FACHBEITRAG: Pionierlager Artek

von Arne Winkelmann (16/2)

Das Pionierlager Artek an der Südküste der Krim war der Traum vieler Jugendlicher in der früheren Sowjetunion und den anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks. Jeder Junge Pionier wünschte sich, einmal einen Urlaub im „Allunions-Pionierlager Vladimir Il’ič Lenin“ am Schwarzen Meer zu verbringen und mit Kindern aus der ganzen Welt Bekanntschaft zu machen. Artek war nicht nur die größte Einrichtung ihrer Art, sondern auch die älteste und bekannteste. 1925 gegründet, wurde es zu Beginn der 1960er Jahre unter Chruščëv weitreichend ausgebaut. Die Bauleitung rüstete Artek zu einer internationalen Begegnungsstätte auf, um einen neuen politischen Kurs zu vermitteln: „friedliche Koexistenz“, „äußere und innere Öffnung“ sowie sozialer und technologischer Fortschritt. Innerhalb weniger Jahre wurde das Lager systematisch aus- und umgebaut und die Besucherkapazität somit von 1.500 auf 8.000 Betten mehr als verfünffacht.

Der Traum vieler Jugendlicher des Ostblocks: das Pionierlager Artek („Lager Meer“, 1967, Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Baukastensystem

Pionierlager Artek, Baukastensystem des Kollektivs um Anatolij Polianskij (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Ein junges ArchitektInnenenkollektiv um Anatolij Polianskij hatte 1957 den Wettbewerb gewonnen. Grundlage ihres Entwurfs war ein „Baukasten“ aus vorgefertigten Stahlbetonelementen mit zwei Tragsystemen, mit denen alle Gebäude der Ferienanlage konstruiert werden konnten: Schlaftrakte, Speisesäle, Ärzte- und Krankenhäuser, Sportanlagen, Verwaltungsbauten, Schulen, Werkstätten, Labors, Spielpavillons, Unterstände, Versammlungsräume und Appellplätze. Das milde Klima und die saisonale Nutzung gestatteten eine ausgedünnte leichte Konstruktion. Ein Sortiment von nur neun Versatzstücken ermöglichte mehrgeschossige Skelettbauten und flächige Überdachungen auf Grundlage einer sechseckigen „Pilzkonstruktion“. Diese Einfachheit verhalf zu einer hohen Variabilität und ließ im Gegensatz zu der – in den kälteren Regionen verwendeten – Großtafelbauweise eine abwechslungsreiche Architektursprache zu.

Artek ist in zehn unterschiedlich große Gruppen unterteilt, die nach ihrem Standort benannt sind: ein Meereslager „Morskoj“, ein Lager an der Küste „Pribrežnyj“, eines am Berg „Gornyj“ und eine Lagergruppe in einem Zypressenhain „Kiparisnyj“. Man trennte die Funktionen weitgehend, bildete größtmögliche Gruppen und verzichtete auf private Räume. Jede Lagergruppe verfügte über mehrere Schlaftrakte, die aus gleichförmigen Schlafsälen für acht bis zehn Personen und entsprechend sanitären Sammeleinrichtungen zusammengefügt wurden. Zu jeder Gruppe gehörten ein eigener Speisesaal, ein Ärztehaus, ein Freibad und ein Appellplatz.

Die relingartigen Geländer, Seitengänge und Flugdächer zitieren mit Luxus verbundene Motive der großen Passagierschiffe der 1920/30er Jahre und versinnbildlichen damit den sozialen Aufbruch und Aufstieg zu einer Freizeitgesellschaft. Durch die lebhaften Farben der Pavillons und zahlreiche Kunstwerke verbreitete die Anlage eine unbeschwerte, fröhliche, fast kindliche Lebensfreude. Die großen Glasflächen der Gebäudefassaden erlaubten nicht nur den Ausblick auf die umliegende Landschaft, sondern standen auch für Offenheit und Transparenz als neuentdeckte Tugenden nach dem Stalinschen Terror.

