Bücher

Roland Jaeger/Jörg Schilling, "Das Deutschlandhaus 1929-2019) (Bild: Buchcover, Schaff Verlag, Hamburg)

Das Deutschlandhaus auf 58 Seiten

Die Nachricht ist nicht neu – und für Hamburg leider langsam die Regel: Das 1928/29 errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt soll fallen. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte im Herbst 2017, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Als Architekt ist Hadi Teherani im Gespräch – für einen Komplex mit Büros, Einzelhandelsflächen und Wohnungen. Das Deutschlandhaus entstand nach Plänen des Büros Block und Hochfeld. Nach Kriegsschäden wurde das Kontorhaus mehrfach verändert, Ende der 1970er Jahre durch Heinz Schudnagies überformt. Die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

So viel Baugeschichte in noch nicht einmal 100 Jahren ist eine eigene Publikation wert. Im Hamburger Schaff Verlag veröffentlichten nun Roland Jaeger und Jörg Schilling ihren historisch orientierten Blick auf dieses „herausragende Beispiel urbaner Großstadtkultur“. Immerhin fand sich im Deutschlandhaus mit dem UFA-Palast das seinerzeit größte Kino Europas. Mehrfach umgebaut und deshalb nicht unter Denkmalschutz stehend, soll das von den deutsch-jüdischen Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld entworfene und – zusammen mit der gegenüberliegenden Finanzdeputation von Fritz Schumacher – den Stadtraum am Gänsemarkt prägende Bauwerk 2019 abgerissen und durch einen das Original in heutigen Formen „interpretierenden“ Neubau von Hadi Teherani Architects ersetzt werden. (kb, 16.11.18)

Jaeger, Roland/Schilling, Jörg, Das Deutschlandhaus 1929-2019 (Hamburger Bauhefte 25), Schaff Verlag, Hamburg 2019, 58 Seiten, DIN A5 Querformat, Farbdruck, fester Umschlag, Rückendrahtheftung, ISBN 978-3-944405-40-7.

Roland Jaeger/Jörg Schilling, „Das Deutschlandhaus 1929-2019) (Bild: Buchcover, Detail, Schaff Verlag, Hamburg)

Kalenderblatt 2019 (Bild: Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam)

Noch ein Kalender? Ja!

Natürlich können Sie das jeweils aktuelle Datum auch vom Handy ablesen, aber Stil ist etwas anderes. So spricht vieles für einen analogen Wandkalender (und noch einen und noch einen), zumindest für solche wie vom Siebdruckkollektiv Studio 114 aus Potsdam. Nach der Ostmoderne steht 2019 nun ganz im Zeichen des Bauhaus-Jahres. Unter dem Motto „Zwischenmoderne“ werden vierzehn Potsdamer Bauten der Zeit zwischen 1919 und 1933 kunstvoll aufs Kalenderblatt gebracht.

Unter den Monatsbildern finden sich bekannte Bauten wie der Einsteinturm von Erich Mendelsohn (1922) ebenso wie Alltagsschönheiten. Da wäre z. B. die Wohnanlage in der Großbeerenstraße 128-152 (W. Kuhnert/K. Pfeiffer, 1927), nennen. Für die Motive wurden Fotos bearbeitet oder Ansichten mittels Computer- oder Handzeichnung neu in Szene gesetzt. Die einzelnen Motive wurden dann in 3-farbigen Abzügen im Siebdruckverfahren von Hand gedruckt. Damit soll mehr entstehen als schöner Wandschmuck. Im besten Fall wird dem Betrachter über das Jahr deutlich, wie gewachsen und bunt die Architekturlandschaft von Potsdam eigentlich ist – und dass jede Baugattung und Stilform davon der Erhaltung würdig ist. Der Kalender und limitierte Einzeldrucke sind unter hello@studio114.de erhältlich. (kb, 14.11.18)

Titelmotiv: Kalenderblatt 2019, Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam

Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

70 Jahre Israel in 70 Plakaten

Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde Israel als Staat begründet. Zum Jubiläum gingen die Deutsche Henrietta Singer und die Israelin Sara Neumann in die Archive und suchten Plakate aus diesen sieben Jahrzehnten. Sie besuchten die Gestalter, soweit sie noch leben. Sie führten Interviews mit Zeitzeugen und eröffneten damit einen neuen Blick auf das Land, das so beständig mit Krisennachrichten durch die Medien geistert.

