Gasolin gerettet!

Manchmal hilft ein Beitrag tatsächlich! Ende Oktober berichteten wir über die zum Abriss vorgesehene Gasolin-Tankstelle im bayerischen Unterwössen-Brem. Holger Hink vom Freilichtmuseum Kiekeberg hatte den „Typenbau T6“ entdeckt, der einer Straßenerneuerung Platz machen sollte. Sowohl Hink alias „Dr. Trecker“ als auch moderneREGIONAL berichteten online. Und siehe da: Nun ist das Gebäude tatsächlich gerettet! Genau wie erhofft, wird das kleine Stück Mobilitätsgeschichte in ein Museum transloziert.

Das Freilichtmuseum Glentleiten nahe des Staffelsees übernimmt die aufgegebene Tankstelle. Gerade unterzeichneten Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Bürgermeister Ludwig Entfellner in Unterwössen den Übernahmevertrag und besiegelten damit die Rettung in letzter Sekunde. Bald verlässt die Gasolin (unsterblicher Werbeslogan: „Nimm’ Dir Zeit und nicht das Leben“) also ihren Standort an der ältesten Ferienstraße Deutschlands, der Alpenstraße, und wechselt rund 120 Kilometer nach Westen in den Unruhestand. Wir stoßen an mit Super verbleit! (db, 4.12.19)

Trier: Böhm-Kirche zur Disposition?

Dass ein großer Architektenname nicht vor Abriss oder Umnutzung schützt, ist hinlänglich bekannt. Doch dass kurz vor dem bevorstehenden Gottfried-Böhm-Jubiläumsjahr – der Großmeister wird 2020 hundert – eines seiner Werke scheinbar zur Disposition gestellt wird, ist dann doch überraschend. In Trier erweiterte Gottfried Böhm, Sohn von Dominikus und Vater von Peter/Paul/Stefan, eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert. 1960/61 entstand so ein moderner Saal, ein Stahlbetonskelettbau mit kupfergedecktem Faltdach.

Aus dem umfangreichen Gottfried-Böhm’schen Werk standen oder stehen auch weitere Kirchen auf den Kürzungslisten. Für Heiligkreuz scheint sich ein Hoffnungsstreif am Horizont abzuzeichnen. Im vergangenen Jahr wurde ein Förderverein gegründet, der nun zur Einwerbung der Sanierungskosten die Trommel rührt. Nach dessen Aussage steht die Kirche auf der Bistumsliste geplanter Profanierungen – auch ein Abriss könne drohen. Dies „will das Bistum auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds zwar so nicht bestätigen“, die Sorge um den Kirchenbau ist nach Einschätzung eben jener Zeitung jedoch berechtigt. In jedem Fall ist dem Förderverein 2020 viel öffentliche Aufmerksamkeit zu wünschen, um für ihr Vorhaben Mittel und Unterstützung einzuwerben. (kb, 4.12.19)

Trier, Heiligkreuz (Bilder: oben: Elke Wetzig, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009; unten: Berthold Werner, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009)

Nicht alles weiß

Kommen Sie mit auf Wanderschaft durch 100 Jahre europäische moderne Architekturgeschichte in Bildern. Nein, dies wird keine Winterwanderung durch schneeweiße Kubenwälder und kahle Wohnlandschaften, wie man das gemeinhin erwarten könnte im ausklingenden Bauhausjahr. Die Sonderausstellung „Europa – Wege in die Moderne/Architekturphotographie von Sigrid Schütze-Rodemann und Gert Schütze“, zu sehen noch bis zum 29. Dezember 2019 im Technischen Halloren- und Salinemuseum in Halle/Saale, zeigt ein subjektives Panorama der mannigfaltigen Ausprägungen moderner Architektur auf dem ganzen Kontinent. Dabei geht es nicht um einen Standpunkt – die Bilder zeichnen sich weniger durch Nähe, als vielmehr auch durch ironische Distanz zum Sujet aus. 

Die beiden Fotografen wurden bekannt durch ihren besonderen Blick auf die gebaute Umwelt. Als fotografische Chronisten ihres Wirkungsortes Halle/Saale dokumentierten Sie die Entwicklung einer Stadt, die stark von den Umbrüchen und Widersprüchen des vergangenen Jahrhunderts geprägt ist. Mit einem derart geschulten Blick wird nun in dieser Schau das große internationale Projekte „Moderne“ betrachtet und analysiert. Eine Reise die sich lohnt. (jm, 3.12.19)

„Wege in die Moderne“ (Bild: Halloren- und Salinenmuseum Halle/Saale)