Annelise Kretschmer, Frau mit Hut, 1930 (Reproduktion: LWL-MKuK/Hanna Neander, © Nachlass Annelise Kretschmer, LWL-Museum für Kunst

Der Augenblick

Sie erinnern sich? Ausstellungen waren diese merkwürdigen Formate, wenn man sich analog an einen anderen Ort bewegte, um reale Objekte anzuschauen und vorher oder nachher mit einer Freundin darüber bei Kaffee und Kuchen klugzuscheißen. Einen lohnenden Anlass, sich neu in dieser Kunst zu üben, bietet sich ab dem 6. Mai 2022 im westfälischen Münster. Dort zeigt das LWL-Museum für Kunst und Kultur die Ausstellung “Der Augenblick”. Gezeigt werden ausgewählte Werke der Fotografin Annelise Kretschmer (1903–1987), deren Nachlass 2019 vom Museum erworben worden war: 2.600 Fotografien als Originalvergrößerungen aus rund 13.000 Negativen. Vor diesem Hintergrund lenkt der Ausstellungstitel “Der Augenblick” nun die Aufmerksamkeit auf Kretschmers große Stärke, die sie schon in der Zeit der Weimarer Republik bekannt gemacht hatte: das emotionale Porträt.

Rasch erarbeitete sich Kretschmer in den 1920er und 1930er Jahren einen Kund*innenstamm in Kunst und Wirtschaft. Doch als Ehefrau und vierfache Mutter griff sie ebenso in ihrer eigenen Familie immer wieder zur Kamera. Die Ausstellung zeigt gezielt sowohl berufliche als auch private Aufnahmen der Fotografin und bietet damit einen Einblick in den gesamten Schaffensprozess und das fotografische Umfeld. Neben den Personenporträts werden Modefotografien gezeigt, die den Typus der Neuen Frau feiern. Hinzu kommen sensible Stadt- und Reisebilder, in denen Kretschmer der Alltagsarchitektur und Lichtreflexionen ebenso viel Aufmerksamkeit schenkt wie den Gesichtern der von ihr einzeln oder in Gruppen porträtierten Menschen. Die Ausstellung wird in Münster bis zum 14. August 2022 zu sehen sein. (kb, 19.4.22)

Annelise Kretschmer, Frau mit Hut, 1930 (Reproduktion: LWL-MKuK/Hanna Neander, © Nachlass Annelise Kretschmer, LWL-Museum für Kunst

Annelise Kretschmer, Frau mit Hut, 1930 (Reproduktion: LWL-MKuK/Hanna Neander, © Nachlass Annelise Kretschmer, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster)