Caltex-Comeback

Nein, der Markenname Caltex kommt nicht zurück – der ist in Deutschland bereits seit 1969 nicht mehr gebräuchlich. Doch eine der wenigen erhaltenen Typen-Tankstellen hat vor einigen Tagen den Betrieb wieder aufgenommen: Anfang 2015 schloss die Shell-Station im Stadtteil Erlenstegen die Pforten. Sie residierte in ebenjenem 1958 fertiggestellten, denkmalgeschützten früheren Caltex-Bau – damals in ganz Bayern der letzte seiner Art, der noch immer in Nutzung war. Die mangelnde Nachfrage bewog den Shell-Konzern, den Benzinverkauf hier einzustellen. Doch nun hat das Wirtschftswunder-Relikt wieder geöffnet: als Automatenkankstelle und befreit vom wuchtigen Werbebanner rund ums filigrane Flugdach.

Gebaut wurden die Caltex-Tankstellen ab 1956 Entwürfen des Frankfurter Architekten Willy H. Weisensee, der drei unterschiedlich große Typbauten schuf. Schon Anfang der 1960er Jahre griff der Konzern bei neu zu errichtenden Stationen auf konventionelle Architektur zurück, die (in der Rückschau) identitätsstiftenden Corporate-Identity-Tankstellen mit dem schwungvollen Dach blieben ein kurzes Kapitel der Firmengeschichte. Ab 1969 prangte statt des Caltex-Sterns dann das Chevron-Wappen an den Gebäuden. Und auch Chevron-Kraftstoffe sind hierzulande schon lange vom Markt verschwunden. Umso überraschender – und erfreulicher – dass eine solch kleine Tankstelle die Jahrzehnte weitgehend unbeschadet überstanden hat … (db, 11.2.20)

Neu in der Amsterdamer Schule

Wer in den Niederlanden shoppen ging, ging zu Vroom und Dreesmann. Ende 2015 musste die 1887 geründete Kette schließen und hinterließ überall im Land verwaiste, mehrheitlich historische Gebäude. Die Filliale in Amsterdam ist nun von Office Winhov (Amsterdam) zu einem Bürohaus mit Gewerbeeinheiten umgestaltet worden. Dabei kamen die zahllosen Zeitschichten des Gebäudes am Kanal Rokin zum Vorschein: Der historistische Ursprungsbau wurde 1912 nach Plänen des Architekten Francois Caron errichtet. Bereits 1930 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung im Stile der Amsterdamer Schule durch den V&R-Hausarchitekten Jan Kujt. Aus dieser Zeit stammt auch die großflächige Glasfront. Durch spätere Umbauten war diese Fassade jedoch selbst weitgehend verschwunden.

Office Winhov haben nun die Gestaltung der 1930er zurückgeholt, setzten unter anderem die Verglasung wieder ein. Daneben integrierten sie die restaurierten, rechts angrenzenden Kontorhäuser aus dem 18. Jahrhundert durch eine gläserne Zwischenkonstruktion. In den oberen Etagen, in denen einst die Verwaltung saß, finden sich jetzt großzügige Büros. Deren Mittelpunkt bildet das Atrium von 1912, ausgestattet mit einem neuen Oberlicht. Erdgeschoss, Untergeschoss und der erste Stock sind weiterhin Geschäftsflächen, statt eines Kaufhauses finden sich nun aber kleinteilige Flächen für den Einzelhandel. Und nun ein mR-Reisetipp: Das spektakulärste V&D-Kaufhaus, 1930-34 ebenfalls nach Entwurf von Jan Kujt gebaut, steht in Haarlem. (db, 10.2.20)

Amsterdam, Ex-V&D (Bild: Eric Swierstra, CC BY-SA 4.0)

Rückkehr der Arbeiterklasse

Im Rathaus Neubrandenburg kehrt die sozialistische Kunst zurück: Die Restauratorin Helma-Konstanze Groll hat mit der Freilegung des zweiteiligen Bildes „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ von Wolfram Schubert begonnen, das 1991 überklebt worden war. Der heute 93-jährige hatte das Werk 1969 zum 20. Jahrestag der DDR für die SED-Bezirksleitung und den Rat des Bezirks geschaffen. Als das Bezirksratsgebäude nach der Wiedervereinigung zum Rathaus wurde, kamen die Maler… Anlässlich der jetzigen Sanierung des Ostmoderne-Baus von 1967 wurde beschlossen, das Wandbild wieder sichtbar zu machen. „Wir können heute viel offensiver mit solcher Kunst umgehen, als gleich nach der Wende“, so Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos).

Wolfram Schubert, der dem Arbeitsbeginn beiwohnte, sagte denn auch, dass er „das heute nicht mehr so malen würde“ – schon mit Blick auf die Ereignisse des Prager Frühlings 1968. Der nahe Jüterbog geborene Schubert war von 1965-88 Vorsitzender des Bezirksverbands Bildender Künstler in Neubrandenburg und 1973-77 Leiter des Fachgebiets Malerei an der Kunsthochschule Weißensee. Er galt als einer der einflussreichsten Künstler der DDR. Die Kosten, das 30 Quadratmeter große Werk zu restaurieren, auf dem unter anderem Marx und Lenin abgebildet sind, werden auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Wolfram Schubert hat angeboten, bei Bedarf auch selbst das Gerüst zu erklimmen. (db, 9.2.20)

Neubrandenburg, Rathaus, Ausschnitt „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“ (Bild: Stadtarchiv Neubrandenburg)