Im Spiegel des Grafikdesigns tauchen immer die großen Themen auf, die den jungen Staat und seine Bewohner bis heute begleiten: Einwanderung und Tourismus. In hebräischen Schriftzügen sprechen sie von Pioniergeist und Frieden. Sie zeigen drei Religionen und ihre Konflikte. Das Buchformat bleibt klein, denn – so die beiden Autorinnen – „Israel ist ja auch klein!“. Die Plakate werden um 90 Grad gedreht im Querformat abgebildet und fordern damit zum genauen Hinschauen, zum Perspektivwechsel heraus. (kb, 2.11.18)

Singer, Henrietta/Neumann, Sara, 70 Jahre Israel in 70 Plakaten, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2018, 336 Seiten, 11,1 x 16,2 cm, Hardcover, ISBN 978-3-87439-906-7.

Titelmotiv: Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

Stuttgart-Rot, Neue-Heimat-Siedlung (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2017)

Neue Heime

Das Hamburger Wohnbauunternehmen „Neue Heimat“ wurde 1926 aus der Taufe gehoben, 1933 von der Deutschen Arbeitsfront übernommen und 1950 wiederbegründet. In den folgenden Jahrzehnten avancierte das Unternehmen zur größten Wohnungsbaugesellschaft der nicht-kommunistischen Welt. Über ein halbes Jahrhundert lang setzte der gewerkschaftseigene Konzern im deutschen Wohnungs- und Städtebau Maßstäbe. Doch in den späten Jahren verheddert sich die Neue Heimat zunehmend in Expansionen, Tochtergesellschaften und Auslandsbeteiligungen. 1982 beschleunigte dann ein Korruptionsskandal das Ende der Neuen Heimat, die ab 1986 vollständig abgewickelt wurde.

Für viele schien damals mit der Neuen Heimat auch das Wohlfahrtsversprechen der Nachkriegsmoderne zu Grabe getragen. Rückblickend wird diese Phase des bundesdeutschen Städte- und Wohnungsbaus gerade wiederentdeckt. Vor diesem Hintergrund untersucht die aktuell bei DOM Publishers erschienene Publikation „Neue Heime als Grundzellen eines gesundes Staates“ erstmals die Konzernzeitschrift „Neue Heimat Monatshefte“ der 1950er bis 1970er Jahre. Für das Frühjahr 2019 ist in der Pinakothek der Moderne (Architekturmuseum der TU München) die Ausstellung „Die Neue Heimat (1950-1986). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten“ geplant. (kb, 28.10.18)

Mönninger, Michael, „Neue Heime als Grundzellen eines gesunden Staates“. Städte- und Wohnungsbau der Nachkriegsmoderne. Die Konzernzeitschrift Neue Heimat Monatshefte 1954-1981, Berlin 2018, Dom Publishers, 21 × 23  cm, 480 Seiten, 300 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-504-3.

Stuttgart-Rot, Neue-Heimat-Siedlung (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2017)

Frank Kunerts Kleinanzeigen

Seine Architekturen haben Widerhaken: Sie laufen irgendwo ins Leere oder Absurde. Der Künstler Frank Kunert baut und fotografiert Miniaturwelten, hier mit Vorliebe die grautönige Moderne. Mit Knete und Leichtschaumplatte erstellt der gebürtige Frankfurter so die Vorbilder und Motive seiner Fotografien – analog, denn digital sei inzwischen schon genug.

Kunerts Miniaturwelten liegen jetzt auch ganz frisch – Weihnachten rückt näher – als Memory zu kaufen. Für das Memospiel „Kleinanzeigen“ muss der geneigte Modernist nicht nur Bilder wiedererkennen, sondern diesen auch noch Texte zuordnen. Da wird das aufgeständerte, nur via Feuerleiter zu erreichende Brutalismus-Hotel angepriesen als „Kletterurlaub am Meer“. Da sucht die Abstellkammer mit Toilette und darüber gestapelter Einrichtung unter „erstbeste Gelegenheit“ einen Mieter. Wer nach dem Legespiel Blut geleckt hat, dem sei dann eine der kommenden Ausstellungen Kunerts empfohlen, deren Termine online eingesehen werden können. (kb, 27.10.18)

