Trier: Böhm-Kirche zur Disposition?

Dass ein großer Architektenname nicht vor Abriss oder Umnutzung schützt, ist hinlänglich bekannt. Doch dass kurz vor dem bevorstehenden Gottfried-Böhm-Jubiläumsjahr – der Großmeister wird 2020 hundert – eines seiner Werke scheinbar zur Disposition gestellt wird, ist dann doch überraschend. In Trier erweiterte Gottfried Böhm, Sohn von Dominikus und Vater von Peter/Paul/Stefan, eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert. 1960/61 entstand so ein moderner Saal, ein Stahlbetonskelettbau mit kupfergedecktem Faltdach.

Aus dem umfangreichen Gottfried-Böhm’schen Werk standen oder stehen auch weitere Kirchen auf den Kürzungslisten. Für Heiligkreuz scheint sich ein Hoffnungsstreif am Horizont abzuzeichnen. Im vergangenen Jahr wurde ein Förderverein gegründet, der nun zur Einwerbung der Sanierungskosten die Trommel rührt. Nach dessen Aussage steht die Kirche auf der Bistumsliste geplanter Profanierungen – auch ein Abriss könne drohen. Dies „will das Bistum auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds zwar so nicht bestätigen“, die Sorge um den Kirchenbau ist nach Einschätzung eben jener Zeitung jedoch berechtigt. In jedem Fall ist dem Förderverein 2020 viel öffentliche Aufmerksamkeit zu wünschen, um für ihr Vorhaben Mittel und Unterstützung einzuwerben. (kb, 4.12.19)

Trier, Heiligkreuz (Bilder: oben: Elke Wetzig, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009; unten: Berthold Werner, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009)

Essen: Beitz-Villa zum Abriss freigebeben

Auf seiner Geburtstagsfeier soll Alfried Krupp ihn 1952 per Handschlag zum Generalbevollmächtigten gemacht haben. Berthold Beitz (1913-2013) hatte im Zweiten Weltkrieg jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod gerettet, indem er sie für die Erdölindustrie als unverzichtbar einstufte. Nach dem Krieg stieg er zum mächtigsten Mann im Krupp-Konzern, später in der „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung“ auf. Bereits 1953 hatte Krupp für Beitz in Essen ein großzügiges Wohnhaus errichten lassen. Die zweigeschossige Villa entwarf der Architekt Ferdinand Streb (1907-70), der sich zeitgleich mit dem Hamburger Alsterpavillon (1953) einen Namen machte.

Nachdem Beitz 2013 fast 100-jährig verstorben war, hatte die Denkmalpflege sein Wohnhaus intensiv in Augenschein genommen – und war zum Schluss gekommen, dass es weder baukünstlerisch noch aufgrund seiner Stellung im Gesamtwerk von Streb von herausragender Bedeutung sei. Auch der historische Wert als langjähriger Wohnort von Beitz sei am Bauwerk selbst nicht ablesbar. Selbst ein Aufruf Essener Architekten für eine Unterschutzstellung konnte daran nichts ändern. Doch das Land stufte das parkähnliche Grundstück des Anwesens hoch, zum besonders geschützten „planungsrechtlichen Außenbereich“. Es folgte ein längeres juristisches Gezerre, an dessen Ende jetzt – obwohl das Placet des Landschaftsschutzes noch ausstehen soll – dann doch eine kommunale Abriss- und Neubaugenehmigung steht: Ein Investor plant 24 Wohneinheiten der gehobenen Kategorie. (kb, 28.11.19)

Essen, Beitz-Villa (Bild: Lost Places Dortmund +)

Friedberg: Hoffnung für die Welle

Es sind es gute Nachrichten, die aus Friedberg kommen: Die Schließung des evangelischen Kindergartens wird um ein Jahr verschoben. Denn die Stadt interessiert sich für den abrissbedrohten Bau und hat der Kirchengemeinde ein Kaufangebot gemacht. Der Entwurf für das Gemeindezentrum West – die verbalen Annäherungsversuche schwanken irgendwo zwischen „Psychodynamische Raumstrukturen“ und „Wellenförmiges Dilemma“ – stammt von Johannes Peter Hölzinger und Hermann Goepfert. Hölzinger, 1936 geboren in Bad Nauheim, bewegt sich mit seine Bauten lustvoll an der Nahtstelle zwischen Architektur und Skulptur – nicht umsonst arbeitete er fast 20 Jahre mit dem Zero-Künstler Goepfert in einer Planungsgemeinschaft zusammen. Seit rund 10 Jahren wird Hölzingers Schaffen in der Fachwelt neu gewürdigt: vom Symposion bis zur Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum.

Das evangelische Gemeindezentrum dient der Gruppen- und Gottedienstarbeit, als Wohnung und Kindergarten. Doch seit Monaten ringen die Verantwortlichen um das 2008 zum Kulturdenkmal erhobene Ensemble: Hübsch anzusehen sei das ja alles, aber die Folgekosten aus eindringender Feuchtigkeit für die Kirchengemeinde nicht mehr zu stemmen. In der Presse wurde wiederholt bekräftigt, 2020 könnte, sollte, müsste die Kita schließen, vielleicht sogar das ganze Gemeindezentrum. Auch das Thema Abriss stand im Raum. Nun scheint sich (bezogen auf die Kindertagesstätte) eine Hoffnung auf Erhalt abzuzeichnen. (kb, 25.11.19)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: Lixe D., via yelp.de)