Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Innenaufnahme der Galerie (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Stilikone Collini-Center droht Teilabriss

Es scheint beschlossene Sache: das bis 1974 am südlichen Mannheimer Neckarufer errichtete Ensemble aus Büroturm und Galerie des Collini-Centers werden abgerissen. Bei dem Komplex handelt es sich um einen 32-geschossigen Turm mit 515 Wohneinheiten und einen 10-geschossigen Büroturm, die durch eine zweigeschossige „Galerie“ miteinander verbunden werden. Der Mannheimer Architekt Karl Schmucker entwarf ab 1971 das brutalistische Ensemble im Rahmen des städtebaulichen Konzepts der BUGA 1975. Zuvor hatten Stadt und der Bauherr Neue Heimat ab 1964 den Stadtteil „Vogelstang“ errichtet. Der Büroturm wurde von der Stadt Mannheim zur Einrichtung der technischen Ämter und weiterer Einrichtungen von der Neuen Heimat gemietet. 1984 kaufte die Stadt den Büroturm und die Galerie. Der Wohnturm ging in Privateigentum über, sodass bis heute Eigentümer:innen ihre Entscheidungen gemeinsam fällen (wie beispielsweise über die Sanierung des Foyers 2010 oder der Fassade des Wohnturms ab 2019). Die Galerie diente nicht nur als Erschließungskorridor zwischen den beiden hohen Bauten, sondern auch als belebter, quasi öffentlicher Raum: Hier befanden sich das Cinema Quadrat, ein Kiosk, Gastronomie und Geschäfte sowie ein in den 1980ern zu einer Therme umgebautes Schwimmbad. Die Galerie erlaubt eine Reise in die 19070er, die Geschäfte sind gewichen, die gelb-orange-rote Decke, die zeittypische Schriftart, die braunen Klinkerfliesen, die Hydrokulturen und der Kugellampenbaum sind geblieben. Und auch das Raumgefühl des sich zweigeschossig öffnenden Innenraums mit Treppenanlagen und dem indirekten Lichteinfall versprechen ein Eintauchen in die optimistische Zeit der 1970er.

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

2020 verkaufte die Stadt Mannheim Büroturm und Galerie an den Bauträger Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG aus Heidelberg. Jetzt steht der für Frühjahr 2022 projektierte Abriss und Neubau bevor. 2019 haben sich 85 Eigentümer:innen in dem Verein “Wir im Collini” zusammengeschlossen und auf eine Sanierung gedrängt. Im November 2021 stellte der Verein einen Eilantrag auf Denkmalschutz, der abschlägig behandelt wurde und initiierte eine Petition, die mehr als 840 Fürsprecher:innen hat. Bis 20. Januar konnten die letzten Einwände erhoben werden. Das Engagement führte zu einer regionalen Resonanz, jedoch leider nicht zu einer umfassenden Würdigung. So wird das die Stadtsilhouette prägende Ensemble in seiner originären Form wohl keinen Bestand haben. Der Büroturm und die Galerie sollen, entschieden durch einen Wettbewerb, vier neuen Bauten mit Mischnutzung (darunter 231 Wohneinheiten) weichen. Ob dieses Vorgehen eine Anbindung an die BUGA 2024 ermöglichen wird, bleibt zu hinterfragen. (Oliver Sukrow/Alexandra Vinzenz, 9.3.22)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Titelmotiv: Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Innenaufnahme der Galerie (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)