Bilder: Frank Kunert/Verlag Metermorphosen

Lübow, Ladenwarenhaus (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0, 1960)

Als Fernseher noch vermöbelt wurden

Allen Unkenrufen vom sterbenden Medium zum Trotz ist der Fernseher hierzulande noch immer das Zentrum diverser Wohnzimmer. Eigens für ihn entworfene Anrichten setzen den meist flachen Bildschirm in altarhafter Manier in Szene und bieten DVD-Player und weiterem Zubehör Raum. Doch das war nicht immer so: die ersten Geräte, die für den Heimgebrauch angeboten wurden, antizipierten ihr neues Umfeld und eroberten das Wohnzimmer in hölzerner Tarnung. Eine jüngst erschienene Untersuchung nimmt diese Medien-Vermöbelung in den Blick und sucht nach Rückschlüssen auf die bundesrepublikanische Wohnkultur.

Der Fokus liegt auf den mächtigen Geräten der 1950er und 60er Jahre. Mit der Analyse von historischem Quellenmaterial aus Einrichtungs- und Programmzeitschriften, Werbeanzeigen und Fernsehfibeln stellt die Studie dabei einen Kulturvergleich mit den USA an. Doch so historisch, wie der Gegenstand auf den ersten Blick scheint, ist die Vermöbelung des Fernsehers gar nicht: 2012 brachte ein großer schwedischer Möbelhersteller eine Einrichtungskombination auf den Markt, die, so versprach die Werbung, „Fernsehen, Soundsystem und Möbelstück […] endlich [!] vereint“. (jr, 25.10.18)

Miggelbrink, Monique, Fernsehen und Wohnkultur. Zur Vermöbelung von Fernsehgeräten in der BRD der 1950er- und 1960er-Jahre, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4253-7.

Landwarenhaus, Lübow, 1960 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0)

Katharina Empl, "Bau Schmaus" (Bild: Montage des Buchcovers, Random House/DVA)

Bauschmaus

Es ist die ideale Verbindung aus lecker und lehrreich: Mithilfe der neuen Publikation „Bauschmaus“ bei Random House (DVA) können Sie mit Knäcke, Zwiebeln und etwas Courage die Oper von Sydney zaubern. Oder die Pariser Kirche Sacré-Coeur aus Schaumküssen und Schlagsahne. Die Idee zu diesem Buch- und Bastelprojekt entstand im privaten Kreis: zwei Kunstlehrerinnen, ein Kunstlehrer, ein Entwickler für Backöfen und eine Buchhändlerin suchten ein Geburtstagsgeschenk für einen gemeinsamen Freund – und schufen am Ende ihr eigenes Handbuch für Lebensmittelarchitekten.

Die Bastelvorschläge sind teils poetisch, teils humorvoll, aber immer erhellend: das Hunterwasserhaus aus Lakritzröllchen, die Elbphilharmonie aus Tilsitter, die Sagrada Família aus Reisnudeln, aus Zwieback … Die Autoren – Katharina Empl, Marie-Jeannine Félix, Maximilian Huber, Susanne Huber, Andreas Wittmann – möchten den Blick für Architektur schärftenund zum Nachmachen anregen. (kb, 21.10.18)

Empl, Katharina u. a., Bauschmaus, Random House/DVA, München 2018, Hardcover, rund 90 Farb-Abbildungen, ISBN 978-3-421-04110-4.

Titelmotiv: Katharina Empl, „Bauschmaus“ (Bild: Montage des Buchcovers, Random House/DVA)

Continental-werbung (Bild Railweh 10, cc-by-sa-3.0)

Otto Normalverbraucher ist Geschichte

Die bunte Warenwelt der „Wirtschaftswunderjahre“ in Deutschland wurde von der Forschung in den letzten Jahren vermehrt in den Blick genommen. Die Produktgestaltung der 1950er und 1960er Jahre war Gegenstand diverser designhistorischer Studien und Ausstellungen, die Geschichte bekannter Unternehmen wurde differenziert aufgearbeitet und die charakteristische Fernsehwerbung erheitert schon lange nicht nur Nostalgiker, sondern auch historisch orientierte Medienwissenschaftler. Eine jüngst erschienene Dissertation widmet sich nun erstmals systematisch dem Verbraucherschutz der jungen Bundesrepublik.

