Ostdeutschland privat

Am Sonntag, 21. Juni 2020, ist es wieder soweit: Das Berliner Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) lädt zwischen 12 und 19 Uhr zu einem der „Albumgespräche“. „Biografie und Geschichte“ – ein Projekt der Stiftung Reinbeckhallen Sammlung für Gegenwartskunst, getragen mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, umgesetzt mit dem Deutschen Historischen Museum – widmet sich Ostdeutschland in der Zeit zwischen 1980–2000. Gegenstand sind private Fotografien – von der Hochzeitsreise, dem ersten Schultag, dem Fest im Garten, dem Besuch aus dem Westen oder aus dem Osten.

Gesucht werden dafür noch Fotoalben oder Fotokisten und die zugehörigen Geschichten. Von Interesse sind das gerahmte Hochzeitsbild ebenso wie der halbe Meter Fotoalben. Daher die Bitte der Veranstalter: „Vereinbaren Sie einen individuellen Termin unter der Telefonnummer 0151 10409096 oder schreiben Sie uns eine Mail.“ Zu Coronazeiten gilt der Hinweis: Es handelt sich dabei ausdrücklich um nicht-öffentliche Treffen – einzeln, nacheinander und ohne Kontakt mit anderen Albenbesitzern. (kb, 20.6.20)

Wilhelm Köpke: Gabentisch zum 70. Geburtstag, 1987 (Bild: © Archiv Sandra Schubert)

Ungeschützter Kohl

Maike Kohl-Richter, die Witwe des langjährigen Bundeskanzlers Helmut Kohl, hat vergeblich versucht, dessen Wohnhaus in Oggersheim unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Das berichtet der „Tagesspiegel“. Die rheinland-pfälzische Landesdenkmalbehörde habe den Antrag zurückgewiesen, heißt es. Neben dem Bungalow in der Marbacher Straße habe Kohl-Richter auch die danebenliegende Sonderwache schützen lassen wollen. Die sollte vor zwei Jahren abgerissen werden, was sich wegen des Prüfverfahrens auf Denkmalschutz bis heute verzögert hat. „Mit einem vergleichenden Blick auf die erhaltenen privaten Wohnhäuser anderer Altkanzler und Bundespräsidenten“ sei die Denkmalbehörde zu dem Ergebnis gekommen, dass weder Haus noch Polizeiwache Denkmalwert zukomme, heißt es als Begründung für das Nein – unter anderem aufgrund der „schlichten architektonischen Gestaltung“ und erfolgter Umbauten.

Das Bundeskanzleramt blieb bis zuletzt ins Schicksal der 1971 bezogenen Liegenschaft eingebunden, in der Helmut Kohl unter anderem Michail Gorbatschow, Margaret Thatcher und George Bush empfangen hat. Auf dem Gelände der Sonderwache trete die Regierung „wie ein Eigentümer auf“, heißt es in einem internen E-Mail-Verkehr. Grund sei der Wechsel der Zuständigkeit für Personen- und Objektschutz, als der frühere Ministerpräsident 1982 zum Kanzler gewählt wurde. Nach dem Tod Kohls 2017 leite sich daraus eine Rückbauverpflichtung für die Wache ab, die nach der Kanzlerwahl gebaut wurde. (db, 15.6.20)

Ludwigshafen, Haus Kohl (Bild: Echtner CC BY 3.0)

Jahn-Sportpark: Abriss auf Biegen und Brechen?

Ende Juni läuft die Betriebsgenehmigung für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin Prenzlauer Berg aus und noch immer ist nicht endgültig geklärt, wie es danach weitergeht. Der ursprüngliche Plan, das farbenfrohe Stadion mit der 1987 errichteten ost-post-modernen Haupttribüne abzureißen und bis zu den Paralympics 2023 komplett neu zu bauen, stieß bei Anwohnern, Sportvereinen und Bezirksamt auf Kritik. Nun erhebt auch der Bund Deutscher Architekten seine Stimme: „Die Abrissplanungen zum Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind sofort zu stoppen“, fordern der BDA Landesverband Berlin und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Landesgruppe Berlin-Brandenburg unmissverständlich in einer gemeinsamen Erklärung.

Der Sportpark und der angrenzende Mauerpark seien „eine Deutschland-, wenn nicht weltweit einmalige Sport- und Freizeitlandschaft“, der Baumbestand und die Kombination von Stadion, denkmalgeschützter Hinterland-Mauer und Tribüne für Karaoke-Events im Mauerpark müsse „behutsam saniert und nicht brachial umgestaltet werden“. Eigentlich waren im Berliner Haushaltsplan 14 Millionen Euro für den Abriss vorgesehen. Diese sind aktuell gesperrt, da kein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Areals vorliegt. Eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Alexander Otto ob statt der 120 Millionen teuren Gesamtplanung eine kostengünstigere Sanierung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks möglich sei, verneinte Sportstaatssekretär Alexander Dzembritzki (SPD). Gegen den Abriss des Ostmoderne-Stadions wendet aktuell sich eine Petition, die von der Bürgerinitiative Jahnsportpark mitgetragen wird. (db, 14.6.20)

Berlin, Jahnstadion (Bild: Eisern2009, PD, 2009)