Rathaus Arnsberg (Bild: Machahn, CC BY SA 3.0)

Arnsberg: Denkmalschutz contra Sanierung?

Landein, landaus kommen die Rathäuser der Nachkriegsmoderne in die Jahre. Während man dies mancherorts zum Anlass für Umbau-  und Abrissdebatten nimmt, diskutiert man anderswo die denkmalgerechte Sanierung. Im sauerländischen Arnsberg fällt derzeit beides zusammen. Die Stadt schrieb im vergangenen Jahr einen weitreichenden Architektenwettbewerb zur Sanierung des Rathauses aus den 1960er Jahren aus. Neben den Aspekten Energieverbrauch und Barrierefreiheit zielte er auch auf ein neues Grünflächenkonzept ab. Im September 2017 wurde ein Siegerentwurf gekürt, anschließend ein Auftrag vergeben. Bis die Sanierung beginnt, könnte jedoch noch einiges Wasser die Ruhr herunterfließen.

Kürzlich stellte nämlich der Landschaftsverband Westfalen Lippe einen Antrag auf Denkmalschutz. Das Rathaus wird nicht nur als mustergültiger Vertreter der Nachkriegsmoderne eingestuft, sondern besitzt auch wegen seiner historischen Bedeutung Denkmalwert. Der Bau wurde 1968 für die kurzlebige Stadt Neheim-Hüsten (1941-74) errichtet, die mittlerweile in Arnsberg aufgegangen ist. Die Anforderungen des Denkmalschutzes könnten die Sanierung natürlich erheblich verteuern. Die Initiative stieß auf Seiten der Stadt, die den Antrag nun prüfen muss, nach Informationen der Westfalenpost auf wenig Gegenliebe. Man darf gespannt sein – und erleichtert, dass Abriss in Arnsberg offenbar keine Alternative ist. (jr, 16.5.18)

Rathaus Arnsberg (Bild: Machahn, CC BY SA 3.0)

Kaiserslautern, Rathaus (Bild: E. K., CC BY SA 3.0)

Roland Ostertag verstorben

Am 11. Mai verstarb ein Architekt, den Worte wie „engagiert“ oder „rührig“ nur unzureichend beschreiben würden: Roland Ostertag, geboren am 19. Februar 1931 in Ludwigsburg, war eng mit Stuttgart verbunden. Hier hatte er bis 1956 an der TH studiert und bis 1957 bei Curt Siegel und Jürgen Joedicke gearbeitet, hier hatte er sich anschließend als Architekt selbständig gemacht. 1970 wechselte Ostertag an die TU Braunschweig, wo er bis 1998 als Ordinarius für Gebäudelehre und Entwerfen wirkte.

Neben Wohnbauten, machte er sich vor allem mit öffentlichen Projekten einen Namen. Zu seinen Hauptwerken zählen die Rathäuser in Kaiserslautern, Laupheim und Bad Friedrichshall. Von 1993 bis 1996 stand Ostertag als Präsident der Bundesarchitektenkammer vor, des Weiteren lehrte er als Gastprofessor an der TU Wien und wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt. Bis zuletzt hatte er sich (nicht nur) in Stuttgart in die städtebauliche Diskussion eingebracht, u. a. deutlich gegen Stuttgart 21 votiert. Roland Ostertag starb im Alter von 87 in Stuttgart. (kb, 15.5.18)

Kaiserslautern, Rathaus (Bild: E. K., CC BY SA 3.0)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Ein Bündnis für die Nachkriegsmoderne

Abkürzungen sind nicht immer leichte Kost, aber „NBJB 1945+“ sollten Sie sich merken. Denn das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. So zumindest sieht es das – tief einatmen – „NBJB 1945+“. Auf der frisch aufgelegten Homepage sollen alle Forschungsziele des DFG-Netzwerks veröffentlicht und zu Workshops aufgerufen werden.

Anlass der Gründung war die 50. Jahrestagung der Koldewey-Gesellschaft, der Vereinigung für baugeschichtliche Forschung e. V., in Braunschweig. Das Netzwerk versteht sich fächerübergreifend und will über drei Jahre hinweg aktiv werden. In den ersten beiden Jahren sollen Workshops stattfinden, die allen interessierten Wissenschaftlern offen stehen. Der erste Workshop ist für den 28. September 2018 an der TU München geplant, weitere sind für Stuttgart und Weimar vorgesehen. Wie wir das alles finden? GUUSID („Gute und unterstützenswerte Sache ist das“)! (kb, 15.5.18)

Auch ein 1945+: der 1960 eingeweihte Braunschweiger Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Bernd Bartetzko mit Modellbahn (Bild: privat, 1958)

Das neue mR-Heft ist online!

Wie war das damals an Weihnachten? Stand da auch die Modellbahn neben dem Baum oder haben Sie lieber nach der Bescherung im stillen Kämmerlein an Ihrer Miniaturwelt gebastelt? Vielleicht gehören Sie ja sogar zu den Glücklichen, deren Anlage das ganze Jahr aufgebaut in Keller oder Kinderzimmer stand! Wir haben Sie nach Ihren Modellbau-Erinnerungen gefragt: Kindheits- und Jugendbilder mit der Miniatur-Eisenbahn und den dazugehörigen Bausätzen.

Die schönsten Einsendungen zeigen wir in unserem neuen mR-Heft „Modell Moderne – Wir haben alle mal klein angefangen“ (Redaktion: D. Bartetzko/K. Berkemann) online – und noch bis zum 7. September 2018 analog im Rahmen unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Zum vertiefenden Weiterblättern empfehlen wir den dazugehörigen Katalog, erschienen im Jovis Verlag. (db/kb, 14.5.18)

Zum Heft geht es hier!

Titelmotiv: Bernd Bartetzko mit Modellbahn (Bild: privat, 1958)

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier)

Post Otto Wagner

Vor 100 Jahren verstarb der „Vater der Moderne“, der österreichische Architekt Otto Wagner. Zu seinen Hauptwerken zählt – neben den Projekten für die Wiener Stadtbahn oder der Kirche St. Leopold am Steinhof – die Wiener Postsparkasse, die zum Jubiläum ihres Erbauers eine eigene Ausstellung erhält. Vom 30. Mai bis zum 30. September ist in Wien in der MAK-Ausstellungshalle „Post Otto Wagner. Von der Postsparkasse zur Postmoderne“  zu sehen.

Die Präsentation schlägt einen weiten Bogen, will Wagners Impulse für die Vorreiter der Moderne zu seiner Zeit, aber auch für folgende Generationen von Architekten und Designern aufzeigen. So wird die Abkehr Wagners von der Schmuckfreude des Historismus dargelegt, aber ebenso der Stilpluralismus der Wagner-Schule nach 1900, der eine große Nähe zur Postmoderne aufweist. Ein großes Plus für alle Besucher: Mit ihrer MAK-Eintrittskarte können sie kostenfrei auch die Postsparkasse mit einer eigenen kleinen Präsentation genießen. Begleitend zur Wagner-Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation im Birkhäuser Verlag. (kb, 13.5.18)

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier).