Hamburg, Postpyramide (Bild: Initiative "Filme aus Beton", Hamburg)

Filme aus Beton

Ein Film über Hamburgs Nachkriegsmoderne müsste eigentlich schnell zu machen sein – so viel steht ja nicht mehr. Doch weit gefehlt, denn als sich jüngst eine Studentengruppe der HafenCity Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften aufmachte, fand sie Stoff für immerhin acht Kurzfilme zu diesem Thema. Darin geht es ans Eingemachte: von der Diskussion um den Cityhof über den Abriss der Postpyramide bis hin zu der Bürostadt City-Nord, der Lenzsiedlung und dem Affenfelsen in Niendorf. Überall stießen die jungen Filmemacher auf widersprüchliche, in jedem Fall aber hochemotionale Reaktionen auf die Baukunst der Moderne.

 

Von Abriss bis Ästhetik

So massiv – auch in Hamburg – das Erbe der Nachkriegsjahrzehnte häufig daherkommt, so fragil ist aktuell ihr Erhalt. Obwohl die Nachkriegsarchitektur für einen noch ungebrochenen Optimismus, für die Hoffnung auf ein modernes Leben steht, sind viele dieser Bauten heute vergessen oder als hässlich gebrandmarkt. Allzuoft werden sie vernachlässigt, bis der Abriss unausweichlich scheint. Gerade in Hamburg drängt sich der Eindruck auf, dass vielerorts die Interessen der Denkmalpflege hinter denen der Wirtschaft zurückstehen müssen. Zugleich steigt das fachliche wie öffentliche Interesse an den Betonmonstern der 1960er und 1970er Jahre, auch in der Hansestadt.

 

SOS

In Hamburg bilden sich vermehrt Initiativen, die für den Erhalt einzelner nachkriegsmoderner Bauten kämpfen und zugleich einer Überteuerung des Wohnraums entgegenwirken wollen. Dieser Bewegung schlossen sich auch die Studierenden mit ihren Filmen bewusst an. Das Kurzfilmprogramm „Filme aus Beton. SOS Hamburger Nachkriegsmoderne“ möchte „zu einer Diskussion um den Erhalt der Nachkriegsmoderne auch außerhalb Hamburgs anregen“. Auf der Online-Plattform Vimeo wurde über fünf Wochen hinweg jede Woche ein Kurzfilm und präsentierten und auf das jeweilige Gebäude via Social Media hingewiesen. Ergänzt wurde die Aktion durch weitere Veranstaltungen, später gab es Screenings in der TU Dortmund, der Schaltzentrale und der Viktoria-Kaserne in Hamburg.

 

Beton zum Anschauen

Die nächste Möglichkeit, das Kurzfilmprogramm zu sehen, ist die Ausstellung „Filme aus Beton. Auf Röhre“ am 21. und 22. Juli im Kunsthaus Faktor in Hamburg. Oder die credit exhibit vom 25. bis 28. Oktober 2018 in der Affenfaustgalerie auf St. Pauli sowie der Architektursommer 2019. Außerdem wurde eine DVD mit Booklet veröffentlicht, die bei den jeweiligen Veranstaltungen bereitliegen wird. Online finden Sie die Aktion auf Vimeo, Instagram, Tumblr und Facebook. (kb, 17.7.18)

Titelmotiv: Hamburg, Postpyramide (Bild: Initiative „Filme aus Beton“, Hamburg)