Vorbildhaft

Nicht nur die Jugend, sondern auch die Architekten bewunderten die unbeschwerte Formensprache (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Durch diese innovative Formensprache war Artek nicht nur ein Traum für die Jugend des Ostblocks, sondern auch für dessen ArchitektInnen bzw. „Planungskollektive“. Die weitläufige Anlage mit über 150 Gebäuden stand in der Zeit des „Tauwetters“ für den poststalinistischen Stil. Das ArchitektInnenkollektiv um Anatolij Polianskij hatte in Artek eindrucksvoll demonstriert, wie abwechslungsreich, leicht und elegant das industrialisierte Bauen trotz der Typenentwürfe, Standardisierung und Vorfertigung aussehen konnte – jenseits vom sozialistischen Klassizismus Stalins, den man in der gegenwärtige Betrachtung als „Zuckerbäckerstil“ zusammenfasst. Mit diesem Projekt avancierte Polianskij zum obersten Architekten der Sowjetunion und gilt als Pionier der Erholungsarchitektur im ehemaligen Ostblock.

In den 1960er und 70er Jahren wurden die Küsten zunehmend für den Massentourismus erschlossen und das Ferienprogramm für die Jungen Pioniere massiv ausgeweitet. Jährlich konnten 13 Millionen Kinder ihren Urlaub in Artek oder anderen Pionierlagern wie „Molodaja Gwardija“ (Junge Garde), „Orljonok“ (Kleiner Adler), „Alye Parusa“ (Purpursegel), „Čaika“ (Möwe) oder „Zerkalnyj“ (Spiegelnder) verbringen. Sie verfügten jeweils über mehrere Hundert Betten, die größten von ihnen sogar mehrere Tausend! Trotzdem wurden diese Ferienlager meist nicht als gigantische Bettenburgen ausgeformt, sondern als Zusammenballung von Teillagern, die wiederum in mehrere Gruppen aufgeteilt waren. Diese Organisation ermöglichte vor allem eine modellhafte sozialistische Kollektiverziehung.

Anachronismus

Bis 2004 wurde die Gestaltung der 1960er Jahre im Pionierlager Artek gepflegt und erhalten (Bild: © Arne Winkelmann)

Die Pionierlager waren staatliche, hoch subventionierte Einrichtungen, deren Fortbestehen nach dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 mehr als fraglich war. Die nunmehr ukrainische Leitung betrieb das Pionierlager noch einige Jahre unter neuem Namen als „Internationales Kinderzentrum“ weiter, behielt aber die Prinzipien der Kollektiverziehung bei. Albina Murašova, eine Lagerleiterin Arteks um die Jahrtausendwende, wollte den Kindern damit die Möglichkeit vermitteln, in den Zeiten des entfesselten Kapitalismus „menschlich zu bleiben“.

Um Kontinuität bemüht, erhielt man bis 2004 auch den baulichen Originalzustand der 1960er Jahre. Die leichten Pavillonbauten wurden gepflegt und der farbenfrohe Anstrich stetig erneuert. Bis auf wenige Ausnahmen wirkte die Anlage wie eine Zeitkapsel der Chruščëv-Jahre.

Niedergang

Ohne staatliche Förderung gingen die Besucherzahlen stark zurück. Unter den weniger werdenden Gästen fanden sich vor allem Russen. Viele ehemalige Funktionäre und Kader, die zu Sowjetzeiten zu den Auserwählten gehörten und in Artek ihre Ferien verbringen durften, wollten dies nun auch ihren Kindern oder Enkeln ermöglichen. Statt Linientreue und Leistungen in der Jugendorganisation öffnete nun einzig der Geldbeutel die Türen der ehemaligen „Märchenstadt“. Mehrwöchige Aufenthalte kosteten zwischen 600 und 1.600 Euro! Auch wenn 60 Prozent der BesucherInnen geringere Tarife oder gar nichts zahlten, wurden die Gruppen immer elitärer. Die Inhalte wollten mit den Räumen nicht mehr recht zusammenpassen.

Um die Jahrtausendwende war die damalige westlich orientierte Regierung Timošenko wegen der mehrheitlich russischen Gäste offenbar nur wenig daran interessiert, die hoch subventionierten Ferienanlagen weiter zu betreiben. Dem Lager drohte die Insolvenz. Der damalige Direktor Boris Novošilov trat aus Protest in den Hungerstreik. Tatsächlich ließ sich die Regierung damit zu weiterer Förderung bewegen. „Artek gerettet!“ titelten 2009 mehrere Zeitungen, das weltweit größte Kinderferienlager sei dem Konkurs entkommen.

Umbau

Der Freundschaftsplatz 2005 mit postmodernen „Zusätzen“ (Bild: Vyacheslav Stepanyuchenko, CC BY 2.0, 2005)

Der Preis der Rettung war eine grundlegende Umnutzung. Aus der Modellstadt für die Kollektiverziehung wurde eine Schule für die künftigen Wirtschaftseliten des Landes. Statt Sozialverhalten in der Gruppe werden nun Individualismus und Eigenverantwortung gefördert. Jeglicher Wettbewerb im Sport, bei Spielen oder bei den wissenschaftlichen Workshops findet nun nicht mehr für das Kollektiv statt, sondern für den Einzelnen.

Um den Ansprüchen der wohlhabenden Jugendlichen zu genügen, musste die Lagerleitung nicht nur ihre Freizeit- und Animationsangebote verändern, sondern auch die Anlage ertüchtigen. Ursprünglich hatte man die saisonal genutzten Pavillons ohne Heizung und Isolierung errichtet. Für einen ganzjährigen und damit rentableren Betrieb wurden die Gebäude der vier wichtigsten Teillager mit neuen Wänden gedämmt. Für die gehobenen Ansprüche gestaltete man die Schlafsäle für acht bis zehn Personen um zu Zweibettzimmer auf Hotelstandard.

Dem Ensemble Arteks hat die Modernisierung und Erweiterung geschadet. Die filigranen und sensibel in die Landschaft eingebundenen Pavillons wurden in klobige verglaste postmoderne Kuben verwandelt. Die Speisesäle mit ihren charakteristischen „Dach-Betonpilzen“ wurden vollständig überformt. Der fließende Übergang zwischen Innen- und Außenraum, die Nähe zur Natur sind abhandengekommen. Für den Komfort mag das förderlich sein, der ursprünglichen Konzeption der vorbildlichen Anlage war es abträglich.

Denkmal?

Das einstmals größte Lenindenkmal der Welt an den Hängen des Pionierlagers (Bild: © Mathias Häßner)

Die sowjetischen Hoheitszeichen, die vielen Lenin-Porträts und Parolen wurden geschleift. Das einstmals größte Lenin-Denkmal der Welt, das sich an den Hängen in einer Kaskade aus rotem Marmor und Beton talwärts wand, verfällt heute. Die Appellplätze mit ihren Bildstelen und Lagerfeuerstellen wurden zu technisierten Bühnen umgebaut. Das Gesamtkunstwerk aus Architektur, städtebaulicher Struktur, Bildwerken, Skulpturen und einbezogener Landschaft wurde zerstört. Vier Lagergruppen sind glücklicherweise noch im Originalzustand erhalten. Leider sind es nicht die repräsentativen am Ufer.

Artek wäre ein klarer Fall für den Denkmalschutz, doch ein öffentliches Bewusstsein für die Chruščëv-Zeit und ihre baulichen Zeugnisse existiert kaum. Es bleibt abzuwarten, ob auf die russische Annexion der Krim von 2014 die Modernisierung der übrigen Teillager folgt.

Rundgang

Literatur

Winkelmann, Arne, Das Pionierlager Artek. Realität und Utopie in der sowjetischen Architektur der sechziger Jahre, Dissertation, Weimar 2004.

Jacks, Bärbel, TV-Dokumentation „Auf der Krim“, Deutschland 2002, Regie: Bärbel Jacks.

Winkelmann, Arne, Typologie der Ferienzeit. Das Pionierlager Artek auf der Krim, in: Bauwelt 91, 2000, 16, S. 12–19.

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Frühjahr 16: Umbrüchig

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FACHBEITRAG: Pionierlager Artek

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FACHBEITRAG: Politik der Platte

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Philipp Meuser berichtet, wie Chruščëv sich der Architektur bediente: Wie der Bruch mit dem „Stalinbarock“ zur Nagelprobe eines politischen Umschwungs wurde.

INTERVIEW: "Das hat mit Macht zu tun"

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FACHBEITRAG: Politik der Platte

von Philipp Meuser (16/2)

Moskau, Dezember 1954: Leonid Poljakov konnte stolz sein auf sein architektonisches Lebenswerk. Mit nur 43 Jahren hatte man ihn für das Moskauer Hotel Leningradskaja mit dem Stalin-Preis ausgezeichnet, dem Oscar der sowjetischen Architektur. Poljakov galt als Vertreter eines Zuckerbäckerstils, wie er für die Stalin-Zeit typisch war. Gesimse, Erker, Ornamente an der Fassade – mit Bauschmuck und Verzierungen geizte er wie seine Kollegen selten. Im Winter 1954 sollte dies dem mehrfach ausgezeichneten Architekten zum Verhängnis werden.

Stalins sieben stadtbildprägende Hochhäuser, zu den neben dem Hotel Ukraina (hier im Bild) auch das Hotel Leningradskaja gehört – wurden erst nach dem Tod des Diktators fertiggestellt, als Chruščëv bereits das kostengünstige Bauen eingefordert hatte (Bild: Philipp Meuser)

Rückblende ins Jahr 1953: Der Tod Stalins hatte zum Machtpoker in der Führungsriege geführt. Der Bauernsohn und potenzielle Stalin-Nachfolger Nikita Chruščëv hatte sich als Parteifunktionär bereits in der Ukraine einen Namen gemacht und galt als erfahrener Politiker in Fragen der Landwirtschaft. Als bislang vernachlässigtes Thema entdeckte Chruščëv nun die Wohnungssituation, die sich katastrophal zugespitzt hatte. Verheerende Kriegszerstörungen, die nicht enden wollende Landflucht und eine auf die Eliten ausgerichtete Wohnungspolitik machten es schier unmöglich, die Bevölkerung angemessen zu versorgen. Unter Stalin hatte es zwar erste Musterprojekte zur Rationalisierung des Wohnungsbaus gegeben, doch die breite Masse konnte die reich verzierten Arbeiterpaläste nur von außen bewundern.

Die wirkungsvollste Rede der Architekturmoderne

Nikita Chruščëv sprach häufig, leidenschaftlich und fachkundig vor Bauleuten, hier 1958 auf dem UIA-Kongress in Moskau (Bildquelle: Philipp Meuser, Die Ästhetik der Platte, Berlin 2015)

Chruščëv zeigte seinen politischen Führungsanspruch im Jahr 1954 mit zwei Aktionen. Im Frühjahr rief der Politiker die Neuland-Kampagne aus, um Kasachstan neben der Ukraine zur zweiten Kornkammer der Sowjetunion zu machen. Den zweiten und entscheidenden Impuls setzte er auf dem Allunions-Baukongress im Dezember 1954. Am letzten Konferenztag trat Chruščëv ans Mikrofon und rechnete mit der bisherigen Baupolitik ab. Es war der Versuch, die Grenzen der Kritik am Stalinkult auszuloten – ein Balanceakt. Seine Rede erfüllte aus heutiger Sicht zwei Funktionen: Sie diente als Auftakt zur Entstalinisierung und als architekturtheoretisches Manifest der sowjetischen Nachkriegsmoderne. Damit beeinflusste sie das Bauen des 20. Jahrhunderts, wie sonst vielleicht nur das Bauhaus-Manifest (1919) von Walter Gropius oder die Charta von Athen (1933 von Le Corbusier dokumentiert, aber erst 1941 als CIAM-Publikation veröffentlicht).

Chruščëv inszenierte sich damit als Fürsprecher des industrialisierten Bauens. Um Sympathie werbend, lobte er zunächst die hohe Qualifikation und Einsatzbereitschaft der BauarbeiterInnen, um dann über Details zu fachsimpeln. Über Chruščëvs RedenschreiberInnen kann nur spekuliert werden, es muss sich aber um SpezialistInnen für Planungs- und Bauabläufe gehandelt haben. Mit ihrer Expertise ausgestattet, sinnierte Chruščëv über den Vorteil vorfabrizierter Betonteile, die ein schmutziges Betonmischen auf der Baustelle überflüssig machten. Der Parteichef erörterte ausgiebig, dass Fassadenelemente in der Fabrik mit Fliesen verkleidet und auf der Baustelle als Fertigteilprodukte nur noch montiert werden müssten. Der Ziegelstein, so Chruščëv, habe als Material ausgedient. Moderne Baumethoden könnten auf Beton, Elektromotoren, Kräne und andere Maschinen zurückgreifen und das traditionelle Stein-auf-Stein-Mauern ablösen.

