Hamburg-Lohbrügge, Studentenwohnheim (Bild: Minderbinder, CC BY SA 4.0, 2021)

Das Studentenwohnheim an der Billwiese muss gehen

1965 wurde der Grundstein für das Studentenwohnheim gelegt: für rund 200 Studierende, mit 15 Gruppenräumen – und mit einer Sauna. Der 1969/70 fertiggestellte Bau an der Billwiese wurde von der Johann-Carl-Müller-Stiftung mit Blick auf die benachbarte damalige Ingenieurschule (heute Hochschule für Angewandte Wissenschaften, HAW) konzipiert. Der Entwurf für den Sichtbetonbau stammt von den Architekten Heinz Graaf und Peter P. Schweger (Graaf, Schweger & Partner), beide gestalteten damals auch die benachbarte Hochschule. Graaf (1910-1980) hatte sich schon nach dem Krieg in Hamburg einen Namen gemacht, u. a. mit dem Busbahnhof Wandsbek Markt oder dem Wiederauf-/Neubau der Dreieinigkeitskirche in Hamburg St. Georg.

2021 wurde der geplante Abriss des Hamburger Studentenwohnheims laut, die dort noch Wohnenden erhielten ihre Kündigung. Als Grund wurde der Brandschutz angegeben. Gegenüber der Presse erklärte Peter Eck, Geschäftsführer der Stiftung, der Bau sei einfach “nicht mehr zeitgemäß”. Schon 2017 hatte man dem Bezirk das Areal als Neubaufläche gemeldet. Eher prophylaktisch, so die Begründung. Denn eigentlich habe man sanieren wollen, doch als Asbest ins Spiel gekommen sei, habe man das Unterfangen als nicht mehr zumutbar eingestuft. Erst 2019 hatte man den Betonbau des Studentenwohnheims samt der ihn umgebenden Freiflächen unter Denkmalschutz gestellt, u. a. wegen seiner sozialgeschichtlichen Bedeutung. 2021 lehnte die Stadt den Abrissantrag der Stiftung noch ab, um ihm zur Jahreswende dann doch stattzugeben. Auch die benachbarte Hochschule genießt Denkmalschutz. Nun argwöhnt die Presse, dass es auch diesem Bauwerk aus dem Büro Graaf-Schweger bald an den Kragen gehen könnte. (kb, 12.2.22)

Hamburg-Lohbrügge, Studentenwohnheim (Bild: Minderbinder, CC BY SA 4.0, 2021)