invisibilis – der Kirchenwiederfinder

Kann eine moderne Kirche unsichtbar werden? Wenn sie aus dem liturgischen Gebrauch genommen, in andere Nutzung gegeben oder gar abgerissen wird, dann gehen oft auch ihr Name und ihre Geschichte „verloren“. Daher will das mR-Projekt „invisibilis“ diese verborgene Kirchenlandschaft Stück für Stück virtuell sichtbar machen und zu ihrer Entdeckung einladen. Wir haben schon einmal angefangen – vielleicht (s. u.) wissen Sie auch etwas?

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Was bedeuten die Zeichen in der Karte?

geschlossen (entwidmet/profaniert/aus dem liturgischen Dienst genommen)

abgerissen

 umgenutzt (nach-/weitergenutzt/in neue, nicht-liturgische Nutzung gegeben)

abgegeben (in liturgischer Nutzung einer anderen Konfession/Religion)

diskutiert (Schließung bzw. Abriss erwogen oder festgelegt)

 Ort mit mehreren „Treffern“

Ihr Standort

Was finden Sie hier? Kurz gesagt: eine virtuelle Karte mit entwidmeten, umgenutzten, abgegebenen oder abgerissenen Kirchen der letzten rund 150 Jahre. Die Zeichen auf der Karte können angeklickt oder über den oberen Balken nach Kategorien und Umkreis geordnet, in Listen angezeigt und durchsucht werden. Sie können Ihren aktuellen Standort eingeben und sich eine Route zum ausgewählten Kirchenstandort anzeigen lassen. Zudem sammeln wir hier aktuelle Nachrichten zur Kirchbaumoderne aus dem Angebot von moderneREGIONAL.

Wie geht das hier weiter? Wir sind kein vollständiges abgeschlossenes Lexikon, sondern – ebenso wie die moderne Kirchenlandschaft – ein wachsendes, sich veränderndes Gebilde. (Wenn das hier gut läuft, könnte man auch über andere Baugattungen nachdenken.) Wir tragen in die virtuelle Karte nach und nach ein, was uns an Informationen begegnet – und sind (s. u.) sehr dankbar für jeden Hinweis, jede Information, die uns dabei weiterhelfen kann. Das ist für uns umso wichtiger, als wir dieses Projekt rein ehrenamtlich betreiben. Fortlaufend kommen also neue Karteneinträge und aktuelle Nachrichten zur Kirchbaumoderne hinzu. Es lohnt daher, immer mal wieder vorbeizuschauen!

Woher kommt der Projektname? Unser Dank geht an dieser Stelle an Kirchenvater Augustin (354-430). Er unterschied zwischen „ecclesia visibilis“ (sichtbare Kirche) und „ecclesia invisibilis“ (unsichtbare Kirche). Kurz gesagt: Kirche ist mehr als die Institution, mehr als das vordergründig Sichtbare. Wir finden, das passt auch für die moderne Kirchenlandschaft, die mehr ist als die Summe liturgisch genutzter Räume. Da sind die Ehemaligen, die Ruhenden, die Verlorenen, die anderweitig Engagierten, die vielleicht Zukünftigen …

Warum machen wir das? Weil nicht zu leugnen ist, dass sich die – vor allem moderne – Kirchenlandschaft im Umbruch befindet. Dafür werden viele Gründe genannt: weniger Geld, weniger Kirchenmitglieder, weniger Priester, sozialer Wandel in den ehemaligen Neubaugebieten, Sanierungsbedarf moderner Baustoffe, … Also werden viele (moderne) Kirchen aus ihrer angestammten Nutzung genommen. Manche von ihnen kommen in eine neue Nutzung, manche unter den Bagger. In der Regel hat man sich diese Entscheidung vor Ort nicht leicht gemacht, daher steht uns hier kein pauschales Urteil zu. Aber wir möchten, dass „weg ist weg“ für diese Kirchen nicht gilt. Jedes dieser modernen Baukunstwerke hat Spuren hinterlassen – im Straßenzug, in der Erinnerung und jetzt auch bei uns. Und beim Wiederfinden scheinbar verlorener Kirchen ist es manchmal gerade die neue Nutzung, die diesem Raum zu einem zweiten Leben verholfen hat und daher einen Besuch lohnt.

Wer ist wir? Das Team von moderneREGIONAL.

Sie wüssten da auch etwas? Dieses Projekt lebt davon, dass wir das Wissen von Vielen vernetzen. Daher: Wenn Sie eine (ehemalige) Kirche kennen, die auch auf diese Karte gehört, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, dann schreiben Sie uns: k.berkemann@moderne-regional.de (bitte keine Bilder, das sprengt sonst unseren Server).

Wo lohnt sonst noch ein Blick?

  • kirchbau.de: In einer Datenbank präsentiert der Architekt und Theologe Gunther Seibold fast 14.000 deutsche Kirchen in Wort und Bild.
  • kirchennutzung.wordpress.com: Die Kunsthistorikerin Maren Krause trägt Nutzungsbiographien von Kirchen zusammen.
  • kirchenschwinden.de: Ein Blog sammelt Informationen zu bedrohten oder bereits abgerissenen katholischen Kirchen.
  • Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V.: Der Verein informiert über Kirchen Otto Bartnings mit Daten zu ihrer Entstehung und heutigen Nutzung.
  • strasse-der-moderne.de: Das Deutsche Liturgische Institut präsentiert in lebendiger liturgischer Nutzung stehende Meisterwerke der deutschen Kirchbaumoderne.
  • wikipedia.de: Verschiedene Listen dokumentieren, nach Landeskirchen und Bistümern gegliedert, Kirchenschließungen und -abrisse.
  • Anders, Johanna, Neue Kirchen in der Diaspora. Eine Studie zu den Kirchenneubauten nach 1945 im nordhessischen Teil des Bistums Fulda, kassel university press, Kassel 2014 [zugl. Diss., Kassel, 2012]
  • Berkemann, Karin, Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945-76) (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland; Kulturdenkmäler in Hessen), Stuttgart 2013 [zugl. Diss., Neuendettelsau, 2012]
  • Bredenbeck, Martin, Die Zukunft von Sakralbauten im Rheinland (Bild – Raum – Feier 10), Regensburg 2015 [zugl. Diss., Bonn, 2012]

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