadtratsmitglieder. Der Hintergrund: „Am Montag, 23. September, werden Sie nun über den Antrag auf Abriss der dringend sanierungsbedürftigen Kuranlagengebäude, darunter vor allem auch die Konzerthalle, abstimmen.“ Als Ausweg schlägt Prof. Dr. Matthias, stellvertretender Vorsitzender des Rheinischen Vereins vor, die Entscheidung zu vertagen: „Dann könnte man noch im laufenden Bauhaus-Jubiläumsjahr zusammen mit nationalen und internationalen Fachleuten, die bereits Erfahrung im Umgang mit schwer beschädigten Altbauten aus Beton besitzen, ein Sanierungsgutachten erstellen und auf dieser Basis in Ruhe über das weitere Schicksal der geschädigten Bauten entscheiden.“ Noch ist Zeit und Gelegenheit für ein kluges Votum zugunsten der eigen Kurtradition mit ihren erhaltenswerten Bauten. (db/kb, 20.9.19)

Den vollen Wortlaut des offenen Briefs können Sie hier einsehen.

Bad Neuenahr, Kuranlage (Bild: Axel Hausberg)

Kalter Krieg und Architektur


Nach 1945 prägten die vier alliierten Siegermächte – Großbritannien und Frankreich, die USA und die Sowjetunion – mit ihrer jeweiligen Kulturpolitik für viele Jahre auch die Architektur in Österreich. Wien avancierte gar zu einem zentralen Schauplatz des Kalten Kriegs. Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945“ im Architekturzentrum Wien das damalige Baugeschehen im Nachkriegs-Österreich erstmals im Kontext des globalen Ost-West-Konflikts.

Architektur im Wettstreit der Systeme – mit diesem Ansatz möchten die Wiener Ausstellungsmacher neue Aspekte der Architekturgeschichte aufschließen. In die vier Besatzungszonen untergliedert, formt sich aus Fotografien, Plänen, Filmen und Originalzeichnungen so „ein Sittenbild der Nachkriegsmoderne“. Die Ausstellung wird eröffnet am 16. Oktober 2019 um 19 Uhr, im Anschluss ist die Schau zu sehen bis zum 24. Februar 2020. Begleitend erscheint bei Park Books die gleichnamige Publikation sowie deren englische Ausgabe. (kb, 20.9.19)

Ferdinand Kitt, Paula-Preradović-Haus, Alpbach (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung)