Baugeschehen

Bergisch Gladbach-Frankenhorst, St. Maria Königin (Bild: Emanuel Gebauer)

Ein Kompromiss für St. Maria Königin

Vor fast drei Jahren war die Kirche St. Maria Königin in Bergisch-Gladbach-Frankenforst, ein zwischen 1954 und 1959 nach Entwürfen von Bernhard Rotterdam errichtetes und 1988 nochmals erweitertes Ensemble, zum ersten Mal Gegenstand einer mR-Meldung. Damals hatte man die Kirche bereits geschlossen und die Profanierung beantragt – als Grund wurde ein gesundheitsgefährdender Schimmelbefall angeführt. Schon 2008 hatte man beschlossen, den pastoralen Schwerpunkt nicht hier, sondern bei St. Johann Baptist zu legen. Zudem verfügt die inzwischen fusionierte Gemeinde mit St. Elisabeth noch über einen weiteren Kirchenbau.

Doch St. Maria Königin stand unter Denkmalschutz: Rotterdam (1893-1974), der für den langgestreckten Kirchenbau mit Satteldach zur Formensprache der gemäßigten Moderne griff, war ein Schüler des Architekten Emil Fahrenkamp, der seinerseits tief  im Neuen Bauen wurzelte. Die Interessengemeinschaft „Rettet die Kirche St. Maria Königin“ setzte sich für die Sanierung und Wiedereröffnung des Bauwerks ein. Nun wurde der – auch juristisch ausgetragene – Konflikt zwischen Stadt und Kirchengemeinde mit einem Kompromiss beigelegt: Das Kirchengebäude bleibt Denkmal, aber die Begründung wird etwas verschlankt. Dies ermöglicht das Bauvorhaben der Gemeinde, die Wohnbauten auf dem Kirchengrundstück errichten will. Auch der Abriss von Nebengebäuden wird nun offensichtlich neu nachgedacht. Es bleibt also noch abzuwarten, wohin dieser Kompromiss tragen wird. (kb, 31.1.19)

Bergisch Gladbach-Frankenforst, St. Maria Königin (Bild: Emanuel Gebauer)

Juist, Bahnhof (Bild: openpetition.de)

Rettet den Inselbahnhof

Für Generationen von Urlaubern hatte die Sehnsucht ein Ziel: den Bahnhof der ostfriesischen Insel Juist. Die Züge sind schon seit über 30 Jahren verschwunden, doch die Erinnerung und der Bahnhof sind geblieben. So ist es kaum verwunderlich, dass sich der 1938 eingeweihte Bau mit dem markanten Uhrenturm als äußerst identitätsstiftend erwiesen hat, und das deutschlandweit! Zu spüren war dies  im vergangenen Herbst, als ein Gästeparlament über die Zukunft des Backsteingebäudes diskutierte. Um dieses herrscht im Moment berechtigte Sorge: Die Reederei Frisia AG, ihrerseits Eigentümerin, plant an der Stelle einen zweistöckige Neubau, in dem neben Wohnungen und Restaurants auch das aktuell im historischen Bahnhof untergebrachte Nationalparkhaus unterkommen soll.

Hinter dem Bauprojekt stehen durchaus handfeste Interessen, auch der Inselbewohner selbst. Das Nationalparkhaus etwa beklagt schon seit längerem Platzmangel. Ein Neubau auf dem Grundstück wäre lukrativ für die Teilhaber der Frisia AG. Dem gegenüber steht eine ganze Reihe engagierter Bauschützer, wie etwa Frank Jermann, der eine Petition ins Leben rief. Selbst im fernen Berlin nimmt  man sich des Kleinods an und lancierte online bauhistorischen Informationen. Wenn Sie sich dafür einsetzen wollen, dass dieses Stück Tourismusgeschichte erhalten wird, können Sie die Aktivisten online mit einer Unterschrift zu unterstützen. (jm, 31.1.19)1

Juist, Bahnhof (Bild: Historische Postkarte, Sammlung Ulrich Gietzen)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: Lixe D., via yelp.de)

Das Aus für die Friedberger Welle?

Wenn es darum geht, das Werk des Architekten Johannes Peter Hölzinger zu beschreiben, landen die Annäherungsversuche irgendwo zwischen „Psychodynamische Raumstrukturen“ und „Wellenförmiges Dilemma“. Denn Hölzinger, 1936 geboren im hessischen Bad Nauheim, bewegt sich mit seine Bauten lustvoll an der Nahtstelle zwischen Architektur und Skulptur – nicht umsonst arbeitete er fast 20 Jahre mit dem Zero-Künstler Hermann Goepfert in einer Planungsgemeinschaft zusammen. Seit rund 10 Jahren wird Hölzingers Schaffen in der Fachwelt neu gewürdigt: vom Symposion bis zur Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum.

Auch im hessischen Friedberg schuf das Duo Goepfert-Hölzinger eine außergewöhnliche Bauform. Das evangelische Gemeindezentrum dient der Gruppen- und Gottedienstarbeit, als Wohnung und Kindergarten. Doch seit Monaten ringen die Verantwortlichen um das 2008 zum Kulturdenkmal erhobene Ensemble: Hübsch anzusehen sei das ja alles, aber die Folgekosten aus eindringender Feuchtigkeit für die Kirchengemeinde nicht mehr zu stemmen. Und nun wird in der Presse die schon 2017 genannte Jahreszahl bekräftigt: 2020 könnte, sollte, müsste die Kita schließen, vielleicht sogar das ganze Gemeindezentrum. Auch das Tehma Abriss steht im Raum. Man führe Gespräche mit der Landeskirche, so die Auskunft der Landesdenkmalpflege gegenüber der Wetterauer Zeitung, doch vor einer endgültigen Entscheidung müsse zunächst der volle Schadensumfang vorgelegt werden. (kb, 28.1.19)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: Lixe D., via yelp.de)

New York, Manhattan, 270-Park-Hochhaus (Bild: Teilnehmer/Team, official-ly cool, CC BY SA 3.0, 2008)

„Höchstes von einer Frau entworfenes Gebäude“

Ein solcher Titel ist – vielleicht vergleichbar mit einem internationalen Hattrick im Kirschkernweitspucken – eine Ehre und auch wieder nicht: Der damit bis 2009 „ausgezeichnete“ Wolkenkratzer wurde 1961/64 von der Architektin Natalie Griffin de Blois (mit Gordon Bunshaft, für das Büro Skidmore, Owings & Merrill) gestaltet. Doch schon lange war er von höheren Bürotürmen umringt. Nur dass diese eben alle von ihren männlichen Kollegen entworfen werden durften. Sprach der Superlativ also eher von einer Gender-Schieflage in der Architektur der Nachkriegsmoderne, handelt es sich dennoch um ein elegantes Bauwerk von 360 Metern und 52 Stockwerken Höhe.

Niklas Maak spricht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gar von einem „Meisterwerk“ mit „leichten, filigranen, vom nahen Seagram-Building inspirierten Vertikalen“. Doch das „270-Park-Building“ soll jetzt einem noch höheren Neubau weichen – entworfen wieder von einem männlichen Berufskollegen, von Norman Foster. Eine neue Bauordnung erlaubt seit Kurzem höhere Neubauten. Und nachdem man in den 1960er Jahren zunächst historistische Wohnblöcke zugunsten neuer Bürotürme niederlegte, sollen viele der nachkriegsmodernen Wolkenkratzer nun für noch höhere Wohnbauten Platz machen. Damit wird wohl eine neue Form von Superlativen in Manhattan Einzug halten. (kb, 26.1.19)

New York, Manhattan, 270-Park-Hochhaus (Bild: Teilnehmer/Team, official-ly cool, CC BY SA 3.0, 2008)

Detroit, Packard Plant ca. 2015 (Bild: Youtube-Still)

Detroit: Packard-Brücke eingestürzt

Das „Packard Plant“ in Detroit ist die bekannteste Industrieruine der USA. 1958 liefen im einstigen Automobilwerk die letzten Luxuswagen vom Band, seither verfällt die Anlage. Gebaut wurde sie ab 1903 nach Plänen von Albert Kahn, der auch für das Detroiter General Motors Building (1923) verantwortlich zeichnet. Anfang der 1930er errichtete sein Büro zudem in der Sowjetunion (!) über 500 Fabriken. Die Packard-Ruine in der „Motor City“ zählt zu den ersten US-Stahlbeton-Industriebauten und wandelte sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Automobiltempel zur Lost-Place-Pilgerstätte. Seit einiger Zeit gibt es Pläne, die teils zusammengestürzten und vom Vandalismus gezeichneten Hallen wiederzubeleben. 2013 wechselte der größte Teil des Werks in Privatbesitz, erste Sanierungs- und Sicherungsarbeiten wurden seitdem durchgeführt.

Vor zwei Tagen ist nun der markanteste Bauteil des Packard Plant kollabiert: Die Fußgängerbrücke, die seit 1939 die Werkshallen über eine öffentliche Straße verband, ist eingestürzt. Sie war wie ein Teil der Gebäude noch immer im Besitz der Stadt Detroit, und offenbar hat in den vergangenen Jahren niemand mehr den baulichen Zustand überprüft. Die Brücke, die ab den 2000er Jahren im Zeitraffertempo verfiel, war seit einiger Zeit verhüllt mit einer Abbildung der einstigen Fassade. Ob das legendäre Entrée wieder aufgebaut wird, ist unklar. Derzeit trauern Oldtimer- wie Architekturliebhaber … (db, 25.1.19)

Detroit, Packard Plant, ca. 2015 (Bild: Youtube-Still)

Hamburg, Gänsemarktpassage (Bild: hh oldman, CC BY SA 3.0, 2013)

Vom Ende der Gänsemarktpassage

Auch im neuen Jahr erreichen uns keine frohen Botschaften aus der Elbstadt. Die 1979 (Büro Graaf, Schweger und Partner) eröffnete und 2001 sanierte Gänsemarktpassage in der zentralen Innenstadt wurde vom Österreicher René Benko erworben. Dieser plant an deren Stelle ein Geschäftshaus mit Wohnungen und Büros. Eine Renovierung wird ausgeschlossen. Grund dafür seien kommende Investitionen in die charakteristische tannengrüne Fassade sowie die veraltete Haustechnik. Ein Neubau in dieser Traumlage scheint da attraktiver als eine erneute Renovierung.

Der Bau entstand in einer Zeit als glasüberdachte Passagen die Rettung für deutsche Innenstädte verhießen. Allein in Hamburg entstanden in den 1970er Jahren, neben der Gänsemarktpassage, fünf weitere Einkaufs- und Flaniertempel. Rund 40 Jahre später, vereint viele vor allem eines: gähnender Leerstand. Zuletzt wurde auch die einst sehr beliebte Passage ihrem Namen ironischerweise gerecht: Für eine Abkürzung gut zu haben, gekauft wird allerdings woanders. Da kein Denkmalschutz vorhanden ist, dürfte der Bau sehr bald dasselbe Schicksal erleiden, wie dieses Jahr sein Nachbar, das Deutschlandhaus. Aber dies ist eine andere traurige Geschichte. (jm, 22.1.19)

Hamburg, Gänsemarktpassage (Bild: hh oldman, CC BY SA 3.0, 2013)

New York, Chrysler Building (Bild: Joris, CC BY SA 3.0)

Einsatz in Manhattan

Ham’se mal eben 800 Millionen Dollar in der Tasche? Dafür könnten Sie eine Art-Déco-Ikone wohl ohne Verhandlungen sofort kaufen. Das war zumindest der Preis, den die jetzigen Anbieter Tishman Speyer und – als Mehrheitseigner – das Investmentunternehmen Mubadla 2007 für das New Yorker Chrysler Building bezahlt haben. Das war kurz vor Platzen der US-Immobilienblase, heute dürfte dieser Kurs wohl nicht mehr zu erzielen sein. Angesichts sinkender Büromieten und dem kurz vor der Vollendung stehendem neuen Stadtteil Hudson Yards erscheint es nicht mehr sehr attraktiv, in einem denkmalgeschutzten Bau zu residieren, dessen Instandhaltung altersbedingt immer aufwendiger wird.

Das 1930 eingeweihte, 319 Meter Chrysler Building war kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt, bevor es elf Monate später vom Empire State Building mit 381 Metern übertrumpft wurde. Heute belegt der nach Entwurf von William Van Alen entstandene Bürobau immerhin noch Rang fünf der Wolkenkratzer im „Big Apple“. Bauherr war Walter P. Chrysler privat, sein Automobilkonzern, die Chrysler Corporation, war nur anfangs Ankermieter. Chrysler verkaufte das Gebäude bereits 1953. Übrigens: Im Film „Men in Black“ springt Will Smith von der Dachkrone des Chrysler Buildings, um durch die Zeit zu reisen. Nicht nachmachen. (db, 20.1.19)

New York, Chrysler Building (Bild: Joris, CC BY SA 3.0)

Hamburg-Harburg, Dreifaltigkeitskirche (Bild: Holger X., via fotocummunity.de)

Hamburg-Harburg: Der letzte Versuch?

Die Frage steht seit – mindestens – zwölf Jahren im Raum: Was wird aus der Dreifaltigkeitskirche in Hamburg-Harburg? Die 1966 von Friedrich und Ingeborg Spengelin fertiggestellte Kirche ist ihrerseits der Wiederaufbau eines barocken Vorgängers, der 1944 zerstört wurde. An diese Vorgeschichte erinnern z. B. das erhaltene Westportal, das heute zum Innenhof führt, und einige Ausstattungsstücke. Für die Zukunft dieses nicht mehr regelmäßig liturgisch genutzten Ensembles wurden bereits viele Konzepte geschmiedet: Der Verkauf an einen Investor zur gastronomischen Nutzung etwa wurde kurz vor knapp von der Gemeinde gestoppt.

Seit Juni 2018 läuft mit dem Nutzungskonzept „3falt. Kunst – Kultur – Kreativität“ eine Erprobungsphase, die von der zuständigen Pastorin Sabine Kaiser-Reis im Sommer 2018 als der „letzte Versuch“ bezeichnet wurde. Lokale Vereine und Träger haben sich zusammengetan, um die Möglichkeiten des denkmalgeschützten Raums auszuloten. Die einen zeigen sich zum Jahresbeginn zufrieden – es fehle eigentlich „nur“ noch die Finanzierung. Die anderen sprechen davon, dass von Umnutzung bis Abriss wieder alles möglich sei. Die Testphase soll noch bis Februar 2019 andauern und dann ausgewertet werden. Vor rund einem Jahr musste bereits aus Sicherheitsgründen die kriegsversehrte, dem Gedenken gewidmete Christusfigur über dem barocken Westportal entfernt werden. (kb, 19.1.19)

Hamburg-Harburg, Dreifaltigkeitskirche, 2014 (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)

Hamburg-Harburg, Dreifaltigkeitskirche, oben: Portalplastik (Bild: Holger X., via fotocummunity.de), unten: Außenbau (Bild: Ajepbah, CC BY SA 3.0)

Potsdam, Restaurant "Minsk" (Bildquelle: Architektur der DDR 28, 1979, 10)

Potsdam: Das Minsk bleibt!

Bei ostmodern.org und allen anderen Aktivisten für den Erhalt des ehemaligen Terrassenrestaurants am Potsdamer Brauhausberg dürften gestern abend die Sektkorken geknallt haben: Die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ (PNN) meldeten das Ende des Werkstattverfahrens, das nach beharrlichen Protesten gegen den Abriss des Minsk im Herbst 2018 eingeleitet worden war. (Im April 2018 berichteten wir bereits über den Offenen Brief von ostmodern.org, zu dessen Erstunterzeichnern wir zählten.) Der ostmoderne Bau wurde 1977 – zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution – am Brauhausberg eröffnet. Mit dem gestaffelten Flachdachbau ergänzte der Architekt Karl-Heinz Birkholz (mit Wolfgang Müller) die ebenfalls von ihm geplante geschwungene Schwimmhalle aus dem Jahr 1971.

