Hannover: Conti-Gebäude vor Gericht?

Ein Teil ist schon weg, der Rest könnte es auch bald sein: Die Gebäude der Continental AG beschäftigen die Denkmalschützer in Hannover bereits seit Jahren. In der sog. Wasserstadt Limmer stellte der Gummifabrikant und Reifenhersteller 1996 die Fertigung ein. 2009 wurden viele der inzwischen leerstehenden historischen Bauten gesprengt. Übrig blieben denkmalgeschützte Bauten. Ein Teil wurde auf Kosten der Stadt saniert, ein weiterer Teil blieb vorerst auch als Lärmschutz zur angrenzenden Bahnlinie stehen. Vorerst, denn der neue Eigentümer, die Unternehmensgruppe Günter Papenburg ließ als „Ersatz“ bereits für rund vier Millionen Euro eine Lärmschutzwand errichten.

Das gesamte Gelände soll in den kommenden Jahren für Wohnzwecke hergerichtet und neubebaut werden – die diskutierten Zahlen schwanken zwischen 1.000 und 2.200 Wohneinheiten. Seitdem wird diskutiert, geplant, erste Bauten errichtet und wieder diskutiert. Neu ist seit Mitte August diesen Jahres, dass der Konflikt um den verbliebenen Bestand gleich an zwei Fronten ausgetragen werden soll. Für die denkmalgeschützten Altgebäude 44 und 51 hat die Stadt Hannover nun den Abriss untersagt. Vor diesem Hintergrund will Günter Papenburg vor das Verwaltungsgericht ziehen – trotzdem hoffe er, wie er gegenüber der Presse erklärte, weiter auf eine gesprächsorientierte Lösung mit der Stadt. Das Spiel ist also weiterhin offen.(kb, 20.8.19)

Hannover, Conti-Gebäude (Bild: Christian A. Schröder, CC BY SA 4.0, 2015)

TofD 2019: Kirchenräume in Frankfurt

Die späten 1960er waren eine gute Zeit im Frankfurter Kirchenbau: Im Zuge der neuen Nordweststadt entstanden dort mehrere Sakralbauten, hinzu kamen einige Kirchen in der Innenstadt und auch in den abgelegeneren Stadtteilen. Manche sind mittlerweile geschlossen oder im Bestand bedroht, für andere hat sich eine tragfähige Lösung für die Zukunft gefunden, beziehungsweise standen sie nie zur Disposition. Zwei ebensolche Beispiele kann man am Tag des offenen Denkmals in der Hessenmetropole besichtigen: das vorm Abriss gerettete Evangelisch-Reformierte Gemeindezentrum in der Nordweststadt (Tassilo Sittmann, 1969, aktuell im Umbau zum Kultur- und Sozialzentrum) und die Festeburgkirche in Preungesheim (Horst Römer/Helmut Baumgart, 1969, weiterhin liturgisch genutzt mit kirchenmusikalischem Schwerpunkt), in denen einige der wenigen Betonglasfenster von Johannes Schreiter zu sehen sind.

Die Veranstaltung in der Nordweststadt beginnt am 8. September 2019 um 12 Uhr vor dem Haupteingang des „Ev.-Ref.“ (Gerhart-Hauptmann-Ring 398 a-b, 60439 Frankfurt am Main). Es erwarten Sie Janine Sempf vom Denkmalamt der Stadt Frankfurt und Anne Christl vom ausführenden Architekturbüro BSMF (Kontakt: Denkmalamt Frankfurt am Main, denkmalamt@stadt-frankfurt.de). Die Festeburgkirche (An der Wolfsweide 58, 60435 Frankfurt am Main) ist am 8. September von 9 bis 18 Uhr durchgehend zur Besichtigung geöffnet (Kontakt: Roswitha Martell, stellvertretender Kirchenvorstand, 069 5487343, 0178 6373221, roswithamartell@aol.com). (db, 20.8.19)

Frankfurt am Main, Festeburgkirche (Bild: Gaki64, CC BY-SA 3.0)

Schrott oder Chance

In Potsdam gibt es viele Stimmen, die das bauliche Erbe der DDR am liebsten ganz aus dem Angesicht der alten Residenzstadt tilgen würden. Schritt für Schritt wurde die Potsdamer Innenstadt von „Altlasten“ befreit, um Platz zu machen für neues Altes und Preußens Gloria. Ein prominentes Beispiel, an dem sich der dort herrschende Gesinnungskampf veranschaulichen lässt, ist das ehemalige „Institut für Lehrerbildung“ – auch FH genannt. Für die Befürworter des Erhalts der Ost-Baukultur ein trauriges Kapitel, haben sich sich Bagger doch schon vor einiger Zeit durch den Beton gefressen. 

Damit dieser Zeitabschnitt der Stadtgeschichte nicht vollends in Vergessenheit gerät, wurden Abriss und Debatte in den vergangenen Jahren filmisch begleitet. Das Projekt mit dem Titel „Schrott oder Chance – ein Bauwerk spaltet Potsdam“ musste zunächst ohne Finanzierung auskommen, denn vor zwei Jahren drängte die Zeit, der Abriss ging schnell vonstatten. Nun bitten die Filmemacher von „414films“ um finanzielle Unterstützung auf Spendenbasis, um das Projekt nun komplettieren zu können. Damit kann ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur Potsdams unterstützt werden. In Zeiten von weiteren Schloss- und Altstadtrekonstruktionen dürfte die Tragweite der Thematik jedoch von überregionaler Bedeutung sein. (jm, 19.8.19)

Potsdam, FH (Bild: via startnext.com)