Abrechnung mit Stalins Stararchitekten

Dieser neue Kurs im Bauwesen sei existenziell, um politische Ziele erfolgreich umzusetzen. „Wir haben die Verpflichtung, deutlich an Geschwindigkeit zuzulegen, die Qualität zu verbessern und die Kosten zu senken!“ betonte Chruščëv. Mit diesem Satz wurde der Politiker in der Folgezeit immer wieder zitiert. Der gelernte Schlosser unterstrich damit, dass er sowohl vom Planungsprozess als auch vom Bauen selbst etwas verstand. Aber das Hauptproblem bestünde darin, so Chruščëv weiter, dass ArchitektInnen der alten Generation als „Baumeister“ ausgebildet worden seien, die sich selbst ein Denkmal setzen wollten.

Die Wohnungsnot war groß: Sibirien in den 1930er Jahren (Bildquelle: Nachlass Rudolf Wolters)

In sowjetischer Manier begann Chruščëv daraufhin, die führenden ArchitektInnen zu demontieren. Die Baukosten seien durch den Fassadenschmuck unverhältnismäßig hoch und die Nutzfläche (bezogen auf das Volumen) zu gering. Besonders auf Leonid Poljakov schoss Chruščëv sich ein. Er kritisierte dessen Hotel Leningradskaja wegen seiner Deckenmalereien, hochwertigen Materialien und Vergoldungen als übermäßig prunkvoll. Zudem würden die 354 Zimmer nur 22 Prozent der Gesamtfläche einnehmen. Bei gleichem Flächenbedarf und gleichen Baukosten hätte man gut und gerne 1.000 Zimmer ausstatten können.

In weiteren Beispielen diskreditierte Chruščëv die Stalin-Hochhäuser, die Moskaus neue Silhouette prägten, und führte so weitere berühmte und bis dato einflussreiche Architekten wie Mordvinov, Vlasov, Zacharov, Borezkij und Duškin vor. Aus heutiger Sicht ist diese Abrechnung als Testlauf für die zwei Jahre später eingeläutete Entstalinisierungskampagne zu verstehen. „Wir sind nicht gegen Schönheit. Wir sind nur gegen Überflüssigkeiten!“ fasste Chruščëv zusammen. Mit guten Proportionen, angemessen dimensionierten Fenstern und Türen sowie Fassaden mit kompositorisch gesetzten Balkonen und Farbakzenten forderte er letztlich eine nüchterne Architektursprache – und unterschied sich dabei kaum von den zahlreichen Manifesten im Bauwesen der 1920er Jahre.

Erste Erfahrungen im Typenbau

Chruščëv konnte für seine Rede auf erste Erfahrungen mit der neuen Technologie zurückgreifen, vor allem auf die Arbeit von Vitalij Lagutenko. Nachdem dieser 1947 zum Direktor des Büros für experimentellen Industriebau ernannt worden war, ließ er mit Michail Pozochin und Ašot Mndojanz in Moskau einen Wohnblock mit H-förmigem Grundriss errichten: ein Stahlbetonskelett, das mit Großtafeln ausgefüllt wurde. Vier weitere Bauten dieser Art folgten in der unmittelbaren Nachbarschaft, ab 1949 versuchsweise auch in anderen Städten. Das Projekt galt seinerzeit noch als Experiment, da sich weder die Produktionsmethoden noch die Erstellungsgeschwindigkeit für den industriellen Masseneinsatz eigneten. Zudem war die Rahmenkonstruktion für den Wohnungsbau zu kostenintensiv.

Ein weiteres Versuchsprojekt wurde ab 1951 am Moskauer ploščad‘ Pešanaja umgesetzt: ein ganzer Wohnblock. Die für das Vorhaben typischen Siebengeschosser entstanden in rekordverdächtigen fünf bis sechs Monaten. Nach einer neuen Arbeitsmethode, der Montagebauweise, wurden die Einheiten zeitversetzt begonnen, um die spezialisierten Maschinen und ArbeiterInnen nach einem Abschnitt direkt im nächsten einsetzen zu können. Die Architekten verzichteten bewusst auf zeitintensive feuchte Putzarbeiten, sondern wählten innen Trockenbauwände und außen Sichtmauerwerk. Hinsichtlich des Wohnkomforts handelte es sich noch um Stalin-Bauten. Es waren die letzten ihrer Art.

Unterwegs zum industriellen Wohnungsbau

Verheißung eines neuen Lebensstils: Jurij Pimenovs Gemälde „Hochzeit auf der Straße von morgen“ (1962) (Bildquelle: RIA Novosti/Tretjakov-Galerie, Moskau)

Was 1954 Chruščëv auf dem Allunions-Baukongress gefordert hatte, fand sich 1955 in einer Verordnung des Zentralkomitees der KPdSU wieder. Unter dem Titel „Über die Beseitigung der Übermäßigkeit im Planen und Bauen“ verabschiedete sich die sowjetische Führung am 4. November 1955 von der Stalinschen Architektur mit ihren Säulen und Verzierungen. So vehement Stalin seinerzeit die Abkehr vom Konstruktivismus auf politischer Ebene durchgesetzt hatte, taten es seine Nachfolger nun mit dem Eklektizismus der 1930er und 1940er Jahre. Die KPdSU-Verordnung mahnte außerdem die namentlich genannten Architekten ab und erkannte ihre Auszeichnungen ab – darunter Poljakovs Stalinpreis.

Positiv zielte sie darauf, Typenprojekte industriell vorzufertigen und somit die gesamte Bauindustrie umzuformen. Laufende Projekte sollten von den zuständigen Ministerien beziehungsweise Komitees vor Ort binnen drei Monaten überprüft und optimiert werden: weniger Fassadenschmuck, eine wirtschaftlichere Flächennutzung und ein besserer Mitteleinsatz. Die Behörden waren angehalten, die Planziele zu erfüllen. Zugleich forderte die KPdSU-Verordnung einen Wettbewerb für Typenprojekte im Bereich Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser. „Den Formen und den ökonomischen Lösungen nach muss sowjetische Architektur einfach und streng sein“, stellte sie fest. Ein attraktives Gebäude wirke nicht durch kostbare Verzierungen, sondern durch die harmonische Verbindung von Funktion, Proportion, Material, Konstruktion und qualitätvoller Ausführung.

Wohnmodell für die Massen: die Chruščëvka

Die nach Nikita Chruščëv benannte Typenbauweise: die fünfgeschossige Chruščëvka (1950er Jahre), hier in Moskau (Bild: Alex Motrenko)

Die neuen baupolitischen Leitlinien zeitigten Erfolg. Chruščëv konnte die jährliche Fertigstellungsquote bei Wohngebäuden gegenüber der Stalinzeit verdoppeln. Überall im Land schossen Häuser aus dem Boden, die sich in Größe und Konstruktion kaum voneinander unterschieden. Bald schon erhielten die meist fünfgeschossigen Zeilenbauten in Erinnerung an ihren politischen Förderer den Namen Chruščëvka.

Zum Erfolg der Chruščëvka sollte auch wieder Vitalij Lagutenko beitragen, der in den 1960er Jahren wegweisende Typen wie K 7 entwickelte. Dank des industriellen standardisierten Bauens konnten zwischen 1956 und 1965 rund 108 Millionen SowjetbürgerInnen eine neue Bleibe beziehen. Rein rechnerisch entstand damit Wohnraum für mehr als ein Drittel der sowjetischen Gesamtbevölkerung.

Ein Fall fürs Museum?

Die „Lebensform Chruščëvka“: ein Bewohner des Serientyps G-5 in Leningrad im Jahr 2002 (Bild: Philipp Meuser)

Freilich war nicht jeder Neubau ein fünfgeschossiger Plattenbau mit monotoner Fassade. Doch über 75 Prozent der Gebäude waren industriell vorgefertigt und als Serientyp entstanden. Kein anderer Staat auf der Welt hatte seine Bauwirtschaft derart rationalisiert wie die UdSSR. Die Chruščëvka gehört ohne Zweifel zum weltweit meistgebauten Bautypus überhaupt. Allein in Russland wurden während der Sowjetzeit 290 Millionen Quadratmeter Wohnfläche in dieser Art geschaffen. Dies macht bis heute etwa zehn Prozent der gesamten Wohnfläche Russlands aus. Inzwischen hat man zwar damit begonnen, nicht sanierungsfähige Fünfgeschosser abzureißen, doch wurde der Lebensform Chruščëvka in Moskau – wie schon die Kommunalka – ein eigenes Museum gewidmet.

Rundgang

Literatur

Meuser, Philipp, Die Ästhetik der Platte. Wohnungsbau in der Sowjetunion zwischen Stalin und Glasnost, Berlin 2015.

Meuser, Philipp/Zadorin, Dimitrij, Towards a Typology of Soviet Mass Housing. Prefabrication in der USSR 1955-1991, Berlin 2015.

Harris, Steven E., Communism on Tomorrow Street. Mass Housing and Everyday Life after Stalin, Washington/Baltimore 2012.

Martiny, Albrecht, Bauen und Wohnen in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Bauarbeiterschaft, Architektur und Wohnverhältnisse im sozialen Wandel, Berlin 1983.

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Frühjahr 16: Umbrüchig

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INTERVIEW: "Das hat mit Macht zu tun"

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Der Historiker Karl Schlögel spricht über das sozialistische Bauen: Wo es seinen Anfang nahm – und wie wir heute fast wieder im Zarismus angekommen sind.

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INTERVIEW: „Das hat mit Macht zu tun“

Karl Schlögel über das sowjetische Bauen

moderneREGIONAL: Wie würden Sie als Historiker die sowjetische Architektur periodisieren?

Karl Schlögel: Das sozialistische Bauen ist älter als die Sowjetunion. Schon lange vor 1917 wollte man eine dem arbeitenden Menschen angemessene Form finden. Auch im Zarenreich errichteten engagierte Industrielle Arbeiterkolonien im Stil der englischen Fabriksiedlung. Meist periodisiert man die sowjetische Architektur folgendermaßen: die Jahre des Konstruktivismus, die repräsentativen 1930er Jahre, dann die Abkehr vom „großen Stil“, schließlich die postsowjetische Zeit. Damit kann man arbeiten. Spannender sind aber die Elemente, die nicht ins Raster passen.

mR: Was passt nicht ins Raster?

KS: Nehmen wir die 1920er Jahre: Die konstruktivistischen Bauten waren Solitäre, die für die bauliche Bewältigung der neuen Gesellschaft eher Papierarchitektur waren. Man richtete sich zunächst in den alten Gebäuden ein, lebte in der Kommunalka. Für viele Arbeiter war schon ein Platz in einer Baracke ein enormer Aufstieg. In dieser Lebenswelt wurde natürlich nicht über Wohnformen diskutiert. Man sprach zwar auf Betriebsversammlungen über die Wohnungsfrage. Da ging es aber nicht um die Form, sondern um die Frage: „Krieg ich einen Platz?“ Einer der Hauptgründe für Denunziationen in den 1930er Jahren war die Wohnung! Wenn ein angeblicher „Volksfeind“ verschwand, wurde ein Platz frei.

mR: Hatte der Konstruktivismus dann überhaupt die Chance?

KS: Nein. Dafür fehlten die materielle Grundlage und die industrielle Basis. Erst in den 1930er Jahren wurde im großen Stil gebaut. Hier kamen dann die Vertreter der alten Schule zum Zug, nicht die Konstruktivisten. Dies hing mit einer allgemeinen Rückwärtsbewegung zusammen, die sich nicht nur im Bauen zeigte. Die Familie wurde rehabilitiert, bürgerliche Lebenswelten wieder aufgegriffen. Die monumentale Architektur sollte einer von Auflösung geprägten Gesellschaft wieder Halt geben. Dies gilt auch für die Nachkriegszeit: Die repräsentativen Bauten gingen völlig an den elementaren Bedürfnissen vorbei, denn der Krieg hatte die Wohnungsnot massiv verschärft. Diese Geste hat mit Macht zu tun, aber nicht nur. Sie sagt: „Wir liegen am Boden, unsere Städte sind verbrannt, aber nun bauen wir in großem Stil neu auf.“ Modern gesprochen: „Wir schaffen das.“ (lacht)

mR: Trifft die Kategorie „Stalinbarock“?

KS: Man sagt meistens, es gibt die Avantgarde und den Stalinbarock. Es gab aber auch eine Übergangsform, die sich vielerorts zeigte, aber im Schatten der Zuckerbäckerei verschwand. Dazu gehört beispielsweise das Haus an der Moskva von Boris Iofan. Die Avantgarde der 1920er wurde hier mit einer gemäßigten Klassik verknüpft. Diese Zwischenform, eine Art sowjetisches Art déco, kommt in der Forschung noch nicht ausreichend vor.

mR: Gab es 1956 eine Entstalinisierung der Architektur?