Der Autor identifiziert das Thema als von Politik und zivilgesellschaftlichen Initiativen gleichermaßen beackertes Feld. Während die Werbung in den ersten Jahren nach Kriegsende noch weitgehend sorglos das Blaue vom Himmel versprechen konnte, traten ihr schon in den 1950ern die ersten Verbraucherzentralen entgegen. Anfang der 1960er Jahre forcierte die Bundesregierung schließlich die Stiftung Warentest, die zur bekanntesten Stiftung des Landes avancierte. Die Betrachtung endet mit den 1970er Jahren – laut der Studie die „Goldene Ära“ des Verbraucherschutzes. (jr, 14.10.18)

Rick, Kevin, Verbraucherpolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Geschichte des westdeutschen Konsumtionsregimes, 1945-1975, Nomos Verlag, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4442-8.

Continental-Werbung (Bild Railweh 10, CC BY SA 3.0)

"Frankfurt 70 79" (Bild: Junius Verlag)

Frankfurter Baukunst der 1970er

Größer, bunter, ikonischer: In Frankfurt am Main entstanden in den 1970ern zahlreiche bemerkenswerte Bauten. Hatten sie in den vergangenen Jahren Glück, stehen sie auch heute noch. Der Grafikdesigner und Frankfurt-Kenner Wilhelm Opatz stellt in seinem neuen Architekturführer „Frankfurt 70 79“ nun zehn Bauten jener Ära vor. Von Bekanntem wie den 1972 eröffneten Olivetti-Türmen (Egon Eiermann) bis zu unentdeckten Perlen wie dem Wohnhaus des Architekten und Kreuzschwinger-Erfinders Till Behrens reicht die Auswahl. Die Bilder des Fotografen Georg Christian Dörr offenbaren dabei meist nur einen kleinen Ausschnitt des jeweiligen Gebäudes und zeigen so oftmals grandiose Details. So etwa die fein gearbeiteten Handläufe im Treppenhaus der Deutschen Bundesbank (1972, ABB Architekten).

Begleitende Essays von Architekturkennern, Denkmalpflegern und Geisteswissenschaftlern beschreiben nicht nur die Gebäude, sondern eben auch Zeitgeist, Kultur und die politischen Umstände der farbenfrohen 1970er. Ergänzt wird das Ganze durch Archivbilder unter anderem von wie Barbara Klemm. Das in Leinen gebundene Buch ist der dritte Band von Opatz‘ Frankfurter Nachkriegs-Architekturführern: „50 59“ ist bereits vergriffen, „60 69“ noch erhältlich, „70 79“ gerade im Junius-Verlag erschienen. Und der Band „80 89“ soll in den kommenden Jahren folgen … (db, 3.10.18)

Opatz, Wilhelm (Hg.), Frankfurt 70 79, hg. im Auftrag der Freunde Frankfurts, Junius Verlag, Hamburg 2018, broschiert, 76 Farbabbildungen, ISBN 978-3-88506-814-3.

Titelmotiv: Buchvorschau, „Frankfurt 70 79“ (Bild: Junius Verlag)

"Alles nur Fassade" (Bild: Dumont Verlag)

Alles nur Fassade?

Sollten Sie sich beim Bummel durch die Neustädte immer sicher sein („Dieses Haus wurde erbaut im Zeichen des Skorpion,  im Jahr des Herrn 1954, am 35. April, bei Sonnenaufgang …“), brauchen Sie das hier nicht. Aber für alle anderen hat dir Architekturhistorikerin Turit Fröbe im gestandenen Dumont Verlag eine kleine „Sehhilfe“ zusammengestellt. In diesem Stilbuch für Modernisten geht es um die Formen der 1950er bis 1980er Jahre: Brutalismus, Hightech, Postmoderne u. v. m.

