Ernst Zinsser in Hannover

Hannover, Erweiterungsbau der H. W. Appel-Werke (1955-57) (Bild: Hartmut Möller)
Hannover, Erweiterungsbau der H. W. Appel-Werke (1955-57) (Bild: Hartmut Möller)

Der Architekt Ernst Zinsser brachte die Moderne nach Hannover. Dort baute er Landmarken wie das „Conti-Hochhaus“ und prägte als Professor die Studierenden der TU. Sein Schaffen bringt nun Hartmut Möller zur Geltung, mit einem umfassenden Katalog und einer Ausstellung. Der Ausstellungsmacher sieht sich dabei vor allem als Chronist Zinssers: „Mein Interesse und die damit verbundene Arbeit verstehe ich als Hommage an einen Planer, der das Stadtbild Hannovers entschieden geprägt hat.“

 

Für seinen Schwager Konrad Adenauer

Hamburg, Geschäftsbücherfabrik Edler + Krische (1952/52) (Bild: Hartmut Möller)
Hannover, Geschäftsbücherfabrik Edler + Krische (1952) (Bild: Hartmut Möller)

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg war der 1904 in Köln geborene Zinsser als Regierungsbaumeister und selbstständiger Architekt tätig. 1937 hatte er für seinen Schwager – keinen Geringeren als Konrad Adenauer – ein Haus in Rhöndorf gebaut. Später entwarf er Thingplätze und Industriegebäude. Abgesehen davon hielt sich Zinsser jedoch politisch zurück, sodass er nach Kriegsende in den Sachverständigen-Beirat zum Wiederaufbau Hannovers und 1947 auf einen Architektur-Lehrstuhl der TH Hannover berufen werden konnte.

In den 1950er Jahren gestaltete Zinsser als Architekt ebenso wie als Professor an der TU den Wiederaufbau der Stadt entscheidend mit und wurde dort zu einem Wegbereiter der Moderne. Dabei legte er großen Wert auf ausgewogene Proportionen und eine klare und ruhige Gestaltung mit glatten Flächen. In einem Portrait Zinssers von Jan Lubitz heißt es: „In seinen gebäudekundlichen Vorlesungen vermittelt er die Bemühungen, die vielseitigen funktionellen Forderungen moderner Bauten zu erfüllen und mit den gestalterischen Absichten in Einklang zu bringen.“

 

Der Durchbruch kam mit den Gummiwerken

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Hannover, Continental-Hochhaus (1953) (Bild: Hartmut Möller)

Der große Durchbruch gelang Zinsser 1953 mit der Zentralverwaltung der Continental-Gummiwerke, die er mit Werner Dierschke plante. Mit 15 Stockwerken war das „Conti-Hochhaus“ damals der höchste Neubau der jungen Bundesrepublik, heute wird es von der Universität Hannover genutzt. Schon 1954 wurden vier seiner Bauten als vorbildliche Leistungen des Wiederaufbaus mit dem Laves-Preis der Stadt Hannover ausgezeichnet und 1976 wurde auch Zinssers Gesamtwerk mit dem Architekturpreis des BDA Niedersachsen gewürdigt. Ernst Zinsser starb 1985 im Alter von 81 Jahren in Hannover.

Rückblickend ist wohl das wertvollste Gütezeichen, dass seine Bauwerke bis heute von ihren Nutzern geschätzt werden. Der neue Bildband zeigt alle Gebäude in ihrem aktuellen Zustand, zum größten Teil scheint es den Häusern blendend zu gehen. Hartmut Möller berichtet von seinen Recherchen: „Während des Prozesses habe ich Kontakte zu diversen derzeitigen Nutzern/Eigentümern geknüpft. Sie wissen durchaus um die Historie der Bauwerke und erkennen deren architektonische Qualität.“

 

Eine überfällige Würdigung

Hannover, Verwaltung der Kali-Chemie (1950/51) (Bild: Hartmut Möller)
Hannover, Verwaltung der Kali-Chemie (1950-51) (Bild: Hartmut Möller)

Die Fotografien von Hartmut Möller werden vom 20. Juni bis 22. Juli im Rahmen einer Ausstellung zur ArchitekturZeit 2016 im Schauraum des Büros k+a-Architekten (Postkamp 16, Hannover) zu sehen sein. Noch dazu stellt Möller einen Katalog zusammen, der das gesamte Werk Zinssers im Raum Hannover umfasst. mR durfte mit diesem Beitrag schon einen Blick auf ein paar Bilder des Begleitbands werfen. Wir freuen uns auf die Ausstellung im Juni! (ps, 27.5.16)