links: Luigi Colani, Rosenthal, Kanne aus der Service Drop, 1971, Sammlung POPDOM, rechts: Maurice Dufrène, La Maison Moderne Teekanne, um 1900, Bröhan-Museum Berlin (Bild: Colya Zucker)

Luigi Colani und der Jugendstil

Natur, Mensch, Design – unter diesen drei Schlagworten stellt das Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen (Böttcherstraße 6, 28195 Bremen) ein orangefarbenes Doppelwaschbecken neben einen Fin-de-Siècle-Blumenständer. Denn, so die These der Ausstellung “Luigi Colani und der Jugendstil”, die beide großen Marksteine des Designs im 20. Jahrhundert, teilen eine Grundhaltung: Sie übertrugen organisch geschwungene Formen aus der Natur auf Produkte für den Menschen. Gutes Design sollte erschwinglich werden und das Alltagsleben verbessern. Was Kunstbewegungen von der französischen Belle Epoque bis zum österreichischen Sezessionsstil vor dem Ersten Weltkrieg perfektionierten, hatte sich auch Luigi Colani auf die Fahnen geschrieben.

Der 1928 in Berlin geborene Designer war seit den 1970er Jahren, ob bewusst oder unbewusst, in den meisten deutschen Haushalte mit einem seiner Entwürfe vertreten. Der Formgestalter reüssierte zunächst mit seinen Flugzeugentwürfen, um seine Tätigkeit ab den 1970er Jahren auf alle Bereiche des Alltagslebens auszuweiten. Bekannt wurde der exaltierte Designer durch seine schnittigen, aerodynamischen, biomorphen Entwürfe. Viele dieser Visionen blieben unverwirklicht oder ungenutzt. Vieles war für die produzierenden Firmen, für den praktischen Gebrauch oder für den Geschmack der jeweiligen Zeit dann doch (noch) zu fremdartig. Colanis Alterswerk und erklärtes Vermächtnis an die Nachwelt, die in ihrem Aufbau am menschlichen Körper orientierte “Eco-City” auf einer chinesischen Insel, liegt unvollendet auf Eis. Luigi Colani verstarb 2019 in Karlsruhe im Alter von 91 Jahren. In Bremen kehren seine Entwürfe nun auf Zeit zurück zu seinen erklärten Vorbildern, den Formgestaltungen des Jugendstils – die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni 2022 in Bremen zu sehen. (kb, 18.4.22)

links: Luigi Colani, Rosenthal, Kanne aus der Service Drop, 1971, Sammlung POPDOM, rechts: Maurice Dufrène, La Maison Moderne Teekanne, um 1900, Bröhan-Museum Berlin (Bild: Colya Zucker)