KS: Der Amtsantritt Chruščëvs war eine ästhetische und soziale Neuordnung im Wohnungsbau. Er bedeutete den Auszug eines großen Teils der Bevölkerung aus der Kommunalka und der Baracke. Zum ersten Mal hatten diese Menschen eine Wohnung für sich, eine private Behausung. Die Wohngebirge, die in dieser Zeit entstanden, sind für mich ein historisches Dokument dafür, dass die sowjetische Gesellschaft zur Ruhe gekommen war.

mR: Heute haben die Plattenbausiedlungen aus dieser Zeit einen denkbar schlechten Ruf, gelten als monoton und anonym. Damals war die Platte aber positiv besetzt?

KS: Allerdings. Und auch in Deutschland ist diese Diskussion noch nicht abgeschlossen. Das Buch von Philipp Meuser könnte ein Anstoß sein. Ich will nicht die Monotonie entschuldigen, die es ohne Zweifel gibt. Aber es gibt auch andere Seiten – dass Millionen Menschen endlich für sich einen privaten Raum hatten, kam einer Revolution gleich. Oder die Aneignung des öffentlichen Raumes durch die Bevölkerung. Momentan sehen wir eine Gegenbewegung des „Aufräumens“, gerade in Moskau. Die Frage ist, ob das Land 100 Jahre nach der ersten Enteignung wieder an einem Punkt angekommen ist, an dem es schon einmal war.

mR: Dann ist der Zarismus zurück?

KS: Es gibt Anzeichen dafür. Die plötzliche Rückkehr der Superreichen bedeutet einen ungeheuren Rückschritt. Auch das späte kaiserliche St. Petersburg kultivierte den Reichtum, aber so etwas wie heute war nicht möglich. Einmalig ist auch die Verwandlung von öffentlichen Räumen in „gated communities“. Ich war anfangs fasziniert von der Rückkehr des Urbanen in Moskau. Inzwischen sehe ich eine Welle der Zerstörung: Viele historische Bauten, auch aus dem 18. Jahrhundert, wurden ausgehöhlt und zu Banken oder Büros umfunktioniert. Eine ganze Stadt wurde entkernt. Hier hat auch die internationale Fachwelt geschlafen. Es ist ungeheuerlich, dass es kaum Proteste gegen den Abriss des Hotels Moskva, eines Klassikers von Alexej Šussev aus den 1930er Jahren, gab.

mR: Wie können wir richtig mit dem sowjetischen Kulturerbe umgehen?

KS: Das ist eine Frage der Machtverhältnisse und der Rechtskultur. Die ganze Finanzmacht der russischen Föderation konzentriert sich auf wenige Quadratmeter Moskaus. Dem müsste man einen rechtlichen Rahmen entgegensetzen, dem sich auch die finanzielle Macht fügt. Wichtig wäre auch eine Öffentlichkeit, die sich um diese Dinge kümmert. Es hat lange gedauert, bis in Zeitungen und Ausstellungen überhaupt wieder über Architektur diskutiert wurde. Bis sich die Menschen wieder mit ihrer Stadt befassten. Heute gibt es solche Bestrebungen, aber gegen den finanziellen Druck konnten sie bislang nichts ausrichten.

Das Gespräch führten Julius Reinsberg und Katharina Sebold (16/2).

Zur Person Karl Schlögel

Karl Schlögel, geboren 1948 in Hawangen im Allgäu, studierte in Berlin Philosophie, Soziologie, Osteuropäische Geschichte und Slawistik. Als Osteuropahistoriker und Publizist verfasste er maßgebliche Beiträge zur Geschichte der UdSSR, unter anderem die Monographie „Terror und Traum“ und den Band „Die Mitte liegt ostwärts“. 1990 wurde Schlögel als Professor an die Universität Konstanz berufen, von 1995 bis zu seiner Emeritierung 2013 wirkte er an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Seine jüngste Monographie „Entscheidung in Kiew“ setzt sich mit der modernen Ukraine auseinander.

Titelmotiv: Karl Schlögel (Bild: Julius Reinsberg)

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Frühjahr 16: Umbrüchig

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PORTRÄT: Papierarchitekten

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Kirsten Angermann entfaltet einen Baustil, der keiner sein wollte: Wie sowjetische Architekturstudenten auf internationalen Wettbewerben glänzten.

FOTOSTRECKE: 10 x Moskau entkernt

FOTOSTRECKE: 10 x Moskau entkernt

Vladimir Jarockij zeigt umgenutzte Zeitungshäuser, Fabrikhallen, Garagen und Messepavillons: Wie die Originalsubstand auf einmal „hip“ wurde.