Die Platte auf dem Tisch

„Dieses modell möbel ist sehr hilfreich requisiten für modell gebäude innen desgin. Da die größe oben ist gemessen durch hand, die größe der tatsächlichen artikel sie erhalten könnte etwas anders sein die größe oben.“ Sie verstehen Bahnhof? Dafür, dass ein Mensch mit einem Übersetzungsprogramm eine Beschreibung in einer ihm fremden Sprache für einen Gegenstand, dessen Intention ihm mutmaßlich ebenso fremd ist, generiert hat, ist das nicht schlecht erklärt! Die chinesische Handelsplattform „Aliexpress“ bietet auch für den Modernisten reizvolle Accessoires. So den Plattenbau für den Wohnzimmertisch. Den Kunststoffbausatz gibt es in etlichen Maßstäben, von der Modellbahngröße H0 (1:87) bis zu 1:150. Wer mehrere Modelle ordert, kann Gebäude in beliebiger Höhe basteln. Denn nicht vergessen: „Müssen montieren es“.

Auf Aliexpress sind kleinere Firmen vertreten, sie bieten ein wahres Wunderland (ncht nur) für Modellhausliebhaber: Auch Papierbausätze berühmter Hochhäuser sind lieferbar. Das „SkysMistEr Set“ beinhaltet das World Trade Center, das Empire State Building und das Trump International Hotel … Die Bestellung ist mit leichtem Nervenkitzel verbunden: Kommt sie an? Klingelt morgen der Zoll bei mir? Grundsätzlich funktioniert das Ordern in Fernost allerdings ordentlich, nur etwas Geduld ist nötig. Dafür gibt es dann ein „Klassische modell kunststoff stuhl indoor design architektur modell gebäude“. (db, 23.1.21)

Hochhaus 1:87 (Bild: Aliexpress)

KLEINKIRCHEN: 9 x Wiesbaden

mit Fotografien von Peter Frenkel

Bei moderneREGIONAL erscheinen in der Rubrik „invisibilis“ – neben der virtuellen Karte zu bedrohten Kirchen und aktuellen Meldungen – regelmäßig ausführlichere Beiträge zum Thema. Dazu zählt auch die Beitragsreihe „Kleinkirchen“, die bislang zu Unrecht übersehene Zeugnisse der Kirchbaumoderne in Einzelporträts vorstellt.

Im Sommersemester 2020 erkundeten Ute Dreyer und Peter Frenkel – beide studieren Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar – die Nachkriegskirchen in Wiesbaden. Unter Betreuung von Dr. Annika Tillmann (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) und Dr.-Ing. Mark Escherich (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Prof. Dr. phil. habil. Hans-Rudolf Meier) rückte dabei der mögliche Denkmalwert der Bauwerke in den Mittelpunkt. Als ein erstes Ergebnis dieser Streifzüge entstanden eindrucksvolle Fotografien von Peter Frenkel, die einen Blick auf den Reichtum der damaligen kirchlichen Baukunst in der hessischen Landeshauptstadt ermöglichen. (Zu Wiesbaden rechnet man politisch wie historisch auch Mainz-Kastel und -Kostheim.)

Den Anfang des virtuellen Rundgangs macht Maria Hilf (Franz Mertes, 1954). Zu den prägenden Architekturbüros jener Jahre gehört Rainer Schell, hier mit der Erlöser- (1963), der Stephanus- (1963) und der Thomaskirche (1964). Für die katholischen Gottesdiensträume sind die gemeinsam entwerfenden Brüder Paul und Fritz Johannbroer zu nennen. Ersterer gestaltete für Wiesbaden gleich drei Gemeindezentren, darunter die Christkönigkirche (1965). Nicht vergessen seien die Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71), St. Andreas (Hans Weber, 1965) – und natürlich die beiden „Stars“ der Wiesbadener Nachkriegskirchen: die von Herbert Rimpl entworfene Heilig-Geist-Kirche (1961) in Biebrich und die brutalistische Kirche St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) im Stadtteil Sonneberg. (Peter Frenkel/Karin Berkemann, 22.1.21)

Mainz-Kostheim, Maria Hilf (Franz Mertes, 1954) (Bild: Peter Frenkel, 2021)

Mainz-Kostheim, Maria Hilf (Franz Mertes, 1954) (Bild: Peter Frenkel, 2021)

Wiesbaden, Erlöserkirche (Rainer Schell, 1962) (BIld: Peter Frenkel, 2020)

Mainz-Kastel, Erlöserkirche (Rainer Schell, 1963) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Mainz-Kostheim, Stephanuskirche (Rainer Schell, 1963) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, Thomaskirche (Rainer Schell, 1964) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, Thomaskirche (Rainer Schell, 1964) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Nordenstadt, Christkönigkirche (Paul Johannbroer, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Andreas (Hans Weber, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Andreas (Hans Weber, 1965) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden-Biebrich, Heilig Geist (Herbert Rimpl, 1961) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Wiesbaden, St. Mauritius (Martin Braunstorfinger/Jürgen Jüchser/Peter Ressel, 1968) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Titelmotiv: Wiesbaden-Gräselberg, Lukaskirche (Fritz Soeder, 1962-71) (Bild: Peter Frenkel, 2020)

Stuttgart: Haus Hajek in Nöten

Man erkennt es sofort, wenn der Stuttgarter Bildhauer Otto Herbert Hajek (1927-2005) seine Finger im Spiel hatte: Kräftige Primärfarben, reduzierte abstrakte Zeichen prägen vor allem sein Spätwerk. Die baden-württembergische Landeshauptstadt ist reich an Hajek-Hinterlassenschaften. Gerade das Haus des Künstlers am Hasenberg war von der Fassade bis zum Fußbodenbelag durchgestaltet. Ab 1967 hatte er der Villa aus den frühen 1920er Jahren deutlich seinen Stempel aufgedrückt. Über Jahrzehnte führte er hier ein offenes Haus mit prominenten Besuchern.

In den vergangenen Jahren wurden viele Hajek-Werke still und heimlich abgebaut. Nach dem Tod des Künstlers im Jahr 2005 wurde auch um sein Anwesen in bester Stuttgarter Lage gestritten, teils vor Gericht. Denn der neue Eigentümer hatte vor allem im Inneren rasch Fakten geschaffen – nach Abriss ließe sich das Grundstück sicher äußerst gewinnbringend veräußern. Seit 2009 stehen weite Teile der Anlage unter Denkmalschutz, doch vieles ist bereits entfernt oder verfallen. Die Erben und die städtischen Behörden zeigen sich aktuell gegenüber den Medien gleichermaßen besorgt. Der Zustand des Hauses lege die Vermutung nahe, dass hier bald tiefgreifende Maßnahmen anstehen – nicht zugunsten des Denkmals. (kb, 21.1.21)

Stuttgart, Haus Hajek am Hasenberg (Bild: stuttgart-hasenberg.de)