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Ulm, Stadthaus (Bild: Martin Rivoir, 1992)

Postmoderne vs. Gotik

1988 war es, da stritt man in Ulm noch darum, ob man nun den Richard Meier nun haben wolle oder nicht. Martin Rivoir, damals 28, bezog gleichzeitig seine Wohnung am Münsterplatz, auf dessen weitläufige Brache er damals noch blicken konnte. Erst 1991 wurde der Bau der „begehbaren Skulptur“ nach zahlreichen Querelen und einem Bürgerentscheid begonnen. Da beschloss Rivoir, jeden Sonntag mindestens ein Bild der Baustelle zu machen. Im Anschluss wurden die über 600 Dias sorgfältigst nummeriert und sortiert. Es entstand eine einzigartige, akribische Baudokumentation, die nun vom 18. Juli bis 16. September 2018 im – inzwischen zu einer Ikone der Postmoderne avancierten – Stadthaus zu sehen sein wird.

Die Vorgeschichte: An der Stelle des heutigen Stadthauses befand sich ursprünglich das Barfüßer-Kloster, das bis in das Jahr 1250 zurückging. 1878, kurz vor Fertigstellung des Münsterturms, wurde das Kloster abgetragen, um einen offenen Blick auf den neuen Turm zu erhalten. Schnell stellte man fest, dass der Münsterplatz dennoch zu groß erschien, und so wurde 1924 ein Wettbewerb für dessen Bebauung ausgeschrieben, bei dem über 450 Entwürfe eingingen. Jedoch kam es zu keiner weiteren Planung. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg befand sich an der Stelle ein Touristik-Pavillon, und erst Mitte der 1980er-Jahre wurde mit der Planung des Stadthauses begonnen. Am Wettbewerb im Jahre 1986 nahmen unter anderen auch Gottfried Böhm, Heinz Mohl sowie Hans Hollein teil. (pl, 11.7.18)

Ulm, Stadthaus (Foto: Martin Rivoir)

Berlin, U-Bahnhof "Schloßstraße" (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Architekturmoderne unter Tage

Verkehrsbauten, gerade der Moderne, setzen sichtbare Zeichen in den Städten und werden oft zu Identifikationsorten ihrer Nutzer. Doch mit der sich ändernden Funktion, mit Modernisierungsschüben bei Auto, Bus und Bahn, drohen diesen kleinen Inkunabeln heute große Veränderungen – bis hin zum Totalverlust. Vor diesem Hintergrund laden ICOMOS Deutschland, das Landesdenkmalamt Berlin und die Initiative Kerberos vom 20. bis 23. Februar 2019 ein in die Berlinische Galerie. Mit der internationale Konferenz „Underground Architecture“ wollen sie die architektonische Gestaltung von U-Bahnhöfen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Im Detail geht es den Veranstaltern um den europäischen Vergleich, um den Austausch zwischen Denkmalpflege und Denkmalforschung, zwischen den Machern, Betreibern und Nutzern moderner U-Bahnlinien und -stationen. Noch werden Themenvorschläge gesucht, z. B. zu den folgenden Schwerpunkten: Denkmalwerte und -bedeutung; Konstruktion, Material und Farbe; Erhaltung und Modernisierung; Vermittlung und Rezeption; Akteure und Netzwerke. Bis zum 15. August 2018 können Exposés für einen Vortrag (max. 1.500 Zeichen) mit einem Lebenslauf (max. 300 Zeichen) gesendet werden an: icomos@icomos.de. moderneREGIONAL unterstützt die Initiative als Medienpartner. (kb, 10.7.18)

Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“ (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurde drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1965 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0, 2010)

Hagen von Ortloff kommt nach Stuttgart

Ja, die märklinMODERNE-Vernissage in Stuttgart am 11. Juli liegt kurz vor einem WM-Halbfinalspiel. Aber, Sie können beides haben: Um 19 Uhr geht es los mit der Ausstellungseröffnung in der architekturgalerie am weißenhof (der Auftakt findet statt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Am Weißenhof 1, Stuttgart). Es spricht Hagen von Ortloff, lange Jahre Moderator der SWR-Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“. Zudem arbeitete er als Sportjournalist. Für alle Fans des „rollenden Materials“ bieten wir ab 20 Uhr im Hinterzimmer einen kleinen Fußball-Bildschirm. In den Vorderzimmern können Sie ungestört durch die Ausstellung stöbern. (db/kb, 9.7.18)

 

Begleitprogramm

11. Juli 2018, ab 19 Uhr: Vernissage, Auftakt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Am Weißenhof 1, Stuttgart).

22. Juli 2018, 14.30 bis 17.30 Uhr: „Basteln mit Bartetzko“ in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart zum Sommerfest am Killesberg.

11. August 2018, 16 bis 17 Uhr: Filmpremiere von „märklinMODERNE“, von Otto Schweitzer und C. Julius Reinsberg im Deutschen Filmmuseum (Schaumainkai 41, Frankfurt).

7. September 2018: Tagesfahrt zur Wiege des Modellbaus, Gütenbach im Schwarzwald, Voranmeldung (bis 10. August): k.berkemann@moderne-regional.de, Unkostenbeitrag 60 € (ab Frankfurt)/50 € (ab Stuttgart).

22. September 2018, 20 bis 21 Uhr: Lesung „Der Superbastler“ – Lebenshilfe aus Modellbau-Magazinen der Wirtschaftswunderzeit in „Buch & Spiel“ in St. Stefan (Rotenwaldstraße 98, Stuttgart), einer profanierten brutalischen Kirche von 1976.

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0)

Jeanssozialismus (Bild Wallstein-Verlag)

Jeanssozialismus

Ungarn erlebte nach 1945 eine umfassende Sowjetisierung und eine forcierte Integration in das von der UdSSR dominierte osteuropäische Staatensystem. Ein Volksaufstand im Jahr 1956 wurde durch die Rote Armee brutal niedergeschlagen. Doch im Gegensatz zu anderen „Bruderstaaten“ im realsozialistischen Osteuropa schlug Ungarn wirtschaftlich in der Folge einen Weg dosierter Liberalisierung ein. Die Mischform aus Planwirtschaft und Konsumgesellschaft wird bis heute salopp „Gulaschkommunismus“ genannt. Eine neue Dissertation geht dem historischen Phänomen differenziert am Beispiel der ungarischen Mode nach.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Jeans. Wurde sie anfangs noch von der politischen Führung des Landes als imperialistisches Teufelszeug verdammt, avancierte sie in den 1970er Jahren zum Symbol für die erfolgreiche Versorgungspolitik und internationale Konkurrenzfähigkeit der Volksrepublik. Die Analyse stellt die spezifische historische Dynamik heraus, indem sie sowohl den ungarischen Modediskurs als auch Quellen aus den Archiven der politischen Institutionen und der Textilindustrie einbezieht. Sie liefert einen wertvollen Beitrag dazu, die veraltete Annahme eines (wirtschafts)politisch heterogenen Ostblocks zu differenzieren. (jr, 8.7.18)

Müller, Fruzsina, Jeanssozialismus. Konsum und Mode im staatssozialistischen Ungarn, Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8353-3059-7.

Titelmotiv: Buchcover, Wallenstein Verlag