Baugeschehen

Tharandt, Wohnheim (Bild: studentenwerk-dresden.de)

Tharandt: Wird Wohnheim verkauft?

Liebhaber der klassischen Moderne schauen sicher zweimal auf das Baujahr: 1955 wurde das Wohnheim Weißiger Höhe in Tharandt bei Dresden eröffnet. Die Formensprache des Ensembles mit Sprossenfenstern und Satteldach scheint eher noch etwas weiter zurück in die Mitte des 20. Jahrhunderts zu verweisen. Bis hin zu Wandausmalungen und Teilen der Ausstattung hat sich das denkmalgeschützte Ensemble fast stilrein erhalten. Es gehört in Tharandt mit zwei weiteren Wohnheimen zu den Gebäuden der Fachrichtung Forstwirtschaften an der TU Dresden.

Seit Herbst 2017 führt das Land Sachsen Verkaufsverhandlungen um das Wohnheim. Studierende, von denen aktuell rund 40 die Anlage am Weißiger Berg bewohnen, schätzen vor allem die Nähe untereinander und zum Hörsaal der Forstwissenschaften. Das Land hingegen verweist auf die ausreichende Zahl alternativer Unterkünfte für Studierende. Nun scheint der Verkauf des Wohnheims, wie das Zentrale Flächenmanagement (ZFM) gegenüber den Dresdner Neuen Nachrichten erklärte, „zeitnah“ bevorzustehen. Das weitere Schicksal des 1950er-Jahre-Ensembles ist noch offen, wahrscheinlich sei wieder eine Wohnnutzung. (kb, 5.8.18)

Tharandt, Wohnheim Weißiger Höhe (Bild: studentenwerk-dresden.de)

Chemnitz, Klapperbrunnen (Foto: Wolfgang Thieme, Bild: Bundesarchiv Bild 183-1984-0804-012, CC BY SA 3.0, 1984)

Ausgeklappert

Erst ließ der Wasserdruck nach, dann lief das Becken leer. Seit einigen Tagen ist der Klapperbrunnen am ehemaligen Chemnitzer Omnibusbahnhof vollständig stillgelegt. Zur Eröffnung galt dieser 1968 als „der modernste Omnibus-Bahnhof der DDR“. Für rund sieben Millionen Mark überspannte das Pylonen-Hängedach, ein Experimentalbau der Deutschen Bauakademie, ein ehrgeiziges Nutzungsprogramm: „zwölf Abfahrtsbahnsteige, einen sechzig Meter langen Ankunftsbahnsteig sowie eine freitragende Wartehalle, in der Kassenschalter, Telefonzellen, Gepäckautomaten und Verkaufsstände“ für täglich 30.000 Fahrgäste.

Zur anspruchsvollen ostmodernen Anlage gehörte von Anfang an der Klapperbrunnen. Die kinetische Installation wurde 1968 vom Bildhauer Johannes Belz (1925-76) gestaltet. Seinen Namen erhielt der Brunnen vom Geräusch der umklappenden Wasserschalen, die ihren Inhalt dann jeweils in die darunterliegende Schale entleerten. Doch nun scheinen die Stunden des angenehm abstrakt gehaltenen Kunstwerks gezählt. Wie das Sachsen-Fernsehen meldet, soll die Anlage im September diesen Jahres abgebaut und eingelagert werden. Aktuell stünden keine Gelder für eine Sanierung der schadhaften Rohre zur Verfügung. Mehrfach war bereits die Umgestaltung des denkmalgeschützten Areals am ehemaligen Omnibusbahnhof – aus Pylonen-Hängedach, Grünfläche und eben Klapperbrunnen – im Gespräch und zeitweise unter Abrissgefahr. Wie es in naher Zukunft mit dem Klapperbrunnen weitergehen wird, ist noch offen. (kb, 31.7.18)

Chemnitz, Klapperbrunnen (Foto: Wolfgang Thieme, Bild: Bundesarchiv Bild 183-1984-0804-012, CC BY SA 3.0, 1984)

Zürich, Globus-Provisorium (BIld: Dietrich Michael Weidmann, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2013)

Zürich: Bleibt das Globusprovisorium?

Fast genau vor 50 Jahren war das sog. Globusprovisorium in Zürich schon einmal heiß umkämpft. Mit Sit-ins und allerlei anderen zeitgemäßen Aktionen wollten Aktivisten im Sommer 1968 den Bau besetzen und zum Jugendzentrum umwandeln. In der Schweiz heißt sowas „Krawall“, in diesem Fall „Globuskrawall“. Damals lag der langgestreckte Quader an/in der Immat nahe dem Hauptbahnhof im Besitz der Supermarktkette „Magazine zum Globus“. Doch das Globusprovisorium stand leer und die Stadt wollte ihn nicht – wie von den 1968ern erhofft – für ein autonomes Jugendzentrum freigeben.

