Köln, Amerika-Haus/Fritz-Thyssen-Stiftung, Tagung des Rheinischen Vereins am 6. September 2018 (Bild: Anke van Heyl)

Ein Selfie für Frau Ministerin

Was für Rockkonzerte gut ist, kann für eine Bautagung nicht verkehrt sein – dachte sich der Rheinische Verein (für Denkmalpflege und Landschaftsschutz mitsamt seinem Arbeitskreis Nachkriegsmoderne) und griff zum Handy. Mit einem Selfie aller Teilnehmer antworteten die Veranstalter auf das Video-Grußwort von Ina Scharrenbach, der nordrhein-westfälischen Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Ähnlich popkulturell kam das Tagungsthema daher: „Tausendfüßler, Laubfrosch und andere Charakter-Monster“, die oft geschmähten und dann doch wieder mit Spitznamen geadelten Nachkriegsbauten. Deren Schicksal, Bedrohung und Erhaltung stand am 6. September 2018 im Kölner Sitz der Fritz-Thyssen-Stiftung im Mittelpunkt von – ganz klassisch – Vorträgen, Workshops und Treppenhausgesprächen.

 

Eine(r) vor vielen

Nach einführenden Begrüßungen sprachen Prof. Dr. Hiltrud Kier (Universität Bonn), Dr. Ulrich Krings (Rheinischer Verein) und Alexander Kleinschrodt M. A. (Werkstatt Baukultur Bonn) eindrücklich über ihren Kampf um die 1950er, 1960er und folgenden Architekturjahrzehnte. Fast ist man versucht, von Zeitzeugenberichten zu sprechen (ja, Herr Kleinschrodt, Jahrgang 1985, so schnell geht das). In einem zweiten Block referierte Merlin Bauer über das erfolgreiche Kölner Projekt „Liebe Deine Stadt“ und Dr. Arnold Bartetzky (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa, Leipzig) führte im eleganten Galopp durch die selbstbewussten Stadtplanungen der Ost- und Sowjetmoderne.

 

Viele miteinander

Dazwischen, so der Anspruch der Tagung, sollten möglichst viele möglichst viel miteinander ins Gespräch kommen. Da arbeiteten Workshops zu Inventarisation, Denkmalpolitik und Materialfragen der Nachkriegsmoderne, um die Erfahrungen der einzelnen Initiativen für alle anderen fruchtbar zu machen. Zuletzt diskutierten auf dem Podium, unter der Moderation von Tobias Flessenkemper, u. a. Oliver Elser (Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt), Anke von Heyl (Brutalismus im Rheinland, Köln), Dr. Jens Voß (Rheinische Post, Krefeld) und Prof. Dr. Matthias Müller (Rheinischer Verein, Mainz) über den aktuellen Balanceakt zwischen Abriss und Akzeptanz.

 

Jede mit jedem

Im Foyer und Treppenhaus des ehemaligen Amerika-Hauses (1955, Rolf H. Schickmann), selbst ein starker architektonischer Co-Referent der Tagung, waren die unterschiedlichsten Initiativen dazu eingeladen, sich in Info-Ständen vorzustellen: Architektur Forum Rheinland, BDA Köln, Brutalismus im Rheinland, City-Hof Hamburg, Denkmalverein Hamburg, Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege, Forum StadtBauKultur Bonn, haus der architektur köln, Initiative, , Kerbero, Initiative „perle sucht dame“ Köln, Labor Ebertplatz, moderneREGIONAL, ostmodern.org, Ruhrmoderne, urbanophil, Werkstatt Baukultur Bonn und Freunde des Mainzer Rathauses. Damit war der eigentliche Zweck dieses Moderne-Familientreffens voll erreicht: Leute, sprecht miteinander! (kb, 12.9.18)

 

Titelmotiv: Köln, Amerika-Haus/Fritz-Thyssen-Stiftung, Tagung des Rheinischen Vereins am 6. September 2018 (Bild: Anke van Heyl)