Köln, Kurienhaus, Blick vom Roncalliplatz (Bild: © Raimond Spekking/via wikimedia commons)

Köln, Roncalliplatz und Kurienhaus

von Ralf Liptau

Köln, Kurienhaus, Blick vom Roncalliplatz (Bild: © Raimond Spekking/via wikimedia commons)
Köln, Kurienhaus vom Roncalliplatz (Bild: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via wikimedia commons))

Die südöstliche Ecke des Roncalliplatzes am Kölner Dom soll sich verändern: Der viergeschossige Backsteinkubus, der hier seit 1961 zwischen aufrecht nach oben strebenden Betonpfeilern schwebt und sich Kurienhaus nennt, soll nun fallen. Seit fünf Jahren wünschen sich das die Eigentümer, also das Domkapitel und das Erzbistum von Köln. Während sich die Landesdenkmalpflege schon 2012 mit einem Gutachten eindeutig dafür ausgesprochen hatte, den Bau von Willy Weyres und Bernhard Rotterdam unter Denkmalschutz zu stellen, hat die städtische Denkmalpflege gegen die Unterschutzstellung gestimmt. Gleich neben dem Kurienhaus soll auch der Verwaltungsbau des Römisch-Germanischen Museums (RGM) fallen, der 1967-1970 – noch vor dem eigentlichen Museumsbau – entstanden ist. Der 2016 vom Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln, der Stadt Köln, dem RGM Köln und dem Kölnischen Stadtmuseum durchgeführte Wettbewerb für einen Neubau, der die bisher getrennten Grundstücke zusammenfassen soll, ist inzwischen entschieden. Das Berliner Büro Staab Architekten will hier einen Baukomplex entwickeln. Darin würden das Kurienhaus der Hohen Domkirche mit Archiv und Bibliothek ihren Platz finden genauso wie das Kölnische Stadtmuseum und die Verwaltung des RGM.

 

Denkmalschutz für den Altbau

Köln, Römisch-Germanisches Museum (Bild: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))
Köln, Römisch-Germanisches Museum vom Roncalliplatz, links der Dom, rechts das Kurienhaus (Bild: © Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons))

Mit dem neuen Jahr kommt nochmal neue Bewegung in die Causa Kurienhaus/RGM-Verwaltung: Das Römisch-Germanischen Museum, das bis 1974 nach Plänen von Heinz Röcke und Klaus Renner entstanden ist, steht seit dem 29. November 2016 unter Denkmalschutz. Der zugehörige, aber jetzt akut gefährdete Verwaltungsbau, der als eigenständiger Baukörper südlich des Museums steht und mit diesem über eine Brücke verbunden ist, ist ausdrücklich Teil des Denkmals. Würden die Abrisspläne für Kurienhaus und RGM-Verwaltungsbau also verwirklicht, würden im Herzen der Kölner Innenstadt nicht nur zwei hochwertige Bauten aus den 1960er- und 70er-Jahren verschwinden. Es würde auch ein Baudenkmal teilweise vernichtet und entstellt, das gerade einmal seit zwei Monaten auf der Denkmalliste des Landes NRW steht. Die Stadt Köln, die im Neubau ihr Stadtmuseum einrichten will, würde dies auf Kosten eines von ihren eigenen Denkmalpflegern erst kürzlich unter Schutz gestellten Altbaus tun.

Denn auch wenn der Denkmalschutz für das Kurienhaus im Jahr 2012 – gegen das Votum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) – abgeschmettert worden ist: Hätte nicht der Denkmalschutz zumindest bei einer Neuplanung in so unmittelbarer Nähe zum Dom konsultiert und am Wettbewerb beteiligt werden müssen? Das ist offensichtlich nicht passiert, zumindest sind in der Auflistung der Preisrichter keine Denkmalschützer genannt. So haben scheinbar unabhängig voneinander die Denkmalpfleger der Stadt Köln und des LVR den Denkmalschutz für das Museum auf den Weg gebracht, während auf der anderen Seite die gleiche Stadt Köln gemeinsam mit der Kirche und den Museumsverwaltungen an Abriss und Neubau an gleicher Stelle gebastelt haben.

