Ulm, Blautalcenter (Bild: kulturnetz-tuebingen.de)

Wohnungen statt Blautalcenter?

1997 erreichte die Ära der großen Einkaufsmalls auch Ulm. Mit dem Blautalcenter wurden für 74 Millionen Euro gut 700.000 Kubikmeter (Bruttorauminhalt) und rund 160.000 Quadratmeter (Bruttogrundfläche) auf das Areal der ehemaligen Magirius-Werke an der Blaubeurer Straße gestellt. Nach den Entwürfen des Düsseldorfer Büros Rhode Kellermann Wawrowsky gruppierte man entlang der rund 500 Meter langen überdachten Einkaufsstraße rund 100 Geschäfte, darunter eine üppig bemessene gastronomische Zone unter einem halbbogenförmig aufgefächerten Dach. Den Eingang markierte zeittypisch ein gläserner Zylinder mit aufgeständertem Flugdach. Auch die Materialien von ‘Wellblech’ bis Leimbinder rufen laut und vernehmlich später 1990er Jahre. Zu ihre Einweihung galt die Anlage als die größte Mall Baden-Württembergs.

Seit den 2010er Jahren kriselt es – über den Fluss hinweg entstand in Neu-Ulm das sehr ähnlich aufgestellte Glacis-Center. Nach ersten Leerständen in den Geschäftsräumen des Blautalcenters sanierte man die Anlage 2015 – erneuerte einige Bodenfliesen, fügte dem Entrée einen Eingangsbogen hinzu und bot mit einem Drachenschiff eine neue Attraktion für die jüngeren Besucher:innen. Doch als sich die Schieflage nicht beseitigen ließ, zuletzt lag der Leerstand bei 40 Prozent, wurden neue Konzepte diskutiert – von der Umwidmung der Flächen für Fitness- und Wellenessanbieter bis zum Umbau für Wohnzwecke. Nun wurde bekannt, dass das Blautalcenter Anfang des Monats für 38 Millionen Euro an die “Blautal Grundstücks GmbH” verkauft wurde. Die Stadt signalisiert, dass sie sich – trotz eines eigentlich eng gesteckten Bebauungsplans – offen zeigt für alternative Konzepte. Diese könnten vom Umbau bis zum Abriss und Neubau für Wohnzwecke reichen. (kb, 19.2.22)

Ulm, Blautalcenter (Bild: kulturnetz-tuebingen.de)