Finn Juhl auf Papier

Nehmen Sie Platz und lesen Sie ein gutes Buch! Okay, in Zeiten, in denen außer Homeoffice kaum anderes übrig bleibt, ist dieser Rat wenig originell. Aber für diesen Band lohnt sich das Hinlümmeln, denn über den dänischen Designer Finn Juhl (1912-1989) gab es bislang keine Monografie. Und die war längst überfällig: Seine Möbelstücke wie der „Pelican Chair„, der „Nyhavn Table“ oder das „Poet Sofa“ sind heute beinahe bekannter als ihr Schöpfer. Übrigens hatte nicht nur Eero Saarinen dereinst einen „Grasshopper Chair“ ersonnen. Den gibt es auch bei Juhl, und dieser macht im Gegensatz zum zurückhaltenden amerikanischen Pendant durchaus den Eindruck, als wolle er gleich losspringen.

Interieurs entwarf der studierte Architekt ebenfalls, am bekanntesten ist sein UN-Rat in New York, mit dem er das Skandesign in den Vereinigten Staaten populär machte. Auch die Dänische Botschaft in Washington und die Räume der Fluggesellschaft SAS gestaltete er. In „Finn Juhl: Life, Work, World“ stellt der Autor Christian Bundegaard nun das Werk seines Landsmanns vor, beleuchtet die Entstehungsgeschichte(n) und eben auch den Humor, mit dem Finn Juhl etliche Aufgaben anging. Erschienen ist das umfangreiche Werk 2019 bei Phaidon und ist online ab ca. 70 Euro zu ordern. (db, 1.4.20)

Finn Juhl, Poet Sofa (Bild: Phaidon/ House of Finn Juhl)

2 x Corbu

In keinem Überblickswerk der Architekturmoderne darf die Villa Savoye (1930) von Le Corbusier fehlen. Die Bauherren des Landhauses „Les Heures Claires“ waren Eugénie und Pierre Savoye. Ihr Enkel berichtet in der Neuerscheinung „Die sonnigen Tage in der Villa Savoye“ aus der Sicht der Bewohner. Der Illustrator Jean-Philippe Delhomme fasst dazu in Bilder, wie die Architekturikone errichtet wurde, den Krieg überstand, als Scheune genutzt und vor dem Abriss gerettet wurde.

Ein zweiter Le-Corbusier-Bau, die Villa le Lac (1925) am Genfer See, wird in diesem Jahr ebenfalls mit einem eigenen Buch gewürdigt. Dabei folgt die Publikation der Originalausgabe, in der Le Corbusier die Geschichte des Gebäudes dokumentiert hat: mit Fotos, Skizzen und einem poetischen Text. Der Band trägt den Titel „Ein kleines Haus“ – für das Haus, das er für seine Eltern errichtet hat, verwendete Le Corbusier auch den Begriff „Wohnmaschine“. (kb, 31.3.20)

Le Corbusier, Ein kleines Haus, Neuauflage, hg. von der Fondation Le Corbusier, Birkhäuser-Verlag, Berlin 2020, broschiert oder eBook, 16 x 12 cm, 100 Seiten, 72 Abbildungen, ISBN DE 978-3-0356-2067-2.

Delhomme, Jean-Philippe/Savoye, Jean-Marc, Die sonnigen Tage der Villa Savoye, Birkhäuser-Verlag, Berlin 2020, gebunden oder eBook, 17 x 22 cm, 60 Seiten, 9 Abbildungen, ISBN 978-3-0356-2060-3, eBook ISBN 978-3-0356-2062-7.

Titelmotiv: Delhomme, Jean-Philippe/Savoye, Jean-Marc, „Die sonnigen Tage der Villa Savoye“ (Bild: Buchcover, Birkhäuser)

PoMo FfM

Bevor die Neue Altstadt die Gemüter bewegte, hatte im späten 20. Jahrhundert bereits die Postmoderne Frankfurts Geschichte fest im Blick. Mit dem Buch „Ein neues Gesicht für Frankfurt“ umreißt Leonie Köhren, Denkmalpflegerin aus Mainz, „die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert“. Damit legt sie zugleich ihre Dissertation vor, die sich im Kern um die Bereiche Dom-Römerberg, Museumsufer und Messegelände dreht.

Köhren nähert sich den postmodernen Entwicklungen der 1980er Jahre über den „eiligen Wiederaufbau“ der 1950er, den „funktionalistischen“ Bauboom der 1960er und die Identitätssuche der 1970er Jahre. „Man akzeptierte die vorhandene Stadt wieder“, so Köhren über die postmodernen Ansätze für Frankfurt. Nach ihrer Analyse wählte man für Einzelbauten Lösungen zwischen Entkernung des Bestands und ornamental dekorierten, farbig aufgewerteten Fassaden. Vor allem im Städtebau sei der Beitrag der Postmoderne für Frankfurt zukunftsweisend: mit ihrer geschichtsbewussten Dichte, ihrer erzählerisch-identitätsstiftenden Baukunst. Das Buch ist bei digital frei verfügbar, zugleich als Druckausgabe über den Buchhandel erhältlich. (kb, 27.3.20)

Köhren, Leonie, Ein neues Gesicht für Frankfurt. Die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert, arthistoricum.net, Heidelberg 2019.

Frankfurt am Main, Saalgasse (Bild: Dguendel, GFDL oder CC BY SA 3.0, 1992)