Seit Jahren wurden verschiedene Planungen für das inzwischen leerstehende Terrassenrestaurant diskutiert, die zumeist auf Verkauf und Abriss hinausliefen. Nach dem gestrigen Beschluss soll das Minsk nun um einen Neubau ergänzt und ggf. aufgestockt werden. Dieser Kompromiss stelle, berichtet die PNN, sowohl den Investor als auch die Stadtwerke als auch die Ostmodernisten zufrieden, da so ausreichend Nutzfläche geschaffen und zugleich der bestehende Bau erhalten werde. Wie genau die neue Lösung aussehen kann – und was genau das für die ostmodernen Architekturformen bedeuten würde -, sollen weitere Gespräche und ggf. ein städtebaulicher Wettbewerb ausloten. Jetzt ist aber erst einmal Feiern angesagt! (kb, 16.1.19)

Potsdam, Restaurant „Minsk“ (Bildquelle: Architektur der DDR 28, 1979, 10)

Karlsruhe, Militärkirche (Bild: Harald Kucharek, CC BY SA 2.0, 2011)

Karlsruhe im Rütteltest

In Karlsruhe hat die Fraktion „Die Grünen“ einen weitreichenden Antrag an die Stadt gestellt: Auf der einen Seite stehe der hohe Bedarf an Kultur-, Versammlungs- und Wohnraum. Auf der anderen Seite blieben den Kirchen immer öfter die Mitglieder weg und die Gottesdiensträume leer. Daher müsse die Stadt beide Seiten zusammenbringen: „Vielen Gemeinden fällt es allerdings schwerer, Teile ihrer Liegenschaften abzugegeben“, erklärten die Grünen gegenüber ka-news. Diese Hemmschwelle könne überwunden werden, wenn ein „konkreter gesellschaftlicher Zweck“ für solche Bauten aufgezeigt würde.

Die Stadt Karlsruhe verweist darauf, dass sie bereits regelmäßig Gespräche mit den Kirchenvertretern führe, ob und wenn ja wo Räume abgetreten werden könnten. Es gebe erste Listen möglicher Flächen, doch die beiden großen Konfessionen zögen nur „soziale Zwecke und den sozialen Wohnungsbau“ in Betracht. Da haben also die einen zu viel, die anderen zu wenig Raum – ideale Voraussetzung für den Erhalt moderner Kirchenbauten? Die Militärkirche (1951) etwa, die ab den 1990er Jahren von verschiedenen religösen Gemeinschaften zwischengenutzt worden war, soll neuen Wohnbauten weichen. Und bei der Zusammenlegung von Petrus- und Jakobuskirche (1961 bzw. 1970) ging es nach dem Prinzip: aus zwei mach eins (zwei Abrisse, ein Neubau). Das scheint weder substanz-, noch umweltschonend. (kb, 11.1.19)

Karlsruhe, Militärkirche (Bild: Harald Kucharek, CC BY SA 2.0, 2011)

Hamburg, C&A-Gebäude in der Mönckebergstraße (Bild: ric-stiens.de)

Hamburg: C&A-Gebäude soll weg

In Hamburg kommen wir mit den Abrissmeldungen leider kaum hinterher: Auch das C&A-Gebäude in der Mönckebergstraße soll fallen, meldet der NDR. Demnach ist die Entscheidung des Textilunternehmens bereits getroffen, an die Stelle des bestehenden Hauses einen Neubau zu setzen. Hier soll C&A wieder einziehen, in den oberen Stockwerken – so der NDR – ggf. ergänzt um „Gastronomie, Büros und vielleicht ein kleines, exklusives Boutique-Hotel“. Damit würden die Möglichkeiten des prominenten Standorts gewinnbringend aufgefächert. Doch auch eine kulturelle Nutzung sei am Abend denkbar, um die Innenstadt attraktiver zu machen.

Das Textil-Kaufhaus liegt in der beliebten Hamburger Einkaufsmeile direkt am U-Bahnhof „Mönckebergstraße“. 1964/65 wurde der Bau gestaltet vom Architekten Ric Stiens (für das Büro E. A. Gärtner (+ R. Stiens), heute Nattler Architekten), der insgesamt 140 C&A-Projekte betreuen sollte. Er ersetzte damit das Kontorhaus Rolandhaus (1911, Carl Gustav Bensel/Franz Bach). Hier war der Textilkonzern bereits seit 1913 vertreten und erwarb 1935 das Haus, das dann 1944 im Krieg zerstört wurde. Als Argumente für den Abriss des heutigen, nachkriegsmodernen C&A-Gebäudes werden angeführt: hoher Sanierungsbedarf, Asbestbelastung und Brandschutzmängel. Ein genauer Abrisstermin wird bislang nicht benannt. Glaubt man NDR und Mopo, werden „Nachbarn und City-Interessenverbände in die Planungen einbezogen“. (kb, 8.1.19)

Hamburg, Mönckebergstraße, C&A-Gebäude (Bilder: oben: ric-stiens.de, wohl um 1965; unten: Marco Alexander Hosemann, via instagram, 2018/19)

München, Neue Pinakothek (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0, 2011)

Neue Pinakothek: Denkmal im Wartestand?

Eigentlich sind sich in München alle einig: Die Neue Pinakothek, das ist gute Architektur. Bernd Sibler, der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, lobte den 1981 eingeweihten Bau vor wenigen Tagen als „Kronjuwel des Freistaates Bayern“. 2017 bereits sprach Thomas Goppel, der Vorsitzende des Landesdenkmalrats, von einem der „gelungensten Museumsneubauten der Nachkriegsgeschichte“, so zitiert ihn das Denkmalnetz Bayern. Dem ist nichts hinzuzufügen, immerhin stammt der Entwurf von keinem Geringeren als dem bayerischen Altmeister Alexander Freiherr von Branca.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sprach der Hausherr Bernhard Maaz, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlung, am 10. Dezember 2018 folgerichtig von einem „denkmalwürdigen“ Gebäude, in das man nicht „eingreifen“ wolle. Denn bis 2025 wird sein Museum geschlossen bleiben, um es zu sanieren, zu modernisieren und barrierefrei herzurichten. Der Umfang der Maßnahme lässt sich am Kostenrahmen erahnen: Die zunächst kursierende Summe von rund 80 Millionen Euro sei schon überholt (nach oben hin, wohlgemerkt). Sehenswerte Kunstwerke in einem nicht minder sehenswerten Museumsbau, das verdient selbstverständlich ausreichend Zeit und Finanzen.

Doch die amtliche Prüfung der seit 2015 immer wieder touchierten Frage, ob das heute allseits geschätzte Baukunstwerk den Denkmalstatus erhält, soll noch warten. Bis 2025, bis zum Ende der Sanierung. Zufälle gibt es … Das Denkmalnetz Bayern stellt in seiner Erklärung vom 17. Dezember 2018 die Frage in den Raum, ob hier „eine Sonderbehandlung für Gebäude in staatlichem Eigentum“ vorliegt. Man wolle das Staatsministerium bzw. den Landesdenkmalrat „ggf. um die Veranlassung einer kurzfristigen Prüfung der Denkmaleigenschaft der Neuen Pinakothek in München seitens des Landesamtes“ bitten. Wo sich doch schon alle so schön einig sind und sowieso nur im Sinne des bestehenden Bauwerks handeln wollen – warum noch warten? (20.12.18)

Daniel Bartetzko und Karin Berkemann

Titelmotiv: München, Neue Pinakothek (High Contrast, CC BY SA 3.0, 2011)