In 500 Postkarten um die Welt

Rund 10.000 Motive hatte der Verlag Curt Teich & Co zu seinen Glanzzeiten im Programm: Die handkolorierten Leinenpostkarten prägten den amerikanischen Markt zwischen 1931 und den späten 1950er Jahren. Curt Teich Sen. hatte sich ab 1905 einmal quer durch die USA fotografiert. Seine Aufnahmen bildeten den Grundstock der beliebten Bildpostkarten, stetig erweitert um populäre Motive – darunter immer wieder auch moderne Architektur.

Heute sind diese Postkarten mit ihrer besonderen Ästhetik bei Sammlern wieder begehrt. Die aktuell im Hirmer-Verlag erschienene Publikation „New West“ versammelt die 500 schönsten Beispiele aus der Teich-Ära: Der Bick von den Twin Peaks auf San Francisco, der Große Salzsee in Utah, die moderne Architektur des Arizona Biltmore Hotels, der Wartesaal der Union Station in Los Angeles, … – solche farbenfroh in Szene gesetzten Motive erzählen vom amerikanischen Fortschrittsglauben jener Jahre. (kb, 16.7.19)

Wagener, Wolfgan/Erganian, Leslie, New West. Innovation at the Intersection, Hirmer Verlag, 320 Seiten, 500 Farbabbildungen, 29,2 x 22,9 cm, gebunden, ISBN 978-3-7774-3189-5.

Titelmotiv: Chicago, Chrysler Building (Bild: historische Postkarte, Curt Teich & Co)

Hamburg: Die Jugendherberge

Besser lässt es sich in Hamburg kaum wohnen: direkt unterhalb der Haltestelle Landungsbrücken, auf dem Stintfang. Benannt wurde die Anhöhe nach einer beliebten Fischsorte, heute liegt hier ein kleiner Weinberg – und die Jugendherberge. Der Bau wurde 1953 nach Entwürfen des Architekten Hermann Schöne (1894-1982) fertiggestellt, an der Stelle der kriegszerstörten Stern- bzw. Seewarte. Der Neubau ersetzte die ursprüngliche Überlegung, auf dem prominent gelegenen Baugrund lieber ein Luxushotel zu platzieren.

Damit geriet die Jugendherberge zum Zeichen des Wiederaufbaus der Hansestadt, für die demokratische Öffnung für Gäste aus aller Welt. Auf Initiative von Hamburgs erster Senatorin, der Jugendsenatorin Paula Karpinski (1897-2005) wurde die Anlage zum „Haus der Jugend“ erweitert. In der renommierten Reihe der „Hamburger Bauhefte“, die im Schaff-Verlag erscheinen, hat sich nun Jörg Schilling der Baugeschichte der Jugendherberge auf dem Stintfang angenommen. Ein lohnender Blick, war das denkmalgeschützte Bauwerk doch immer wieder von der Aufgabe bedroht. Zuletzt wurde der Standort jedoch in den 2000er Jahren bestätigt und renoviert, so dass Gäste hier bis heute den Ausblick auf Hafen, Speicherstadt und St. Pauli genießen können. (kb, 2.7.19)

Schilling, Jörg, Die Jugendherberge. Haus der Jugend am Stintfang (Hamburger Bauhefte 29), Schaff-Verlag, Hamburg 2019, 52 Seiten, ISBN: 978-3944405452.

100 Jahre Moderne in Hessen

Nach einem halben Bauhaus-Jubeljahr pendeln sich die Veranstaltungen, Buchtitel und Diskussionsveranstaltungen langsam darauf ein, dass es DAS Bauhaus nicht gibt. Dafür ist die Vielfalt an Strömungen und Schnörkelrückfällen dann doch zu sichtbar. Umso größer gerät die Freude über die Vielfalt in den Bundesländer und Regionen. In Hessen etwa widmet sich jetzt ein Architekturführer der Moderne, genauer gesagt den 100 Jahren Moderne. Die Herausgeber Kai Buchholz und Philipp Oswalt zählen hier aber nicht nach Bauhausjahren, sondern mit großzügiger Rundung von der Reichsgründung bis zur Ölkrise.

Die gehaltvolle Publikation, die in diesen Tagen im Jovis Verlag erscheint, gliedert sich nach Bautypen: von Wohnhaus und Siedlung über Schule und Sportstätte bis zu Militäranlage und Sakralbau. Beispielhaft werden bekannte Schönheiten ebenso porträtiert wie lohnende Geheimtipps. Die Spannweite reicht von Ernst Mays Frankfurter Wohnhaus über das Kernkraftwerk Biblis, Metzendorfs Bauten für die Odenwaldschule und die Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne in Neustadt bis zur Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst.(kb, 28.6.19)

Buchholz, Kai/Oswalt, Philipp (Hg.), 100 Jahre Moderne in Hessen. Von der Reichgsgründung bis zur Ölkrise. Ein Architekturführer, Jovis Verlag, Berlin 2019, Hardcover
15 x 20,5 cm, ca. 560 Seiten, ca. 130 Farb- und 420 Schwarzweiß-Abbildungen, ISBN 978-3-86859-583-3.

Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle (Bild: historische Postkarte)

Unter blauem Sommerhimmel

Begründet wurde die Stiftung eigentlich 1852 von Johann Heinrich Schröder (1784–1883) und seine Frau Henriette, geb. von Schwartz (1798–1889) in Hamburg-Rotherbaum – für unverschuldet in Not geratene Frauen. Die historistische Anlage des Architekten Albert Rosengarten wurde weiter ausgebaut, so auch die Kapelle. Nach dem Krieg und seinen Zerstörungen bemühte sich die Stiftung zunächst um einen Neustart am alten Standort. Als schließlich ein mehrsöckiger Neubau, teils unter Abriss der historitischen Anlage, geplant wurde, spielten Bevölkerung und Denkmalrat nicht mit. Der Kompromiss: Die Stadt kaufte das Areal als Erweiterungsfläche für die Universität (später verwaltet von einer Mieterinitiative), die Stiftung zog 1971 um nach Langenhorn.

Die Kapelle des nunmehr alten Schröderstifts, die sog. Marmorkapelle, wurde den Orthodoxen zur Nutzung güberlassen. In der Kapelle des neuen Schröderstifts, die 1972 eingeweiht wurde, finden sich noch Ausstattungsstücke aus dem alten Standort, so z. B. Holzschnitzereien und die beiden Stifterporträts. Wer sich schon einmal bildlich auf den Zeltbau mit dem markanten Kupferfaltdach einstimmen möchte, kann dies mit dem Fotobuch von Susanne Brezmann mit dem saisonal passenden Titel „Unter blauem Sommerhimmel“. (kb, 26.6.19)

Brezmann, Susanne, Unter blauem Sommerhimmel. Die Kapelle des Schröderstifts in Bildern, Books on Demand, 2017, 108 Seiten, 17,2 x 1,2 x 22,1 cm, ISBN 978-3743158412.

Hamburg-Langenhorn, Kapelle des Schröderstifts (Bild: Vitavia, CC BY SA 4.0, 2015)

Das hanseatische Bauhaus

In diesem Jahr sind selbstverständlich die großen Wirkungsstätten des Bauhauses, Weimar, Dessau und Berlin im Fokus. Dass der Einfluss der Bauhauslehre sich früh in Hamburg ausbreitete, wissen hingegen die wenigsten. Dieses Kapitel Stadtgeschichte wird nun von Rüdiger Joppien und Hans Bunge in ihrem Werk „Bauhaus in Hamburg Künstler Werke Spuren“, aufgearbeitet. Am 27. Juni 2019 findet in der Freien Akademie der Künste (Klosterwall 23, 20095 Hamburg) eine Buchpräsentation mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Das Gesprächsthema zwischen Joppien und dem Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath lautet „DAS Bauhaus gibt es nicht“. Die aktuell im Dölling-und-Galitz-Verlag erschienene Publikation versteht sich als Begleitkatalog zur gleichnamigen Ausstellung, die noch bis zum 30. Juni 2019 in der Freien Akademie zu sehen sein wird.

Schon 1930 wurde in Hamburg in der Landeskunstschule der berühmte Vorkurs übernommen. Nach dem Krieg unterrichteten an der Hochschule für bildende Künste so viele ehemalige Ex-Bauhausschüler wie nirgens sonst in der Bundesrepublik. Nicht wenige bekannte Namen werden im Band behandelt: Gerhard Marcks, Gustav Hassenpflug, Max Bill, Kurt Kranz, Else Möglin, Walter Peterhans und Wolfgang Tümpel. Letzterer entwarf 1961 die berühmte Frischhaltedose der Firma Tchibo. So zeigt diese erste Gesamtdarstellung der Hamburger Bauhäusler eben auch, wie von dort aus die Reformgedanken weiter in unseren Alltag wanderte. (jm, 21.6.19,)

Hamburg, Großmarkt (Bild: LoboStudio Hamburg, CC0 1.0, PD, 2016)

Stahlschachteln und andere Schönheiten

Das ehemalige Restaurant „Buschmühle“, ein Stahlbau der Architekten Otto-Heinz Groth, Werner Lehmann und Wolfram Schlote, entstand 1959 anlässlich der Bundesgartenschau im Dortmunder Westfalenpark. Es steht für viele Stahlbauten und -konstruktionssysteme, die den technischen Aufbruch und eine neue Experimentierfreude seit den frühen 1950er Jahre bezeugten. Beteiligte am Stahlbau, darunter auch an Versuchen im Fertighausbau, waren Architekten und Ingenieure bis hin zur Montanindustrie. In Dortmund, im Ruhrgebiet und darüber hinaus nehmen Stahlbauten in der aktuellen Debatte um Erhalt, Schutz und Umnutzung des Nachkriegserbes eine besondere Position ein.

Die Publikation „Stahlschachteln und andere Bausysteme“ versteht sich als Impulsgeber für ein Weiterdenken und einen Ausblick auf die Potenziale des Stahlbaus. Die Buchbeiträge bündeln regionalgeschichtliches, bauhistorisches, baukonstruktives und denkmalpflegerisches Wissen. So richtet sich die Veröffentlichung an alle, die solche Bauten bewerten, zeitgemäß erhalten, sanieren und nutzen. Gleichzeitig soll die Publikation helfen, die Besonderheiten der „Stahlschachteln“ in Bautechnik und Materialität zu bewahren und einen neuen Blick auf diese Architektur zu eröffnen. (kb, 11.6.19)

Apfelbaum, Alexandra/Haps, Silke (Hg.), Von „Stahlschachteln“ und Bausystemen. Zum Umgang mit Stahlbauten zur Nachkriegszeit, Kettler Verlag, Dortmund 2019, 192 Seiten, 16,3 × 24 cm, ISBN 978-3-86206-733-6.

Dortmund, Restaurant Buschmühle (Bild: historische Abbildung, via buschmuehle-dortmund.de)