Der Bau, 1960 gestaltet vom namhaften Schweizer Architekten Karl Egender, ist mindestens ebenso umstritten. Aktuell nutzt ihn die Supermarktkette „Coop“. Doch von verschiedener Seite werden Vorschläge vorgebracht, diesen Ort – mit 50 Jahren Verspätung – für sozial-kreative Zwecke einzusetzen. Anderen gilt das Provisorium als unverzichtbarer Stolperstein im städtebaulichen Bild. Jüngst wurde der Abriss avisiert, entstehen solle ein offener Platz mit Pavillon, Supermarkt und Tiefgarage kämen in Tiefgeschosse. Nun fordert die Stadt: Erst müssten bestehende Schäden behoben werden. Das könnte eine provisorische Sanierung des Provisoriums bedeuten. (kb, 29.7.18)

Zürich, Globus-Provisorium (Bild: Dietrich Michael Weidmann, GFDL/CC BY SA 3.0, 2013)

Dortmund-Mengede, Kraftwerk Gustav Knepper (Bild: Arnoldius, CC BY-SA 3.0)

Kraftwerk Knepper fällt

Seit dreieinhalb Jahren ist das Kohlekraftwerk Gustav Knepper in Dortmund-Dingen nicht mehr in Betrieb. Jetzt hat der Abriss der Großbauten des landschaftsprägenden Komplexes begonnen. Die Unternehmensgruppe Hagedorn aus Gütersloh, die das Areal Ende 2017 gekauft hat, möchte auf dem Gelände an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel als Gewerbepark vermarkten. Bis Ende 2020 sollen das Areal bereinigt und ein Bebauungsplan erstellt sein. Dann werde alles in die Hände eines Projektentwicklers gegeben, der seinerseits wiederum Nachnutzer suche. Willkommen in der wirtschaftlichen Realität…

Das einstige Steinkohlekraftwerk Gustav Knepper wurde es nach dem einstigen Bergwerksdirektor benannt. Errichtet wurde von 1951 bis 1971 nach Plänen des Essener Industrie-Architekten Fritz Schupp, der unter anderem (mit Martin Kremmer) für die Essener Zeche Zollverein XII verantwortlich zeichnete. Betreiber des Kraftwerks war zunächst die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, später dann die Bochumer Bergbau AG. In einer Pressemitteilung vom 22. September 1969 wurde der neue Kühlturm von Block C mit 128 Metern Höhe als der höchste der Welt bezeichnet. 2010 nahm der Regionalverband Ruhr das Kraftwerk in die Route der Industriekultur, Themenroute Chemie, Glas und Energie auf. Ende 2013 beantragte E.ON bei der Bundesnetzagentur aus wirtschaftlichen Gründen die Stilllegung des Kraftwerkes. Diese erfolgte am 23. Dezember 2014. (db, 25.7.18)

Dortmund-Mengede, Kraftwerk Gustav Knepper (Bild: Arnoldius, CC BY-SA 3.0)

Bremen-Gröpelingen, Philippuskirche (Bild: triagonal, via mapio.de)

Garten Eden bald oben ohne?

Seit 2009 dient die evangelische Philippuskirche in Bremen-Gröppelingen als Jugendkirche mit dem schönen Namen „Garten Eden 2.0“. Nun soll der markante Bau sein sichtbarstes Zeichen verlieren: den Glockenträger. Seit rund zwei Jahren verzeichnet die Bauabteilung der Landeskirche Schäden am 30 Meter hohen Turm. Betonteile fielen herab, hier müsse gehandelt werden. Und da das Geld für eine Sanierung fehle, müsse man – leider – zum Abriss schreiten.

Immerhin hat es der 1966 eingeweihte Bau – errichtet nach den Entwürfen von Friedrich Schumacher und Claus Hübener – in den Architekturführer Bremen geschafft. Als Grund wird u. a. der Ensemblecharakter von Kirche und Nebenbauten genannt, die sich „U-förmig um einen grünen Hof“ fügen. Entsprechend würde Eberhard Syring, Professor für Architekturtheorie und Baugeschichte an der Hochschule Bremen und Wissenschaftlicher Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur, den Verlust des Glockenträgers sehr bedauern. „Der Turm bildet eine kompositorische Einheit mit dem flachen Vorbau der Kirche, aus dem er gewissermaßen herauswächst“, so zitiert ihn der Weserkurier. (kb, 23.7.18)

Bremen-Gröpelingen, Philippuskirche (Bild: triagonal, via mapio.de)