In Fröbes „Bestimmungsbuch für moderne Architektur“ legt sie alle ihre Erkenntnisse offen: Woran sieht sie, und bald auch wir, wann das moderne Haus erbaut wurde? Ihre Ausgangspunkte sind die Fenster. Lässt das Gebäude eine Vorliebe für quadratische oder querrechteckige Fensterformate erahnen? Welche Materialien wurden verwendet: Messing, Fliesen oder Mosaik? 1950er-Jahren! Vorsicht, es könnte auch ein aktuelles Retrogebilde sein. Aber mit diesem kleinen Leitfaden werden Sie auf Ihrem nächsten Stadtspaziergang „gelutschte“ Ecken und Flugdächer ebenso entlarven wie Historismen und „Sprossen in Aspik“. Also auf zum gehobenen Klugschiss, hilft enorm beim Daten … (kb, 30.9.18)

Turit Fröbe, Alles nur Fassade? Das Bestimmungsbuch für moderne Architektur, Dumont Verlag, Köln 2018, 176 Seiten, 500 farbige Abbildungen, ISBN 978-3-8321-9947-0.

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)

Max Bill und die Architektur

Noch immer steht die 1953 bis 1955 von Max Bill gestaltete Hochschule für Gestaltung (HfG) auf dem Ulmer Kuhberg. Doch das Gebäude hat Schaden genommen, so zumindest die Worte der beiden Absolventen der HfG Daniel P. Meister und Dagmar Meister-Klaiber. Sie wohnen in einem der Meisterhäuser direkt neben der ehemaligen Hochschule. Nun haben sie, mit 100.000 Euro von der Baden-Württemberg-Stiftung bezuschusst, die Baumonographie „einfach komplex“ zusammengestellt. Diese soll einmal eine verbindliche Grundlage für eine, ihrer Meinung nach, nötige denkmalgerechte Sanierung oder gar Rekonstruktion des HfG-Gebäudes werden.

Die Publikation umfasst Baupläne und zahlreiche Details wie Barhocker, Lichtschalter, Türklinken. Über eine Dokumentation hinaus wollen die Autoren ihr Werk auch als Politikum verstanden wissen. Damit meinen Sie nicht nur die „oftmals in eklatanter Weise“ erfolgten Umbauten nach der Schließung der Schule 1968. Es geht ihnen auch um die Tatsache, dass die Buchpräsentation weder im Veranstaltungskalender des HfG-Archivs auftauchte, noch in jenem des Museums Ulm, dem das Archiv administrativ angehört. Aber bilden Sie sich doch selbst eine Meinung – und blättern sich durch das 650 Seiten starke Werk … (pl, 30.9.18)

Dagmar Meister-Klaiber, Daniel P. Meister – Einfach komplex: Max Bill und die Architektur der HfG Ulm, Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, 650 Seiten, ISBN 978-3858816139.

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)

Mittlere Telli, Aarau (Bild Roland Zumbuehl, CC by SA 4.0)

Sozialraum Hochhaus

In den 1960er Jahren galten Trabantenstädte und Hochhaussiedlungen als Verheißung im Wohnungs- und Städtebau. Die großdimensionierten Wohngebirge, die auf der grünen Wiese vor zahlreichen europäischen Großstädten in die Höhe wuchsen, schienen die passende Antwort auf den wirtschaftlichen Boom und das Bevölkerungswachstum. Mit den 1970er Jahren kam die erste Ernüchterung, das Wohnhochhaus geriet zunehmende in Verruf und viele Siedlungen entwickelten sich zu sozialen Brennpunkten. Eine jüngst erschienene Monografie fragt nun nach der Gegenwart im „Sozialraum Hochhaus“ und nimmt dabei konkrete Beispiele aus der Schweiz in den Blick.

Die Autorin Eveline Althaus richtet den Blick als Sozialanthropologin auf die spezifischen Nachbarschaftsgefüge der Siedlungen Unteraffoltern II bei Zürich und Mittlere Telli bei Aarau. Im Fokus stehen Kontakte, Konflikte und weitere sozialräumlichen Dynamiken sowie die soziale Zusammensetzung der Siedlungen. Die Untersuchung verspricht auch neue Perspektiven auf den zukünftigen Umgang mit entsprechenden Planungen – nicht nur in der Schweiz. (jr, 29.9.18)

Althaus, Eveline, Sozialraum Hochhaus. Nachbarschaft und Wohnalltag in Schweizer Großwohnbauten, transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4296-4.

Mittlere Telli, Aarau (Bild: Roland Zumbuehl, CC BY SA 4.0)