 

Mit unter Schutz: das Verwaltungsgebäude

Köln, Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums, Blick von Osten (Bild: © Raimond Spekking/via wikimedia commons)
Köln, Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums von Osten (Bild: © Raimond Spekking/CC BY SA 4.0 (via wikimedia commons))

Der Denkmalwert des Museums-Verwaltungsbaus ist spätestens seit der Eintragung vom vergangenen November unbestritten. In der Begründung für die Unterschutzstellung wird das Gesamtensemble des RGM als innovativer Museumsbau gewürdigt, der für die Kulturvermittlung im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts international Maßstäbe gesetzt habe. Darüber hinaus werden städtebauliche Gründe benannt. Gerade in Verbindung mit dem Verwaltungsbau bilde sich ein „architektonisches Gefüge, das sich durch Allansichtigkeit auszeichnet.“ Der Museumsbau ist also kein quadratischer Solitär, der beziehungslos irgendwo auf dem Roncalliplatz herumsteht. Gerade mit dem Verwaltungsbau und dem davor befindlichen Kurienhaus entsteht aus dem RGM überhaupt erst ein sinnhaltiges urbanes Gefüge.

Vor dem Hintergrund dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist jetzt eines unumgänglich: Der Wettbewerb, dessen Ergebnis bisher den Abriss des Verwaltungsbaus vorsieht, muss völlig neu aufgelegt werden. In die Planungen müssen spätestens jetzt Denkmalpfleger der Stadt und des Landschaftsverbands einbezogen werden. Und in diesem Zusammenhang ist auch über das Kurienhaus neu nachzudenken. Denn von dessen denkmalpflegerischem Wert ist zumindest die Landesdenkmalpflege weiterhin überzeugt. Landeskonservatorin Andrea Pufke erklärte noch nach dem Negativbescheid des Kölner Stadtkonservators, dass der Denkmalwert in ihren Augen durchaus bestehe. Sie halte das Gebäude „für ein anschauliches Zeugnis des Wiederaufbaus der Kölner Domumgebung nach dem Zweiten Weltkrieg in modernen, bewusst schlichten Formen“ und lobte die „Bescheidenheit ausstrahlende Bebauung der gesamten Domumgebung.“

 

Kurienhaus als „Schlüsselbauwerk“ der Domplatte

Köln, Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums, Blick vom "Am Hof" (Bild: © Raimond Spekking/via wikimedia commons)
Köln, Verwaltungsbau des Römisch-Germanischen Museums von Westen, links das Museum (Bild: © Raimond Spekking/CC BY SA 4.0 (via wikimedia commons))

LVR-Gutachter Godehard Hoffmann bescheinigte dem Kurienhaus 2013 gar die Rolle als „Schlüsselbauwerk in Bezug auf die erst später vollendete Domplatte.“ Die städtebaulich elegante Vermittlung zwischen der Straßenebene „Am Hof“ und der höher gelegenen Domplatte ist hierbei ein wesentlicher Aspekt. Ein anderer ist die Lösung, einen weitgehend geschlossenen Baukörper über einer zurückgesetzten, gläsern-aufgelösten Fassade auf Platzniveau schweben zu lassen. Das (schlimmstenfalls künftig amputierte) Denkmal Römisch-Germanisches Museum wird an dieser Stelle der Innenstadt weder architekturhistorisch noch städtebaulich lesbar sein, sollten Verwaltungs- und Kurienhaus wirklich fallen. Noch ist Zeit, genau das zu verhindern. (11.1.17)

 

Literatur und Quellen

Römisch-Germanisches Museum wird Baudenkmal – und pfeift aus dem letzten Loch, in: Kölnische Rundschau 10. Januar 2017

Maßstabsetzende Architektur. Römisch-Germanisches Museum soll Baudenkmal werden, auf: koeln.de 9. Januar 2017

Römisch-Germanisches Museum wird zum Baudenkmal, in: Aachener Zeitung 8. Januar 2017

Römisch-Germanisches Museum Köln, Denkmalgutachten (Denkmallistennummer 8795), November 2016

Hoffmann, Godehard, Köln – Das Kurienhaus und der Wiederaufbau der Domumgebung, in: Denkmalpflege im Rheinland 2013, 1, S. 4-13

Kurienhaus – kein Denkmal? Stadtkonservator kann Fachamt nicht überzeugen, hg. von der Pressestelle des LVR Rheinland 5. Juni 2013

Kurienhaus: LVR will nicht weiter streiten, in: Kölnische Rundschau 6. Juni 2013

Kurienhaus nicht unter Denkmalschutz, in: Kölnische Rundschau 16. Mai 2013

Abriss-Zoff am Kölner Dom. Konservator will Denkmalschutz fürs Kurienhaus, in: Express Köln 28. Dezember 2012

Streit um „Kurienhaus“ am Dom, in: Kölnische Rundschau 29. Dezember 2012