Mäusebunker: Abriss gecancelt – vorerst

Aktuell meldet die Berliner Morgenpost, dass die Charité den für Herbst anberaumten Abriss des bereits leergezogenen „Mäusebunkers“ verschiebt. Das Tierversuchslabor der FU Berlin, liebevoll „Mäusebunker“ genannt, wurde zwischen 1971 und 1980 von Gerd Hänska errichtet. Schon seit Längerem droht die Charité mit dem Abriss, um neu zu bauen. Der bestehende Bau sei zu unwirtschaftlich, zu wenig flexibel. Daher sollte der Mäusebunker, so bislang der Plan, im dritten Quartal dieses Jahres niedergelegt werden. Für den neuen Forschungscampus soll (oder sollte?) ebenfalls das Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Fehling+Gogel, 1974) abgerissen werden.

Seit Monaten trommeln Fachleute für den Erhaltungswert des brutalistischen Ensembles. Aktuell ist in Berlin die Ausstellung „Mäusebunker & Hygieneinstitut: Versuchsanordnung Berlin“ zu sehen. In der BDA-Galerie (Mommsenstraße 64) ist ein „Studierzimmer“ eingerichtet, während die Bauten in der Krahmerstraße in Berlin-Lichterfelde im Maßstab 1:1 gezeigt werden. Am 13. September um 12.30 Uhr um das Filmscreening „Mäusebunker“ von Lothar Hempel im Kino Filmkunst 66 – mit einer Sonderöffnung der Ausstellung von 14 bis 17 Uhr. Und zur Finissage am 29. September findet um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion im Hygieneinstitut statt. Es dürfte spannend bleiben, denn die Charité will – so die Morgenpost – vor weiteren Schritten erst die Impulse eines Ideenworkshops abwarten. (kb, 8.9.20)

Titelmotiv: Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle) – Teil einer aktuellen Ausstellung mit Begleitprogramm

Wohnungen statt Haven Hööft

Wie belebt man einen Stadtteil, wenn eine größere Fläche frei wird? Einer der Irrwege hieß lange Zeit „Einkaufszentrum“. Das Haven Höövt ist solch ein Beispiel: Es ist 2003 auf einem einstigen Gelände der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack eröffnet worden, geplant hatte es das Büro BPG. Gut besucht war das Shopping-Center jedoch nie, und 2012 hatte der Eigentümer fast folgerichtig Insolvenz angemeldet. Mittlerweile ist das Gebäude leergeräumt und wartet auf den Abriss. Ende 2019 hat ein neues, kleineres Shopping-Center unterm Namen „Kontor am Alten Speicher“ eröffnet, in das mehrere der Haven-Hööft-Mieter umgezogen sind.

Das 1,5 Hektar große Areal des gescheiterten Konsumtempels wird nun erst einmal beräumt – gut ein halbes Jahr wird es dauern, bis das Haven Hööft abgerissen ist. In den kommenden Jahren soll hier nach Plänen des Mannheimer Projektentwicklers Max Zeitz das „Stadtquartier am Hafen“ entstehen: ein Mix aus Büros und Wohnungen, der den vor kaum 20 Jahren beschrittenen Irrweg des Einkaufscenters vergessen machen soll. (db, 3.9.20)

Bremen, Haven Höövt (Bild: Karsten Paulick via Pixabay)

Wetzlar: St. Elisabeth in Rote Liste des VdK aufgenommen

„Seit 2018 ist die Kirche aus der Nutzung genommen und wird gleichsam ‚verschwiegen‘, seit 2019 sind Pläne bekannt, nach ihrem Abriss auf dem Grundstück Wohnungsbau zu verwirklichen.“ So fasst der Verband Deutscher Kunsthistoriker (VDK) die prekäre Lage für St. Elisabeth in Wetzlar zusammen. Der VDK wurde durch einen bei invisibilis aufmerksam – die virtuelle Karte dokumentiert auf moderneREGIONAL seit 2017 geschlossene, umgenutzte oder abgerissen Kirchen der letzten 150 Jahre. Der Wetzlarer Stadtbezirk Silhöfer Aue/Westend wurde von einer Kaserne geprägt, die seit dem Abzug der Bundeswehr in den 1990er Jahren neuen Nutzungen zugeführt wird. Der Grundstein zur „Militärkirche“ St. Elisabeth datiert auf 1965, das Abschlussjahr des Zweiten Vatikanischen Konzils. So spiegelt der zentralisierende Grundriss den gemeinschaftsstiftenden Geist dieser Reformzeit.

Vom Baukörper über die Fenstergestaltung bis zu den Betonformsteinen im Umfeld herrschen geometrische Formen vor. Anbauten und Zusätze zeigen Sichtbeton, „Schmuckformen“ werden durch Kupfer ausgezeichnet. Als Kernbau hebt sich das natursteinsichtige Schiff von der umgebenden Wohnbebauung ab. Seit Monaten nun wartet die geschlosen Kirche auf ihr weiteres Schicksal. Daher stellt sich die Frage, wie es der VDK zusammenfasst, „warum dieser künstlerisch bedeutende, auch ortsgeschichtlich wichtige Bau nicht in geeigneter Form in die geplante Wohnbebauung einbezogen kann, beispielsweise als Vereins- und Versammlungsraum.“ (kb, 1.9.20)

Wetzlar-Westend, St. Elisabeth (Bild: K. Berkemann, 2020)
Wetzlar-Westend, St. Elisabeth (Bild: K. Berkemann, 2020)

Wetzlar, St. Elisabeth (Bilder: K. Berkemann, 2020)